Jeder Mensch, der schon einmal in einer Schule für geistigbehinderte Kinder war hat bemerkt, dass auch dort die Schüler unterschiedliche Qualifikationen aufweisen. Allerdings sind es meistens die schwerstbehinderten Kinder, die aufgrund ihrer Wahrnehmungs- und Bewegungsstörungen, extrem auffallen. Oft sitzen diese Kinder nur teilnahmslos auf ihrem Stuhl/Rollstuhl und es scheint, als ob nichts, was um sie herum geschieht, zu ihnen durchdringt. Andreas Fröhlich beschäftigte sich mit diesen Kindern und entwarf in den siebziger Jahren das Modell der Basalen Stimulation®, welches helfen soll die schwerstbehinderten Kinder aus ihrer Isolation herauszuführen. Ob dieses Modell nun viel versprechend ist oder nicht, soll in der folgenden Abhandlung geklärt werden. 2. Was hat man unter "Schwerstbehindert" zu verstehen?
Die Motorik der Menschen mit einer schwersten Behinderung drückt sich meistens durch deutliche Ansätze zu willkürlicher Steuerung aus, allerdings ist die motorische Fähigkeit dermaßen gestört, dass der Schwerstbehinderte fast sein ganzes Leben im Liegen bzw. im Sitzen verbringt. Hinzu kommt noch, dass die körperliche Situation zusätzlich von Veränderungen des Muskeltonus (hyper-/hypotone Muskulatur) verschlechtert wird. Kontrakturen und zum Teil extreme Haltungsschäden verringern die Vitalität dieser Personengruppe.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was hat man unter "Schwerstbehindert" zu verstehen?
3. Was muss man bei dem Umgang mit schwerstbehinderten Menschen beachten?
3.1. Rhythmisierung der Tagesabläufe
3.2. Geeignete Lebensräume schaffen
3.3. Beteiligung an Alltagsaktivitäten
4. Was ist Basale Stimulation®?
4.1. Der Grundgedanke
4.2. Der Ausgangspunkt und die Ziele der Basalen Stimulation®
4.3. Für welche Personengruppen wurde die Basale Stimulation® entwickelt?
5. Förderungsbereiche und Übungen
5.1. Vestibuläre Anregung
5.2. Somatische Anregung
5.2.1. Grundprinzip der Symmetrie
5.2.2. Grundprinzip der Spannung und Entspannung
5.2.3. Grundprinzip der Rhythmisierung
5.3. Vibratorische Anregung
5.4. Orale und Auditive Stimulation
5.5. Taktil/Haptische Stimulation und Visuelle Stimulation
5.6. Olafaktorische Stimulation
6. Vorteile der Basalen Stimulation®
6.1. Für den Patienten
6.2. Für den Mitarbeiter
7. Wie ist die allgemeine Meinung über Basale Stimulation®?
8. Stellungnahme: Was halte ich von der Basalen Stimulation®
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Basalen Stimulation® von Andreas Fröhlich kritisch auf seine Anwendbarkeit und Effektivität bei schwerstbehinderten Menschen im pädagogischen und pflegerischen Alltag.
- Grundlagen des Begriffs "Schwerstbehindert" und deren Auswirkungen auf die Lebensrealität.
- Strukturierung des Alltags und Gestaltung geeigneter Lebensräume.
- Detaillierte Analyse der Förderungsbereiche, insbesondere der somatischen, vestibulären und vibratorischen Anregung.
- Kritische Auseinandersetzung mit der praktischen Umsetzung und der allgemeinen Wahrnehmung der Methode.
Auszug aus dem Buch
3.2. Geeignete Lebensräume schaffen
Andreas Fröhlich fordert einige Grundprinzipien, die man beachten muss, wenn man einen geeigneten Lebensraum für einen schwerstbehinderten Menschen schaffen will (vgl. Fröhlich, 2001, S. 159). Er fordert die Existenz einer Nische, in die der Behinderte sich jederzeit zurückziehen kann. Damit ist nicht ein separater Raum gemeint, sondern eine abgegrenzte Zone, von der aus das Kind trotzdem noch an den Aktivitäten der Gruppe teilnehmen kann.
Sie darf allerdings nicht mit Reizen überflutet sein (visuell, auditiv, taktil), aber genauso wenig darf sie zu reizarm sein, sondern so mit Gerüchen etc. ausgestattet sein, dass sie für den Behinderten einen gewissen Wiedererkennungswert besitzt. Man hat festgestellt, dass nach einiger Zeit der Einführung solcher Nischen das störende Verhalten der Schwerstbehinderten abnimmt und sie aktiver am Unterricht mitarbeiten (vgl. Fröhlich, 2001, S. 160).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die Ausgangslage von schwerstbehinderten Kindern in Bildungseinrichtungen und stellt das Modell der Basalen Stimulation® zur Überwindung von Isolation vor.
2. Was hat man unter "Schwerstbehindert" zu verstehen?: Das Kapitel beschreibt die motorischen, sensorischen und kognitiven Einschränkungen dieser Personengruppe und die daraus resultierenden Barrieren für eine aktive Umweltinteraktion.
3. Was muss man bei dem Umgang mit schwerstbehinderten Menschen beachten?: Es wird die Notwendigkeit von Tagesrhythmisierung, geschützten Lebensräumen und der aktiven Einbindung in Alltagsabläufe thematisiert.
4. Was ist Basale Stimulation®?: Hier werden der Grundgedanke des voraussetzungslosen Ansatzes, die Ziele des Modells und die Zielgruppen der Basalen Stimulation® definiert.
5. Förderungsbereiche und Übungen: Dieser umfangreiche Abschnitt erläutert die verschiedenen Stimulationsbereiche von vestibulären bis hin zu olafaktorischen Angeboten und deren praktische Anwendung.
6. Vorteile der Basalen Stimulation®: Das Kapitel beleuchtet den Mehrwert der Methode sowohl für den Patienten im Sinne einer besseren Selbstwahrnehmung als auch für das Pflegepersonal.
7. Wie ist die allgemeine Meinung über Basale Stimulation®?: Basierend auf Internetrecherchen und Fallbeispielen wird ein Überblick über die weitgehend positiven Erfahrungen mit dem Konzept gegeben.
8. Stellungnahme: Was halte ich von der Basalen Stimulation®: Der Autor reflektiert kritisch über das Konzept und hinterfragt, inwiefern die Methode eine echte Interaktion ermöglicht oder teilweise realitätsfern wirkt.
Schlüsselwörter
Basale Stimulation, Schwerstbehinderung, Wahrnehmungsförderung, Andreas Fröhlich, Somatische Anregung, Vestibuläre Anregung, Lebensraumgestaltung, Alltagsintegration, Sensorik, Motorik, Körperbild, Mikrobewegungen, Pflegequalität, Bewegungsentwicklung, Kommunikationsfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Basalen Stimulation®, einem Förderkonzept für schwerstbehinderte Menschen, und hinterfragt dessen pädagogischen Nutzen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Bedürfnisse schwerstbehinderter Menschen, notwendige Rahmenbedingungen für deren Förderung sowie die spezifischen methodischen Ansätze der Basalen Stimulation®.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist eine kritische Prüfung des Modells von Andreas Fröhlich hinsichtlich seiner praktischen Relevanz und Wirksamkeit im pädagogischen Alltag.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, gestützt auf Fachliteratur sowie die Analyse von Online-Erfahrungsberichten und Anwenderfeedback.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Lebenssituation von Schwerstbehinderten, die spezifischen Förderbereiche der Stimulation sowie eine detaillierte Diskussion von Praxisbeispielen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Basale Stimulation, Schwerstbehindertenpädagogik, Wahrnehmungsförderung und kritische Reflexion.
Inwiefern hinterfragt der Autor die Praxistauglichkeit der Methode?
Der Autor äußert Skepsis bei bestimmten Methoden wie der geruchlichen Anregung, da er befürchtet, dass diese an den Kindern vorbei und nicht mit den Kindern durchgeführt werden.
Welche Rolle spielt die somatische Förderung laut Autor?
Im Gegensatz zu anderen Bereichen steht der Autor der somatischen Förderung positiver gegenüber, da er den Nutzen für die Erweiterung der Bewegungsgrenzen anerkennt.
- Quote paper
- Monika Blazek (Author), 2004, Basale Stimulation - Förderung oder Alltagssituation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25639