Die vorliegende Arbeit will untersuchen, wie sich Charles Dickens zu sozialem und karitativem Engagement stellt. Anhand zweier Figuren aus dem Roman „Bleak House“ - des Arztes Mr. Woodcourt und Mrs. Jellyby - werden unterschiedliche Antriebe und Formen karitativen Handelns aufgezeigt; aus der Art ihrer Darstellung wird versucht, den Standpunkt Dickens’ zu entwickeln.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
Warum soziale Aktivitäten in Bleak House ?
Viktorianische Bewertung der Wohltätigkeit
Who did a little and made a great deal of noise — Mrs. Jellyby
Who did a great deal and made no noise — Mr. Woodcourt
Who had an opinion but no solution — Mr. Charles Dickens
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Haltung von Charles Dickens gegenüber sozialem und karitativem Engagement im viktorianischen England, wobei anhand der Romanfiguren Mrs. Jellyby und Mr. Woodcourt unterschiedliche Formen und Antriebe karitativen Handelns analysiert werden, um den sozialkritischen Standpunkt des Autors zu ergründen.
- Charakterisierung von Mrs. Jellyby als Vertreterin "teleskopischer Philanthropie".
- Analyse der Figur des Mr. Woodcourt als Beispiel für direktes, bescheidenes soziales Handeln.
- Untersuchung der viktorianischen Wertvorstellungen und des Einflusses des Calvinismus auf die Wohltätigkeit.
- Kritik an der Vernachlässigung heimischer sozialer Probleme zugunsten ausländischer Projekte.
- Diskussion von Dickens’ eigener Position im Rahmen der damaligen gesellschaftlichen Strukturen.
Auszug aus dem Buch
Who did a little and made a great deal of noise — Mrs. Jellyby
Eine Vertreterin dieser Gesellschaften ist Mrs. Jellyby. In die Romanhandlung eingeführt wird sie durch Mr. Kenge, den Anwalt von Mr. Jarndyce; Esther, Ada und Richard sollen in ihrem Haus die Nacht verbringen, bevor sie zu ihrem Vormund Jarndyce kommen. Von Kenge erfahren sie und der Leser nur wenig, aber einiges Aufschlußreiche. Sie ist offenbar in London recht bekannt und möglicherweise darüber hinaus, denn Kenge unterstellt, daß ihr Name den jungen Leuten geläufig ist.
Er schreibt Mrs. Jellyby sehr positive Eigenschaften zu, nennt sie willensstark und charakterfest, und weiß zu berichten, daß sie ihre ganze Energie auf öffentliche Projekte verwendet. All diese Wesenszüge werden aber stark relativiert, ihr nachgerade sofort wieder genommen: sie gibt sich zwar ganz und gar einer afrikanischen Sache hin, aber nur vorübergehend, bis etwas ihre Konzentration ablenkt, ihre Ergebenheit sich verflüchtigt und auf andere Projekte verlegt. Auch was sie beschäftigt, deutet an, daß ihr Engagement sprunghaft und unstetig ist: „[...] the general cultivation of the coffee berry — and the natives —and the happy settlement [...]“6. Der Eindruck, den der Leser so von Mrs. Jellyby bekommt, wird verstärkt durch das Bild, das der Autor vom Sprechenden, dem Anwalt Kenge, zeichnet: Er wirkt durch den gesamten Roman hindurch als einen eher verschlossenen Mann, der sich vorsichtig zu äußern pflegt.
Es ist eine Eigenart des Autors Charles Dickens, Figuren vor ihrem eigentlichen Auftreten durch Zeichen und Spuren von ihnen zu charakterisieren. Nach den Eindrücken, die Mr. Kenge von ihr hat, wird jetzt der Haushalt der Jellybys dargestellt. Das Haus ist verwahrlost, und macht, obwohl eher gutbürgerlich, einen ärmlichen Eindruck. Die Kinder toben wild umher, was für strenge viktorianische Eltern undenkbar wäre.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Der Abschnitt führt in die Thematik des karitativen Engagements in Dickens' Bleak House ein und stellt die beiden Protagonisten der Analyse vor.
Warum soziale Aktivitäten in Bleak House ?: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen und gesellschaftlichen Kontext der Armut im 19. Jahrhundert und wie Dickens diese realen Probleme literarisch in seinem Roman verarbeitet.
Viktorianische Bewertung der Wohltätigkeit: Die Untersuchung zeigt auf, wie der Calvinismus und ökonomische Ansichten der Zeit das Bild von Wohltätigkeit und den Umgang mit Bedürftigen prägten.
Who did a little and made a great deal of noise — Mrs. Jellyby: Hier wird die Figur der Mrs. Jellyby als Beispiel für ineffektive, "teleskopische Philanthropie" analysiert, die ihre eigene Familie für ferne Projekte vernachlässigt.
Who did a great deal and made no noise — Mr. Woodcourt: Dieses Kapitel widmet sich Mr. Woodcourt als positivem Gegenentwurf, der durch bescheidenes und direktes soziales Handeln überzeugt.
Who had an opinion but no solution — Mr. Charles Dickens: Der abschließende Teil reflektiert Dickens' eigene Position, die zwar die Missstände scharf anprangert, jedoch selbst keine expliziten politischen Lösungsmodelle jenseits traditioneller Konzepte anbietet.
Schlüsselwörter
Charles Dickens, Bleak House, Wohltätigkeit, Viktorianisches England, Karitatives Engagement, Philanthropie, Soziale Frage, Mrs. Jellyby, Mr. Woodcourt, Telescopic Philanthropy, Pauperization, Armenpflege, Sozialkritik, Calvinismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Darstellung und Bewertung von karitativem Engagement und sozialem Handeln im Roman "Bleak House" von Charles Dickens vor dem Hintergrund des viktorianischen Englands.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Kontraste zwischen verschiedenen Formen des Helfens, die gesellschaftliche Wahrnehmung von Wohltätigkeit sowie die Kritik an der Vernachlässigung lokaler Probleme zugunsten internationaler Projekte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch den Vergleich der Figuren Mrs. Jellyby und Mr. Woodcourt den Standpunkt von Dickens zur sozialen Verantwortung und zur Effektivität damaliger Wohltätigkeitsvereine herauszuarbeiten.
Welche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Romantext mit historischen Kontexten, insbesondere der politischen und sozialen Situation des 19. Jahrhunderts, in Verbindung setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die unterschiedlichen Motivationen und Handlungsweisen der Figuren und beleuchtet die ideologischen Hintergründe der Zeit, wie etwa die calvinistische Sicht auf Armut.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sozialkritik, Philanthropie, Dickens, Armut, viktorianische Gesellschaft und karitatives Engagement.
Warum wird Mrs. Jellyby als Negativfigur dargestellt?
Dickens charakterisiert sie als "teleskopische Philanthropin", die ihre eigene Familie verwahrlosen lässt, während sie sich medienwirksam für ferne afrikanische Projekte engagiert.
Inwiefern unterscheidet sich Mr. Woodcourt als Helfer?
Im Gegensatz zu Mrs. Jellyby handelt Woodcourt leise, zielgerichtet und ohne Eigeninteresse, wobei er sich primär den unmittelbaren Nöten seiner Mitmenschen in England widmet.
- Quote paper
- Martin Klinkhardt (Author), 1998, Wohltätigkeit im viktorianischen England, am Beispiel ausgewählter Figuren des Romans "Bleak House" von Ch. Dickens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25507