ASP nach dem Hype - Entwicklung, Chancen, Risiken


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002
85 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Gliederung:

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entwicklung von ASP
2.1 Der ASP-Hype
2.2 Die Ernüchterung
2.3 Success-Stories

3 ASP - was ist das?
3.1 Klärung des Begriffes und Einordnung ins IT-Umfeld
3.1.1 Begriffsbestimmung
3.1.2 ASP versus Outsourcing
3.2 Technische Aspekte
3.2.1 Technische Infrastruktur eines ASProviders
3.2.2 Technische Komponenten einer ASP-Infrastruktur
3.3 Organisatorische Aspekte
3.3.1 Organisatorische Voraussetzungen und Grundlagen
3.3.2 Aufgaben des ASProviders
3.3.3 Das ASP-Preismodell
3.3.4 Anforderungen an einen ASProvider
3.4 Rechtliche Aspekte
3.4.1 Vertragstypologische Einordnung
3.4.2 Service Level Agreements
3.4.3 Haftung und Gewährleistung
3.4.4 Lizenz- und urheberrechtliche Aspekte
3.4.5 Datenschutz und Datensicherung
3.5 Vor- und Nachteile des ASP-Modells
3.5.1 Vor- und Nachteile gegenüber traditionellem Software-Bezug
3.5.2 Vor- und Nachteile aus Anwender- und Anbietersicht

4 ASP in der Zukunft
4.1 Allgemeine Anforderungen und Hemmfaktoren
4.2 Entwicklung des ASP-Marktes
4.2.1 Szenario 1 - Boom
4.2.2 Szenario 2 - Wachstum
4.2.3 Szenario 3 - Stagnation
4.2.4 Szenario 4 - Untergang

5 Fazit & Ausblick

Literaturverzeichnis

Anlage

Kurzzusammenfassung

Autoren: Sandra Schumann, Anja Zschau, Mathias Steinert

Diese Hauptseminararbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Application Service Providing (ASP) nach dem Hype - Entwicklung, Chancen, Risiken“.

In Kapitel 2 wird die Geschichte des ASP behandelt. Es wird erläutert, wie sich der Markt und die Marktprognosen entwickelt haben.

Im dritten Kapitel wird auf diese Entwicklung aufgebaut und der ASP-Ansatz näher abge- grenzt. Dabei wird besonderes auf die technischen, organisatorischen und die rechtlichen Aspekte eingegangen. Der Vergleich mit anderen Ansätzen, wie dem Outsourcing, wird diskutiert.

Das vierte Kapitel geht speziell auf die zukünftige Entwicklung von ASP ein und identifi- ziert Störfaktoren, die aus den Kapiteln zwei und drei abgeleitet werden. Abschließend werden ausführlich Lösungswege zu den aufgetretenen Problemstellungen aufgezeigt. Verschiedene Szenarien zur Umsatzentwicklung, die Beschreibung von Be- sonderheiten beim Produktlebenszyklus und bewertete aktuelle Einflüsse, bilden den Ab- schluss dieser Arbeit.

Literatur:

- Grohmann, W. (Hrsg.): ASP - Application Service Providing, Dt. Wirtschaftsdienst, Köln, 2002
- IM Die Fachzeitschrift für Information Management & Consulting 15 (2000) Sonder- ausgabe, Saarbrücken, 2000
- Marktstudie Application Service Providing: Dienstleistung auf den Punkt gebracht; In: http://www.asp-konsortium.de/de/download/132.pdf

Schlüsselwörter:

Application Service Provider, Outsourcing, Service Level Agreement, Software-Lizenz, Monitoring, ASP-Hype, E-Business, E-Commerce

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Phasen der IT-Entwicklung seit 1970

Abbildung 2: Das ASP-Modell im Überblick

Abbildung 3: Beispiel einer ASP-Lösung

Abbildung 4: Die technologische ASP-Wertschöpfungskette

Abbildung 5: Organisatorische u. betriebswirtschaftliche Aufgaben eines ASProviders

Abbildung 6: Kostenmodell bei einer Microsoft Exchange 2000 ASP-Lösung

Abbildung 7: Umsetzung der Lizenzmodelle auf das ASP-Preismodell

Abbildung 8: Die drei Stufen zur ASP-Rechnung

Abbildung 9: Vorteile von ASP aus Anwender- und Anbietersicht

Abbildung 10: Nachteile von ASP aus Anwender- und Anbietersicht

Abbildung 11: Der Produkt-Lebenszyklus

Abbildung 12: Szenarien für ASP

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Prognosen verschiedener Marktforscher

Tabelle 2: Unterschiede zw. ASP und Outsourcing

Tabelle 3: Vor- und Nachteile von ASP

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Nach der Ära der Terminals und Mainframes, bei der die Daten zentral gespeichert und alle Applikationen zentral ausgeführt wurden, leitete die Client/Server-Architektur ein neues Zeitalter ein. Der individuelle Arbeitsplatz wurde intelligenter und leistungsfähiger, und der Siegeszug der Personal Computer (PC) in die EDV begann.

Die Leistungsfähigkeit der Arbeitsplatzrechner ist heute kein großes Thema mehr. Die Frage ist vielmehr, wie die verteilten Daten einerseits gesichert und andererseits allgemein verfügbar gemacht werden können.

Mit der wachsenden Bedeutung des E-Commerce für die IT-Unternehmen steigen auch die Anforderungen an die zugrundeliegenden technischen Systeme. Aufgrund der kurzen Ent- wicklungszyklen von bis zu einem Jahr sind die Unternehmen gezwungen, regelmäßig in neue Lizenzen und Updates sowie in den ständigen Ausbau der Hardware zu investieren. Die Pflege der Systeme ist ebenfalls mit einem hohen Investitionsaufwand verbunden und wird durch den derzeitigen Mangel an Fachleuten zusätzlich erschwert. Laut verschiedenen Untersuchungen entstehen je nach Unternehmensgröße und Branche pro Arbeitsplatz jähr- liche Kosten in Höhe von 5.000 bis 9.000 Euro. Beachtlich sind auch die Verwaltungs- und Personalkosten, die bis um das Vierfache höher liegen können als die Anschaffungskosten für die Hard- und Software selbst. In der Folge entsteht eine unumgängliche Kostenspirale. Genau an dieser Stelle greift der Ansatz des Application Service Providing (ASP), der die Vorteile einer zentralen Verwaltung und individueller Rechenleistung vereinen soll.1

Das Technologie-Management für E-Business-Lösungen gehört im allgemeinen meist nicht zu den Kernkompetenzen der Unternehmen. Daher ist die Nachfrage nach Dienstleistern, die eine passende Infrastruktur anbieten, sehr groß. Eine Vielzahl von Studien sagt diesen Dienstleistern, den sog. Application Service Providern (ASProvider), eine erfolgreiche Zukunft voraus.

Die ASProvider übernehmen für ihre Kunden genau die Dienstleistungen, die diese erst selbst aufbauen müssten: Auswahl und Beschaffung geeigneter Applikationen, Wartung und Support sowie das Hosting auf geeigneter Hardware.

Kunden von ASProvidern sind (kleine und mittelständische) Unternehmen und größere organisatorische Einheiten, aber auch Konsumenten kommen in Frage.2

2 Entwicklung von ASP

In der Informations- und Kommunikationsbranche werden neue Trends und Technologien normalerweise in den USA geboren und gelangen erst nach einer Zeitverzögerung von mehreren Jahren nach Europa. Dabei sind die Technologien meist schon so ausgereift und in den USA weit verbreitet im Einsatz, dass sie in Europa nicht für einen „Hype“ oder „Boom“ sorgen können. Die Technologien werden einfach an die europäischen Gegeben- heiten angepasst und finden dann den Weg in die deutschen Märkte. Diese Entwicklung konnte z.B. bei der Einführung des Personal Computers oder der Einführung von Netz- werktechnologien beobachtet werden. Bei der Entwicklung des ASP-Marktes gingen die deutschen Anbieter jedoch einen Schritt voraus und versuchten einen Alleingang parallel zur Entwicklung in den Vereinigten Staaten.3

2.1 Der ASP-Hype

In zahlreichen Technologieabschätzungen und Prognosemodellen wurden in den USA seit 1998 ein dynamisches Marktwachstum und eine erfolgreiche Durchdringung des Marktes durch ASP-Angebote vorhergesagt. Die Experten waren sich einig, dass dieses Konzept das Potenzial dazu hat, die gesamte Softwarebranche zu verändern. Wie später4 noch näher erläutert wird, steckt hinter ASP ein völlig neues Softwarevertriebskonzept, bei dem die vom Unternehmen benötigte Software nicht mehr gekauft, sondern bei einem externen Dienstleister gemietet wird. Viele Experten sagten deshalb sogar ein Aussterben des tradi- tionellen Softwareverkaufs voraus.

Bereits im Jahr 1999, als der ASP-Hype in Amerika noch nicht einmal seinen Höhepunkt erreicht hatte, überlegten führende deutsche IT-Unternehmen, wie man ein ASP-Modell für den deutschen Markt entwickeln könnte.5

Im Mai 1999 schlossen sich 25 in diesem Geschäftssegment tätige Unternehmen zum ASP Industry Consortium zusammen. Ein Jahr später zeigte die Mitgliederliste des ASPKonsortiums fast 300 Eintragungen.6

Die Prognosen von Marktforschungsunternehmen im Jahr 1999 sorgten für eine Verklärung des ASP zur Zukunftstechnologie mit gigantischen Wachstumsraten. Deutschland sollte nach den USA der größte Wachstumsmarkt für ASP werden.

In den meisten Fällen basierten diese Voraussagen jedoch auf einer angebotslastigen und technologieorientierten Betrachtungsweise.7

Die Prognosen führten dazu, dass Ende 1999 bzw. Anfang des Jahres 2000 zahlreiche Un- ternehmen auf den deutschen ASP-Markt drängten. Dies waren einerseits junge, neu ge- gründete Unternehmen, die sich mit Risikokapital finanzierten, aber auch Ausgründungen aus bestehenden Unternehmen.8 Viele IT-Unternehmen wollten am Erfolg des Marktes teilhaben und ASP in ihr Produkt- und Service-Portfolio aufnehmen.9 Trotz dieses An- sturms auf den Markt hielten sich die meisten großen Unternehmen, die sog. „global play- ers“ vorerst zurück.

Viele ASProvider der ersten Stunde waren Visionäre mit hehren Zielen. In ihren fundierten Technologiekenntnissen sahen sie einen Vorsprung, der dafür sorgen sollte, dass die Kun- den von allein auf sie zukommen würden. Sie waren davon überzeugt, dass allein die Macht der Idee für genügend Nachfrage sorgen würde. Man setzte darauf, dass die Kunden von schön gestalteten Internetseiten angelockt werden und vernachlässigte dabei wesentli- che Punkte wie Kundenberatung, Marketing- und Vertriebsaktivitäten. Einzig die zur Ver- fügung stehenden Technologien bestimmten, welche Produkte auf den Markt kamen.10

1999 lagen die weltweiten Umsätze bei 10 Millionen Euro. Ab dem Jahr 2005 wurden Umsatzsteigerungen von 130 % vorausgesagt.11

Erste Studienüber den deutschen Markt Doch schon kurze Zeit später mussten die ASProvider feststellen, dass sich der Hype um die Idee des ASP nicht ohne weiteres auf das Marktwachstum auswirken würde. Eine ge- meinsame Studie von Forrester und Zona Research, die Anfang des Jahres 2000 veröffent- licht wurde, kam zu dem Ergebnis, dass ASP in Deutschland nur geringen Zuspruch findet. Laut dieser Studie nutzten nur etwa 5 % der deutschen Unternehmen das Angebot von ASP. Die Nutzung bei den amerikanischen Unternehmen wurde im Vergleich dazu mit 78 % angegeben. Man sah den Markt in Deutschland zwei Jahre hinter dem Markt in den USA, was unverständlich ist wenn man bedenkt, dass der deutsche ASP-Markt fast parallel zum amerikanischen Markt entstand.

Gründe dafür sahen einige Experten im sog. „kulturellen Unterschied“, den Traver GruenKennedy, Vorsitzender des internationalen ASP-Industrie-Konsortiums, wie folgt beschrieb: „Zwar behaupten amerikanische Firmen seit Anfang 1999, sie würden ASPDienste anbieten. Als wir dann nachgefragt haben, hieß es immer: "Wenn Sie etwas kaufen wollen, bauen wir es Ihnen." Drüben redet man erst und realisiert es dann, hier wird in der Regel zuerst entwickelt und danach vermarktet.“12

Trotz der geringen Nachfrage sahen viele der deutschen Befragten die Vorteile von ASP gegenüber dem Softwarelizenzkauf.13 Die meisten erhofften sich Zeit- und Kostenersparnisse. Die Studie von Forrester und Zona Research bescheinigte dem ASP zukünftig ein enormes Marktpotenzial.14

Der größte Nachteil der ASP-Idee war der geringe Bekanntheitsgrad. Der Großteil der potenziellen ASP-Nutzer konnte sich unter dem Begriff ASP nichts vorstellen. Das ist nicht ungewöhnlich bei einer erst kürzlich entstandenen Idee. Im Falle des ASP lag es aber eher an den ASProvidern. Diese hielten es nicht für nötig, das ASP-Modell ausreichend zu erläutern und Beispiele zu nennen, obwohl es ASProvider im traditionellen Sinn eigentlich schon seit mehreren Jahrzehnten gibt.

Ein Beispiel dafür ist die Genossenschaft DATEV. Die DATEV ist eine Selbsthilfeorgani- sation zur Buchführung per EDV und zählt ca. 40.000 Mitglieder (Steuerberater, Wirt- schaftsprüfer und Rechtsanwälte). Seit 1976 hat die DATEV ein eigenes Netz für Daten und seit kurzem ebenfalls für Sprache. Bis 1984 erfassten die Mitglieder steuerberatender Berufe die Daten ihrer Mandanten und ließen diese von der DATEV verwalten. Heute werden über dieses Netz indirekt überwiegend mittelständische Betriebe betreut. Auch die Mitglieder selbst können ihren Mandanten gegenüber als ASProvider auftreten.

Sogar Ärzte übertragen ihre Abrechnungen mit Privatpatienten seit Jahrzehnten auf regio- nale Abrechnungs-Rechenzentren, welche ebenfalls die Daten aus Urbelegen für sie erfas- sen.15

Solche Erfolgsgeschichten können, öffentlich bekannt gemacht, helfen schneller Vertrauen und Verständnis beim potenziellen Kunden aufzubauen und einige Kritikpunkte, wie die Datensicherheit, abzuschwächen.

Im März des Jahres 2000 formierte sich das deutsche ASP-Konsortium. Zu den Grün- dungsmitgliedern gehörten zahlreiche angesehene Firmen, wie z.B. Compaq, die Deutsche

Telekom, Hewlett-Packard, SAP und Sun. Das Ziel des Konsortiums sollte es sein, das ASP-Modell in Deutschland und Europa zu etablieren und zu fördern. Dies wollten die Firmen durch den Erfahrungsaustausch über neue technische Entwicklungen und Anwendungsbereiche sowie durch die Schaffung gemeinsamer technischer Standards erreichen. Über das Internet sollte allen Anwendern und Marktteilnehmern ein unabhängiges Informationsangebot und Meinungsforum geboten werden.16

Im Zuge der Überlegungen über Markttreiber und Markthemmnisse sah die Beratungsgesellschaft Giga Information Group in einem Report17 die Verfügbarkeitsgarantien als entscheidenden Wettbewerbsfaktor im ASP-Markt. Die Verfügbarkeit musste ihrer Ansicht nach über 99 % betragen, um das Vertrauen der Kunden zu erhalten und übermäßige Kosten durch Ausfälle zu vermeiden. Bis zum Frühjahr 2000 gab es laut Giga nur einen einzigen ASP in Europa, der mit einer 100 %-igen Verfügbarkeit warb. Außerdem sah man einen Markt für komplexe Systeme, wie ERP- oder CRM-Systeme, im kommen. Auch die Giga Information Group prognostizierte ein boomendes Wachstum. Bis zum Jahr 2002 sollte der weltweite ASP-Markt ein Volumen von rund 4,5 Milliarden Euro aufweisen, davon sollten eine Milliarde Euro auf Europa entfallen.18

Weitere Zahlen von Dataquest prognostizierten, dass der weltweite Umsatz im Jahr 2000 rund 3,2 Milliarden Euro betragen und bis zum Jahr 2003 auf 22,7 Milliarden Euro anwachsen würde. Für Deutschland wurden dabei Umsätze in Höhe von 300 Millionen Euro für das Jahr 2000 und 2,4 Milliarden Euro für das Jahr 2003 erwartet. Man sah Deutschland als größten Absatzmarkt nach den USA, da der Mittelstand in Deutschland einen großen Teil der Unternehmenslandschaft bildet und bis zu 70 % des Marktvolumens auf kleine und mittelständige Unternehmen (KMUs) zurückzuführen seien.19

Wieder andere Zahlen veröffentlichte die Gartner Group. Sie vermeldete für das Jahr 1999 einen Umsatz von 1 Milliarde Dollar und ging für das Jahr 2000 von einem Umsatz von ca. 3,6 Milliarden Dollar aus. Im Jahr 2004 sollten weltweit 25,3 Milliarden Dollar in ASP investiert werden. Neben diesen Prognosen wies die Gartner Group aber auch auf den größten Nachteil für die Anbieter hin, die hohen Startinvestitionen. Man ging davon aus, dass bis zum Ende des Jahres 2000 60 % der derzeitig am Markt vorhandenen Anbieter scheitern und im Jahre 2004 nur noch 4 % der heutigen Unternehmen existieren würden.20 Für das Jahr 2000 wurde die Zahl der ASProvider auf über 1000 geschätzt.21

Die relativ großen Unterschiede zwischen den Vorhersagen zeigen, dass die Marktforschungsunternehmen von unterschiedlichen Rahmenbedingungen ausgingen und noch kein Markt als einheitliche Berechnungsgrundlage vorhanden war. Dennoch sagten selbst die niedrigsten Erwartungen einen Absatzboom voraus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Prognosen verschiedener Marktforscher

Ein Studie von Ovum unterstrich noch einmal die führende Rolle des deutschen Marktes im europaweiten Vergleich. Fast 70 % der deutschen Unternehmen sollten gewillt sein, ASP-Lösungen innerhalb der nächsten 18 Monate einzusetzen.

Als Begründung nannten die Marktforscher bei Ovum, wie auch die Forscher von Dataquest, den stark vertretenen Mittelstand auf Anwenderseite, aber auch die Vielfalt an vertikalen Lösungen (Branchenlösungen). Durch diese Boomprognosen gab es trotz der aktuell geringen Nachfrage weiterhin ein hohe Umsatzerwartung.22

Ein weiterer Grund für diese gute Stimmung waren auch die Technologiebörsen, vor allem der Neue Markt. Viele ASProvider konnten von dieser Entwicklung profitieren, da sie als Startup-Unternehmen am Neuen Markt geführt wurden.

Die Technologiebörsen schossen in der ersten Hälfte des Jahres 2000 in ungeahnte Höhen und einer weiteren Expansion schien nichts im Wege zu stehen. Dass für ein erfolgreiches ASP-Geschäft umfangreiche Vorinvestitionen zu leisten sind, schien vor dem Hintergrund einer solchen Börsensituation keine Schwierigkeiten zu bereiten. So gab die Firma Einstei- gelesen am: 13.08.02 net an, eine dreistellige Millionensumme für den Auf- und Ausbau zweier Rechenzentren in Kempten und Hamburg investiert zu haben.

Die Anbieter waren weiterhin davon überzeugt, dass die Anwender, im Gegensatz zu Internet-Diensten, bereit seien würden für ASP-Dienste zu zahlen.23

Einfluss auf andere IT-Branchen

Neben den Unternehmen, die direkt in den ASP-Markt investierten, wurden auch andere Segmente des Informations- und Kommunikationsmarktes beeinflusst. Der ASP-Markt benötigt viele Zulieferer von Technologien24, die für den Betrieb von ASP-Lösungen notwendig sind. So hofften die Software-, Hardware- und Kommunikationsbranchen vom Absatz-Boom profitieren zu können.

In der Softwarebranche kam die Frage auf, wer denn in Zukunft noch Abnehmer von Software sein würde. Wenn ASP sich gemäß den Prognosen entwickeln würde, wäre es mittelfristig der einzige Weg der Softwarenutzung. Dies würde einen völlig neuen Ver- triebsweg eröffnen und der direkte Kontakt der Software-Anbieter zum Kunden wäre nicht mehr notwendig. Eine weitere Frage war die nach der „ASP-readyness“, der Eignung von Software für den ASP-Betrieb. Die Softwarehersteller überlegten, wie ein Softwareprodukt geschaffen sein müsste, damit es von einer Vielzahl von Nutzern und über große Entfer- nungen hinweg genutzt werden könne. Des Weiteren machten sie sich Gedanken über die Lizenzpolitik, denn es gab noch keine Verträge, die das Vermieten von Nutzungsrechten an Dritte berücksichtigten.25

Die Hardwarebranche rechnete mit enormen Umsätzen durch ASP, denn immerhin sind Investitionen in den Aufbau eines Rechenzentrums ein großer Teil der Startinvestitionen der ASProvider. Die Hardware-Anbieter mussten jedoch schnell feststellen, dass auch die Nachfrage-Seite Kenntnisse im Bereich der IT-Infrastrukturen besaß. Die ASProvider ent- puppten sich als gut informierte Kunden, die nicht so einfach durch technische Leistungs- werte der Hardware zu beeindrucken waren. Außerdem konnten die ASProvider die im- mensen Hardwarekosten nicht alleine tragen und forderten von den Hardwarelieferanten Finanzierungsmodelle, die bspw. Ratenzahlungen in Abhängigkeit vom Wachstum des ASP-Geschäfts vorschlagen. Somit mussten die Zukunftsprognosen der Hardware- Anbieter von hohen Umsätzen durch ASP schnell revidiert werden. Doch vor allem in der

Entwicklung neuer Endgeräte beschäftigte die Idee des ASP die Branche weiter. Im Zuge der ASP-Entwicklung würde es Sinn machen, teuere und wartungsintensive Arbeitsplatzrechner durch günstigere und pflegeleichtere Internet-Terminals oder Netzwerkcomputer zu ersetzen. Weiterhin setzte man stark auf die Entwicklung mobiler Endgeräte. Das neue Modewort der mobilen Revolution hieß Wireless ASP (WASP).

Die Telekommunikations-Anbieter gehören zu den wichtigsten Partnern der ASProvider, denn sie liefern den Internetzugang, der ASP überhaupt ermöglicht. Des Weiteren bieten sie viele zusätzliche Leistungen wie das Hosting von Applikationen in den eigenen Rechenzentren oder die Abrechnung der genutzten Applikationen und Dienste, dem Billing26. Neben der Partnerschaft mit Providern versuchten auch viele Tele-kommunikations- Anbieter eigene ASP-Modelle am Markt zu platzieren. Sie sahen ASP als Ausweg, um die gerade ersteigerten UMTS-Lizenzen refinanzieren zu können.

Überlegungen zum Thema ASP stellte man auch auf dem IT-Service-Markt an. Man stand vor der Wahl, entweder selbst ASProvider zu werden oder eine Dienstleistungspartnerschaft mit ASProvidern einzugehen. Für die erste Alternative fehlte es den ITDienstleistern an Kompetenzen zum Aufbau und Betrieb einer ASP-Lösung. Für die zweite Alternative war der Markt viel zu klein, so dass man keine ernstzunehmenden Beratungsumsätze erwarten konnte. Deshalb konzentrierten sich die Berater weiter auf ihr Kerngeschäft, ohne jedoch den ASP-Markt aus den Augen zu verlieren.27

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Unterstützung des ASP-Marktes

Bis zum Juni des Jahres 2000 wuchs die Mitgliederzahl des deutschen ASP-Konsortiums von den 28 Gründungsmitgliedern auf über 50 Mitglieder an, wobei der Anteil von jungen innovativen Unternehmen stetig stieg. Um essenzielle, den Erfolg von ASP beeinflussende Fragen zu klären, bildete man verschiedene Arbeitskreise. Diese Arbeitskreise beschäftigten sich mit der Sicherheit, den Service Level Agreements (SLAs)28, der Qualität der Angebote, dem Billing und Accounting, der Software-Entwicklung, dem Auf- und Ausbau des Verbandes sowie den Analysen über die Zukunft von ASP.29

Zur Mitte des Jahres 2000 veröffentlichte Meta Group eine Studie, die vier grundlegende Anwendungsmodelle für den ASP-Markt herausstellte:

- Messaging ASP (eMail, Unified Messaging, Office Suites)
- Business Process ASP (Gehalts- / Reisekostenabrechnung, Mitarbeiter Self Service, etc.)
- ERP / CRM ASP (weitestgehend standardisierte ERP / CRM-Anwendungen)
- E-Commerce ASP (Web Site Hosting, Shop-Systeme, Content Management, etc.)30

Eine Studie, die das ASP Industry Consortium von Zona durchführen ließ, ergab, dass der Großteil der ASP-Nutzer positive Erfahrungen gemacht hatte. So waren 90 % der 131 befragten Unternehmen mit den SLAs einverstanden und besonders die Antwortzeiten des Kundendienstes der ASProvider stellte die Anwender zufrieden. In der Datensicherheit sah man allerdings das größte Problem von ASP.31

Diese guten Noten für das ASP-Modell erzielten jedoch keine Wirkung, solange nicht ge- nug Unternehmen für das ASP-Modell interessiert werden konnten. Um dies zu erleichtern wurde vom ASP Industry Consortium ein Leitfaden erstellt, der die Informationsdefizite bei den Anwendern ausräumen und dem ASP somit neue Kundenkreise erschließen sollte. Der Leitfaden richtete sich vor allem an KMUs, die dort Mindestinformationen in den SLAs nachlesen konnten.32

Im Verlauf des Jahres wagten sich auch einige etablierte IT-Unternehmen, wenn auch meist nur in unterstützender Form, auf den Markt. So gründeten Microsoft und Siemens ein ASP Technologie-Forum. ASProvider sollten dort die Möglichkeit erhalten, ihre geplanten Modelllösungen zu entwickeln und zu testen. Außerdem konnten Sicherheits- und Verfügbarkeitsaspekte mit den Kunden diskutiert werden.33

IBM und Intel starteten eine ASP-Kooperation, die unabhängige Software-Verkäufer beim Vertrieb ihrer Produkte im ASP-Modus unterstützen sollte.34

Lotus und Sun erweiterten ihre Produktpalette und entwickelten Lotus Quickplace, Lotus Domino, Everyplace Quick Start und ein ASP Solution Pack für ASP-Kunden. Das Solution Pack umfasste Lotus Domino, Lotus Sametime und IBM WebSphere.35

Die Prognosen werden vorsichtiger

Im vierten Quartal des Jahres 2000 wurde eine neue Marktuntersuchung des Beratungshau- ses Mummert + Partner veröffentlicht. Man sagte zwar immer noch Umsätze von 1,5 Mil- liarden Dollar für das Jahr 2004 voraus, aber die Einschätzung der aktuellen Situation wur- de kritisch angegangen. Im Gegensatz zum amerikanischen Markt, der stabil wäre und sich in verschiedene Teilmärkte aufgeteilt habe, sah man bei den deutschen Unternehmen eine deutliche Zurückhaltung. Der europäische Markt schien noch nicht reif für den ASP- Boom. KMUs, die in den USA 70 % des Umsatzes ausmachten, warteten ab und setzen weiterhin auf die bereits installierten Softwarelösungen. Dies ließ sich darauf zurückfüh- ren, dass die Abhängigkeit vom Dienstleister die Kosten- und Einführungs-vorteile auf- wog. Man mied das Risiko, auf eigene EDV-Kompetenz zu verzichten, solange die Stabili- tät der Provider nicht gewährleistet werden konnte. Mummert + Partner sah eine Attrakti- vität des Modells für den gehobenen Mittelstand. Dennoch warteten die meisten Marktteil- nehmer ab, da die Provider es noch nicht schafften, das tiefgreifende Prozess-Know-how der Branchen mit den technischen Fertigkeiten zu verbinden. Mummert + Partner erwarte- ten den ASP-Boom nun erst am Ende des Jahres 2001 und rechneten damit, dass große Internet-Provider Gesamtlösungen anbieten und kleinere Unternehmen die Nischen bedie- nen würden.36

Weniger kritisch sah die Unternehmensberatung Frost & Sullivan die Entwicklung. Hier ging man davon aus, dass der ASP-Markt vom Boom des Internet profitieren würde. Man bestätigte die relativ geringe Nachfrage, fand aber heraus, dass allmählich immer mehr mittelständische Unternehmen dazu übergingen, Hosting und Management wichtiger An- wendungen an einen ASP zu vergeben. Angesichts des großen Einsparpotenzials und des

Mangels an IT-Fachkräften, sagte man eine Verstärkung des Trends voraus.37 Gegen Ende des Jahres 2000 wurde immer öfter auf etwas hingewiesen, was sich die po- tenziellen Anwender schon seit dem Anfang des ASP-Hypes wünschten: ASP darf kein Billigangebot aus der Software-Pipeline sein, sondern muss flexibel auf die Wünsche der Kunden eingehen und deren Geschäfte unterstützen. Nur Anbieter, die ihre Applikationen ASP-fähig machen und sie für Teamarbeit und Kooperation für Unternehmen, Kunden- und Lieferantenbeziehungen aufbauen, können sich am Markt etablieren.38

2.2 Die Ernüchterung

Gründe für das Stocken des Marktes

Mit dem Platzen der Internet-Blase Anfang des Jahres 2001 mussten auch ASProvider ihre Ziele neu stecken und das Jahr wurde zum Jahr der Ernüchterung. Anfang des Jahres ver- öffentlichten die Marktforscher von Berlecon Research eine Studie39, in der einige Proble- me des ASP Marktes herausgestellt wurden. Den deutschen Anbietern wurde allgemein ein zu sorgloser Umgang mit den Anforderungen des ASP-Geschäfts bescheinigt. Viele Un- ternehmen boten ASP-Dienstleistungen an, die unausgereift und intransparent waren, was die Vertrauensbildung auf Kundenseite erschwerte. Zwei Drittel der ASProvider Deutsch- lands betrieben ASP nur als Zusatzgeschäft und umfassende Dienstleistungspakete waren nur bei den wenigsten Anbietern zu finden. Berlecon riet den ASProvidern zügig Maß- nahmen zur Gewinnung des Kundenvertrauens zu ergreifen. Die besten Zukunftsaussichten sah man bei spezialisierten Lösungen, die auf die Bedürfnisse einer bestimmten Zielgruppe oder einer Branche zugeschnitten sind.40

Die Studie kritisierte außerdem, dass viele Unternehmen die Komplexität der ASPLösungen unterschätzten. Die Integration einer ASP-Lösung in eine bestehende Unternehmensinfrastruktur war erheblich aufwendiger als erwartet. Dies schreckte viele potenzielle Anwender ab, auch wenn ASP-Nutzer zugaben, dass das Einrichten neuer Anwender viel schneller und einfacher ginge als im Client-Server-Modell.41

Ein weiterer Vorwurf, der zur Entwicklung des ASP-Markt gemacht werden muss, war der Streit um die Begriffe und Definitionen. Die öffentlichen Diskussionen darüber, was ASP von Outsourcing unterscheidet oder ob der Begriff ASP an die Nutzung über das Internet gebunden ist, verwirrte den Großteil der Endkunden. Dies trug sicher zur zögerlichen Haltung der Endkunden bei, die erst einmal abwarteten um zu erfahren, was sie mit ASP eigentlich kaufen wollten.42

Auch die zögerliche Haltung der weltweit etablierten Unternehmen („global players“) trug zur schlechten Stimmung im Markt bei. In den Zeiten der Unsicherheit hätten die großen Unternehmen mit Engagement im ASP-Modell ein wichtiges Zeichen setzen können.43 Neben den Problemen auf dem ASP-Markt gab es auch allgemeine wirtschaftliche Hinder- nisse, die den ASP-Markt beeinflussten. Anfang 2001 kam es zu einem dramatischen Ver- fall der Technologiebörsen, von dem die meisten ASProvider stark betroffen waren, denn sie starteten 1999 größtenteils als Startup-Unternehmen. Im Jahr 2001 standen die ASPro- vider vor dem Problem, dass niemand mehr in sie investieren wollte. Des Weiteren drückte auch die schlechte Stimmung an den Weltmärkten auf die Stimmung am ASP-Markt. Viele Unternehmen stiegen aus dem Wettlauf um die neuesten E-Business-Technologien aus und schraubten ihre IT-Investitionen zurück, auch fehlten die Impulse aus den USA. Bereits im Jahr 2000 hörte man Gerüchte über Insolvenzen amerikanischer ASProvider, die nun zur Realität wurden. Der amerikanische Markt war alles andere als stabil und die Anbieter wa- ren zu sehr auf dem nationalen Markt beschäftigt um an internationale Expansionen zu denken.44

Ein weiterer Hemmfaktor war die Flaute am Telekommunikationsmarkt. Die deutschen Anbieter kämpften mit den Ausgaben für die UMTS-Lizenzen und auch große internatio- nal tätige Unternehmen der Branche mussten riesige Verluste melden. Deshalb war nicht damit zu rechnen, dass Unternehmen der Telekommunikationsbranche zusätzlich in ASP investieren würden.45

Ernüchternde Studien

Beeinflusst durch diese Faktoren wurde aus dem „Hype“ um ASP ein „Anti-Hype“. Die Giga Information Group stellte ernüchternd fest, dass keinesfalls zu erwarten sei, dass sich der ASP-Markt auch nur annähernd den Erwartungen der letzten Jahre gemäß entwickeln würde. Die Marktforscher sahen in dem Ausscheiden vieler Anbieter ein Scheitern des ursprünglichen Geschäftsmodells und räumten dem ASP-Modell keine Zukunftschancen mehr ein. Eine Erhebung der Giga Information Group ergab, dass im Jahr 2001 14 amerikanische ASP-Anbieter ihre Geschäftstätigkeit einstellten und von den börsen-notierten Unternehmen kein einziges die Gewinnzone erreichen konnte. Die Forscher gingen davon aus, dass sich die Situation für kleinere Anbieter nicht verbessern könnte, da nun zuneh- mend traditionelle Service-Unternehmen den Markt betreten und Anbieter in Schwierigkei- ten aufkaufen würden. Laut Giga Information Group herrschte eine Konsolidierungsphase in der die Unternehmen gewannen, die ihre Dienste ohne Serviceverlust am preiswertesten anbieten konnten. Das trieb die Endkunden zu etablierten und renommierten Anbietern, die zu deutlichen Preiskonzessionen bereit waren. Die größten Chancen sah Giga für Anbieter von Branchenlösungen.46

Eine Studie der Unternehmensberatung Frost & Sullivan, die unter ASP-Anwendern durchgeführt wurde, bescheinigte dem ASP-Modell gute Noten. Über die Hälfte der Nutzer war mit den Produkten und Anbietern zufrieden. Als Haupteinsatzgebiete der Auslagerung stellten sich Buchhaltung (19 %), Messaging (16 %) und E-Commerce-Aktivitäten heraus. Bei weiteren Umfragen unter potenziellen Nutzern war das ASP-Prinzip bei drei von vier Befragten bekannt, genutzt wurde es allerdings nur von 11 %. Die geäußerte Unzufrieden- heit bezog sich dabei weniger auf die ASP-Dienste, sondern eher auf die mangelnde Netz- werkleistung und auf Probleme bei der Netzwerkinfrastruktur. Von denjenigen Befragten, die derzeit noch kein ASP nutzten gab jedes vierte Unternehmen an, den Einstieg innerhalb der nächsten zwei Jahre geplant zu haben. Als Vorteile sahen die Anwender Kosteneinspa- rungen und den Ausgleich des Mangels an IT-Fachkräften. Bedenken hatten die Unter- nehmen bei der Sicherheit, der Leistungsfähigkeit der Anwendungen sowie dem angebote- nen Service und Support.47

Eine Studie von IDC, die ebenfalls unter ASP-Anwendern durchgeführt wurde, ergab, dass sich der Einsatz von ASP-Anwendungen durch einen kräftigen Return on Investment (ROI) lohne. Durchschnittlich könne im Verlauf von fünf Jahren ein Ertrag von 404 % verzeichnet werden. Nahezu die Hälfte der 54 befragten Unternehmen berichtete über realisierte Erfolge in den ersten sechs Monaten.48

Nach dem Hype

Die Ergebnisse dieser beiden Studien zeigten, dass das Thema ASP keinesfalls totgesagt werden dürfe, sondern trotz der unerfüllten Erwartungen große Zukunftschancen bestehen.

Im September des Jahres 2001 veröffentlichte Berlecon Research eine Studie49, die die Bedürfnisse der Kunden untersuchte. Darin wurden 649 deutsche Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern zu ihren Anforderungen in verschiedenen Anwendungsbereichen befragt. Bei der Befragung fand man heraus, dass acht von zehn IT-Entscheidern mit dem ASP-Konzept gar nicht oder nur wenig vertraut waren. Viele Kunden zweifelten noch an den Kostenvorteilen und gaben Sicherheitsrisiken zu bedenken, obwohl die ASP-Anbieter in der Zwischenzeit sehr hohe Sicherheitsstandards gewährleisten konnten. Dies machte deutlich, dass die ASP-Anbieter auch zukünftig eine umfangreiche Marktaufklärung durchführen müssen. Durch die Studie konnten auch Anwendungsfelder identifiziert werden, in denen ASP-Lösungen den meisten Erfolg versprachen:

- E- und M-Commerce
- E-Learning
- Knowledge Management

Die Eignung von ASP-Lösungen in diesen Bereichen wurde von über 50 % der Befragten als positiv bewertet. Außerdem waren die Bedenken der Anwender, die Kontrolle über Daten und Anwendungen in diesen Gebieten auszulagern, vergleichsweise gering. Die Marktbeobachtung zeigte auch, dass Großunternehmen leichter für ASP zu gewinnen wa- ren, obwohl das Konzept vor allem für kleine und mittelständische Firmen gedacht war. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass ASP-Lösungen viel besser waren als ihr Ruf. ASP- Anwender waren zufrieden mit den Lösungen, doch potenzielle Anwender ohne ASP- Erfahrung hatten noch viele Vorurteile.50

Gegen Ende des Jahres 2001 führte das deutsche ASP-Konsortium in Zusammenarbeit mit TechConsult zwei Befragungswellen unter deutschen Unternehmen durch, um ein ASP- Marktbarometer zu erstellen. Die Befragungen kamen zu dem Ergebnis, dass der Bekannt- heitsgrad von ASP beachtlich gestiegen war. 80 % der Unternehmen war das Konzept, teilweise nach Erklärung des Begriffes, bekannt. Hinsichtlich des Nutzungs- und Pla- nungsgrades konnte innerhalb der folgenden drei Jahre nahezu eine Verdopplung von 9 auf 18 % festgestellt werden. Dabei führte die Telekommunikationsbranche bei der Nutzung und Planung, das stärkste Wachstum war bei den Kredit- und Versicherungs-unternehmen zu verzeichnen.

Eingesetzte oder geplante Lösungen betrafen vor allem folgende Anwendungsfelder:

- Geschäftskritische Lösungen wie ERP- Datenbank- oder Dokumentenmanagement,
- Unkritische Office-Lösungen und einfache Buchhaltungslösungen,
- Kommunikationssoftware,
- Einfache E- / M-Commerce-Lösungen

Dagegen wurden komplexe SCM- und CRM-Lösungen nur bedingt als ASP-Lösungen akzeptiert. Gründe, die gegen einen ASP-Einsatz sprachen, waren die allgemeine Zufriedenheit mit den vorhandenen IT-Systemen sowie die Investitionszurückhaltung aufgrund erhöhter Ausgaben in den Jahren zuvor. Des Weiteren spielten als Ablehnungsgrund auch sicherheitsrelevante Aspekte eine Rolle.51

Zusammengefasst kamen die ASP-Marktbarometer zu dem Ergebnis, das trotz wirtschaft- licher Unsicherheit, einem schwachen konjunkturellen Umfeld und deutlichen IT- Einsparungen immer mehr Unternehmen den Einsatz von ASP planten. Auch eine Studie52 der Seven One Media GmbH bestätigte das zukünftige ASP-Wachstum und neue Zahlen von verschiedenen Marktforschungsunternehmen untermauerten diese Aussagen. So bezif- ferte IDC die Einnahmen im Jahr 2000 auf 986 Millionen Dollar (davon 93 Millionen Dol- lar in Westeuropa) und sagte bis zum Jahr 2005 eine Steigerung auf 24 Milliarden Dollar (davon 5,7 Milliarden Dollar in Westeuropa) voraus. Dataquest ging von einem europäi- schen Marktvolumen von 6 Milliarden Dollar im Jahr 2003 aus, Mummert + Partner rech- neten mit einem europäischen Gesamtmarkt von 1,5 Milliarden Dollar im Jahr 2004. Die Angaben der Marktforscher differenzierten zwar stark voneinander, doch alle waren sich einig, dass ASP weiterhin große Zukunftschancen besaß.53

Die dritte Befragungswelle für ein ASP-Marktbarometer, die Mitte des Jahres 2002 veröf- fentlicht wurde, erwartete eine Verdopplung der Nutzerzahlen bis zum Jahr 2004. Die Stu- die zeigte, dass das ASP-Modell trotz des hohen Bekanntheitsgrades bei IT- Verantwortlichen bei den Managern noch immer relativ unbekannt war. Nur 26 % hatten den Begriff bereits gehört und konnten ihn richtig einordnen. Außerdem konnten 31 % der Manager, die über Investitionen bestimmten, den Nutzen von ASP nicht definieren. Die Sicherheitsbedenken spielten als Ablehnungsgrund nur noch eine untergeordnete Rolle. Des Weiteren zeigte die Studie, dass vor allem Branchenlösungen und prozessoptimieren- de Anwendungen als ASP-Lösung erfolgreich waren. ERP- und SCM-Lösungen wurden zwar häufig angeboten aber relativ selten nachgefragt.54

Um von den Vorteilen zu überzeugen, wurde vermehrt darauf aufmerksam gemacht, dass der ASProvider Aufgaben übernimmt, welche ein Unternehmen selbst nur mit einem hohen Kosten- und Personalaufwand bewältigen könnte:

- Bereitstellung von Anwendungen
- Pflege und Updates
- Einrichtung von Benutzern und Kontrolle der Zugänge
- Bereitstellung von Speicherplatz
- Datensicherung
- Virenschutz und Schutz vor unbefugtem Zugriff
- Support und Unterstützung der Anwender55

Der ASProvider nahm zahlreiche Aufgaben wahr und war vielmehr ein IT-Dienstleister als ein Software-Bereitsteller. In der Entwicklung nach der Ernüchterung im Jahr 2001 wurde auch immer häufiger von den 2nd generation ASProvider gesprochen. Damit versuchte man sich von den teilweise unausgereiften ASP-Lösungen der Boom-Phase zu distanzieren und zu zeigen, dass die Branche dazugelernt hat und die Lösungen mittlerweile viel professioneller und kundennäher gestaltet sind.

Die Chancen für die ASProvider stehen nach wie vor gut, denn die Vorteile für die Unternehmen sind zu groß, um sie nicht zu nutzen. Die Zukunft von ASP hängt jedoch stark davon ab, wie die ASProvider es schaffen, Nichtwissen und Vorurteile bei den Kunden zu beseitigen und bestehende Probleme bei den ASP-Lösungen zu beseitigen.

2.3 Success-Stories

Zum Abschluß des Kapitels über die Geschichte von ASP werden nun noch einige Beispiele für bereits erfolgreich eingesetzte ASP-Lösungen vorgestellt.

Während viele potenzielle ASP-Anwender noch am Sinn von ASP-Lösungen zweifeln, gibt es schon Unternehmen, die ASP-Anwendungen für verschiedenste Zwecke einsetzen. Auf den Internetseiten des deutschen ASP-Konsortiums56 und des ASP-Marktplatzes57 werden zahlreiche eingesetzte Lösungen vorgestellt. Am stärksten sind die Anwendungsfelder CRM, Consulting und ERP aber auch branchenspezifische ASP-Lösungen, denen die besten Zukunftschancen vorhergesagt werden, vertreten.

Im folgenden werden einige Anwendungsbeispiele vorgestellt, die zeigen wie vielseitig ASP-Anwendungen einsetzbar sind.

Personalwirtschaft

Anwender dieser Fallstudie ist die Deutsche Welthungerhilfe e.V. (DWHH). Die DWHH bewältigt ihre Finanzbuchhaltung und das Controlling mit SAP/R3. Der Wunsch der DWHH war es, die Personalwirtschaft in die bestehende Systemlandschaft zu integrieren. Die DWHH ist ein gemeinnütziges Unternehmen und deshalb besonders gehalten, die Or- ganisationsstrukturen schlank, effektiv und wirtschaftlich zu gestalten. Man entschied sich für die ASP-Lösung „ASPersonal“ des Anbieters saardata. Diese Lö- sung basiert auf dem SAP/R3 Modul HR. Die Datenübernahme wird durch den Business- Configurator von saardata ermöglicht, die Menüstrukturen und Arbeitsabläufe sind voll- ständig anpassbar. Der Zugriff auf die Daten ist über einen handelsüblichen Browser mög- lich, der Zugang über eine VPN-Verbindung (Virtual Private Network) sorgt für Schutz gegen Manipulation und unberechtigten Zugriff. Durch die Implementierung dieser Lösung konnte die DWHH die Aufgaben in der Personalabteilung optimieren und die Kosten transparent machen.

Durch die Lösung „ASPersonal“ haben auch kleine Unternehmen die Möglichkeit, die Vorzüge von mySAP HR zu nutzen, um dadurch ihre täglichen Aufgaben effektiver und effizienter erfüllen zu können. Aufgrund des ASP-Ansatzes ist die Lösung vollständig skalierbar und lässt sich nahtlos in die vorhandene SAP-Landschaft integrieren.

[...]


1 Vgl. Matalla, T.: Optimale Internet-Infrastruktur für erfolgreiches Application Service Providing; In: IM Die Fachzeitschrift für Information Management & Consulting 15 (2000) Sonderausgabe, S. 60

2 Vgl. Kraemer, W.; Sprenger, P.: Content und Learning Service Providing - ASP aus inhaltlicher Sicht; In: IM Die Fachzeitschrift für Information Management & Consulting 15 (2000) Sonderausgabe, S. 36

3 Vgl. Grohmann, W. (Hrsg.): ASP - Application Service Providing: Software auf Mietbasis: Kosten sparen. Vorteile nutzen., Dt. Wirtschaftsdienst, Köln, 2002, S. 24

4 Vgl. Kapitel 3.3

5 Vgl. Grohmann, W. (Hrsg.): ASP, a.a.O., S. 25

6 http://www.wirtschaftsinformatik.de/wi_artikel.php?sid=453

7 Vgl. http://www.asp-konsortium.de/de/download/132.pdf; Gespeichert am: 13.08.02 als: marktstudie-asp.pdf

8 Vgl. Grohmann, W. (Hrsg.): ASP, a.a.O., S. 25

8 Vgl. http://www.berlecon.de/studien/asp2001; gelesen am: 13.08.02

10 Vgl. http://www.asptoyou.de/about.html; gelesen am: 13.08.02

11 Vgl. http://pbfb5www.uni-paderborn.de/www/WI/WI2/wi2_lit.nsf/0/4fa012c7246737e74125698100467 20a/$FILE/Seminararbeit_ASP1.PDF; Gespeichert am: 13.08.02 als: Seminararbeit-ASP1.pdf

12 http://www.computerwoche.de/index.cfm? pageid=254&artid=14335&type=detail; gelesen am: 13.08.02

13 Vgl. Kapitel 3.5

14 Vgl. http://www.ecin.de/news/2000/01/27/00982; gelesen am: 13.08.02

15 Vgl. http://www.urz.uni-heidelberg.de/Dokumentation/Benutzernachrichten/ BN004/#1024680; gelesen am: 13.08.02

16 Vgl. http://news.zdnet.de/story/0,,t101-s2051235,00.html; gelesen am: 13.08.02

17 „Calculating the Cost of One-Hour Outage of a Selling Web Site”

18 Vgl. http://www.golem.de/ 0004/7451.html; gelesen am: 13.08.02

19 Vgl. http://www.ecin.de/technik/asp; gelesen am: 13.08.02

20 Vgl. http://www.ecin.de/news/2000/08/10/00959; gelesen am 13.08.02

21 Vgl. http://www.urz.uni-heidelberg.de/Dokumentation/Benutzernachrichten/BN004/#1024680;

22 Vgl. Grohmann, W. (Hrsg.): ASP, a.a.O., S. 27

23 Vgl. Grohmann, W. (Hrsg.): ASP, a.a.O., S. 28

24 Vgl. Kapitel 3.2

25 Vgl. Kapitel 3.4

26 Vgl. Kapitel 3.3

27 Vgl. Grohmann, W. (Hrsg.): ASP, a.a.O., S. 29 ff.

28 Vgl. Kapitel 3.4

29 Vgl. http://www.groupware-online.de/texte/583.asp; gelesen am: 13.08.02

30 Vgl. http://www.groupware-online.de/texte/583.asp; gelesen am: 13.08.02

31 Vgl. http://www.ecin.de/news/2000/09/01/00358; gelesen am: 13.08.02

32 Vgl. http://www.ecin.de/news/2000/10/05/00643; gelesen am 02.09.2002

33 Vgl. http://news.zdnet.de/story/0,,t105-s2051845,00.html; gelesen am: 13.08.02

34 Vgl. http://news.zdnet.de/story/0,,t101-s2053966,00.html; gelesen am: 13.08.02

35 Vgl. http://www.groupware-online.de/texte/872.asp; gelesen am: 13.08.02

36 Vgl. http://www.mummert.de/deutsch/press/a_press_info/001010.html; gelesen am: 13.08.02

37 Vgl. http://www.golem.de/0012/11305.html; gelesen am: 13.08.02

38 Vgl. http://www.groupware-online.de/texte/893.asp; gelesen am: 13.08.02

39 „ASP Das IT-Konzept der Zukunft ?“

40 Vgl. http://www.ecin.de/news/2001/01/18/01427; gelesen am: 13.08.02

41 Vgl. Grohmann, W. (Hrsg.): ASP, a.a.O., S. 34

42 Vgl. Grohmann, W. (Hrsg.): ASP, a.a.O., S. 34

43 Vgl. Grohmann, W. (Hrsg.): ASP, a.a.O., S. 35

44 Vgl. Grohmann, W. (Hrsg.): ASP, a.a.O., S. 36

45 Vgl. Grohmann, W. (Hrsg.): ASP, a.a.O., S. 36

46 Vgl. http://www.ecin.de/news/2001/08/22/03021; gelesen am: 13.08.02

47 Vgl. http://www.ecin.de/news/2001/10/25/03410; gelesen am: 13.08.02

48 Vgl. http://www.ecin.de/news/2001/10/04/03292; gelesen am: 13.08.02

49 „ASP 2001: Was wollen die Nutzer?“

50 Vgl. http://www.golem.de/0206/20309.html; gelesen am: 13.08.02

51 Vgl. http://www.asp-konsortium.de/de/download/131.pdf; gelesen am: 13.08.02

52 „ASP - Dienstleistung auf den Punkt gebracht“

53 Vgl. http://www.ecin.de/spotlight/2002/01/23/03800; gelesen am: 13.08.02

54 Vgl. http://www.ecin.de/news/2002/06/07/04374; gelesen am: 13.08.02

55 Vgl. http://www.golem.de/0206/20309.html; gelesen am: 13.08.02

56 http://www.asp-konsortium.de

57 http://www.aspmarkt.net

Ende der Leseprobe aus 85 Seiten

Details

Titel
ASP nach dem Hype - Entwicklung, Chancen, Risiken
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Wirtschaftsinformatik)
Veranstaltung
Vorlesung Anwendungssysteme
Note
2,0
Autoren
Jahr
2002
Seiten
85
Katalognummer
V25402
ISBN (eBook)
9783638280389
Dateigröße
1888 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Hausarbeit (65 Seiten) + Vortragsunterlagen (20 Folien).
Schlagworte
Hype, Entwicklung, Chancen, Risiken, Vorlesung, Anwendungssysteme
Arbeit zitieren
Dipl.-Winf. Anja Zschau (Autor)Sandra Schumann (Autor)Mathias Steinert (Autor), 2002, ASP nach dem Hype - Entwicklung, Chancen, Risiken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25402

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