Ein Kennzeichen unserer modernen Gesellschaft dürfte, mit großer Wahrscheinlichkeit, die fast immer und überall im Leben des modernen Menschen geforderte Flexibilität sein. Die verschiedenen Lebensbereiche, wie Arbeit, Freizeit, Wohnen, privates und geschäftliches soziales Netz, sollen, der sich verändernden Umwelt, jederzeit anpassbar sein. Förderlich wirkt sich der Umstand des technischen Fortschritts auf diese Lebensform aus. Verkehrsmittel die eine immer schnellere Raumüberwindung zu immer geringeren Kosten möglich machen, wie das Flugzeug, lassen die Welt kleiner werden und ermöglichen eine größere und stetig zunehmende Ortsmobilität. Auch der Fortschritt der modernen Kommunikationstechnik unterstützt die Tendenz hin zur flexiblen Lebensweise. Durch die heute weit verbreiteten Kommunikationsmittel, wie Internet, Fax, Handy usw. können Menschen zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten präsent sein. Da der Bereich der Technik auch in den nächsten Jahren eher fortschreitet als zu stagnieren, ist schon auf Grund dessen mit wachsender Forderung nach Flexibilität zu rechnen.
Am häufigsten und extremsten dürfte jedoch die in der Arbeitswelt geforderte Flexibilität auf den Menschen wirken. Sowohl die Arbeitsformen als auch die Produktionsweisen und damit die Unternehmen selber, haben sich unter dem Druck wachsender Flexibilität verändert. Dies hat zur Folge, dass meist auch in zunehmenden Maße von den Mitarbeitern Flexibilität gefordert wird. Auch auf die Kulturen in Unternehmen haben diese Veränderungen im Arbeitsprozess Einfluss. Somit wird Flexibilität häufig zum Bestandteil von Unternehmenskulturen und beeinflusst diese. Diese Aspekt von Flexibilität, als Bestandteil von Unternehmenskultur und der Wirkung auf sie, soll in dieser Arbeit erläutert werden. Hierzu werden erst die theoretischen Grundlagen des Konzeptes der Unternehmenskultur mit seiner Geschichte, Funktionen und Vermittlungsmöglichkeiten dargestellt. Im darauf Folgenden wird der Begriff der Flexibilität erläutert, wobei vertiefend auf das Verständnis von Flexibilität nach Sennett (2000) eingegangen wird.
Anhand einiger exemplarisch dargestellter Aspekte soll gezeigt werden, wie Flexibilität positiv bzw. negativ auf Unternehmen und deren Kultur wirken kann. Auf die negativen Effekte soll ausführlicher eingegangen werden, da diese Wirkung als problematischer bewertet wird. [...]
Inhaltsverzeichnis
1.)Einleitung
2.) Unternehmenskultur
2.1) Ursprünge der Unternehmenskultur
2.2) Vermittlung von Unternehmenskultur
2.2.1) Materielle Vermittlung
2.2.2) Sprachliche Vermittlung
2.2.3) Interaktive Vermittlung
2.3) Funktionen der Unternehmenskultur
3.) Flexibilität
3.1) Flexibilität nach Sennett
3.1.1) Der diskontinuierliche Umbau von Institutionen
3.1.2) Die flexiblen Spezialisierungen der Produktion
3.1.3) Die Konzentration der Macht ohne Zentralität
4.) Flexibilität in der Unternehmenskultur
4.1) Ausdruck von Flexibilität in der Unternehmenskultur
4.2) positive Effekte von Flexibilität
4.3) Negative Effekte von Flexibilität
4.4) „lernende Organisation“ als eine mögliche Konsequenz
5.) Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den wachsenden gesellschaftlichen Anspruch an Flexibilität und dessen Auswirkungen auf moderne Unternehmenskulturen. Das primäre Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen der geforderten organisatorischen Anpassungsfähigkeit und den damit einhergehenden Konsequenzen für die Identität und Stabilität von Unternehmen sowie deren Mitarbeitern zu analysieren.
- Theoretische Grundlagen und Funktionen von Unternehmenskultur
- Analyse des Flexibilitätsbegriffs nach Richard Sennett
- Gegenüberstellung positiver und negativer Effekte von Flexibilität
- Untersuchung der „lernenden Organisation“ als strategische Konsequenz
Auszug aus dem Buch
3.1) Flexibilität nach Sennett
Den Ursprung des Wortes Flexibilität sieht Sennett im 15.Jahrhundert mit der Bedeutung, dass „ein Baum sich zwar im Wind biegen kann, aber zu seiner ursprünglichen Gestalt zurückkehrt“ (Sennett, 2000, S.57).
„Der flexible Mensch“ soll diese Eigenschaften besitzen. Er soll in der Lage sein, sich verändernden Umständen anzupassen, ohne an ihnen zu zerbrechen. Der heute im „flexiblem Kapitalismus“ wünschenswerte Arbeitnehmer soll von Regeln und formalen Prozeduren unabhängig, ständig zu Risiko bereit und in der Lage sein, sich auf kurzfristige Veränderungen einzustellen. Menschen werden im modernen Arbeitsprozess herumgeschoben, sollen ihre Arbeit mal hier, mal da verrichten und auch zu kurzfristigen Arbeitsverhältnissen bereit sein. Flexibilität verlangt, dass man sich an den Ort begibt, an dem die Arbeit ist (Sennett, 2000, S.10-11).
Routine wird heute meist als eine Form des Stillstandes gesehen, den es mit der Gründung flexibler Institutionen zu überwinden gilt. Sennett (2000) ist der Meinung, dass diese Ablehnung von bürokratischer Routine das Machtsystem der Flexibilität in unserer heutigen Gesellschaft hervorruft. Im Unterschied zu Smith (1978) sieht Sennett in Flexibilität eine Form von Machtsystem nicht von Freiheit (Sennett, 2000, S.57-59). Dieses Machtsystem beinhaltet drei Elemente, den „diskontinuierlichen Umbau von Institutionen, flexiblen Spezialisierung der Produktion und Konzentration der Macht ohne Zentralisierung“ (Sennett, 2000, S.59).
Zusammenfassung der Kapitel
1.)Einleitung: Einführung in die wachsende Bedeutung von Flexibilität in der modernen Gesellschaft und Skizzierung der Forschungsabsicht in Bezug auf Unternehmenskulturen.
2.) Unternehmenskultur: Darlegung der theoretischen Grundlagen, Funktionen und symbolischen Vermittlungsformen von Organisations- und Unternehmenskultur.
3.) Flexibilität: Definition des Flexibilitätsbegriffs mit einem Fokus auf die kritische Auseinandersetzung mit dem Machtsystem nach Richard Sennett.
4.) Flexibilität in der Unternehmenskultur: Analyse der praktischen Anwendung, der positiven sowie der potenziell negativen Auswirkungen von Flexibilitätsstrategien auf Unternehmen.
5.) Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse und Fazit bezüglich der Notwendigkeit eines ausgewogenen Maßes an Flexibilität zur Stärkung der Mitarbeiter und des Unternehmens.
Schlüsselwörter
Unternehmenskultur, Flexibilität, Richard Sennett, Arbeitswelt, Organisation, Lernende Organisation, Teamarbeit, Machtsystem, Identifikation, Arbeitsmotivation, Koordination, Integrationsfunktion, Globalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie der zunehmende gesellschaftliche Druck zur Flexibilität die Unternehmenskulturen verändert und welche Folgen dies für die betriebliche Stabilität hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Konzepte der Unternehmenskultur, die Theorie der Flexibilität nach Richard Sennett und der Wandel hin zur sogenannten „lernenden Organisation“.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine kritische Analyse der positiven und negativen Auswirkungen flexibler Arbeitsweisen auf die Identität, Motivation und Koordination innerhalb von Organisationen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Anwendung soziologischer und betriebswirtschaftlicher Konzepte zur Deutung von Unternehmenskulturen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Entstehungsgeschichte von Unternehmenskulturen, den Flexibilitätsbegriff nach Sennett und die Auswirkungen von Flexibilisierungsmaßnahmen wie Teamarbeit und Ortsmobilität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Unternehmenskultur, Flexibilität, Organisationsentwicklung, Machtsysteme und die lernende Organisation.
Warum wird Flexibilität nach Sennett als Machtsystem interpretiert?
Sennett argumentiert, dass Flexibilität kein Ausdruck von Freiheit ist, sondern durch den Abbau von bürokratischer Routine und stabilen Strukturen neue Kontrollmechanismen für Arbeitgeber schafft.
Welche Rolle spielen „Rituale“ bei der Vermittlung von Unternehmenskultur?
Rituale dienen als interaktive Instrumente, um Emotionen zu wecken, Identifikation zu stärken und das soziale Eingliedern neuer Mitarbeiter in die bestehenden Wertesysteme zu erleichtern.
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- Josina Johannidis (Author), 2004, Flexibilität als Bestandteil moderner Unternehmenskulturen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25884