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Der Machtwechsel in Ostberlin. Von Ulbricht zu Honecker

Title: Der Machtwechsel in Ostberlin. Von Ulbricht zu Honecker

Seminar Paper , 2004 , 24 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: M.A. Stefan Waldheim (Author)

History of Germany - Postwar Period, Cold War
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Von Ulbricht zu Honecker: Schlicht ein Austausch des mächtigsten Mannes der DDR? Wohl kaum. Die Geschehnisse unmittelbar vor und nach dem Mai 1971 müssen betrachtet werden, sollen Gründe, Vorraussetzungen und Auswirkungen des Machtwechsels adäquat reflektiert werden. Eine solche Perspektive schließt die Analyse der politischen Ereignisse mit ein, welche dem Machtwechsel vorausgingen sowie die Betrachtung der Neuakzentuierungen im Zuge der teilweisen Revision Ulbricht’scher Politik zu Beginn der Ära Honecker. Der Mangel an Kontinuität in der Herrschaft der SED im Zeitraum von Mitte der 60er bis Anfang der 70er Jahre offenbarte den Bürgern vor dem Hintergrund sich verändernder wirtschaftlicher Prozesse, jugend- und kulturpolitischen Reformen und deren Überarbeitung sowie der stets im Wandel begriffenen deutsch-deutschen Beziehungen, inwiefern ostdeutsche Liberalisierungstendenzen ausgelebt und letztendlich seitens der politischen Führung doch beschränkt wurden. Dies charakterisiert das Leben in der DDR der 60er und 70er Jahre maßgeblich – trotzdem unterscheiden sich die Politiken der beiden einstigen Machthaber evident.

Im Mittelpunkt steht daher nicht nur die Frage nach dem Wie, sondern auch dem Warum des Machtwechsels. Gerade im Zuge der Beantwortung der Frage nach dem Warum sind die Politikbereiche näher zu betrachten, bei deren Gestaltung Ulbricht scheiterte. Dazu wurden diejenigen Gebiete ausgewählt, deren offensichtliche Defizite seine Gegner im Zuge der Entmachtung argumentativ bekräftigten. Im Innern beispielsweise das Scheitern der Wirtschaftsreformen der 60er und ihre Folgen. Dabei stellt sich die Frage, welche DDR Ulbricht seinem Nachfolger hinterlassen hat: Welche Maßnahmen ergriff Honecker, so dass es tatsächlich zu einer Zäsur in der Politik der SED nach dem Machtwechsel kam? Auch das Verhältnis der Machthabenden zur Bevölkerung spielt hier eine nicht unerhebliche Rolle. In diesem Zusammenhang soll fortwährend auch der Frage nachgegangen werden, inwiefern die Bürger der DDR in Folge Ulbricht’scher Innen- und Außenpolitik letztendlich den Amtsantritt Honeckers mit berechtigten Hoffnungen verbanden: Welche Veränderungen der Lebensverhältnisse durch eine Umgestaltung der SED-Politik wurden ermöglicht und in welcher Form gestaltete sich das deutschdeutsche Verhältnis nach dem Machtwechsel?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Vorbereitung des Machtwechsels – Das Verhältnis Ulbricht – Honecker

3. Im Vorfeld des Machtwechsels – die Politik Ulbrichts in den 60er Jahren im Innern und ihre Auswirkungen

3.1 Das wirtschaftspolitische Scheitern Ulbrichts

3.2 Das massive Versorgungsproblem im Winter 1969/70

3.3 Die neue Verfassung und das neue Strafgesetzbuch der DDR aus dem Jahr 1968 als Beispiele der Abgrenzungspolitik gegenüber der BRD

4. Die außenpolitische Situation um 1970 – Entspannung im Ost – West Konflikt nach dem Machtwechsel

5. Die Ära Honecker beginnt

5.1 Der 8. Parteitag der SED – Programmatische Grundlage der neuen Ära

5.2 Die Einleitung der „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“

5.3 Die liberalisierte Kultur- und Jugendpolitik Anfang der 70er Jahre

5.4 Das Verhältnis SED – KPdSU

6. Abschließende Betrachtung

7. Literatur

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe, Bedingungen und Auswirkungen des Machtwechsels von Walter Ulbricht zu Erich Honecker im Jahr 1971. Dabei wird analysiert, wie wirtschaftliche Defizite, eine zunehmende außenpolitische Isolation und ein zerrüttetes Verhältnis zur sowjetischen Führung zum Sturz Ulbrichts beitrugen und welche inhaltlichen Kurskorrekturen Honecker zu Beginn seiner Ära einleitete.

  • Analyse der Ursachen für die Entmachtung Walter Ulbrichts
  • Untersuchung des wirtschaftspolitischen Scheiterns der 1960er Jahre
  • Bewertung der innenpolitischen Abgrenzung gegenüber der Bundesrepublik
  • Betrachtung des gesellschaftlichen Wandels unter Honecker ("Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik")
  • Evaluierung der Auswirkungen des Machtwechsels auf das Verhältnis zur KPdSU

Auszug aus dem Buch

Die Vorbereitung des Machtwechsels – Das Verhältnis Ulbricht – Honecker

Den gesamten Prozess des Sturzes Ulbrichts betrachtend, ist der Beginn einer solchen Chronologie im Jahr 1958 unumgänglich. Im Juli des Jahres wurde Honecker zum Vollmitglied des Politbüros gewählt. In den Jahren bis 1971 „musste er noch häufig genug politischen Frondienst leisten, Selbstverleugnung und Heuchelei üben, Intrigen spinnen und Verbündete gegen seinen Herrn und Meister mobilisieren […]“ Honecker verstand es, das Vertrauen Ulbrichts zu gewinnen, ohne dass seine offene Loyalität der Wahrheit entsprach. Kritik am Ersten Sekretärs des ZK der SED wurde vom späteren Nachfolger beständig unterdrückt, eine Infragestellung der Richtigkeit seiner Politik ließ Honecker nicht zu – zumindest bis er später selbst den Sturz in die Wege zu leiten verhalf. Seine Drohungen gegen Kritiker auf dem 14. Plenum des ZK der SED verdeutlichen 1963 das Verhältnis zum Parteiführer. Seine eigene negative Beurteilung des so genannten Neuen Ökonomischen Systems der Planung und Leitung (NÖSPL/NÖS) wurde erst im Nachhinein deutlich. Nicht nur das NÖS stand im Mittelpunkt der Kritik. Auch das von Ulbricht auf dem 7. Parteitag verkündete so genannte Ökonomische System des Sozialismus (ÖSS), welches dem NÖS 1968 folgte. Honecker stellte in einer Betrachtung „Zur Korrektur der Wirtschaftspolitik auf der 14. Tagung des ZK der SED 1970“ die katastrophale ökonomische Lage DDR fest. Ebenso kam das Verhalten Ulbrichts in den Diskussionen im Politbüro, deren Sachlichkeit unter dessen Arroganz und Realitätsverlust litt, in diesem Zusammenhang zum Ausdruck. Trotzdem hatte Honecker den Politikstil des Ersten Sekretärs jahrelang widerstandslos hingenommen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung nach den Gründen und Auswirkungen des Machtwechsels zwischen Ulbricht und Honecker ein und erläutert die methodische Herangehensweise.

2. Die Vorbereitung des Machtwechsels – Das Verhältnis Ulbricht – Honecker: Dieses Kapitel beschreibt das langjährige, von Loyalität und späterem Machtkalkül geprägte Verhältnis zwischen Honecker und Ulbricht bis hin zur schrittweisen Entmachtung des Ersten Sekretärs.

3. Im Vorfeld des Machtwechsels – die Politik Ulbrichts in den 60er Jahren im Innern und ihre Auswirkungen: Der Autor analysiert hier das wirtschaftliche Scheitern der DDR, Versorgungskrisen sowie die repressive Abgrenzungspolitik der DDR-Führung gegenüber der BRD.

4. Die außenpolitische Situation um 1970 – Entspannung im Ost – West Konflikt nach dem Machtwechsel: Hier wird die schwierige außenpolitische Lage der DDR beleuchtet, die durch die Entspannungspolitik der Bundesrepublik unter Druck geriet.

5. Die Ära Honecker beginnt: Dieses Kapitel widmet sich dem Programm des neuen Parteichefs, insbesondere der „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ und den liberaleren Tendenzen in der Kulturpolitik zu Beginn der 70er Jahre.

6. Abschließende Betrachtung: Im Fazit wird bilanziert, dass der Machtwechsel zwar kurzfristig die Lebensbedingungen für die DDR-Bürger verbesserte, jedoch keine grundlegende Demokratisierung einleitete.

7. Literatur: Auflistung der verwendeten Quellen und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

DDR, Walter Ulbricht, Erich Honecker, Machtwechsel, SED, Politbüro, Wirtschaftspolitik, Sozialpolitik, Abgrenzungspolitik, KPdSU, Sozialismus, 1971, DDR-Geschichte, Entspannungspolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den historischen Prozess der Ablösung Walter Ulbrichts durch Erich Honecker als mächtigsten Mann der DDR im Jahr 1971 sowie die daraus resultierenden politischen Veränderungen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder umfassen das wirtschaftliche Scheitern der Ära Ulbricht, die außenpolitische Isolation der DDR gegenüber der BRD und den gesellschaftspolitischen Neuanfang unter Honecker.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Ziel ist es, die Motive für den Machtwechsel aufzuzeigen und zu untersuchen, ob die Ära Honecker tatsächlich eine Zäsur in der DDR-Politik darstellte oder ob strukturelle Defizite bestehen blieben.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Der Autor nutzt eine historisch-analytische Methode, indem er aktuelle politische Ereignisse der späten 1960er Jahre mit dem internen Machtgefüge der SED und dem Verhältnis zur sowjetischen Führung verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die politische Vorbereitung des Sturzes, die wirtschaftlichen Krisen, die außenpolitischen Spannungen durch die Bonner Ostpolitik und die darauffolgenden Reformen Honeckers.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind Machtwechsel, NÖS (Neues Ökonomisches System), SED, Honecker, Ulbricht, DDR-Wirtschaft, Sozialpolitik und das Verhältnis zur UdSSR.

Warum war das Verhältnis zwischen Ulbricht und der sowjetischen Führung Ende der 60er Jahre belastet?

Ulbrichts selbstgerechter Führungsstil und sein Beharren auf einer eigenständigen DDR-Politik, die teils den Vorgaben des Ostblocks widersprach, führten zu einem Vertrauensverlust bei Breschnew und der sowjetischen Staatsführung.

Welche Rolle spielte die "Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik" für Honeckers Legitimation?

Dieser Slogan diente Honecker dazu, die Unzufriedenheit der Bevölkerung durch materielle Verbesserungen zu dämpfen und eine höhere Leistungsbereitschaft der Arbeiter durch direkte Anreize zu fördern, wobei dies letztlich durch wachsende Schulden erkauft wurde.

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Details

Title
Der Machtwechsel in Ostberlin. Von Ulbricht zu Honecker
College
http://www.uni-jena.de/  (Historisches Institut)
Course
Zur Geschichte einer geschlossenen Gesellschaft. Die DDR 1961 - 1989.
Grade
2,0
Author
M.A. Stefan Waldheim (Author)
Publication Year
2004
Pages
24
Catalog Number
V25218
ISBN (eBook)
9783638279147
ISBN (Book)
9783638730310
Language
German
Tags
Machtwechsel Ostberlin Ulbricht Honecker Geschichte Gesellschaft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Stefan Waldheim (Author), 2004, Der Machtwechsel in Ostberlin. Von Ulbricht zu Honecker, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25218
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