Die Funktion der Biografiearbeit in der Altenseelsorge


Hausarbeit, 2004

26 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Von der Pyramide zum Pilz

Seelsorge für »die Alten«

Die Biografiearbeit stellt sich vor

Auf der Suche nach Identität und Sinn

Die Lebensrückschau und die Lebensbilanz

Die Bibel in der Biografiearbeit

Methoden der Biografiearbeit

Den Jahren Leben hinzufügen

Literaturverzeichnis

Die Funktion der Biografiearbeit in der Altenseelsorge

Von der Pyramide zum Pilz

Die deutsche Gesellschaft altert drastisch. Glich die grafische Darstellung der Bevölkerungsstruktur 1910 noch einer Pyramide, so wird sich bis 2050 der sogenannte »Alterspilz« ausgebildet haben.1 »Die Alten« werden mehr; ihr Ansehen aber ist schlecht. Für die Gemeinde heißt das: Die Bedeutung der Altenseelsorge wird zunehmen; und damit wird auch die Frage nach geeigneten Methoden dieser Seelsorge dringlicher werden. In diesem Zusammenhang bringt sich die Biografiearbeit ins Gespräch, die heute »bei allen Berufsgrup­pen sozialer Dienste im Trend« liegt.2 Daher werde ich nach einer Ortsbestimmung der Biografiearbeit in der Altenseelsorge mein Verständnis dieser Form des Arbeitens umreißen, um anschließend einige Leistungen, die sie im Dienste der Altenseelsorge erbringen kann, genauer zu betrachten; das Ganze soll in ein paar praktische Anregungen auslaufen.

Seelsorge für »die Alten«

Die Biografiearbeit soll hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Altenseelsorge dargestellt werden. Daher suche ich einen Bereich der Altenseelsorge, in dem diese Form des Arbeitens das ihr innewohnende Potential optimal zur Entfaltung bringen kann. Dieses Anliegen heißt Altern in Würde, es artikuliert sich in einer gesellschaftlichen Situation der Diskriminierung des Alters. Biografisches Arbeiten will den alternden Menschen vor der Anpassung an die Vorurteile bewahren, die über ihn im Umlauf sind. Biografisches Arbeiten will sein Leben für ein Altern in Würde fruchtbar machen.

Die meisten Menschen wollen zwar alt werden, aber nicht alt sein; »die Alten«, das sind möglichst lange die anderen. »Während manche junge Menschen das Alter bereits mit 50 Jahren beginnen lassen, ist man für fast 40 Prozent der über 75 jährigen erst mit 70 Jahren >alt<.«3 Die Auslagerung »der Alten« aus dem Selbstbild sogar älterer Menschen hängt damit zusammen, »daß Alter und Altern immer noch mit überwiegend negativen stereotypen Vor­stellungen in der gesellschaftlichen Wirklichkeit verbunden und belastet sind ... >Man vermutet bei älteren Menschen eine größere Abhängigkeit von der Umwelt, weniger Flexibilität, Unfähigkeit zu Veränderungen und das Vorliegen von irreversiblen und behandlungsresistenten Krankheiten««4 Ulrich Moser fasst »die Negativität des Alters« in fünf Punkten zusammen: Sie hat erstens mit »den Werten der sog. Leistungsgesellschaft« zu tun, denen ältere Menschen nicht mehr zu entsprechen scheinen; zweitens mit dem »Rollenverlust« in »der Kernfamilie und der Arbeitswelt«. Parallel dazu findet drittens »ein Prozeß der Stigmatisierung« statt, wobei sich mit dem Stigma »alt« eine »Tendenz zur Generalisierung« verbindet. Viertens beeinflussen die negativen Stereotypien den alternden Menschen dahin gehend, dass er sich schließlich ihnen gemäß verhält. Nachdem er mit den Erwartungen an ein »altersgemäßes Verhalten« identisch geworden ist, bekommt er dann fünftens den »Legitimationszwang«, den Altern mit sich bringt, zu spüren.5 Das Negativbild vom Alter ist auch als »Defizitmodell« bekannt, nach dem Altern ausschließlich und unausweichlich durch allmählich immer größer werdende kör­perliche, geistige und soziale Ausfälle gekennzeichnet ist.

Für die Seelsorge ergibt sich daraus die Aufgabe, den alternden Menschen vor der An­gleichung an das negative Leitbild zu bewahren, womit sich die Frage nach Alternativen stellt. Die folgenden Perspektiven wurden im Hinblick auf die beabsichtigte Integration der Biografiearbeit in die Altenseelsorge ausgewählt. Biografisches Arbeiten kann einen Beitrag zur Verwirklichung dieser Leitideen leisten. Zur Kritik der positiven Bilder gehört, dass ein ausge­wogenes Bild vom Alter natürlich auch die negativen Aspekte einbeziehen muss.6 Außerdem laufen die Entwicklungen im Alter wohl nicht naturgesetzlich ab. Die folgenden Modelle eröffnen somit nur Möglichkeiten, die ergriffen werden können oder auch nicht.

Die moderne Gerontologie läßt sich vom Kompetenz-Modell leiten. Der Begriff »Kompetenz« soll »die Aufmerksamkeit auf das lenken, was alte Menschen können, und nicht auf das, was sie wegen des Altersabbau (Defizit- oder Defekt-Modell) oder wegen mangelnder Übung (Disuse- oder Aktivitäts-Modell) verloren haben.«7 Das Kompetenz-Modell geht von der Er­kenntnis aus, »dass Funktionen und Fähigkeiten sich beim Älter werden in unterschiedlicher Weise verändern, in ihrer Summe aber nicht automatisch abnehmen müssen.«8 Ziel ist es, durch fördernde oder auch entlastende Maßnahmen eine Kompetenzbalance zwischen den Anforderungen und den Fähigkeiten zu erreichen. Bei den Maßnahmen der Kompetenzförde­rung spielen die Ressourcen eine wichtige Rolle, zu denen im Alter zunehmend auch die Erinnerungen gehören.

Die Kontinuitätstheorie von Robert Atchley9 legt »eine Basisstruktur« zugrunde, »die über den Wandel der Zeiten hinweg die gleiche bleibt, jedoch innerhalb eines bestimmten Rahmens durchaus Wandlungsmöglichkeiten beinhaltet.«10 Die These lautet: »Durch Anpassungs­prozesse versuchen ältere Menschen bestehende ... Strukturen zu erhalten, um durch die Bewahrung von Kontinuität den Herausforderungen des Alterns zu begegnen.«11 Kontinuität wird nicht als statische, jeden Wandel aus schließende verstanden, sondern als dynamische »Kohärenz ... und Konsistenz ... von Lebensmustern über die Zeit hinweg«12. Sie »bezieht sich auf die Vergangenheit des Individuums, auf seine Lebensgeschichte und zwar so, wie sie vom Individuum wahrgenommen wird.«13 Ihr Ausmaß wird »im Hier und Jetzt« bestimmt und gründet auf der »erinnerten Vergangenheit«.14 Im Hinblick auf die Biografiearbeit bedeutet das: Maßnahmen, die den Strukturgrad der Erinnerungen erhöhen, verbessern die Anpas­sungsfähigkeit, das heißt die Dynamik der Kontinuität.

Erik H. Erikson stellt das »menschliche Wachstum« »unter dem Gesichtspunkt der inneren und äußeren Konflikte« (= psychosozialer Krisen) dar.15 Sie teilen es in acht Phasen ein, denen er polare Begriffspaare zuordnet, die die zu lösenden Konflikte bezeichnen. Der achten Phase, die das reife Erwachsenenalter betrifft, ordnet er »Integrität gegen Verzweiflung und Ekel« zu. Integrität kann als »Frucht« der sieben vorangegangenen Stadien heranwachsen. Sie »bedeutet die Annahme seines einen und einzigen Lebenszyklus und der Menschen, die in ihm notwendig da sein mußten und durch keine anderen ersetzt werden können .«16 Erikson nennt das auch »Sein, was man geworden ist«17. Die Tugend des Alters ist die »Weisheit« als »distanziertes Befaßtsein mit dem Leben selbst, angesichts des Todes selbst«. »Sie erlaubt es dem alten Menschen, menschliche Probleme in ihrer Ganzheit zu sehen - was nach Erikson eben Integrität bedeutet - und vermittelt auf diese Weise die Integrität der Erfahrung.«18 Die biografische Arbeit unterstützt die Integration der Erfahrungen des gelebten Lebens, das sich seinem Abschluss nähert, und somit die dem Alter gestellte Aufgabe.

C. G. Jung spricht vom »Individuationsprozeß«. Er »besteht aus zwei großen Abschnitten, die gegensätzliche Vorzeichen tragen und sich gegenseitig bedingen und ergänzen: aus jenem der ersten und aus jenem der zweiten Lebenshälfte. Stellt der erste als Aufgabe die >Initiation in die äußere Wirklichkeit< dar, ... so führt der zweite zu einer >Initiation in die innere Wirklichkeitc, zu einer vertiefen Selbsteinsicht und Menschenkenntnis, zu einer >Rückbeugung< (reflectio) zu den bis dahin unbewußt gebliebenen oder gewordenen Wesenszügen, zu ihrer Bewußtmachung und dadurch zu einem bewußten inneren und äußeren Bezogensein des Men­schen in das irdische und kosmische Weltgefüge.«19 »Je älter wir werden, desto mehr verschleiert sich die Außenwelt ... und desto stärker ruft und beschäftigt uns die Innenwelt.«20 Die Reise nach innen ist das Vorrecht der zweiten Lebenshälfe und somit auch des Alters. Bei der biografischen Erinnerungsarbeit geht es nur vordergründig um Retrospektion; im eigentlichen Sinne geht es um Introspektion, das Wort »Er-Innerung« sagt es bereits.

Der Glaube läßt dem Menschen nicht am Tod zerschellen, sondern eröffnet ihm eine Perspektive über das Grab hinaus. Zu einem positiven Bild vom Alter gehört ein positives Bild vom Tod. Nach meinem Fürwahrhalten, das ich hier nur andeuten, nicht aber entfalten kann, ist der Tod am ehesten mit einer Geburt vergleichbar. Gerhard Tersteegen hat diesen Glauben sehr schön in die folgenden Worte gefasst: »Die Kinder Gottes haben dreierlei Geburtstage. Durch den ersten, natürlichen, kommen sie aus dem finsteren Gefängnis von ihrer Mutter Leib zu dem Lichte dieser unteren Welt; da weint das Kind billig, die Verwandten aber freuen sich. Durch den zweiten Gnadengeburtstag, nämlich die Wiedergeburt, werden sie stufenweise aus dem engen, finsteren Naturstand ins Licht der Gnade versetzt. Da weinet auch mehrenteils das Kind; aber es freuen sich gewiß die Engel im Himmel, sobald nur ein Sünder Buße tut. Dasjenige, was wir den Tod nennen, das nannten und feierten die ersten Christen als einen Geburtstag der Märtyrer und Heiligen. Dieser dritte Geburtstag, der leibliche Tod nämlich, erlöset Gottes Kinder aus dieser bangen Welt, aus dem engen Gefängnis dieses Leibes der Demütigung, und aus allem Druck und Seelengefahr, da sie recht fröhlich ausgeboren und versetzt werden in die Weite der lieben, süßen Ewigkeit. Zwar geht's auch bei dieser letzten Geburt oft sehr unansehnlich und bedrängt her, daß das Gnadenkind wohl gar auch ächzen und weinen muß, bis es durchkommt; aber alles zu seinem Besten.«21

Der Tod hat zwei Gesichter; als Knochenmann räumt er das Feld ab, als Sensenmann holt er die Ernte ein. Er scheint damit einem Kippbild vergleichbar zu sein, in dem die Kulturen entweder das eine oder das andere Bild entdecken können. Seine Doppelgesichtigkeit spiegelt sich seit alters auch in der Bewertung alter Menschen. Sie gelten entweder als »Verkörperung von Weisheit und Erfahrung, der mit Ehrfurcht und Unterordnung zu begegnen ist« (siehe Ci­cero) oder als »Verkörperung von Gebrechlichkeit, Armut, Unzurechnungsfähigkeit und Hilflosigkeit, die dem Spott der jüngeren ausgesetzt sind« (siehe die Komödien des Plautus).22 Beide Sichtweisen gründen auf Erfahrungen. Vor meinem geistigen Auge steht, wenn ich das Alter betrachte, erntereifes Getreide. Die Lebenskraft der Sonne hat sich im Inneren des Kornes versammelt, das Äußere des Halmes stirbt ab. Während der äußere Mensch die Dinge nach und nach loslassen muss, wird der innere reif für die Geburt in seine geistige Welt. Das ist natürlich »nur« eine Vision, mit der die Wirklichkeit nur unvollkommen übereinstimmt; doch Leitbilder braucht es, um die Orientierung nicht zu verlieren. Die Altenseelsorge muss den Tod nicht ständig thematisieren, sie darf ihn aber auch nicht aus ihrem Bewußtsein ausklammern. Eine wohltemperierte Form des Umgangs mit der Anwesenheit der Endlichkeit ist die biografische Arbeit. Denn die »Fähigkeit, im Rückblick auf die Biographie Ereignisse und Erfahrungen des Lebens in eine umfassende Ordnung zu bringen, gilt als Grundlage, sich mit der Endlichkeit der eigenen Existenz auseinandersetzen zu können.«23

Zusammenfassend sei gesagt: Bei ihrem Einsatz in der Altenseelsorge knüpft die Bio­grafiearbeit an eine im Alter reichlich vorhandene Ressource an, nämlich die Erinnerung. Sie erhöht ihren Strukturgrad und verbessert damit die dynamische Kontinuität. Zugleich kommt das Leben als Ganzes, als nunmehr gelebtes Leben in den Blick. Das Buch des Lebens ist geschrieben, nun beginnt die Interpretation. Persönlich bin ich vom Glauben durchdrungen, dass dieses Buch nicht im Krematorium verbrannt wird, dass ihm eine Zukunft bevorsteht, die wir in der prämortalen Phase allerdings nur in Bildern erahnen können.

Die Biografiearbeit stellt sich vor

Biografiearbeit ist Arbeit mit Lebensspuren. Ihr Gegenstand ist das gelebte Leben, das Spuren hinterlassen hat: Erinnerungen an Orte und Zeiten, Taten und Ereignisse, Personen und Sachen. Sie sind die Grundlage der biografischen Arbeit. Doch die Spuren gehören zu einem Ich, das alles nur erzählt, um zu sagen, wer es selbst ist. Biografien von Personen des öffentlichen Lebens zeigen deswegen auf der Titelseite meist ein Foto derselben und bringen damit anschaulich zum Ausdruck, dass der biografische Ansatz »den Menschen als Subjekt seiner Lebensgeschichte« thematisiert.24 Anton Boisen, der Begründer des »Clinical Pastoral Trai- ning«, betrachtete die Menschen als »living human documents«, die man »mit eben demselben Verstehensschlüssel sich erschließen müßte wie die großen biblischen Dokumente der religiö­sen Glaubenserfahrung«25. Bei der Deutung von Texten unterscheidet man den synchronen und den diachronen Zugang. Mit der Biografiearbeit steht der Seelsorge eine diachrone Methode zur Verfügung, mit der sie die »living human documents« durch Einblicke in ihre Entstehungsgeschichte verstehen kann.26 Die Empathie bekommt eine biografische, lebensge­schichtliche Dimension.

Biografische Arbeit ist Erinnerungsarbeit. Am Anfang steht die Bestandsaufnahme: An was kann ich mich erinnern? Wie kann ich Versunkenes wieder heben? Bilder aus der Kindheit tauchen auf, die erste große Liebe, Alltagsgeschichten, Familienfeste, aber auch Erfahrungen mit Krankheit, Verlust und Tod. Welche Einschnitte werden erkennbar? Welche Phasen? Und wie lassen sich die großen Abschnitte weiter zerlegen?27 Der erste Schritt ist die Reise in die Vergangenheit oder die analytische Biografiearbeit.

Biografische Arbeit ist Integrations- und Identitätsarbeit.28 In diesem zweiten Durchgang geht es um die Erarbeitung einer gegenwartsgültigen Gestalt des Ganzen, wobei die Gestalt in Anlehnung an den Grundgedanken der Gestaltpsychologie immer mehr und etwas anderes ist als die Summe ihrer analytisch ermittelten Teile.29 Die Gestalt ist einerseits aus den Erinnerungen zusammengesetzt, andererseits aber auch diejenige Intuition, die allein diese Erinnerungen zusammensetzen kann. Ich erblicke in der Fähigkeit des menschlichen Geistes, in den erinnerten Sedimenten immer wieder neu eine Gestalt seiner selbst zu erkennen, eine Gabe des göttlichen Geistes, der mich in jedem Augenblick meines Lebens ein Ich sein läßt. In der biografischen Arbeit wird das erinnerte Material zu einem Ganzen zusammengefügt. Die darin erschaute Gestalt nennt man »Identität«.30 Dieser Schritt betrifft die Gegenwart und heißt synthetische Biografiearbeit.

[...]


1 Siehe B. M. Jasper, Gerontologie, 2002, 71-90. Eine grafische Darstellung auf Seite 73 zeigt das »Entstehen des Alterspilzes«, basierend auf Berechnungen des Statistischen Bundesamtes Wiesbaden aus dem Jahre 2000. Eine Zusammenfassung der Bevölkerungsentwicklung in der Schweiz gibt Bernhard Joss-Dubach, Das Alter - Eine Herausforderung für die Kirche, Zürich 1987, 7-18. Sie unterscheidet sich nicht grundsätzlich von der in Deutschland.

2 »Das Arbeiten mit der Biographie liegt bei allen Berufsgruppen sozialer Dienste im Trend. War es früher das Privileg von Psychotherapeuten, Historikern und Literaturwissenschaftlern, so bemühen sich heute Seelsorger, Sozialpädagogen und auch Pflegekräfte um die Erschließung der Lebensgeschichte ihrer Klienten, um in ihrem Dienst Zugänge zu der Persönlichkeit ihres Gegenübers zu finden und ganzheitlich helfen zu können.« (K.-H. Bierlein, Arbeit an der religiösen Biographie, WzM 48 (1996), 400).

3 H. Walter, Das Alter leben!, 1995, 11.

4 U. Moser, Identität, Spiritualität und Lebenssinn, 2000, 38.

5 Siehe U. Moser, a. a. O., 38-43.

6 Nach U. Moser ist »eine christliche Sichtweise des Alterns in gewisser Weise paradox: im Altern gibt es unbezweifelbar eine >Abwärtskurve< die durch eine Vielzahl von Verlusten und Einschränkungen gekennzeichnet ist. Ein christliches Verständnis des Alterns ... wird dies nicht leugnen, hält aber dennoch daran fest, daß es auch eine >Aufwärtskurve< gibt, eine Möglichkeit, zu wachsen.« (a. a. O., 237).

7 H. Walter, Das Alter leben!, 1995, 60.

8 B. M. Jasper, Gerontologie, 2002, 43. Vgl. auch H. G. Ruhe, Methoden der Biografiearbeit, 2003, 132: »Das gesellschaftliche Bild vom Alter ist geprägt vom ständigen Abfall der kreativen und intellektuellen Leistung. Die Altersforschung ist mittlerweile zu anderen Erkenntnissen gekommen. Die sprachliche Entwicklung ist erst im Alter von 50 Jahren auf dem Höhepunkt, andere intellektuelle Leistungen bleiben gleich oder verlangsamen sich lediglich.«

9 Atchleys Theorie wird hier nach U. Moser, Identität, Spiritualität und Lebenssinn, 2000, 48-51 dargestellt. Als Quelle gibt er an: Robert C. Atchley, A Continuity Theory of Normal Aging, in: The Gerontologist 29 (1989) 183-190.

10 U. Moser, a. a. O., 48.

11 U. Moser, a. a. O., 48.

12 U. Moser, a. a. O., 49.

13 U. Moser, a. a. O., 49.

14 U. Moser, a. a. O., 50.

15 E. H. Erikson, Identität und Lebenszyklus, 1973, 56.

16 E. H. Erikson, a. a. O., 118.

17 E. H. Erikson, a. a. O., 215.

18 M. Blasberg-Kuhnke, Gerontologie und Praktische Theologie, 1985, 37. Siehe E. H. Erikson: »Wisdom, then, is detached concern with life itself, in the face of death itself. It maintains and conveys the integrity of experience, in spite of the decline of bodily and mental functions ... some old people can envisage human problems in their entirety (which is what >integrity< means) ...« (Insight and Responsibility: Lectures on the Ethical Implications of Psychoanalytic Insight, New York 1968, 133f.). M. Blasberg-Kuhne bringt diesen Gedanken in Verbindung mit der alttestamentlichen Vorstellung von »Weisheit und Reife als Funktionen des Alters« (a. a. O., 253-255).

19 J. Jacobi, Die Psychologie von C. G. Jung, 1994, 110.

20 J. Jacobi, a. a. O., 148. Vgl. auch M. Wais, Biographiearbeit, Lebensberatung, 2002. Er beschreibt den »Siebenerrhythmus«, der ebenfalls von zwei Lebenshälften ausgeht, wobei der Wendepunkt am Ende des 5. Jahrsiebts erreicht ist. Bemerkbar mache sich in der Lebensmitte der »innere Impuls zur Wandlung« (a. a. O., 194), allerdings wird diese nicht so holzschnittartig wie bei C. G. Jung auf zwei Welten bezogen. Immerhin ist das 10. Jahrsiebt aber das »der zunehmenden Körperferne und zunehmenden Geistnähe« (a. a. O., 190).

21 Zitiert nach: Walter Nigg, Heimliche Weisheit, Zürich 1959, 345.

22 E. Blimlinger etc., Lebensgeschichten, 1996, 5. Zu den beiden gegenläufigen Prozessen im Prozess des Alterns vgl. auch Rothacker: »Nach Rothacker kreuzen sich im Alter die physische Wachstumskurve und die psychische Reifungskurve: >Während im körperlichen Bereich zunehmend Einschränkungen und Funktionsverluste zu erkennen< sind, lassen >sich im seelischen Bereich nicht selten eine Weiterentwicklung - sowohl im Sinne der Differenzierung als auch im Sinne der Integration - beobachten<. Von daher ist es wichtig, Altern nicht einseitig als generellen Abbauprozeß zu betrachten, sondern auch jene Bereiche in den Blick zu nehmen, in denen eine Weiterentwicklung von Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erkennen ist.« (U. Moser, Identität, Spiritualität und Lebenssinn, 2000, 34f).

23 U. Moser, a. a. O., 36.

24 S. Klein, Theologie und empirische Biographieforschung, 1994, 84. Der persönliche Fokus unterscheidet die Biographie von den Memoiren: »Bezüglich der literarischen Form lassen sich grob zwei Typen unterscheiden: Die Memoiren, die die Aktivitäten in der Außenwelt darstellen und die Autobiographie, die von der Entwicklung einer Persönlichkeit handelt.« (E. Blimlinger etc., Lebensgeschichten, 1996, 28).

25 Zitiert nach J. Scharfenberg, Einführung in die Pastoralpsychologie, Göttingen 1985, 185.

26 Stehen für die Biografiearbeit außer den Gedächtnis erinnerungen auch Tagebücher zur Verfügung, dann gelingt es noch besser gegenwartssprachliche (synchrone) Erinnerungen diachron zu lesen. Außerdem kann man sich ein wenig besser in vergangene Gegenwarten, vergangene Selbstwahrnehmungen und Horizonte hineinversetzen, die einem heute merkwürdig fremd erscheinen, wie eine Haut, die nicht mehr die eigene ist.

27 »So teilt sich der Lebenslauf in Lebensphasen, also jene Bereiche, die über einen langen Zeitraum hinweg andauern und Lebenszäsuren, jene Ereignisse, die einen Einschnitt in der Lebensgeschichte darstellen« (E. Blimlinger etc., Lebensgeschichten, 1996, 63).

28 P. Alheit spricht von der »Integrations- und Identitätsleistung der Subjekte im lebensgeschichtlichen Prozess« (Identität oder »Biographizität«?, in: H. G. Petzold, Lebensgeschichten erzählen, 2003, 11).

29 »Das Ganze ist mehr bzw. anders als die Summe seiner Teile.« A. Prengel (Hg.), Gestaltpädagogik: Therapie, Politik und Selbsterkenntnis in der Schule, Weinheim 1983, 51.

30 »Identität« hat zwei Bedeutungen. Erstens wird sie als »ein von außen zugeschriebener Merkmalskomplex« betrachtet. »Das Beispiel par excellence dafür ist die Identitätskarte (der Personalausweis), der eine Identifizierung jedes Menschen ermöglicht.« Zweitens wird sie als »selbstreflexiver Prozeß« verstanden. »>Eine Person stellt Identität über sich her, indem sie ihr Wissen, ihre Erfahrungen über sich selber verarbeitet«! (U. Moser, Identität, Spiritualität und Lebenssinn, 2000, 210f). Die zweite Bedeutung ist für die Biografiearbeit maßgeblich. Nach der empirischen Wende übernimmt der Begriff der Identität die Funktion, die vordem der ontologische Begriff des Wesens hatte. Gleichwohl scheint mir auch die Identität nicht nur empirisch zu sein, denn einesteils ist sie zwar das Ergebnis der biografischen Arbeit, andernteils aber auch die Voraussetzung dafür, dass es so etwas wie eine Lebensgeschichte überhaupt gibt. Ohne das »Gefühl«, im

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Funktion der Biografiearbeit in der Altenseelsorge
Hochschule
Universität Zürich  (Theologische Fakultät)
Note
gut
Autor
Jahr
2004
Seiten
26
Katalognummer
V25883
ISBN (eBook)
9783638283885
Dateigröße
580 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand.
Schlagworte
Funktion, Biografiearbeit, Altenseelsorge
Arbeit zitieren
Thomas Noack (Autor), 2004, Die Funktion der Biografiearbeit in der Altenseelsorge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25883

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