Formen und Umgang des Versionings bei Informationsgütern

Sind drei Versionen die Zahl der Wahl?


Seminararbeit, 2009

20 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Informationsgüter
2.1 Besonderheiten von Informationsgütern
2.1.1 Kostenstruktur
2.1.2 Informationsgüter als öffentliche Güter
2.1.3 Erfahrungs- und Vertrauenseigenschaften
2.2.4 Netzwerkeffekte

3. Preisgestaltung bei Informationsgütern
3.1 Versioning bei Informationsgütern
3.2 Formen und Umgang des Versionings
3.3 Sind drei Versionen die Zahl der Wahl?

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Informationen wurden in den letzten Jahren zunehmend wichtiger für unser gesellschaftliches, kulturelles und wirtschaftliches Zusammenleben. Eine besondere Rolle spielt dabei das Internet, das sich im Laufe der letzten Jahre rasant entwickelt hat und den Benutzern immer mehr Möglichkeiten bietet. Das Einkaufen im Internet, das Abrufen von E-Mails über den persönlichen E-Mail Account oder das „Googeln“ wird immer alltäglicher. Aus diesem Grund steigt auch weltweit die Zahl der PC's, Breitbandanschlüsse und Internetnutzer von Jahr zu Jahr.[1] Ein anderer Grund für die steigende Relevanz von Informationen steht in enger Beziehung mit der Entwicklung des Internets. Informationen liegen mehr und mehr in digitaler Form vor oder können einfach in diese überführt werden. Auf diese Weise können sie schnell maschinell verarbeitet und über das Internet in Sekundenbruchteilen weltweit verbreitet werden.

Wenn Informationen im wirtschaftlichen Sinne auf Märkten gehandelt werden sollen, wird in diesem Zusammenhang von Informationsgütern gesprochen.[2] Diese besitzen spezielle ökonomische Eigenschaften, die es den Anbietern schwer machen die Preis- und Produktpolitik der klassischen Güter deckungsgleich zu übernehmen. Deshalb haben sich spezielle Strategien zur Preis- und Produktpolitik bei Informationsgütern entwickelt.

Nachdem der Begriff des Informationsgutes und dessen besondere ökonomischen Eigenschaften erklärt wurde, wird kurz die Problematik bei der Preisgestaltung von Informationsgütern dargestellt. Anschließend wird die Strategie des Versionings vorgestellt und deren unterschiedlichen Ausprägungsformen anhand von Beispielen aus der Praxis erläutert. Zum Schluss wird die Frage behandelt: Sind drei Versionen, die Zahl der Wahl?

2. Informationsgüter

Unter einem Informationsgut ist im Wesentlichen all das zu verstehen, was digitalisiert werden kann.[3] Solche Informationsgüter, die heutzutage vorwiegend digital gehandelt werden, sind z.B. Filme, Musik und Bücher, aber auch Fußballergebnisse, Datenbanken, Aktienkurse und Webseiten. Es ist dabei zu beachten, dass sich die Definition nicht nur auf Informationsgüter bezieht, die schon digitalisiert sind, sondern auch auf solche, die noch digitalisiert werden können.[4] Eine Tageszeitung, die bei einem Zeitschriftenhändler gekauft werden kann, ist daher genauso ein Informationsgut, wie eine Online-Datenbank, bei der der Zugriff über das Internet erfolgt.

Ausschlaggebend für den Kauf eines Informationsgutes ist der Inhalt, also das Wissen bzw. die Information, welche in diesem enthalten ist. [5] Der Kauf einer Tageszeitung wird meist wegen der enthaltenen Nachrichten und nicht aufgrund des bedruckten Papiers getätigt. Ein Informationsgut weist somit einen sehr hohen immateriellen Anteil auf, der zur Übertragung, Verarbeitung und Speicherung ein Trägermedium, wie ein gedrucktes Buch oder eine DVD benötigt.[6]

Aufgrund der leichten Digitalisierung können Informationen und Trägermedien heutzutage ohne großen Aufwand voneinander getrennt, vervielfältigt und über verschiedene Kanäle angeboten werden. So kann ein Buch sowohl als Taschenbuchausgabe im Buchladen gekauft als auch in digitaler Form als E-Book im Internet heruntergeladen werden. Wie das Beispiel zeigt, ändert die Digitalisierung von Informationen nicht deren Inhalt, sondern es kommen andere Möglichkeiten auf, die Informationen über weitere Medien zu verbreiten.[7]

Genauso wie die Digitalisierung von Informationsgütern ist auch deren Modifizierung einfach und kostengünstig zu realisieren. Darunter ist Erstellung von verschiedenen Varianten und Versionen des Informationsgutes zu verstehen.[8]

Informationsgüter lassen sich nicht wie klassische ökonomische Güter eindeutig in Waren und Dienstleistungen unterteilen. Die Recherche in einer Online-Datenbank ist ein reiner Informa­tionsdienstleistungsprozess, der durch menschliches Zutun geleistet wird. Die Ergebnisse der Recherche werden dem Kunden aber durchweg in Form eines Informationsproduktes, z. B. in Form einer Excel-Datei, übergeben. Es lässt sich somit festhalten, dass es keine reine Infor­mationsdienstleistung gibt, sondern ein Dienstleistungsbestandteil immer dann gegeben ist, „wenn ein externer Faktor an der Erstellung eines Informationsprodukts mitwirkt“[9] . Deshalb kann der Begriff Informationsgut meist mit dem Begriff Informationsprodukt gleichgesetzt werden.[10]

2.1 Besonderheiten von Informationsgütern

Informationsgüter besitzen, im Vergleich zu den klassischen Wirtschaftsgütern, ökonomische Besonderheiten. Da diese für die Preisgestaltung der Informationsgüter von Bedeutung sind, soll im Folgenden auf diese Besonderheiten eingegangen werden.

2.1.1 Kostenstruktur

Eine ökonomische Besonderheit von Informationsgütern ist deren ungleichmäßige Kostenver­teilung. Die Produktion eines Informationsgutes verursacht sehr hohe fixe Kosten, während für die Reproduktion und die Distribution des einmal erstellten Informationsgutes vergleichsweise nur marginale weitere variable Kosten anfallen. Carl Shapiro und Hal R.Varian sprechen in diesem Zusammenhang von den „first-copy costs“ [11] , die bei der Produktion von Informationsgütern entstehen und größtenteils unwiederbringlich sind. Die „first-copy costs“ machen bei Informationsprodukten meist über 70 Prozent der Gesamtkosten aus.[12] Als Beispiel für extreme „first-copy costs“ kann die Herstellung einer Software herangezogen werden. Die Produktions- und Entwicklungskosten für das erste Exemplar der Software können leicht mehrere Millionen Euro betragen. Demgegenüber stehen aber nur wenige Euro an Reproduktions- und Distributionskosten für die nachfolgenden Exemplare. Sollte die Software nun auf dem Markt keine Nachfrage in Form von Käufern erzielen, können die hohen Produktions- und Entwicklungskosten meistens nicht mehr amortisiert werden und sind unwiederbringlich verloren.

Durch das Verhältnis von sehr hohen Fixkosten zu sehr geringen variablen Kosten ist bei steigender Absatzmenge eine deutliche Fixkostendegression zu erkennen.[13] Im Zeitalter der steigenden Digitalisierung von Produkten und Prozessen, wie z. B. der Produktdistribution über das Internet, verschiebt sich das Verhältnis von variablen Kosten zu fixen Kosten noch intensiver in Richtung der letzteren.[14] Die heutige moderne Technologie ermöglicht es außerdem Informationsgüter schnell, kostengünstig und ohne großen Qualitätsverlust zu reproduzieren.[15] Die Vervielfältigung von Informationsgütern unterliegt daher kaum einer natürlichen Kapazitätsbeschränkung.

Besonders bei digitalen Informationsgütem können deshalb annähernd gegen Null tendierende Grenzkosten beobachtet werden.[16]

Bei der Preisgestaltung von Gütern sind die variablen Kosten ein entscheidendes Kriterium. Da bei Informationsgütern die variablen Kosten bei entsprechender Absatzmenge aber als vernachlässigbar anzusehen sind, muss sich die Preisgestaltung bei Informationsprodukten an anderen Faktoren orientieren.

2.1.2 Informationsgüter als öffentliche Güter

Öffentliche Güter besitzen im Gegenteil zu privaten Gütern die Merkmale der Nicht-Rivalität und der Nicht-Ausschließbarkeit im Konsum.[17] Diese beiden Merkmale finden sich besonders bei Informationsgütern, die eine starke Verbreitung erfahren haben, wie z.B. bei einem Musikalbum, wieder. [18] Da sich das Informationsprodukt beim Konsumieren nicht verbraucht und die Konsumenten sich deshalb die Nutzungsmöglichkeiten nicht gegenseitig streitig machen können, gilt das Prinzip der Nicht-Rivalität. So ist es nicht von Bedeutung, ob ein Musikalbum von nur einem oder mehreren Käufern konsumiert wird, es findet keine gegenseitige Beeinträchtigung statt.[19] Außerdem liegt weitestgehend das Prinzip der Nicht-Ausschließbarkeit vor.[20] Durch den technischen Fortschritt können Informationsprodukte, besonders digitale Informationsprodukte, sehr einfach kopiert und ohne großen Aufwand weitergegeben werden.[21] Ohne die Sicherung der Eigentums- und Vervielfältigunsgsrechte oder ohne Kopierschutzsysteme könnte jeder, der technisch dazu in der Lage ist, eine oder mehrere Kopien einer MP3-Musik-Datei herstellen und diese z.B. über das Internet verbreiten. Somit ist das Prinzip der Ausschließbarkeit nicht mehr gegeben.[22] Daher stellen sowohl der Schutz und die Einhaltung der Urheberrechte als auch die Ausarbeitung technisch wirksamer Kopierschutzsysteme die einzigen Maßnahmen dar, das Prinzip der Ausschließbarkeit und somit eine Marktfähigkeit von Informationsgütern herzustellen.

2.1.3 Erfahrungs- und Vertrauenseigenschaften

Eine weitere Besonderheit von Informationsgütern ist die stark ausgeprägte asymmetrische Informationsverteilung hinsichtlich der angebotenen Produktqualität zwischen Käufer und Verkäufer.[23] Das Informationsparadoxon nach Arrow[24] stellt dabei eine zentrale Problematik dar: Der Nutzwert einer Zeitschrift lässt sich fur potenzielle Konsumenten nicht restlos vor dem Kauf ermessen. Die zur Beurteilung des Nutzwertes notwendige vollständige Kenntnisnahme der Zeitschrift, würde aber bedeuten, dass die Zeitschrift, die eigentlich gekauft werden sollte, bereits konsumiert wurde und daher die Zahlungsbereitschaft rapide sinkt bzw. nicht mehr gegeben ist.[25] Es muss also die Möglichkeit geschaffen werden, dass der potenzielle Käufer seine Zahlungsbereitschaft für ein Informationsprodukt abschätzen kann, ohne das Informationsprodukt bereits vollständig zu konsumieren. Dazu eignet sich z.B. eine Vorschau in Form von Schlagzeilen bei Zeitschriften oder Trailern, wie sie oft bei Filmen angewandt werden . [26]Auf diese Weise wird dem potenziellen Konsumenten einen Inhaltsauszug des Informationsproduktes geboten, der helfen kann die vorhanden Unsicherheiten in Bezug auf dessen Zahlungsbereitschaft zu reduzieren. Da sich die Qualität bei Informationsgütern also oft erst nach dem Kauf ermessen lässt, werden sie als Erfahrungsgüter bezeichnet. [27]

Im Gegensatz zu Erfahrungsgütern ist bei einem Vertrauensgut eine Beurteilung der Qualität auch nach dem Konsum nicht exakt möglich. So kann der Wahrheitsgehalt eines in einer Fachzeitschrift veröffentlichten Artikels auch nach dem Lesen nicht eindeutig festgestellt werden. Wie stark die Vertrauenseigenschaften bei Informationsgütern ausgeprägt sind, hängt auch mit dem entsprechenden Fachwissen des Konsumenten selbst zusammen.[28] Aufgrund der Erfahrungs- und Vertrauenseigenschaften von Informationsgütern ist es für die Anbieter wichtig die potenziellen Käufer im Vorhinein von der Qualität der Produkte zu überzeugen und Unsicherheiten bezüglich der Zahlungsbereitschaft durch geeignete preis- und produktpolitische Maßnahmen zu reduzieren.

2.2.4 Netzwerkeffekte

Wenn der Wert eines Produktes für den Käufer davon abhängt, wie viele weitere Anwender das Produkt nutzen, sind Netzwerkeffekte vorhanden.[29] Ein Beispiel für ein Informationsprodukt mit starken Netzwerkeffekten ist eine Online-Musiktauschbörse. Je mehr Teilnehmer die Online­Musiktauschbörse benutzen, umso höher ist der sich ergebende Wert fürjeden einzelnen Teilnehmer und mit dem steigendem Wert wächst auch die Teilnehmeranzahl der Online-Musiktauschbörse. Möglicherweise erreicht die Online-Musiktauschbörse sogar die kritische Masse an Teilnehmer und kann den Mark übernehmen.[30] Diese sogenannten positiven Rückkopplungseffekte treten also in Folge von Netzwerkexternalitäten auf. Durch geeignete preis- und produktpolitische Maßnahmen können die positiven Rückkopplungseffekte noch gesteigert werden.

[...]


[1] Vgl. BITKOM - Bundesverband Informationswirtschaft,Telekommunikation und neue Medien e.V.: Weltweite Informationsinfrastrukturen, 2007 - URL: http://www.bitkom.org/de/markt_statistik/46261_38550.aspx.

[2] Vgl. Linde, Frank: Preisgestaltung bei Informationsgütern: Windowing, Versioning und Bundling, 2007, S. 1- URL: http://www.fbi.fhkoeln.de/institut/personen/linde/publikationen/Preisgestaltung_Infogueter_Web.pdf.

[3] Vgl. Shapiro, Carl / Varian, Hal R.: Information rules: a strategic guide to the network economy, 1999a, S.3.

[4] Vgl. Varian, Hal R.: Markets for Informations Goods, 1998, S.3- URL: http://people.ischool.berkeley.edu/~hal/Papers/japan/japan.pdf.

[5] Vgl. Brandtweiner, Roman: Differenzierung und elektronischer Vertrieb digitaler Informationsgüter, 2000,

S. 37.

[6] Vgl. Linde, Frank: Ökonomie der Information, 2008, S. 8.

[7] Vgl. Linde,2008,S.8.

[8] Vgl. Stahl, Florian: Strategien zur Preisgestaltung beim elektronischen Handel digitaler Inhalte, 2005, S. 48.

[9] Linde, 2008, S. 9.

[10] Vgl. Linde,2008,S.9.

[11] Vgl. Shapio/Varian, 1999a, S.21f.

[12] Vgl. Varian, Hal R.: Pricing Informations Goods, 1995, S. 1 - URL: http://people.ischool.berkeley.edu/~hal/Papers/price-info-goods.pdf.

[13] Vgl. Linde,2008,S.22.

[14] Vgl. Skiera, Bernd / Spann, Martin: Flexible Preisgestaltung im Electronic Business, 2000, S.6- URL: http://www.marketing.uni-frankfurt.de/fUeadmin/Publikationen/Skiera Spann_flexible_preisgestaltung.pdf.

[15] Vgl. Linde, 2008, S. 14f.

[16] Vgl. Shapiro, Carl / Varian, Hal R.: Versioning: The smart way to sell information, 1998, S. 108.

[17] Vgl. Brandtweiner, 2000, S. 38.

[18] Vgl. Linde, 2008, S. 16f.

[19] Vgl. Linde,2008,S.20.

[20] Vgl. Shapiro/Varian, 1999a, S. 4f.

[21] Vgl. Brandtweiner, 2000, S. 38.

[22] Vgl. Brandtweiner, 2000, S. 42f.

[23] Vgl. Stahl, 2005, S. 45.

[24] Vgl. Linde,2008,S.32.

[25] Vgl. Linde,2008,S.32f.

[26] Vgl. Stahl, 2005, S. 45f.

[27] Vgl. Shapiro, Carl / Varian, Hal R.: Online zum Erfolg, 1999b, S. 16f.

[28] Vgl. Linde, 2008, S. 34f.

[29] Vgl. Shapiro / Varian, 1999b, S. 27.

[30] Vgl. Shapiro / Varian, 1999b, S. 27.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Formen und Umgang des Versionings bei Informationsgütern
Untertitel
Sind drei Versionen die Zahl der Wahl?
Hochschule
Technische Hochschule Köln, ehem. Fachhochschule Köln
Note
2,0
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V262082
ISBN (eBook)
9783656506621
ISBN (Buch)
9783656507468
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Informationsgut, Informationsgüter, Versionierung, Versioning, Angebotsstrategie, Preisstrategie, Preispolitik, Angebotspolitik, Preisgestaltung, Angebotsgestaltung, Version, Versionen, Varian, Software versioning
Arbeit zitieren
Anonym, 2009, Formen und Umgang des Versionings bei Informationsgütern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262082

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