Forschungsplan: Studienabbruch in der Soziologie


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsstand
2.1 Aktueller Forschungsstand
2.2 Theoretische Erklärungsansätze
2.3 Motive und Ursachen des Studienabbruchs

3. Forschungsproblem
3.1 Fragestellung
3.2 Methodische Möglichkeiten
3.3 Methodische Umsetzung

4. Planung der Feldforschung
4.1 Auswahlverfahren
4.2 Untersuchungseinheiten

5. Arbeits- und Zeitplan

6. Quellennachweis

1. Einleitung

Im Zuge der politischen Reformen wird besonders die Bildungspolitik in Augenschein genommen. Das Schul- und Hochschulwesen, welches seit Jahrzehnten kaum verändert wurde, unterliegt nun einem Wandel. Das Bildungssystem entwickelt sich zu einem stärker wettbewerbsorientiertem System. Damit verbunden sind auch die finanziellen Mittel, die zukünftig Bildungsstätten wie Hochschulen und Fachhochschulen zur Verfügung gestellt werden: die Medien berichten von Wettbewerbsdruck zwischen den Universitäten, der durch die Einführung von hohen Studiengebühren, Sponsorengeldern und die Etablierung von Elite-Akademien entstehen werde.

Die aktuelle Debatte zur Einführung von Studiengebühren an deutschen Universitäten entfacht auch ein neues, teilweise ökonomisches Interesse an Studierenden, die ihr Studium vorzeitig beenden und die Universität ohne akademischen Abschluss verlassen.

In unserer Studie „Studienabbruch in der Soziologie“ möchten wir unter anderem untersuchen, welche Folgen die hohe Quote an Studienabbrechern für das Institut der Soziologie beziehungsweise für die Philosophische Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hat. Im Mittelpunkt unserer Feldforschung stehen die Ursachen und Gründe, die für einen Studienabbruch verantwortlich sind. Da die bisherigen Untersuchungen des Studienabbruchs an der Friedrich-Alexander-Universität die Soziologie nur im Rahmen einer Studie über die Sozialwissenschaften insgesamt erfasst haben, befassen wir uns ausschließlich mit dem Magisterstudiengang Soziologie, da hierbei im Gegensatz zum Diplomstudiengang an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Universität in Nürnberg abweichende Ergebnisse erwartet werden können.

2. Forschungsstand

Die Auseinandersetzung mit frühen und aktuellen Theorien und Untersuchungen zum Thema Studienabbruch führte zu dem Ergebnis, dass die Literatur vielfältige Befunde aufzeigt. Die Forschungsergebnisse und Untersuchungsmethoden sind in vielen Fällen unterschiedlich, was größtenteils auf die Formulierung der Forschungsfrage und des Forschungsproblems zurückzuführen ist. In dem von Manuela Schröder-Gronostay und Hans-Dieter Daniel herausgegebenen Buch „Studienerfolg und Studienabbruch: Beiträge aus Forschung und Praxis“ werden die verschiedenen Ansichten, Vorgehensweisen und Ergebnisse widergegeben. Im nachfolgenden möchte ich die wichtigsten Punkte kurz zusammenfassen.

2.1 Aktueller Forschungsstand

Innerhalb eines Projektes des OECD beschäftigte sich Werner Hörner besonders mit der Frage nach dem „Umfang des Studienabbruchs“[1]. Da mit Hilfe dieser Studie unterschiedliche Bildungssysteme miteinander verglichen werden sollten, musste Werner Hörner ein „einheitliches internationales Berechnungsverfahren“[2] wählen, um Studienabbruch und Studienerfolg miteinander in Relation zu bringen. Die 1999 veröffentlichte Untersuchung ergab, dass die Abbrecherquote in Deutschland bei 28 % liegt.[3] Tendenziell wird die Abbrecherquote von OECD überschätzt, das zeigt die genauere Berechnung der HIS-Studienabbruchstudie von 2002: die bereinigte Quote, das heißt ausländische Studenten und Zweitstudenten fließen nicht in die Berechnung mit ein, liegt bei 24 %.[4] Karl Lewin interessiert sich in seiner Studienabbruchstudie besonders für die Gründe und Ursachen, die zu einem vorzeitigen Ende des Studiums führen. Dabei unterscheidet er zwischen hochschulabhängigen und hochschulunabhängigen „Ursachenbündeln“[5], die dafür verantwortlich sind, dass die Entscheidung, das Studium ohne Abschluss zu beenden, getroffen wird. Dabei weist Karl Lewin darauf hin, dass weder die „Studierunfähigkeit“ des Studenten noch ein „Versagen der Hochschule“ für einen Abbruch verantwortlich sind, sondern „persönliche Gründe“ ausschlaggebend sind.[6] Eine der wenigen Längsschnittuntersuchungen bildet die Frankfurter Arbeitsgruppe Lebensläufe, auf deren Daten Andreas Golds Forschung basiert. Die von 1972 bis 1984 ermittelten Daten lieferten konkrete Anhaltspunkte bezüglich Studienerfolg und Studienabbruch. So kam Andreas Gold zu dem Ergebnis, dass fünf „psychologische Merkmale“ ausschlaggebend für ein erfolgreiches Abschließen des Studiums sind: „Leistungsfähigkeit, Leistungsbereitschaft, Emotionalität, eigene Leistungsbewertung und Studienintegration“.[7] Die Ausprägung dieser Fähigkeiten entscheidet nach Gold auch darüber, in welcher Phase des Studiums ein Abbruch stattfindet. Frühe Studienabbrecher weisen meist andere Merkmale auf als späte Studienabbrecher. So scheitern die späten Abbrecher häufiger an Leistungsproblemen, Abbrecher in der Studieneingangsphase kommen eher mit der „sozialen Situation“ an der Universität nicht zurecht.[8] Im Gegensatz zu Andreas Gold kommt Thomas Meyer zu dem Ergebnis, dass weder hochschulabhängige Ursachen noch Leistungsprobleme zum Studienabbruch führen, sondern „Gründe wie Distanzierung zum Studium oder günstige Berufserwartungen auch ohne Hochschulabschluss den Ausschlag für diese Entscheidung“[9] geben.

Neben den Dimensionen Umfang und Ursachen des Studienabbruchs stehen in zahlreichen Untersuchungen besonders die Folgen im Vordergrund. Je nach Untersuchungseinheit und Problemstellung kommt es auch hier zu unterschiedlichen Bewertungen. Aus ökonomischer Sicht gilt der Abbruch eher als Verlust, Lutz Bornmann und Hans-Dieter Daniel betrachten den Studienabbruch vom „individuellen Standpunkt“ aus eher positiv, da er als „Orientierungsphase im Studium betrachtet werden kann.“[10]

2.2 Theoretische Erklärungsansätze

Die Zusammenfassung[11] von Manuela Schröder-Gronostay macht deutlich, dass die Theoriebildung in Bezug auf Untersuchungen des Studienabbruchs sehr vielschichtig und ambivalent ist. Eine einheitliche Theorie sucht man in der vorhandenen Literatur vergeblich, doch es kristallisieren sich vier Erklärungsansätze heraus, an denen sich Wissenschaftler orientieren, welche aus vier verschiedenen Perspektiven das Phänomen des Studienabbruchs betrachten. Nach Tinto werden sie in „soziologische, organisationstheoretische, psychologische und ökonomische Erklärungsmodelle“[12] eingeteilt. Tinto selbst beschäftigte sich bereits 1975 mit dem soziologischen Erklärungsmodell. Als Basis wählte er Spadys Arbeiten, in denen dieser zu dem Ergebnis kommt, dass ein Studienabbruch aufgrund mangelnder sozialer Integration oder gescheitertem Sozialisationsprozesses erfolgt.[13] Dieses Modell wird von Tinto zum „student integration model“[14] erweitert, indem er die „doppelte Integrationsleistung des Studierenden“[15] in den Mittelpunkt seiner Forschung stellt und dabei die „akademische und die soziale Dimension der Integration“[16] getrennt voneinander untersucht. Auch Pascarellas Arbeit wird vom soziologischen Modell bestimmt. Er fügt dem Ansatz von Tinto eine weitere Dimension hinzu, indem er berücksichtigt, dass leistungs- und institutionsspezifische Aspekte bei der Entscheidung zum Studienabbruch entscheidend sind.[17]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beim organisationstheoretischen Erklärungsmodell steht die Organisation „Universität“ mit ihrer „spezifischen“ Struktur im Mittelpunkt.[18] Individuelle Ursachen und Gründe werden bei dieser Theorie vernachlässigt. Diese werden dafür im psychologischen Modell umso mehr berücksichtigt. Die Vertreter des psychologischen Erklärungsansatzes sind der Meinung, dass das „studentische Verhalten [...] primär durch die Persönlichkeit der Studierenden beeinflusst wird“[19]. Somit entscheiden persönliche Merkmale wie „kognitive Fähigkeiten, Leistungsvermögen,“[20] Selbsteinschätzung und Motivation über den erfolgreichen Studienabschluss beziehungsweise den Studienabbruch.

Mit der Erklärung des Studienabbruchs aus ökonomischer Perspektive werden „Faktoren aus dem Bereich der Studienfinanzierung“[21] und deren Einfluss auf die akademische Laufbahn untersucht. Finanzielle Probleme beeinflussen die Entscheidung zum Abbruch direkt oder indirekt aufgrund erhöhter Erwerbstätigkeit.

Da die Gründe und Ursachen für einen Studienabbruch so vielfältig und verschieden sein können wie die Studierenden selbst, sollte eine Untersuchung mehrdimensionale Erklärungsansätze nutzen.

2.3 Motive und Ursachen des Studienabbruchs

In der 1999 erschienenen Untersuchung „Studienabbruch in Deutschland“ beschreibt Karl Lewin eine Vielzahl von „typischen Abbrechergruppierungen“[22], die mit einer monokausalen Erklärung in diesem Umfang nicht erfasst werden könnten. Lewin kam zu dem Ergebnis, dass außeruniversitäre Faktoren den stärksten Einfluss auf die Entscheidung zum Studienabbruch haben. Die „Distanz zum Studium“[23] bildet hierbei die größte Gruppierung mit 29 % und betrifft vor allem frühe Abbrecher, während Abbrecher der mittleren und höheren Fachsemester meist aufgrund finanzieller Probleme ihr Studium beenden. „Familiäre Gründe“ geben 9 % der ehemaligen Studierenden als Abbruchgrund an. “Günstige Berufserwartungen ohne Examen“[24] sowie „schlechte Arbeitsmarktchancen nach dem Examen“[25] sind für insgesamt 23 % der untersuchten Gruppe ausschlaggebend für einen Abbruch. 16 % der Befragten gaben vorwiegend institutionelle Gründe an: die Überforderung mit dem Studium sowie die Didaktik an der Universität führten hier zum Dropout.[26]

[...]


[1] Schröder-Gronostay, Manuela; Daniel, Hans-Dieter: Studienerfolg und Studienabbruch. Beiträge aus Forschung und Praxis. Neuwied: Luchterhand 1999. S. VIII

[2] Ebd.

[3] Hörner, Walter: Studienerfolgs- und Studienabbruchsquoten im internationalen Vergleich. 1999. In: Schröder-Gronostay / Daniel: Studienerfolg und Studienabbruch.

[4] Heublein, Ulrich u.a.: Studienabbruchstudie 2002. Die Studienabbrechquoten in den Fächergruppen und Studienbereichen der Universitäten und Fachhochschulen. Hannover: HIS 2002.

[5] Schröder-Gronostay, Manuela; Daniel, Hans-Dieter: Studienerfolg und Studienabbruch. S. IX

[6] Ebd.

[7] Ebd.

[8] Ebd.

[9] Ebd.

[10] Schröder-Gronostay, Manuela; Daniel, Hans-Dieter: Studienerfolg und Studienabbruch. S. X f.

[11] Schröder-Gronostay, Manuela: Studienabbruch – Zusammenfassung des Forschungsstandes. 1999. In: Schröder-Gronostay / Daniel: Studienerfolg und Studienabbruch. S. 217

[12] Schröder-Gronostay, Manuela: Studienabbruch – Zusammenfassung des Forschungsstandes. S. 218

[13] Ebd.

[14] Ebd.

[15] Ebd.

[16] Ebd.

[17] Ebd.

[18] Ebd.

[19] Schröder-Gronostay, Manuela: Studienabbruch – Zusammenfassung des Forschungsstandes. S. 219

[20] Ebd.

[21] Ebd.

[22] Lewin, Karl: Studienabbruch in Deutschland. 1999. In: Schröder-Gronostay / Daniel: Studienerfolg und Studienabbruch. S. 19

[23] Lewin, Karl: Studienabbruch in Deutschland. In: Schröder-Gronostay / Daniel: Studienerfolg und Studienabbruch. S. 20

[24] Lewin, Karl: Studienabbruch in Deutschland. In: Schröder-Gronostay / Daniel: Studienerfolg und Studienabbruch. S. 25

[25] Lewin, Karl: Studienabbruch in Deutschland. In: Schröder-Gronostay / Daniel: Studienerfolg und Studienabbruch. S. 27

[26] Lewin, Karl: Studienabbruch in Deutschland. In: Schröder-Gronostay / Daniel: Studienerfolg und Studienabbruch. S. 20

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Forschungsplan: Studienabbruch in der Soziologie
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Soziologie)
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V25775
ISBN (eBook)
9783638283045
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Forschungsplan, Studienabbruch, Soziologie
Arbeit zitieren
Rosa Badaljan (Autor), 2004, Forschungsplan: Studienabbruch in der Soziologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25775

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