Eva Peróns positive Darstellung in Alan Pakers 'Evita'


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe


Inhalt:

1. Einleitung

2. Eva Perón, die Heldin

3. Struktur des Films

4. Darstellung von Evita im Film
4.1. Die Masse, die Evita unterstützt
4.2. Evita-Madonna

5. Zusammenfassung

Literatur

1. Einleitung

Die Mystifizierung Eva Peróns begann bereits während ihrer Lebenszeiten, wurde 1996, etwa vierzig Jahre nach Ihrem Tod, vom Regisseur Alan Parker in seinem Musical-Film "Evita" neu belebt. In dieser Arbeit gehe ich von geschichtlichen Tatsachen aus: um Evita (und auch um Juan Perón) wurde ein Personenkult aufgebaut, sie wurde in einer breiten Schicht der Bevölkerung als Heldin gefeiert und als heilig angesehen. Von diesen geschichtlichen Tatsachen ausgehend, untersuche ich Evitas positive Darstellung und Mystifizierung in dem Musical- Film "Evita"1.

Nach einen kurzen Überblick über die Struktur des Films welcher auch zu der untersuchten Frage beiträgt, werden folgende Lieder in Betracht gezogen: "A New Argentina", "Don´t Cry For Me Argentina", "Rainbow High", "Rainbow Tour" und "And The Money Kept Rolling In (And Out)". Die negative Darstellung und einige Kontraste zwischen den beiden Darstellungsarten werden zwar erwähnt aber aus Platzgründen nicht behandelt. Zum Schluß wird noch das Casting der Schauspieler angesprochen, und welche Auswirkung die Besetzung Evitas mit der Sängerin Madonna auf den Film hatte.

Um meine Aussagen zu unterstützen und diese Arbeit abzurunden, habe ich als Sekundärliteratur Fachbücher über die geschichtlichen Ereignisse der Zeit, und Bücher über Filmanalyse herangezogen. Desweiteren zitiere ich aus den Interviews der Schauspieler, die sich in den "Extras- The Making of Evita" der DVD "Evita" befinden. Grundlagen zur Filmgeschichte und Filmanalyse, inclusive Fachbegriffe, die ich unter anderem in dem Kurs EN20036: SECOND YEAR FILM STUDIES: AMERICAN CINEMA AND GENRE an der University College Cork im Wintersemester 2001 bei Dr. Gwenda Young erworben habe, sowie Grundkenntnisse über die Geschichte Argentiniens im zwanzigsten Jahrhundert werden vorausgesetzt. Die englischsprachigen Kursmaterialien aus diesem Seminar werden in dieser Arbeit auch verwendet und die englischsprachigen Fachbegriffe benutzt.

Es ist Fakt, daß in Filmen die wahren Ereignisse oft dramaturgisiert werden, dies ist bei "Evita" auch der Fall, der Film ist nicht immer "Geschichtlich korrekt", dies spielt in meiner Arbeit aber keine Rolle.

Der Text des Musicals stammt von Tim Rice, basiert auf dem Buch von María Flores, bei Zitaten werde ich aber Alan Parker als Quelle angeben, da der Film als eine Einheit angesehen wird.

Einträge, die nicht in der deutschen, englischen oder spanischen Sprache sind, wurden in den Fußnoten übersetzt.

2. Eva Perón, die Heldin

Es ist schwer zu sagen wer in Argentinien Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts den größeren Personenkult hatte, Perón oder Eva. Man könnte meinen, daß der Kult um Perón offizieller und der Kult um Evita (neben den Propaganda-Zweck) auch tiefere Gefühle in der argentinischen Bevölkerung geweckt haben. Solange Perón ein politisches Symbol verkörperte, entwickelte sich Evita zu einer Art spirituellem Symbol. Die Erkenntnis, welche die politischen Bedürfnisse dieser Zeit waren, ermöglichten es diesen Kult entstehen zu lassen. Evita erkannte sehr richtig u.A. das Problem der Frauen, die zu dieser Zeit noch kein Wahlrecht besaßen und sie machte sich sehr gut als die "lider feminino" an der Spitze des "Partido Peronista Feminino". Die "descamisados", so wurden in Argentinien die ärmeren Arbeiter genannt, sahen in Evita eine Art "gute Fee", die immer freundlich zu jedem ist, die sich trotz ihrer Position als First Lady unter das Volk mischt und sogar stolz darauf ist, daß sie aus dem Volk stammt. Die descamisados waren auch stolz auf ihre Evita. Als ob ein Märchen wahr geworden wäre: ein armes Mädchen, die den Prinzen heiratet. Ihr Schicksal gab auch den descamisados Hoffnung, die Hoffnung auf sozialen Aufstieg. "Ha lehet azt mondani, egyfajta `nöi Roobin Hood`-nak is tekintették, aki elveszi a pénzt a gazdagoktól, és kiosztja a szegényeknek"2 (Horváth 2000: 86).

1948 gründete Evita eine Stiftung mit dem Namen María Eva Duarte de Perón, die ab 1950 als Eva Perón Stiftung tätig war. Die Tätigkeit dieser Stiftung wuchs mit der Zeit. Am Anfang waren nur karitative Tätigkeiten zur Hilfe von Bedürftigen geplant aber später wurden Krankenhäuser und Schulen gebaut, Kinderheime finanziert. Die Stiftung ermöglichte es ärmeren Kindern die Schule zu besuchen, und viele Familien haben Wohnungen bekommen. Evitas Popularität wuchs auch von Tag zu Tag, sie achtete aber immer darauf, daß dieses "Beliebt-sein" den Zweck von Perón diente. Während ihrer karitativen Tätigkeiten betonte Sie stets, daß dies nicht eine alleinstehende Aktion ist, sondern ein Teil des Peronismus, es widerspiegelt den Willen des Volkes und die Gerechtigkeit. "Evita egyfajta összekötö kapocsnak tekintette magát a nép és Perón között"3 (Horváth 2000: 88). Evita sah sich aber selbst nicht als Feministin, sie wollte nicht in die Rolle von Männern schlüpfen und deren Aufgaben übernehmen. Laut Eva ist die wichtigste Rolle der Frau, daß sie eine Frau bleibt und die Erfüllung in der Weiblichkeit, bzw. in weiblichen Aufgaben findet. Diese wären die Familie, das zu Hause und die Rolle als Mutter.

Selbstverständlich gab es auch Gegner von Evita und Gegner des Peronismus, die behaupteten, daß sie Ihre Macht ausnutzt und Posten in der Regierung nach eigener Wahl mit "ihren" Personen besetzen lässt. Dies entspricht zum Teil auch der Wahrhe it, denn so wurden zum Beispiel Juan Bramugli abgesetzt und Raúl Mende und José Espejo hohe Positionen verschafft.

Fakt ist aber, daß in diesen Jahren ein wahrhafter Evita-Kult durch Argentinien fegte, welcher durch Evitas Charisma und ihrer karitativen Tä tigkeiten zwar erklärt werden kann, der aber durch die Propaganda noch weiter entfacht wurde. Zu jedem öffentlichen Auftritt verfolgten sie Scharen von Reportern, ihre Reden wurden im Radio übertragen, ihre Tätigkeiten wurden in den Kino-Nachrichten auch in den kleinsten Orten Argentiniens gezeigt.

Kultusza már odáig fajult, hogy volt olyan 1953-as ábécés könyv, amelyben az ábécé nem A-val, hanem E-vel (Evita) kezdödött, szimbolizálva, hogyöaz elsö, akinek a nevét minden kisgyereknek meg kell tanulni4 (Horváth 2000: 89).

Der Kongress gab Ihr den Titel "Jefa Espiritual de la Nación". Sie beteuerte zwar immer, daß sie nur ihrem Volk und Perón dienen würde, aber viele interpretierten mehr in ihre Arbeit und sahen in ihrer Tätigkeit eine Art Mission. Dies ging so weit, daß einige anfingen zu glauben sie wäre eine Heilige. Zuerst verbreiteten sich unter den descamisados die Gerüchte über Evitas angeblichen Heilkräften, später wurde mit Hilfe der Propaganda das Konzept der "madre pura" verbreitet, die eine Parallele zwischen Evita und der Heiligen Maria, Mutter Gottes zu ziehen versuchte. Evita bezeichnete sich selbst in Ihren Reden oft als die Mutter aller Argentinier und sie betonte auch oft die Wichtigkeit des Mutter-Daseins. "Az általában erösen vallásos nép tudatában hamar kialakult a marianismo, az a hit, hogy Evitának is hasonló az isteni küldetése Argentínában, mint Szüz Máriának a Földön"5 (Horváth 2000: 90). Der "Santa Evita" - Glauben erreichte solche Ausmaße, daß viele wollten, daß Evita kanonisiert wird, der Vatikan lehnte diese Bitte aber ab.6

Im Januar 1950 wurde Evita am Blinddarm operiert aber schon bald stand die Diagnose fest: sie hatte Krebs. Evita zeigte sich immer weniger in der Öffentlichkeit, es ging ihr immer schlechter, die Kandidatur für die Vizepräsidentschaft mußte sie ablehnen. Die Nachricht ihrer Krankheit sickerte zwar in die Öffentlichkeit aber das Volk wollte es einfach nicht glauben: die Selbsthypnose der Massen war stärker als die Realität. Als sie schließlich am 31. August 1951 im Radio ankündigte, daß sie ihre Entscheidung nicht zurückziehen wird, wurde im Volk gemunkelt sie seihe vom Militär gezwungen die Kandidatur für die Vizepräsidentschaft nicht anzunehmen.

Am 17. Oktober hat die todkranke, äußerst blasse Evita noch eine Rede gehalten in der sie die Feinde des Volkes beschimpfte. Es ist eine interessante Tatsache, daß während des Peronismus die Oligarchie als Oberbegriff für die Feinde des Volkes benutzt wurde. Es waren also nicht mehr nur die traditionellen Plangtagenbesitzer, sondern alle, die nicht für den Peronismus stimmten, sprich, die Feinde. Die genaue Bedeutung des Wortes "Oligarchie" änderte sich von Rede zu Rede stets davon abhängig, wer gerade als Feind angesehen wurde: z.B. die Kommunisten, die U.S.A usw. Wenn man offiziell keinen Zusammenhang zwischen Feind und Oligarchie finden konnte wurde betont, daß sich die beiden "im Hintergrund" verbündet hätten.

[...]


1 Im Folgenden nur "Film" oder "Musical" genannt.

2 Man könnte auch sagen, daß sie sie als eine Art weibliche "Robin Hood" angesehen haben, die das Geld von den Reichen wegnimmt, um es unter den Armen zu verteilen.

3 Evita sah sich selbst als eine Art Klammer, die das Volk und Perón verbindet.

4 Der Kult um ihre Person ging so weit, daß es im Jahre 1953 ein ABC-Buch gab, in welches das ABC nicht mit A sondern mit E (für Evita) beginnt. Dies symbolisierte, daß sie die Erste ist, dessen Namen die kleinen Kinder lernen müßen.

5 In dem Bewustsein des sehr religiösen Volkes bildete sich schon bald das sogenannte

marianismo, der Glaube, daß Evita eine ähnliche göttliche Mission in Argentinien hätte wie die Jungfrau Maria auf Erden.

6 Die Kriterien für die Heiligsprechung waren nicht erfüllt (Leiche, christlich vorbildliche Lebensführung, Wundertaten).

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Eva Peróns positive Darstellung in Alan Pakers 'Evita'
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Simón Bolívar, Emilio Zapata, 'Evita' - Heldenfiguren und Gründungsmythen in den Literaturen Lateinamerikas
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
19
Katalognummer
V25354
ISBN (eBook)
9783638280051
ISBN (Buch)
9783638781855
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Peróns, Darstellung, Alan, Pakers, Evita, Simón, Bolívar, Emilio, Zapata, Heldenfiguren, Gründungsmythen, Literaturen, Lateinamerikas
Arbeit zitieren
Renate Bagossy (Autor:in), 2003, Eva Peróns positive Darstellung in Alan Pakers 'Evita', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25354

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