Ich habe mich mit dem Thema der aristotelischen und platonischen Auffassung von
Gerechtigkeit befasst.
Das interessante an diesem Thema sind die auch heute noch oftmals unterschiedlich
auftretenden Meinungen über die Gerechtigkeit, obwohl ein eigentlich festes
Grundgefüge und eine klare alltagstaugliche Definition vorliegt.
Trotzdem kommt es unter verschiedenen Personengruppen, charakterisiert durch
sowohl sozialen Status, als auch durch geographische Zugehörigkeit, oft zu
unterschiedlichem Verständnis vo n Gerechtigkeit.
Somit ist es nicht verwunderlich, dass ein Top-Manager eine Abfindung in
Millionenhöhe für gerecht hält, obwohl unter seinem Management ein ganzer
Konzern bankrott gegangen ist. Diejenigen, die durch den Bankrott des Konzerns
ihre Ersparnisse verloren haben, empfinden dagegen eine Abfindung für den
Manager in dieser Höhe natürlich als nicht gerecht.
Beispiele wie diese lassen sich zuhauf finden. Nimmt man nun den Ausgang eines
Gerichturteils oder den Zuschlag für einen Auftrag, es ist immer wieder erstaunlich,
wie weit die unterschiedlichen Auffassungen von Gerechtigkeit auseinandergehen.
Aus diesem Grunde habe ich mich entschlossen, mich mit den zwei bestimmten
Konstrukten der Gerechtigkeit bei Platon und Aristoteles zu befassen und sie
schließlich zu vergleichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Einleitung in das Thema
1.2 Zur Methode
2. Gerechtigkeitsbegriff nach Aristoteles
3. Gerechtigkeitsbegriff nach Platon
4. Vergleich
4.1 Ansatzpunkt der Gerechtigkeit
4.2 Ziel der Gerechtigkeit
4.3 Umsetzungsmöglichkeiten des jeweiligen Gerechtigkeitsbegriffs
5. Abschließende Bemerkungen
6. Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die philosophischen Gerechtigkeitskonzepte von Platon und Aristoteles zu analysieren und kritisch miteinander zu vergleichen, um deren jeweilige theoretische Fundierung sowie ihre praktische Relevanz zu bewerten.
- Analyse des aristotelischen Gerechtigkeitsbegriffs als mathematisch geprägte Tugendethik.
- Untersuchung des platonischen Gerechtigkeitsverständnisses im Kontext der Politeia.
- Gegenüberstellung der unterschiedlichen Ansatzpunkte und Ziele beider Konzepte.
- Kritische Reflexion der Anwendbarkeit antiker Gerechtigkeitsmodelle auf moderne Gesellschaftsstrukturen.
Auszug aus dem Buch
4.2 Ziel der Gerechtigkeit
Platons und Aristoteles Verständnis vom Begriff der Gerechtigkeit unterscheiden sich weiterhin durch ihre Ziele.
Platon zielt mit seiner Ethik auf die Revision des menschlichen Verhaltens ab. Durch die Musterlösung, die er in der Politeia anstrebt, wird sehr deutlich, dass er eine gerechte Welt, ein gerechtes Leben ausdrücklich in einer Veränderung sieht, die durch die Revision notwendig wird.
Durch die Überprüfung des menschlichen Verhaltens, unter anderem auch ihrem jeweiligen Gerechtigkeitsbegriff, will Platon die Ordnung der Seele und die damit einhergehende Ordnung der Polis erreichen.
Dies gelingt ihm allerdings nur theoretisch. Ein weiteres Ziel der platonischen Ethik ist die Ausdifferenzierung von Sein und Schein. Damit die Polis wirklich „gut“, gerecht bestehen kann, braucht sie wahre Herrscher, die Philosophenkönige. Im Gegensatz zu den Sophisten sind sie in der Lage, die wahre Existenz der Dinge zu erkennen und nicht nur ihre Abbilder. Sophisten hingegen sind Vertreter der Massen, sie erzählen nur das, was die Menge hören will. Sie sind im Gegensatz zu den Philosophenkönigen nicht in der Lage, die Urbilder zu sehen und wenn doch, haben sie kein Interesse daran (492 b-d).
Der Gerechtigkeitsbegriff Platons strebt die Einheit von Glück und gutem Leben an. Für die Erfüllung dieser Ziele ist es wichtig, dass die Gerechtigkeit nach den Vorstellungen Platons erfüllt wird, da diese die Voraussetzungen für ein glückliches, gutes Leben darstellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der antiken Gerechtigkeitsauffassungen und Darlegung der methodischen Vorgehensweise.
2. Gerechtigkeitsbegriff nach Aristoteles: Erläuterung der aristotelischen Gerechtigkeit als mathematisch bestimmtes „Mittleres“ und feste Grundhaltung.
3. Gerechtigkeitsbegriff nach Platon: Untersuchung der Gerechtigkeit bei Platon als Ordnung der Seele und des Staates, basierend auf der Politeia.
4. Vergleich: Analytische Gegenüberstellung von Ansatzpunkten, Zielen und Umsetzbarkeit beider Gerechtigkeitsmodelle.
5. Abschließende Bemerkungen: Zusammenfassende Einschätzung der Konzepte und Reflexion über deren eingeschränkte Übertragbarkeit auf die Gegenwart.
6. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur Arbeit.
Schlüsselwörter
Gerechtigkeit, Platon, Aristoteles, Politeia, Nikomachische Ethik, Tugendethik, Moral, Polis, Seele, Mittelmaß, Philosophie, Vergleich, Gerechtigkeitsbegriff, Antike, Staatslehre.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und dem Vergleich der Gerechtigkeitskonzepte von Platon und Aristoteles.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die ethischen Grundlagen der Gerechtigkeit, ihre Anwendung im antiken Staatsmodell sowie der Unterschied zwischen tugendethischen und staatstheoretischen Ansätzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Konzepte der beiden Philosophen vergleichend darzustellen und ihre jeweilige Relevanz sowie praktische Umsetzbarkeit kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse der primärphilosophischen Texte, die auf eine Reduktion der komplexen Gedankengebäude auf ihre wesentlichen Kernpunkte abzielt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der beiden Gerechtigkeitsbegriffe sowie einen detaillierten Vergleich von Ansatzpunkten, Zielen und Umsetzungsmöglichkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Gerechtigkeit, Platon, Aristoteles, Tugendethik, Polis und Moral.
Warum ist laut Autor Platons Konzept heute schwer umsetzbar?
Der Autor argumentiert, dass Platons Modell die individuellen Entscheidungen durch feste Naturanlagen einschränkt, was nach heutigen Maßstäben als totalitär empfunden wird.
Was unterscheidet den aristotelischen Gerechtigkeitsbegriff in der Anwendung von dem Platons?
Während Aristoteles eine universelle Tugendethik mit mathematischem Anspruch vertritt, setzt Platon auf ein theoretisches Konstrukt, das die Revision des menschlichen Verhaltens innerhalb einer Idealstadt fordert.
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- Tim Kirchner (Author), 2003, Platonische und Aristotelische Auffassung von Gerechtigkeit - Ein kritischer Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25532