Schimpanse Washoe - Das Aufzuchtexperiment Fouts und seine anthropologische Bedeutung


Hausarbeit, 2004
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die Vorgeschichte des Forschungsprojekts Washoe
2.1 Roger Fouts und Washoe
2.2 Das Forschungsprojekt zeigt menschliche Verhaltensweisen
2.3 Die Bedeutung für „unsere“ Anthropologie

3. Schluss

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung:

Tiere stehen seit ewiger Zeit in enger Verbindung mit uns Menschen, nicht immer im genetischen Sinn in einer Reihe von tierischen Vorfahren, sondern in einer Art emotionaler Verbundenheit. Sie sind nicht nur Nahrungsmittel oder Nutztier; sie sind ebenfalls Feind, Bewacher und treuer Freund. Der Tod eines geliebten Tieres weckt in vielen Fällen die tiefsten menschlichen Emotionen in uns und zeigt uns deren Bedeutung für uns.

Tiere nehmen einen bedeutenden Platz ein im Leben der Menschen, dies steht außer Frage; dass der Mensch in der Evolutionsgeschichte tierischen Ursprungs ist auch, jedoch reicht diese bruchstückhafte genetische Verwandtschaft nicht, um unsere menschlichen Wurzeln erklären und verstehen zu können. Sie erklärt uns nicht unsere Verhaltensweisen und unsere höchst emotionales Leben. Zoologen, Biologen und Verhaltensforscher versuchen das Wesen der Tiere zu ergründen, um dadurch auch Rückschlüsse auf menschliche Wesenszüge zu erlangen. Ihnen gelingt es jedoch nicht ein so komplexes Wesen wie den Menschen zu erklären. Die mit den verschiedensten Tierarten gezogenen Vergleiche, menschliche Emotionen, die als chemische Abläufe dargestellt werden sind nicht ausreichend für die gesuchten Erklärungen. Der Mensch nimmt im Tierreich eine Sonderstellung ein, die ihm selbstreflektierend auch eine Sonderstellung im Kosmos einbringt.[1]

Abgesehen von der Forschung am Objekt Mensch liefern uns die Verhaltensforscher, Zoologen und Biologen die wichtigsten Erkenntnisse über das Wesen Mensch. Ihre Beobachtungen in der Welt der Tiere machen uns Rückschlüsse auf das „Tier Mensch“ möglich. Diese Beobachtungen und die daraus hervorgehenden wissenschaftlichen Ergebnisse dienen als Hilfestellung für unser Selbstverständnis. Die Verhaltensforschung auf dem Gebiet der Primatenforschung ist hierbei der Anthropologie am dienlichsten, da sie das Verhalten unserer nächsten Verwandten erforscht. Sie untersuchen das Wesen und Verhalten der Menschenaffen und fragen: „Was verbindet den Menschen und den Menschenaffen?“. Die Menschenaffen sind unsere nächsten Verwandten, und noch näher als Orang- Utans und Gorillas sind uns die beiden Schimpansenarten. Der Schimpanse und der Bonobo sind näher mit uns verwandt als die Schimpansen mit irgendeinem anderen Menschenaffen. Mit mehr als 98% genetischer Übereinstimmung sind sie uns so nah und mit einem Unterschied von 1,2% doch unerreichbar von uns entfernt. In Prozent ausgedrückt sind sie uns extrem nah; sind sie dadurch auch zu 98% menschlich oder wir zu 98% Affen? Diese Frage stellen sich nicht nur die Affenforscher, sondern auch „Menschenforscher“. Ausschlaggebend für eine neue Art der Primatenforschung ist der Amerikaner Roger Fouts. Dieser amerikanische Verhaltensforscher, eigentlich angehender Kinderpsychologe, kam eigentlich nur reinzufällig mit der Verhaltensforschung auf dem Gebiet der Primaten in Berührung und machte sie zu seinem Lebenswerk. Mit seinem speziellen Vorwissen in Bezug auf die kindliche Psyche beobachtet er die Menschenaffen und zieht seine eigenen Rückschlüsse auf die Wesensverwandtschaft von Mensch und Affe.

Das Projekt Washoe, in dem Fouts, mit untypischer Hingabe, einer Schimpansendame die Gebärdensprache ASL beibringt liefert erstaunliche Ergebnisse für die Erklärung der Verwandtschaftsverhältnisse von Menschen und Primaten.[2] Der Schimpanse lernt die Sprache und zeigt Verhaltensweisen, die lange Zeit nur den Menschen vorbehalten waren.Fouts und Washoe liefern Beweise für eine emotionale, genetische und intellektuelle Verwandtschaft. Seine Forschungen gehen weit über den Anspruch eine Sprache zu vermitteln hinaus, er sucht Erklärungen für die gravierenden Ähnlichkeiten.

Die Sonderstellung des Menschen wird durch seine Ergebnisse in Frage gestellt, da die einzigartigste menschliche Eigenschaft Sprache zu erlernen von Affen genutzt wurde. Der Erforschung der Schimpansen und ihrer Anthropologie widmet Fouts seine Arbeit. Das außergewöhnliche Verhalten dieser Tiere, die auch ihre Sonderstellung im Tierreich einnehmen, zwingt Zoologen, Biologen, Verhaltensforscher und Anthropologen zu besonderer Aufmerksamkeit bei der Beobachtung unserer nächsten Verwandten. Roger Fouts gelingt es mit Hingabe und viel Liebe eine emotionale Bindung zu „seinen Tieren“ herzustellen, die ihm Beobachtungsmöglichkeiten und Einblicke ermöglicht die beeindruckend sind. Die engste Freundschaft verbindet ihn mit der Schimpansin Washoe, die als erster Affe eine komplexe menschliche Verständigungsform erlernte. Macht diese Fähigkeit den Affen menschlicher oder verliert der Mensch seine Sonderstellung?

2. Die Vorgeschichte des Forschungsprojekt Washoe:

In den späten vierziger und den frühen fünfziger Jahren versuchten Wissenschaftler mit allen Mitteln den Menschenaffen eine Sprache beizubringen. Insbesondere in den USA wurde die Forschung intensiviert, um die Ergebnisse in der Raumfahrt zu nutzen. Nach mehreren Jahren Trainings umfasste die Sprachfähigkeit der Menschenaffen nur ganze vier Wörter. Die Worte mama, papa, up und cup waren die einzig verständlichen Wörter.[3] Die Schimpansen, Bonobos und Orang-Utans konnten die Sprache nicht lernen, da sie nicht den notwendigen Sprachapparat zu Verfügung haben, um eine menschliche Lautsprache umsetzen zu können. Den Schimpansen ist es trotzdem möglich ca. 32 Laute zu nutzen. Die so genannten Pant- grunts, sind jedoch nicht kontrolliert zu gebrauchen. Diese heisernen Grunzlaute werden unkontrolliert in Momenten der Erregung und Gefahr ausgestoßen. Die Kommunikation der Affen in freier Wildbahn ist also meistens eine nonverbale Art der Unterhaltung. Ihre komplexen Kommunikationsformen leben in erheblicher Weise vom Gebrauch der Hände und der ausgeprägten Gesichtsmuskulatur, die den Schimpansen viele Emotionen ausdrücken lassen.

Die Forscher unterlagen einem erheblichen Denkfehler und verwarfen bald die Möglichkeit, dass Menschenaffen menschliche Sprachen lernen können. Dieser Fehler lag darin Sprachfähigkeit mit dem Beherrschen einer gesprochenen Sprache gleichzusetzen.

Das Ehepaar Gardner, die an der Universität von Nevada lebten, entschieden sich im Jahre 1965 für ein besonderes Forschungsprojekt, das einem Schimpansen eine menschliche Sprache beibringen sollte. Die Entscheidung der Gardners fiel auf die amerikanische Taubstummensprache ASL, die auch Ameslan genannt wird. Die American Sign Language übersetzt ganze Worte in Gebärden. Ein Jahr später bekamen sie das Schimpansenbaby Washoe, das sie wie ein menschliches Kind aufzogen. Im folgenden Jahr kam der junge amerikanische Doktorand nach Nevada und trat zum ersten Mal in Kontakt mit einem Affenkind, das sein weiteres Leben bestimmen sollte. Das Projekt der Gardners wurde schleichend zu einem Projekt von Roger Fouts. Es sollte erstaunliche Einblicke liefern, die es leichter machen Menschenaffen zu verstehen. Dieses Verständnis vom Schimpansen dient auch zum Ergründen von menschlichen Wesenszügen.

2.1 Roger Fouts und Washoe:

Roger Fouts, der Kinderpsychologe werden wollte, wurde durch seinen Doktorvater als Mitarbeiter für ein Forschungsprojeket gewonnen, das zu seinem Lebenswerk werden sollte. Die Gardners beauftragten Fouts damit sich zu gewissen Tageszeiten dem Affenbaby Washoe anzunehmen. Während der Dauer der gemeinsamen Stunden war es den jungen Mitarbeitern nur erlaubt sich in der ASL zu unterhalten, um es dem Affen so leicht wie möglich zu machen die Sprache zu lernen. Zu Beginn der Forschungsarbeit erprobten die Gardners ein System von Bestrafung und Belohnung, dieses System wurde jedoch bald nicht mehr genutzt, da es sich negativ auf die Affendame ausgewirkt hatte. Die Form des Lernens sollte nun ein System von Nahahmung und Unterstützung sein. Diese Form des Lernens ist der Art des Lernens gleich mit deren Hilfe Menschenkinder eine Sprache lernen. Die Methode von gemeinsamen Unterhaltungen und verschiedensten spielerischen Übungen zeigten bei dem Affenkind erheblichen Erfolg. Im Alter von 18 bis 24 Monaten, zu der Zeit als Fouts in das Leben des Schimpansen trat, begann Washoe, menschlichen Kleinkindern ähnlich, erlernte Wörter zu kombinieren.[4] Nach dem Prinzip der Ammenaufzucht erzogen lernte der kleine Affe spontan die neue Sprache.

Nach fast vier Jahren des Projekts Washoe konnte der kleine Menschenaffe schon 120 Wörter der ASL und diverse Kombinationen, die kleinere Unterhaltungen ermöglichten. Der Erfolg des Projekts verblüffte Wissenschaftler und regte die Fachwelt zu Diskussionen an. Die meisten nicht beteiligten Wissenschaftler sehen Washoe als einzigartigen Glücksgriff der Natur.

Die nicht mehr ausreichenden Zustände in einem kleinen Wohnwagen und im Garten der Gardners zwangen die Forscher zu einer schwerwiegenden Entscheidung. Washoe musste mit ihrem Lehrer und Freund Roger Fouts umziehen und in Oklahoma zeitweise ein neues Zuhause finden. An der Universität von Oklahoma wurde das Projekt Washoe weiter fortgeführt. In der Zwischenzeit zeigte die Presse reges Interesse an dem „Unikum Washoe“.

[...]


[1] Vgl. Scheler, Max: Die Stellung des Menschen im Kosmos. Hrsg. von Manfred S. Frings. 13. verb. Aufl. Bonn. 1995.

[2] vgl. Fouts, Roger: Unsere nächsten Verwandten- Vom Schimpansen lernen, was es heißt, ein Mensch zu sein. München 1998. S. 9-12.

[3] vgl. Fouts, Roger: Unsere nächsten Verwandten- Vom Schimpansen lernen, was es heißt, ein Mensch zu sein. München 1998. S. 40 ff.

[4] vgl. Fouts, Roger: Unsere nächsten Verwandten- Vom Schimpansen lernen, was es heißt, ein Mensch zu sein. München 1998. S. 31-55.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Schimpanse Washoe - Das Aufzuchtexperiment Fouts und seine anthropologische Bedeutung
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Veranstaltung
Sonderstellung,Erziehungsbedürftigkeit und Erziehbarkeit des Menschen.
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V25809
ISBN (eBook)
9783638283311
Dateigröße
732 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schimpanse, Washoe, Aufzuchtexperiment, Fouts, Bedeutung, Sonderstellung, Erziehungsbedürftigkeit, Erziehbarkeit, Menschen
Arbeit zitieren
Daniel Müller (Autor), 2004, Schimpanse Washoe - Das Aufzuchtexperiment Fouts und seine anthropologische Bedeutung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25809

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