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Kreativitätstechniken und ihre theoretische Fundierung

Title: Kreativitätstechniken und ihre theoretische Fundierung

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 31 Pages , Grade: 1.0

Autor:in: Axel Kannenberg (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
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Gibt es überhaupt ein philosophisches Problem, zu dem sich kein Gleichnis bei Platon findet? Für die hier vorliegende Arbeit muss die Antwort lauten: Nein. Das hier behandelte Problem ist Kreativität; wir wollen darunter, ohne große definitorische Ansprüche, das Finden von Ideen verstehen. Zwei Leitfragen führen uns das Problem vor: Wie kommt es zur Inspiration, dem sprichwörtlichen Moment der Kreativität, in dem uns plötzlich etwas einfällt, das uns so auch nach stundenlangem Grübeln nicht einfiel? Ist es möglich, diese Plötzlichkeit gewollt herbeizuführen?

Platons Gleichnis macht uns dies anschaulich. 1 Er lässt seinen Sokrates das Bild eines Taubenschlags formulieren, anhand dessen sich zwischen „besitzen“ und „haben“ ein Unterschied zeigt. Zwar „besitze“ ich alle Tauben innerhalb meines Taubenschlags, aber ich kann über die einzelne Taube nur verfügen, wenn ich sie in der Hand halte. Nur dann „habe“ ich die Taube auch, die ich schon „besitze“.

Der Taubenschlag symbolisiert unser Bewusstsein und die umherflatternden Tauben sind die Ideen darin. Und natürlich schließt sich die Frage an: Wie mache ich die Ideen aus meinem mentalen Taubenschlag verfügbar? Warte ich, bis sie mir in den Schoß flattern, oder gibt es Jagdtechniken, derer ich mich bedienen kann?

Solche Jagdtechniken gibt es und sie kommen dem modernen Bedürfnis nach Wettbewerbs-vorteilen entgegen: „Kreativität ist natürlich mehr als nur die zündende, die zukunftsweisende Idee. Wirtschaftsunternehmen müssen die Kreativität gewissermaßen institutionalisieren, in ritualisierten Prozessen auffangen, aus denen eine Vielzahl kleiner Verbesserungen und Verfeinerungen für Produkte und Dienstleistungen hervorgeht.“ 2

Excerpt


Gliederung

0. Präambel

1. Einleitung

2. Suspendierte Evaluation

2.1. Brainstorming

2.2. Brainwriting

2.3. Wie man sein Evaluationsvermögen suspendiert

2.4. Suspendierte Evaluation als erfüllte Leere

2.5. Erfüllte Leere im Brainstorming

2.6. Die Notwendigkeit der Evaluation

3. Kombinationen

3.1. Kombinationstechniken

3.1.1. Analogie und Bisoziation

3.1.2. Reizwortanalyse

3.1.3. Semantische Intuition

3.1.4. Morphologie

3.2. Arthur Koestlers Bisoziationstheorie

3.2.1. Formen der Bisoziation

3.3. Synektik

3.4. Eine weitergefasste Metapherntheorie

4. Visualität

4.1. Visuelle Techniken

4.1.1. Varianten bekannter Techniken

4.1.2. Mindmapping

4.2. Hemisphärenmodelle

4.2.1. Der Ansatz von Glenda und Joseph Bogen

4.2.2. Übertragung auf das Mindmapping

4.2.3. Vertiefung des Hemisphärenmodells

5. Fazit und Abschlussdiskussion

5.1. Summe

5.2. Ausblick

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretische Fundierung verschiedener Kreativitätstechniken. Ziel ist es, eine Brücke zwischen der praxisorientierten Ratgeberliteratur und wissenschaftlichen Erkenntnissen über kreative Prozesse zu schlagen, um ein tieferes Verständnis für die Mechanismen der Ideenfindung zu entwickeln.

  • Systematisierung von Kreativitätstechniken in drei Hauptkategorien: Suspendierte Evaluation, Kombinationstechniken und visuelle Methoden.
  • Analyse der Rolle von Intuition und unbewussten Prozessen bei der Generierung neuer Ideen.
  • Untersuchung der Bedeutung der Rhythmisierung zwischen kritischer Analyse und schöpferischen Pausen.
  • Diskussion der Anwendbarkeit dieser Techniken jenseits von Wirtschaftsinteressen, insbesondere im Hinblick auf philosophisches Denken.

Auszug aus dem Buch

2.4. Suspendierte Evaluation als erfüllte Leere

In Anton Ehrenzweigs Ansatz kreuzen sich Psychoanalyse und Gestaltpsychologie. Ehrenzweig greift von der Gestaltpsychologie formulierte Wahrnehmungstheorien auf. Diesen zufolge organisiert sich unsere Wahrnehmung über eine Differenzierung: Unterschieden wird zwischen einem relevanten Vordergrund, auf den sich die Aufmerksamkeit fokussiert, und einem Hintergrund, dem nur geringe Relevanz zukommt. Das scheinbar Zufällige wird zugunsten einiger Hauptmerkmale der Struktur herausgefiltert. Dieser differenzierten Form der Wahrnehmung setzt Ehrenzweig einen entdifferenzierten Wahrnehmungsmodus entgegen, den er anhand verschiedener Strömungen moderner Kunst gewinnt. Kennzeichen der Entdifferenzierung ist eine in die breite gehende Wahrnehmung, in der nicht ein Vordergrund fokussiert wird, sondern alle Details gleichwertig beachtet werden – als eine Totalität. Es werden also keine Unterscheidungen gemacht, alles ist simultan gegeben.

Diese beiden Wahrnehmungsmodi knüpfen sich für Ehrenzweig an die Bewusstseinschichten, die von der Psychoanalyse postuliert werden: Bewusst und Unterbewusst. Bewusstsein ist differenziert, es arbeitet nach genauen Regeln, realitätsbezogenen Prinzipien und Unterscheidungen; das Unterbewusste hingegen ist entdifferenziert. Das bedeutet, dass Entdifferenzierung, weil sie eben nicht nach den festen Unterscheidungen des Bewussten – z. B. dem Gegensatz oben/unten – operiert, auch nicht bewusstseinsfähig ist. Denn hier sind die rationalen Gesetze von Raum, Zeit und Logik ohne Gültigkeit, die Übergänge zwischen Konzepten sind fließend, Gegensätze fallen in eins. Dies ist für Bewusstsein nicht konzeptualisierbar.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Präambel: Einleitende Reflexion über die Natur der Kreativität und das Finden von Ideen anhand eines Zitats.

1. Einleitung: Hinführung zum Thema und Darlegung der zentralen Problemstellung der Arbeit sowie der geplanten methodischen Herangehensweise.

2. Suspendierte Evaluation: Erläuterung der Bedeutung der vorübergehenden Aufhebung kritischer Bewertung zur Förderung intuitiver Prozesse.

3. Kombinationen: Untersuchung von Techniken, die auf der Verknüpfung getrennter Wissensbereiche oder Strukturen basieren.

4. Visualität: Betrachtung visueller Methoden und Hemisphärenmodelle als Hilfsmittel zur Unterstützung des kreativen Prozesses.

5. Fazit und Abschlussdiskussion: Synthese der Ergebnisse und Reflexion über die Nutzbarkeit von Kreativitätstechniken in der Philosophie.

Schlüsselwörter

Kreativitätstechniken, Suspendierte Evaluation, Brainstorming, Bisoziation, Synektik, Metapherntheorie, Mindmapping, Gehirnhemisphären, Intuition, Unbewusstes, Problemlösung, Kreativer Prozess, Kombinationstechnik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht theoretische Hintergründe von Techniken, die dazu dienen, kreative Ideen systematisch zu generieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Schwerpunkte liegen auf dem bewussten und unbewussten Denken, der Rolle der Evaluation, der Kombination verschiedener Wissensbereiche und der visuellen Informationsverarbeitung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, eine Brücke zwischen der oft untertheoretisierten Ratgeberliteratur zur Kreativität und wissenschaftlichen Ansätzen aus Psychologie und Philosophie zu schlagen.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden zur Erklärung herangezogen?

Die Arbeit stützt sich primär auf psychoanalytische Ansätze, die Theorie der Bisoziation, die Metapherntheorie und neurophysiologische Hemisphärenmodelle.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in Techniken der suspendierten Evaluation, Kombinationstechniken und visuelle Methoden wie das Mindmapping.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Begriffe wie Kreativitätstechnik, Bisoziation, Suspendierte Evaluation, Intuition und Hemisphärenmodelle sind zentral für das Verständnis der Arbeit.

Warum ist die Unterscheidung zwischen „haben“ und „besitzen“ für Kreativität wichtig?

Sie dient als Gleichnis, um den Unterschied zwischen dem bloßen Vorhandensein von Ideen im Bewusstsein und deren bewusster Verfügbarkeit für den kreativen Prozess zu veranschaulichen.

Welchen Stellenwert nimmt die „erfüllte Leere“ bei Anton Ehrenzweig ein?

Sie beschreibt einen Zustand, in dem das Bewusstsein seine kritische Funktion aufhebt, um Platz für entdifferenzierte, unterbewusste kreative Impulse zu machen.

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Details

Title
Kreativitätstechniken und ihre theoretische Fundierung
College
Free University of Berlin  (Fachbereich Philosophie)
Course
HS: Theorien der Kreativität
Grade
1.0
Author
Axel Kannenberg (Author)
Publication Year
2003
Pages
31
Catalog Number
V25254
ISBN (eBook)
9783638279338
Language
German
Tags
Kreativitätstechniken Fundierung Theorien Kreativität
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Axel Kannenberg (Author), 2003, Kreativitätstechniken und ihre theoretische Fundierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25254
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