Wir möchten in unserer Arbeit die EU – Türkei – Beziehungen einmal Mittels dieser
Arbeit einmal von der „anderen“ Seite, der Türkischen aufführen. Nach der Verleihung des
Kandidatenstatus an die Türkei wurde das Thema in den europäischen Medien heftigst
diskutiert. Wann wird die Türkei Vollmitglied? Wird sie es überhaupt? Sollte oder darf sie?
Diese und andere Fragen beschäftigten europäischen, darunter auch deutsche Wissenschaftler
und Journalisten zutiefst. Man machte Prognosen, Analysen und stellte Vermutungen an. Wir
möchten aber wissen; was denken die türkischen Politiker, Wissenschaftler und Journalisten?
Wie gehen diese mit der neuen Situation um? Auch die konservativeren türkischen Kreise
sollen näher betrachtet werden. Diese sind in Europa gegenüber der Türkei als verschlossener
angesehen – wir werden sehen.
Nun, da der Kandidatenstatus erreicht, und eine Vollmitgliedschaft theoretisch nicht mehr
weit ist, wollen wir den geschichtlichen Hintergrund noch einmal beleuchten. Und zwar
Mittels einer türkischen Interpretation. Wie sehen die türkischen Forscher heute die
Entwicklung vom Assoziationsabkommen 1963 in Ankara bis heute? Was haben sie an der
Vergangenheit auszusetzen, wenn überhaupt?
Der Gipfel von Helsinki stellt eine Etappe in dieser Geschichtlichen Entwicklung dar. Die
Türkei ist nun offiziell, schwarz auf weiß Beitrittskandidat. Wie ist in dieser Beziehung die
Stimmung in der Türkei? Wie ist die Griechische Haltung von der Türkei aus betrachtet? Und
was ist mit dem Fall Öcalan nach dem Gipfel?
Als letztes sollten einige Pro’s und Contra’s bezüglich der Kandidatur aufgeführt werden.
Die Hauptbefürworter des Beitritts lassen sich in mehreren Bereichen finden. Die größten
Gruppen bilden Teile Medien und die Wirtschaft. Das der größte Teil der Medien in der Hand
der Wirtschaft sind, beschränken wir uns auf die Meinung der Wirtschaftsvertreter.
Stellvertretend für den Contra – Flügel führen wir v.a. einen Wissenschaftler, bzw. Professor
auf.
Wir hoffen mit unserer Arbeit einige offen stehende Fragen beantworten zu können. Vor
allem möchten wir einmal die „Gegenseite“ und ihre Argumente kennen lernen. Es ist
sicherlich sinnvoller als unwissend und minimal informiert aufeinander zu zuarbeiten oder es
zu versuchen.
Inhaltsverzeichnis
1. INHALT
2. EINLEITUNG
3. GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG
3.1. Vom Assoziationsvertrag von Ankara bis zum Antrag auf Vollmitgliedschaft (1987)
3.2. Von 1987 bis zum Luxemburger Gipfel 1997
3.3. Von Luxemburg nach Helsinki
4. DER GIPFEL IN HELSINKI (1999) UND SEINE FOLGEN
4.1. Die Entwicklungen vor dem Helsinki - Gipfel
4.2. Griechenlands Haltung
4.3. Der Helsinki – Gipfel
5. NACH DEM HELSINKI - GIPFEL
5.1. Die Akte Öcalan
5.2. Pro und Contra – innere Stimmen
5.2.1. Pro – die Wirtschaft
5.2.2. Contra
6. SCHLUSS
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Beziehungen zwischen der EU und der Türkei aus einer dezidiert türkischen Perspektive zu beleuchten, um die Argumente der "Gegenseite" besser zu verstehen und den geschichtlichen Hintergrund der Beitrittskandidatur sowie deren pro- und contra-Aspekte zu analysieren.
- Historische Aufarbeitung des Assoziationsabkommens von 1963 bis zum Gipfel in Helsinki.
- Analyse der türkischen Wahrnehmung der EU-Beitrittspolitik und des Zollunionsvertrags.
- Untersuchung der Rolle der "Akte Öcalan" im Kontext der Beitrittsbedingungen.
- Diskussion der internen türkischen Stimmen aus Wirtschaft und Wissenschaft zur EU-Kandidatur.
- Bewertung des türkischen Potenzials im Hinblick auf regionale Kooperationen in Zentralasien.
Auszug aus dem Buch
3.1. Vom Assoziationsvertrag von Ankara bis zum Antrag auf Vollmitgliedschaft (1987)
1963 wurde in Ankara zwischen der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Türkei unter der Präsidentschaft Ismet Inönüs der ein Assoziationsvertrag unterschrieben. Dieser weichte nicht erheblich von dem Assoziationsvertrag zwischen der EWG und Griechenland ab (Athener Verträge - 1961). Die Grundidee der Verträge von Ankara bestand darin, gemäß Art. 2 EWGV auf wirtschaftlichem Gebiet eine integrierte Ordnung herzustellen. Des weitern sollte die Freizügigkeit von Arbeitnehmern Mittels des Abkommens geregelt werden.
Die Besonderheiten der Verträge von Athen und Ankara leiteten sich aus dem Art. 238 der Römischen Verträgen ab, in dessen Rahmen sie angefertigt wurden. Denn im Gegensatz zu den Assoziationsabkommen gemäß Art. 113 der Römischen Verträge, welchen mit anderen Staaten unterzeichnet wurden, hatten die Verträge von Athen und Ankara eine Schrittweise Heranführung an eine Vollmitgliedschaft zum Ziel. Anfangs der 70er Jahre verzeichneten sich innerhalb der EWG zwei wichtige Entwicklungen; erstens der Aufbau einer Zollunion nach Außen (gegenüber Nicht – Mitgliedern) und wirtschaftlicher Freizügigkeit und eines gemeinsamen Markts innerhalb der Gemeinschaft, zweitens die Entwicklung einer gemeinsamen Landwirtschaftspolitik.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Die Arbeit führt in die türkische Sichtweise der EU-Beziehungen ein und thematisiert die Motivation, den geschichtlichen Hintergrund sowie die Erwartungen an den Beitrittsprozess.
GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG: Dieses Kapitel zeichnet die rechtliche und politische Entwicklung der Beziehungen von 1963 bis zum Helsinki-Gipfel nach, inklusive der Zollunion und der Rolle Griechenlands.
DER GIPFEL IN HELSINKI (1999) UND SEINE FOLGEN: Der Fokus liegt auf der diplomatischen Annäherung nach dem Erdbeben, der Haltung Griechenlands und der tatsächlichen Anerkennung der Türkei als Beitrittskandidat.
NACH DEM HELSINKI - GIPFEL: Hier werden die internen Reaktionen in der Türkei, die Diskussion um Abdullah Öcalan und die unterschiedlichen Stimmen aus der Wirtschaft und Wissenschaft analysiert.
SCHLUSS: Zusammenfassende Bewertung der EU-Beitrittsperspektive für die Türkei unter Berücksichtigung strategischer Alternativen und der Notwendigkeit eigenständiger Reformen.
Schlüsselwörter
EU-Türkei-Beziehungen, Vollmitgliedschaft, Zollunion, Helsinki-Gipfel, Assoziationsvertrag, Beitrittskandidatur, Öcalan, griechisches Veto, Wirtschaftshilfe, Kopenhagener Kriterien, türkische Außenpolitik, Demokratisierung, Reformen, Zentralasien, Geostrategie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den Beziehungen zwischen der Europäischen Union und der Türkei, wobei sie den Schwerpunkt bewusst auf die türkische Perspektive und deren Interpretation der historischen und politischen Ereignisse legt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Assoziationsverträge, die Auswirkungen der Zollunion, die politische Bedeutung des Helsinki-Gipfels sowie die innenpolitische Debatte innerhalb der Türkei über die Beitrittsbedingungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die einseitige europäische Sichtweise zu ergänzen, indem die türkische Interpretation der vergangenen Jahrzehnte dargelegt und die Argumente türkischer Akteure transparent gemacht werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse historischer Verträge, der Auswertung türkischer Berichte und Medienquellen sowie der kritischen Auseinandersetzung mit den Positionen türkischer Wirtschaftsvertreter und Wissenschaftler.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die chronologische Entwicklung der Beziehungen, die Analyse der Gipfeltreffen von Luxemburg und Helsinki sowie die Untersuchung der internen türkischen Meinungsbildung zu politischen und wirtschaftlichen Reformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die Zollunion, der Kandidatenstatus, die geopolitische Lage der Türkei sowie die Rolle des Menschenrechtsschutzes und der Kopenhagener Kriterien im Beitrittsprozess.
Warum war der Gipfel in Luxemburg laut der Arbeit ein taktischer Fehler?
Der Autor argumentiert, dass Brüssel in Luxemburg zu harsche kulturelle Vorbehalte äußerte und die Türkei durch die direkte Konfrontation mit Ausschlusskriterien unnötig vor den Kopf stieß, was zu einer temporären politischen Entfremdung führte.
Welche Alternative zur EU sieht Prof. Erkal für die Türkei?
Prof. Erkal vertritt die Ansicht, dass die Türkei ihr wirtschaftliches und politisches Potenzial verstärkt in den zentralasiatischen Türkstaaten suchen sollte, um ihre Verhandlungsposition gegenüber dem Westen langfristig zu stärken.
- Quote paper
- Baris Celik (Author), 2001, Die historische EU-Türkei-Beziehung aus türkischer Sicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25327