Um die kritische Überprüfung des Konzepts des offenen Unterrichts differenziert durchführen zu können, werden zunächst die verschiedenen Hintergründe und Erscheinungsformen (Kapitel 1) und didaktischen Modelle des Sprachunterrichts (Kapitel 2) dargelegt. Denn die Offenheit oder Öffnung von Unterricht wird in der Theorie, aber vor allem auch in der Praxis, sehr unterschiedlich interpretiert, was eine Bewertung und Vergleiche erschwert.
Dass offener Unterricht verschieden gedacht und gestaltet wird, hängt auch mit der Tatsache zusammen, dass die Konzepte unterschiedlich begründet werden. Der Grundgedanke der Schülerzentrierung ist unterschiedlich motiviert. Die wichtigsten Hintergründe sollen deshalb kurz dargestellt werden. Dies ist von Bedeutung, da verschiedene Argumente auch bei den Einflussfaktoren auf den Lernerfolg (Kapitel 3) wieder auftauchen.
Im Hauptteil wird dann der Einfluss des offenen Unterrichts anhand wichtiger Einflussfaktoren auf den Lernerfolg, wie Motivation, affektive Merkmale, kognitive Voraussetzungen, Vorwissen und soziale Lernumgebung dargestellt.
Im Anschluss daran werden Konsequenzen für die Gestaltung des offenen Unterrichts gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1 DAS KONZEPT DES OFFENEN UNTERRICHTS
1.1 BEGRÜNDUNGEN DES OFFENEN UNTERRICHTS
1.2 VERSCHIEDENE REALISATIONSEBENEN DER ÖFFNUNG
2 DIDAKTIKEN, FORMEN UND METHODEN EINES OFFENEN SPRACHUNTERRICHTS
2.1 DIE „DIDAKTISCHE LANDKARTE“
2.2 DER SPRACHERFAHRUNGSANSATZ
2.3 DER ANSATZ „LESEN DURCH SCHREIBEN“
2.4 FREIES SCHREIBEN
2.5 SCHREIBKONFERENZEN
3 (OFFENER) UNTERRICHT IN DER EVALUATION
3.1 SCHWIERIGKEITEN DER EVALUATION
3.2 EVALUATION VON EINFLUSSFAKTOREN AUF LERNERFOLG, LERNZUWACHS UND MOTIVATION
3.2.1 Einfluss individueller Bedingungen
3.2.1.1 Einfluss affektiver und motivationaler Merkmale
3.2.1.2 Einfluss kognitiver Merkmale
3.2.1.3 Einfluss von Vorkenntnissen
3.2.1.4 Einfluss des sozialen Kontextes
3.2.2 Einfluss schulischer Faktoren
3.2.3 Einfluss der Unterrichtsqualität
3.2.3.1 Lehrerpersönlichkeit und Lehrerhandeln
3.2.3.2 Didaktische und methodische Maßnahmen
3.2.3.2.1 Maßnahmen zum Lesen lernen
3.2.3.2.2 Maßnahmen zur Rechtschreibung und Textproduktion
3.2.4 Entwicklung vor, während und nach der Grundschule
4 KONSEQUENZEN AUS DEN UNTERSUCHUNGEN FÜR DEN OFFENEN UNTERRICHT
4.1 DAS DIDAKTISCHE KONZEPT
4.2 METHODISCHE GESTALTUNG IM SPRACHUNTERRICHT
4.3 ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle wissenschaftliche Diskussion über die Effizienz und die Ausgestaltung von offenem Unterricht im Bereich des Erstlesens und Erstschreibens. Ziel ist es, verschiedene Konzepte kritisch zu beleuchten und den Einfluss diverser Faktoren auf den Lernerfolg in der Grundschule empirisch zu hinterfragen.
- Hintergründe und Begründungen für offenen Unterricht
- Methodische Ansätze im Sprachunterricht (z.B. "Lesen durch Schreiben")
- Evaluation von Einflussfaktoren auf Lernerfolg und Motivation
- Rolle der Unterrichtsqualität und Lehrerpersönlichkeit
- Konsequenzen für die didaktische und methodische Unterrichtsgestaltung
Auszug aus dem Buch
1.1 Begründungen des offenen Unterrichts
Dass offener Unterricht verschieden gedacht und gestaltet wird, hängt auch mit der Tatsache zusammen, dass die Konzepte unterschiedlich begründet werden. Der Grundgedanke der Schülerzentrierung ist unterschiedlich motiviert. Die wichtigsten Hintergründe sollen deshalb kurz dargestellt werden. Dies erscheint mir wichtig, da verschiedene Argumente auch bei den Einflussfaktoren auf den Lernerfolg (Kapitel 3) wieder auftauchen. Bei der Darstellung und Einteilung können sich die verschiedenen Motive natürlich überlappen und ergänzen.
Die durch den sog. „Sputnik-Schock“ in den fünfziger Jahren ausgelöste Bildungsdiskussion führte in der westlichen Welt zu einer Forderung nach mehr Wissenschaftsorientierung und damit auch zu einer kritischen Hinterfragung des Schulsystems (Peschel 2002a: 68). Heute werden oft Leistungsdifferenzen, Klassenstärken, Ausländeranteile und Verhaltensauffälligkeiten als gesellschaftliche Gründe genannt.
Eine veränderte Einstellung gegenüber Autorität und ein verändertes Menschenbild in den sechziger und siebziger Jahren, das aus der Aufarbeitung des Nationalsozialismus resultiert, führte zudem auch zu einem neuen Kindbild. Eigenverantwortung und Selbstständigkeit werden zu neuen Zielen der Erziehung (Peschel 2002b: 6).
Zusammenfassung der Kapitel
1 DAS KONZEPT DES OFFENEN UNTERRICHTS: Einführung in die theoretischen Hintergründe und die unterschiedlichen Ebenen der Öffnung von Unterricht.
2 DIDAKTIKEN, FORMEN UND METHODEN EINES OFFENEN SPRACHUNTERRICHTS: Vorstellung spezifischer didaktischer Ansätze wie der „didaktischen Landkarte“ und des „Lesen durch Schreiben“.
3 (OFFENER) UNTERRICHT IN DER EVALUATION: Kritische Auseinandersetzung mit Evaluationsstudien und den Einflussfaktoren auf den Lernerfolg von Kindern.
4 KONSEQUENZEN AUS DEN UNTERSUCHUNGEN FÜR DEN OFFENEN UNTERRICHT: Ableitung praktischer Konsequenzen für die didaktische Konzeptualisierung und die methodische Gestaltung des Sprachunterrichts.
Schlüsselwörter
Offener Unterricht, Schriftspracherwerb, Erstlesen, Erstschreiben, Evaluationsstudien, Lernerfolg, Motivation, Lehrerpersönlichkeit, Unterrichtsqualität, didaktisches Konzept, Konstruktivismus, Lernpsychologie, Sprachunterricht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der neueren Diskussion rund um den offenen Unterricht, insbesondere in Bezug auf den Erstlese- und Erstschreibunterricht an Grundschulen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die theoretischen Begründungen des offenen Unterrichts, verschiedene methodische Ansätze und die wissenschaftliche Evaluation seiner Effektivität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine differenzierte Darstellung, wie offener Unterricht konzipiert ist und inwieweit er den Lernerfolg sowie die Motivation der Schüler beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die auf einer fundierten Auswertung relevanter pädagogischer Studien und Konzepte basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert didaktische Methoden (z.B. Freies Schreiben) und diskutiert diverse Einflussfaktoren auf den Schulerfolg, wie kognitive Merkmale, soziale Kontexte und die Unterrichtsqualität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie offener Unterricht, Schriftspracherwerb, Lernerfolg, Motivation und didaktische Konzepte geprägt.
Wie bewerten die untersuchten Studien die Rolle der Lehrer?
Die Studien heben hervor, dass eine effiziente Klassenführung, klare Strukturierung und eine konstruktivistische Grundhaltung der Lehrkraft signifikante Auswirkungen auf den Lernzuwachs haben.
Warum wird im Fazit das Thema "Rechtschreibung" so stark betont?
Obwohl offener Unterricht motivierend wirkt, zeigen Studien erhebliche Rückstände in der Rechtschreibung; daher plädiert der Autor für eine stärkere Integration von Meta-Reflektion und gezielten Methoden zur Rechtschreibförderung.
- Quote paper
- Benjamin Seidel (Author), 2002, Darstellung der neueren Diskussion um einen offenen Unterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25744