Diese Arbeit wurde durch einen einjährigen Aufenthalt in Bolivien motiviert, den ich als Teil
meines theologischen Studiums machte. Die dortigen Erfahrungen und theologischen Studien
am Instituto de Missionologia der Universidad Catolica Boliviana in Cochabamba haben
mir die Notwendigkeit missionologischer Fragestellungen bewusst gemacht. Der Besuch
der Reduktionen in der Chiquitanie und im Gebiet der Moxos hat bei mir einen bleibenden
Eindruck hinterlassen. Im besonderen möchte ich das Miterleben der Feierlichkeiten zum Fest
des Heiligen Ignatius in San Ignacio de Moxos erwähnen, bei dem die Musik der Reduktionen
nach den Erwähnungen in der Standardliteratur für mich persönlich lebendig wurde. Dabei
kam die Frage nach der Musik und ihrer Bedeutung für die Evangelisierung, zum einen damals
in den Reduktionen, zum anderen aber auch heute in unserer missionarischen Kirche auf. Interesse
an der Geschichte Lateinamerikas, der Gesellschaft Jesu und insbesondere auch an der
Musik, die für mein eigenes Leben und Glauben sehr wichtig ist, haben die Themenfindung
dieser Arbeit unterstützt.
Die Kirche ist ihrem Wesen nach missionarisch, woraus sich eine Bedeutung der Missionstheologie
für den Fächerkanon der Theologie ergibt, der in vielen Hochschulen und Fakultäten
nicht entsprochen wird, da die Theologie der Mission unter Pastoraltheologie subsumiert wird.
Sicherlich haben die Ergebnisse missionstheologischer Überlegungen auch immer Konsequenzen
für die pastorale Praxis, da z.B. in der heutigen kirchlichen Situation in Deutschland nicht
immer deutlich zwischen evangelisatorischen und pastoralen Aktivitäten unterschieden werden
kann. Insofern ergibt sich eine innere Verbundenheit der beiden Fächer, die aber nicht über
die Notwendigkeit einer Theologie der Mission hinwegtäuschen kann.
Eine wesentliche Dimension der heutigen missionstheologischen Reflexion ist dabei - angestoßen
von den
”jungen Kirchen“ die Frage nach dem Verhältnis von Evangelium und Kulturen,
auf die mit einer Theologie der Inkulturation des Evangeliums geantwortet wird. Der Vorgang
der Inkulturation geht im Idealfall auf den verschiedenen Ebenen der Kultur von statten, so
dass z.B. von inkulturierter Liturgie, Theologie oder Spiritualität gesprochen wird. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Missionshistorischer Kontext
1.1 Das Verhältnis von Kolonisierung und Evangelisierung
1.1.1 Unterschiede zwischen Hispano- und Lusoamerika
1.1.2 Das Verhältnis von Kirche und Staat
1.1.3 Vorausgehende Missionen und Missionsversuche
1.2 Die Gesellschaft Jesu in Lateinamerika
1.2.1 Ebene 1: Lateinamerika
1.2.2 Ebene 2: Paraquaria
1.2.3 Ebene 3: Chiquitos
1.3 Die Reduktionen bei den Chiquitos
1.3.1 Die Chiquitos
1.3.2 Die Missionare
1.4 Grundskizze einer ignatianischen Missionologie
1.4.1 Grundlegung der Missionologie
1.4.2 Gründung einer Reduktion
1.4.3 Leben in der Reduktion
1.4.4 Medien der Evangelisation
1.5 Zusammenfassung
2 Die Musik der Reduktionen
2.1 Musikwissenschaftliche Beschreibung
2.1.1 Eigenheiten der präkolumbianischen Musik
2.1.2 Europäische Musik des 17./18. Jahrhunderts
2.1.3 Die Musik der Reduktionen - musikwissenschaftlich
2.1.4 Ergebnis
2.2 Lebenspraktische Verortung
2.2.1 In der Verkundigung des Evangeliums
2.2.2 Im Alltag
2.2.3 Im Fest
2.3 Funktionale Reflexion
2.4 Zusammenfassung
3 Zu einer musikgestutzten Evangelisierung
3.1 Anthropologische Bedeutung der Musik
3.1.1 Autonomie versus Funktionalität
3.1.2 Der Mensch: ein musikalisches Wesen
3.1.3 Musik als symbolische Kommunikationsform
3.2 Theologie der Musik
3.2.1 Theologische Ästhetik
3.2.2 Anwendung auf die Anthropologie
3.2.3 Musik und Offenbarung
3.2.4 Musik als Magd der Liturgie?
3.3 Missionstheologische Bedeutung der Musik
3.3.1 Musik und Verkundigung
3.3.2 Inkulturation und Musik
3.3.3 Prinzipien einer musikgestutzten Evangelisierung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Bedeutung der Musik als zentrales Element der Evangelisierung im historischen Kontext der Jesuitenreduktionen bei den Chiquitos. Das primäre Ziel ist es, das Konzept einer "musikgestützten Evangelisierung" zu erweisen und theoretisch zu fundieren, um daraus Prinzipien für die moderne missionstheologische Reflexion abzuleiten.
- Missionsgeschichtlicher Kontext der Jesuitenreduktionen in Lateinamerika
- Musikwissenschaftliche Untersuchung der Reduktionsmusik zwischen indigenen und europäischen Einflüssen
- Anthropologische Fundierung der Musik als menschlicher Ausdrucksform
- Theologische Ausarbeitung einer "musikgestützten Evangelisierung"
- Prinzipien für eine zeitgemäße, musikgestützte Verkündigung
Auszug aus dem Buch
Die Reduktionen bei den Chiquitos
Dieser dritte Abschnitt des missionsgeschichtlichen Überblicks will sich den Besonderheiten der Chiquitanos-Reduktionen zuwenden, in dem er die Protagonisten der Evangelisierung Chiquitanos und Jesuiten - in den Blick nimmt. Zuerst werden daher die Chiquitanos als Volk beschrieben und danach die Jesuiten, die in diesen Regionen maßgeblich an der Evangelisierung und dem Reduktionsleben beteiligt waren.
Die Indígenas in der Region Chiquitos waren vor Beginn der Kolonisierung eine sehr heterogene Gruppe von verschiedenen Ethnien unterschiedlicher kultureller und sozio-linguistischer Prägung gewesen. Die größte Gruppe bildeten dabei Völker mit chiquitischer Sprache, es gab aber auch Angehörige der Sprachenfamilien der Arawak, der Guaraní, der Zamucos und vieler anderer. Auch die Gruppe der Chiquitos konnte nicht einfach hin als eine einheitliche Gruppe gesehen werden, obwohl viele Gemeinsamkeiten, am wesentlichen war dabei die Sprache, vorlagen.
Zusammenfassung der Kapitel
Missionshistorischer Kontext: Erläutert die politischen Bedingungen von Kolonisierung und Evangelisierung in Lateinamerika und skizziert die Entwicklung der jesuitischen Reduktionssysteme bei den Chiquitos.
Die Musik der Reduktionen: Analysiert die historische Musikpraxis in den Reduktionen unter musikwissenschaftlichen Gesichtspunkten und ordnet sie in das Leben der Reduktionsbewohner ein.
Zu einer musikgestutzten Evangelisierung: Entwickelt eine anthropologische und theologische Fundierung der Musik als Mittel der Verkündigung und formuliert missionstheologische Prinzipien für die Gegenwart.
Schlüsselwörter
Musik, Evangelisierung, Jesuiten, Reduktionen, Chiquitos, Inkulturation, Musikwissenschaft, Missionstheologie, Anthropologie der Musik, Theologische Ästhetik, Instrumentenbau, Liturgie, Kommunikation, Symbol, Glaube
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die methodische Bedeutung von Musik als integratives Medium innerhalb der jesuitischen Missionsarbeit, insbesondere in den Reduktionen der Chiquitos.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Missionsgeschichte Lateinamerikas, Musikwissenschaft, Kulturanthropologie und systematische Theologie (Missionstheologie).
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist der induktive Nachweis, dass eine "musikgestützte Evangelisierung" ein sinnvolles und dem Evangelium gemäßes Missionsmodell darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor verwendet einen interdisziplinären Ansatz, der historische Analyse mit musikwissenschaftlicher Deskription und theologischer Reflexion verbindet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Reduktionen, eine Untersuchung der dortigen Musikkultur und eine theologische Fundierung der Musik als Ausdruck menschlicher Gotteserfahrung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Musik, Evangelisierung, Inkulturation, Jesuitenreduktionen und die anthropologische Bedeutung der Musik als Ausdrucksform.
Welche Rolle spielt P. Martin Schmid für die Argumentation?
P. Martin Schmid dient als exemplarisches Fallbeispiel für einen "Musikmissionar", dessen musikalische Ausbildung und handwerkliche Tätigkeit als praktischer Beleg für die Integration von Kunst und Mission dient.
Wie bewertet der Autor das Verhältnis von Musik und Liturgie?
Der Autor argumentiert gegen eine rein instrumentelle Verzweckung der Musik und betont, dass Musik als "Magd der Liturgie" selbst transzendenten Sinn vermitteln kann, indem sie den Menschen zur Kontemplation führt.
- Citation du texte
- Marc-Stephan Giese (Auteur), 2004, Ich bin Missionar, weil ich singe, spiele und tanze, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25896