Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Sociology - General and Theoretical Directions

Entstehung und Aufrechterhaltung der sozialen Ordnung im Alltagsleben - ein Überblick über die phänomenologische Sichtweise

Title: Entstehung und Aufrechterhaltung der sozialen Ordnung im Alltagsleben - ein Überblick über die phänomenologische Sichtweise

Essay , 2004 , 12 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Sebastian Wiesnet (Author)

Sociology - General and Theoretical Directions
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Das menschliche Wesen ist unbestimmt. Es kommt nahezu ohne angeborene Verhaltensmuster und Instinkte auf die Welt 1 – und dennoch wächst es offensichtlich nicht in einer chaotischen, ungeregelten, sondern in einer stabilen Gesellschaft auf. Da diese Gesellschaft wiederum ein „menschliches Produkt“2 ist, stellt sich die Frage, wie deren Ordnung im Alltag überhaupt entstehen kann und wodurch sie bewahrt wird. Es ist ersichtlich, dass „soziale Ordnung“ dabei auf zweierlei Ebenen betrachtet werden muss: Zum einen aus gesellschaftlicher Sicht, da jene bei der Geburt des Menschen schon besteht – sie ist bereits objektive Realität. Zum anderen aus der Sicht des Individuums, welches die vorgegebene Ordnung als (s)eine eigene, subjektive Realität in sich aufnimmt. Wie aber wird objektive Realität hergestellt? Und wie wird sie zu einer subjektiven? Wodurch wird die – für eine soziale Ordnung des Alltags notwendige – Übereinstimmung dieser beiden Realitäten gewährleistet? Oder spezieller gefragt: Wie kommt es zu einer Konvergenz von sozialer Ordnung und persönlicher Identität3? Ziel der folgenden Ausführungen ist es, diesen Fragen aus der Sicht des phänomenologischen Forschungsansatzes von Alfred Schütz, Peter L. Berger und Thomas Luckmann auf den Grund zu gehen. Dabei soll zunächst das Wesen der Alltagswelt und die Bedeutung von Sprache, gesellschaftlichem Wissen und Interaktion für deren Ordnung skizziert werden (Kap. 1), bevor diejenigen Prozesse geschildert werden, welche zur Ausbildung der objektiven (Kap. 2) bzw. der subjektiven Realität (Kap. 3) führen. Schließlich wird der Frage nachgegangen, wie sich persönliche Identität und soziale Ordnung vereinen lassen (Kap. 4).

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Das Wesen der Alltagswelt

2. Entstehung der objektiven Realität

3. Entstehung der subjektiven Realität

4. Konvergenz von sozialer Ordnung und persönlicher Identität

5. Perfekte Ordnung?

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht auf Basis des phänomenologischen Ansatzes von Alfred Schütz, Peter L. Berger und Thomas Luckmann, wie soziale Ordnung im Alltagsleben entsteht, aufrechterhalten wird und wie es zu einer Annäherung von objektiver gesellschaftlicher Realität und subjektiver individueller Identität kommt.

  • Grundlagen der Alltagswelt und die Rolle des gesellschaftlichen Wissensvorrats.
  • Prozesse der Institutionalisierung und Legitimation zur Schaffung objektiver Realität.
  • Sozialisationsprozesse als Mittel zur Herausbildung subjektiver Realität.
  • Wechselwirkung zwischen sozialer Organisation, Handeln und persönlicher Identitätsbildung.

Auszug aus dem Buch

2. Entstehung der objektiven Realität

Laut Berger/Luckmann sind es die Prozesse der Institutionalisierung und Legitimierung von Verhaltensmustern und Handlungsweisen, die eine objektive und verbindliche Realität schaffen. Durch Institutionen wird das soziale Handeln der Menschen angeleitet, gesteuert und kontrolliert.

Wie aber wird ein bestimmtes Verhalten zu Institution? Die Phänomenologie hat drei wesentliche Komponenten des Institutionalisierungsprozesses identifiziert: Es sind die Habitualisierung, die Sedimentation und die Tradition. Fernerhin betont sie auch die Bedeutung von sozialen Rollen für die Verkörperung der Institution.

Der Prozess der Habitualisierung überführt ein zufälliges Verhalten in ein regelmäßiges und macht es dadurch zu einem abrufbaren Handlungsmodell. Stehe ich beispielsweise vor einem Problem, auf dessen Lösung ich nach einigen misslungenen Versuchen zufällig stoße, so werde ich jedes mal, wenn ich vor dem gleichen – oder einem vergleichbaren – Problem stehe, auf die zuletzt erfolgreiche Lösung zurückgreifen, ohne mich erneut von der Erfolglosigkeit der übrigen Ansätze zu überzeugen. Dadurch, dass mir von nun an ein (Lösungs-)Modell zur Verfügung steht, spare ich nicht nur Kraft und Zeit, sondern ich gewinne auch Sicherheit: Ich muss das Problem nicht jedes Mal von neuem definieren – ich kenne es und ich weiß, mit ihm umzugehen. Dies gilt nicht nur für den Umgang mit Objekten, sondern auch für soziale Beziehungen: durch habitualisierte Verhaltensformen kann ich mich in gesellschaftlichen Situationen zurechtfinden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Das Wesen der Alltagswelt: Dieses Kapitel erläutert den allgegenwärtigen Charakter der Alltagswelt und die Bedeutung des gesellschaftlichen Wissensvorrats für die Orientierung des Individuums.

2. Entstehung der objektiven Realität: Hier werden die Prozesse der Institutionalisierung und Legitimierung beschrieben, durch die menschliches Verhalten stabilisiert und zu einer objektiven gesellschaftlichen Realität wird.

3. Entstehung der subjektiven Realität: Dieses Kapitel thematisiert die primäre und sekundäre Sozialisation, durch welche die objektive Welt internalisiert und Teil der eigenen Identität wird.

4. Konvergenz von sozialer Ordnung und persönlicher Identität: Der Fokus liegt auf der Verflechtung von sozialer Rolle, Interaktion und Identitätsbildung, um das Zusammenwirken von Individuum und Gesellschaft zu erklären.

5. Perfekte Ordnung?: Abschließend wird kritisch hinterfragt, ob die phänomenologische Perspektive die Komplexität und den Wandel gesellschaftlicher Ordnung vollständig erfassen kann.

Schlüsselwörter

Phänomenologie, Soziale Ordnung, Alltagswelt, Objektive Realität, Subjektive Realität, Institutionalisierung, Legitimierung, Habitualisierung, Sozialisation, Identität, Interaktion, Wissensvorrat, Alfred Schütz, Peter L. Berger, Thomas Luckmann

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung und Aufrechterhaltung der sozialen Ordnung im Alltagsleben aus einer soziologisch-phänomenologischen Perspektive.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Konzepte der Alltagswelt, die Transformation von Handlungen in Institutionen (objektive Realität) und die Internalisierung dieser Welt durch den Einzelnen (subjektive Realität).

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu erklären, wie soziale Ordnung auf gesellschaftlicher Ebene existiert und wie es dem Individuum gelingt, diese Ordnung als Teil seiner persönlichen Identität zu übernehmen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt den phänomenologischen Forschungsansatz, insbesondere basierend auf den Theorien von Alfred Schütz, Peter L. Berger und Thomas Luckmann.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Alltagswelt, den Prozess der Institutionalisierung, die Mechanismen der Sozialisation sowie das Wechselspiel zwischen Rollenhandeln und individueller Identitätsbildung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Phänomenologie, Institutionalisierung, Sozialisation, Identität, objektive und subjektive Realität sowie der gesellschaftliche Wissensvorrat.

Was bedeutet der Begriff "Habitualisierung" in diesem Kontext?

Habitualisierung beschreibt den Prozess, bei dem zufällige Verhaltensweisen durch Wiederholung zu routinierten, abrufbaren Handlungsmodellen werden, was dem Individuum Kraft und Sicherheit im Alltag gibt.

Wie unterscheiden Berger und Luckmann das "I" und das "Me"?

In Anlehnung an G. H. Mead repräsentiert das "Me" die internalisierten gesellschaftlichen Erwartungen und Rollen, während das "I" die spontane, einzigartige Reaktion des Individuums darstellt; beide stehen in einem ständigen Wechselspiel.

Excerpt out of 12 pages  - scroll top

Details

Title
Entstehung und Aufrechterhaltung der sozialen Ordnung im Alltagsleben - ein Überblick über die phänomenologische Sichtweise
College
University of Bamberg  (Lehrstuhl Allgemeine Soziologie II)
Course
Proseminar "Das Wissen vom Wissen"
Grade
2,0
Author
Sebastian Wiesnet (Author)
Publication Year
2004
Pages
12
Catalog Number
V25490
ISBN (eBook)
9783638280983
ISBN (Book)
9783638848176
Language
German
Tags
Entstehung Aufrechterhaltung Ordnung Alltagsleben Sichtweise Proseminar Wissen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Wiesnet (Author), 2004, Entstehung und Aufrechterhaltung der sozialen Ordnung im Alltagsleben - ein Überblick über die phänomenologische Sichtweise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25490
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  12  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint