In westlichen Ländern sind die Menschen seit einigen Jahrzehnten in der Lage, aus einem noch nie dagewesenen und schier unerschöpflichen Lebensmittelsortiment auszuwählen. Die unbeschränkte Verwendung von Nahrungsfetten und die eingeschränkte körperliche Bewegung führen zu einem Konflikt mit den entwicklungsbiologischen Programmen und begünstigen bei entsprechend veranlagten Menschen ein übergewichtiges Erscheinungsbild mit den gesundheitlichen Risiken, die heute bekannt sind (vgl. Pudel, Ernährung, in: Psychotherapie der Eßstörungen, hrsg. von Reich und Cierpka, 1997, S. 25). Die mangelnde körperliche Bewegung wird besonders durch die soziale Entwicklung im Industriezeitalter von einer Arbeiter- in eine Dienstleistungsgesellschaft gefördert und führt zu Zivilisationskrankheiten. Schätzungen gingen 1997 davon aus, daß 30-50% der Wohnbevölkerung übergewichtig sind und damit Kosten in Höhe von 100 Milliarden DM im Gesundheitswesen verursacht werden (vgl. ,,Allgemeine Medizin", 1997; 73: S. 151). ,,Das deutsche Gesundheitsministerium beziffert die Folgekosten der Adipositas pro Jahr auf 30 Milliarden DM" (http://www.adipositas-brief.de/ausgaben/brief03/adi39702.htm).
Aufgrund dessen soll anhand dieser Arbeit dargestellt werden, weshalb gerade die Sporttherapie als ein Teil der kombinierten Therapie bei Adipositas (Fettsucht) eine immer größer werdende Rolle aufgrund ihrer Erfolge während und auch nach der Behandlung in unserer Gesellschaft spielen wird.
In Kapitel 3 werden das Krankheitsbild, die Ursachen, die Krankheitsformen und häufige Folgekrankheiten von Adipositas ausführlich dargestellt, da ihre Ausprägungen individuell sehr unterschiedlich sind und in engem Zusammenhang zur Therapieform stehen sollten. Neue Erkenntnisse der Forschung werden hier zusammengefaßt und sollten bestehende Vorurteile gegenüber Adipösen abbauen.
Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung
3. Adipositas
3.1 Definition
3.2 Die Krankheitsursachen von Adipositas
3.2.1 Psychische Faktoren
3.2.2 Genetische Faktoren
3.2.3 Soziale und familiäre Faktoren
3.3 Adipositasformen
3.4 Folgekrankheiten von Adipositas
3.5 Kombinationen zur Sporttherapie bei Adipositas
3.5.1 Formula-Diäten
3.5.2 Fettreduzierung und unbegrenzte Kohlenhydratzufuhr
3.5.3 Verhaltenstherapie
3.5.4 Körpertherapie
4. Sporttherapie
4.1 Definition
4.2 Allgemeine Verhaltensänderungen
4.3 Muskelstoffwechsel
4.4 Auswahl der Sporttherapieform
4. Zielsetzungen der Sporttherapie
5. Lebenslanger Sport
6. Schlußbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Sporttherapie als kausale und begleitende Interventionsmaßnahme bei der Behandlung von Adipositas. Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch sportliche Aktivität physiologische und psychische Faktoren positiv beeinflusst werden können, um eine langfristige Gewichtsreduktion und eine verbesserte Lebensqualität der Betroffenen zu erreichen.
- Multifaktorielle Ursachenanalyse der Adipositas (genetisch, psychisch, sozial).
- Kombination von Sporttherapie mit diätetischen und verhaltenstherapeutischen Ansätzen.
- Physiologische Grundlagen der Fettverbrennung und des Muskelstoffwechsels bei Belastung.
- Eignung verschiedener Sportarten (z.B. Ergometertraining, Schwimmen, Krafttraining) für Adipöse unter Berücksichtigung von Gelenkschonung und Akzeptanz.
- Stellenwert von Sport als ganzheitliches Therapieelement und Strategien zur Förderung langfristiger körperlicher Aktivität.
Auszug aus dem Buch
3.5.2 Fettreduzierung und unbegrenzte Kohlenhydratzufuhr
Durch den Austausch von normalfetten durch fettarme und/oder fettreduzierte Lebensmittel (Milch mit nur 1,5% Fett, Putenwurst) und freie Kohlenhydratzufuhr (Nudeln, Kartoffeln, Reis, Obst, Gemüse, Brotwaren) kann langfristig eine Gewichtsabnahme bis zu 1 kg/Monat erreicht werden, ohne zu hungern. Der Körper verbrennt vorhandene Kohlenhydrate schnell und greift danach auf die Nahrungsfette zur Energiegewinnung zurück. Wird weniger Nahrungsfett aufgenommen als für den Stoffwechsel benötigt, wird das Körperfett aus den vorhandenen Fettzellen verwertet, um vorhandene Energielücken des Stoffwechsels zu decken.
Die Kohlenhydratoxidation wird fortwährend an die Kohlenhydrataufnahme angepaßt (vgl. Elrott/Pudel, 1998, S. 44) und können somit frei verzerrt werden. Diese Ernährungsmöglichkeit leistet einem rigiden Eßverhalten, was mit hoher Wahrscheinlichkeit Magersucht oder Eß- und Brechsucht fördert, auf alle Fälle keinen Vorschub. Die Patienten können über Ge- anstatt Verbote ihr Eßverhalten ändern und sind während dieser Umstellung keinen künstlichen Verknappungen und akuten Hungergefühlen körperlicher Art ausgesetzt. Kohlenhydratreiche Lebensmittel gewährleisten durch ihre Energieform ein längeres Sättigungsgefühl. Adipositas entsteht u.a. dadurch, daß die empfohlene Nahrungsfettaufnahme über- und die Kohlenhydrataufnahme unterschritten wird.
Zusammenfassung der Kapitel
2. Einleitung: Darstellung der gesellschaftlichen Relevanz von Adipositas als Zivilisationskrankheit und Einführung in die Bedeutung der Sporttherapie als zentrales Behandlungselement.
3. Adipositas: Ausführliche Analyse des Krankheitsbildes, einschließlich Definition, Ursachen (psychisch, genetisch, sozial), Formen und Folgeerkrankungen, sowie Vorstellung kombinierbarer Therapieansätze.
4. Sporttherapie: Erläuterung der physiologischen Grundlagen der Sporttherapie und praktische Empfehlungen für geeignete Bewegungsformen zur Unterstützung der Gewichtsreduktion.
4. Zielsetzungen der Sporttherapie: Fokus auf die physiologische Verkleinerung der Fettzellen bei gleichzeitigem Muskelaufbau sowie die psychische Stärkung des Selbstwertgefühls durch Gruppenerlebnisse.
5. Lebenslanger Sport: Untersuchung der Problematik, warum sportliche Aktivitäten oft nicht in ein lebenslanges Verhaltensmuster integriert werden können, mit Fokus auf Schulsport und soziale Faktoren.
6. Schlußbetrachtung: Synthese der Ergebnisse, die eine Kombination aus Diät und Sport als effektivste Strategie hervorhebt und die Notwendigkeit einer frühzeitigen Prävention betont.
Schlüsselwörter
Adipositas, Sporttherapie, Gewichtsreduktion, Energiebilanz, Bewegungsarmut, Stoffwechsel, Fettverbrennung, Verhaltenstherapie, Prävention, Körperfettmessung, Lebensstiländerung, Ernährung, Gesundheitsförderung, Adipositasformen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die therapeutischen Möglichkeiten bei Adipositas, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Einsatz von Sporttherapie als kausale und begleitende Maßnahme liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen das Krankheitsbild Adipositas, die physiologischen Effekte von Bewegung auf den Stoffwechsel, psychologische Aspekte der Adipositas sowie die praktische Auswahl geeigneter Sportarten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es darzulegen, warum Sporttherapie bei der Behandlung von Adipositas eine entscheidende Rolle spielt und wie sie erfolgreich mit anderen Therapieformen kombiniert werden kann, um eine dauerhafte Gewichtsreduktion zu erreichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die Erkenntnisse aus der Psychologie, der Medizin und den Sportwissenschaften zusammenführt, ergänzt durch Internetveröffentlichungen zum Thema.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Ursachen und Formen von Adipositas, die Vorstellung ergänzender Therapien wie Diäten und Verhaltenstherapie sowie eine detaillierte Ausarbeitung zu sporttherapeutischen Ansätzen und Zielsetzungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Adipositas, Sporttherapie, Energiebilanz, Stoffwechsel, Lebensstiländerung und Prävention.
Warum wird das Konzept der "Fettreduzierung mit unbegrenzter Kohlenhydratzufuhr" diskutiert?
Dieses Konzept wird als Alternative zu restriktiven Diäten vorgestellt, da es die physiologische Oxidation von Kohlenhydraten nutzt und Sättigungsgefühle fördert, ohne den Patienten unnatürlichen Hungergefühlen oder Verboten auszusetzen.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Schulsports bei der Adipositasprävention?
Die Autorin kritisiert, dass der aktuelle Schulsport seinem Anspruch, Kinder zu einem lebenslangen Sporttreiben zu motivieren, oft nicht gerecht wird und für Adipöse aufgrund von Diskriminierungserfahrungen und Leistungsdruck mit negativen Assoziationen behaftet sein kann.
- Citation du texte
- Sandra Schmiedel (Auteur), 1998, Sporttherapie bei Adipositas, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2532