Legalisierung des Dopings

Argumentation pro oder contra im Radsport


Studienarbeit, 2013

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Thesen Savulescus im Artikel ,Brenne, Armstrong, Brenne!‘
1.1 Armstrong als Sündenbock
1.2 Begnadigung von ehemaligen Doping-Sündern
1.3 Lockerung des Dopingverbotes
1.4 Widerlegung der Gründe für das Dopingverbot
1.4.1 Leistungssteigerung
1.4.2 Pervertierung der Natur des Sportes
1.4.3 Unsicherheit

2 Eigener Lösungsvorschlag

Quellenverzeichnis

Einleitung:

Ob im Wintersport1, in der Leichtathletik2 oder im Tennis3, in nahezu jeder Sportart wurden bereits Sportler des Dopings überführt. Dennoch steht im Fokus der Öffentlichkeit meist der Radsport, der durch zahlreiche Fälle von Doping ungewollte Aufmerksamkeit erlangt hat. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Einnahme von leistungssteigernden Mitteln im Radsport so flächendeckend und systematisch geschehen ist. Exemplarisch für dieses Betrugssystem steht Lance Armstrong, der nach jahrelangem Leugnen erst im Januar 2013 den Dopingmissbrauch beim Gewinn aller seiner sieben Tour de France Titel gestand.4

Erschütternd ist jedoch eher, dass Armstrong nur die Spitze des Eisbergs darstellt.

In der Zeitspanne von 1999 bis 2005, in der Armstrong seine sieben Tour de France Titel ge- wann, besteht nur bei einem der zehn Erstplatzierten der jeweiligen Jahre kein Dopingver- dacht. Bei den restlichen Fahrern, die in diesem Zeitraum eine Platzierung unter den ersten Zehn erreichten, bestehen mindestens Verdachtsmomente. Noch gravierender erscheint die Statistik der Süddeutschen Zeitung bei einer Betrachtung der Fahrer, die hinter Armstrong auf das Podium fuhren. Alle Zweit- und Drittplatzierten der siebenjährigen Periode wurden des Dopings überführt, haben es gestanden oder standen auf den Listen der Dopingärzte Eufemia- no Fuentes und Michele Ferrari.5 Allein deshalb erscheint die Maßnahme des Radsport-Welt- verbandes UCI die sieben Titel nicht neu zu vergeben als durchaus sinnvoll.6

Dubios bleibt jedoch die Verstrickung der UCI selbst in den Dopingskandal. Hein Verbrug- gen, der von 1991 bis 2005 an der Spitze des Weltverbandes stand, sagte jedenfalls in einem Interview, dass Athleten mit verdächtigen Blutwerten vorzeitig gewarnt wurden.7 Somit ge- stand er indirekt von den Dopingpraktiken einiger Athleten Kenntnis gehabt zu haben.

Fragwürdig sind zudem zwei Spenden von Armstrong an die UCI in der Gesamthöhe von 125.000 Dollar. Die beiden früheren Teamkollegen von Armstrong, Tyler Hamilton und Floyd Landis, behaupten nun, dass sich Armstrong durch diese Spenden von einer positiven Do- pingprobe freigekauft hätte. Bei der Tour de Suisse 2001 sei Armstrong positiv auf Erythro- poetin getestet worden, die Öffentlichkeit erfuhr hiervon jedoch nichts. Auch der amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada, die Armstrong nun des Dopings über- führt hat, habe ein Vertreter Armstrongs 2004 eine Spende in Höhe von 250.000 Dollar ange- boten. Die Usada habe dieses Angebot einer Aussage von Travis Tygart, dem Chef der ameri- kanischen Anti-Doping-Agentur, zufolge jedoch ohne Zögern abgelehnt.8 Zweifelhaft ist inso- fern, ob dem Radsport-Weltverband überhaupt daran gelegen ist die Armstrong-Affäre lü- ckenlos aufzuklären.

Undurchsichtig bleibt des Weiteren, welche Personen noch an der Affäre beteiligt waren bzw. von ihr gewusst haben. Sogar Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy könnte einer der Mitwisser des Armstrong-Skandals sein und sogar indirekt daran beteiligt gewesen sein. „Fest steht, dass der US-Amerikaner mehrmals bei Sarkozy im Elysée-Palast dinierte. Und nach einem dieser Besuche wurde der Etat des Pariser Dopinglabors AFLD kurzerhand halbiert, wie das Magazin ,Nouvel Observateur‘ berichtete.“9

Strittig ist also, ob das systematische Doping im Radsport sowohl vom Radsport-Weltverband als auch von der Politik gedeckt und unterstützt wurde und wird. Dies käme einer inoffiziellen Legalisierung des Dopings gleich. Julian Savulescu, Professor für angewandte Ethik am St. Cross College der Universität Oxford, vertritt jedenfalls in seinem Artikel ,Brenne, Arm- strong, Brenne!‘ die Auffassung, dass das Doping vernünftig legalisiert werden sollte.10

In den folgenden Ausführungen werde ich mich mit den polarisierenden Thesen Savulescus aus dem Artikel ,Brenne, Armstrong, Brenne!‘ auseinandersetzen bzw. diese diskutieren. Des Weiteren werde ich einen eigenen Lösungsvorschlag erarbeiten.

1 Thesen Savulescus im Artikel ,Brenne, Armstrong, Brenne!‘:

Der Philosoph und Mediziner Julian Savulescu zieht jedoch die Konsequenz der vernünftigen Legalisierung des Doping erst aus unterschiedlichen Einzelthesen. Zunächst betrachtet er Lance Armstrong angesichts der aus seiner Sicht harten Strafe als Sündenbock, um im Anschluss zu behaupten die derzeitigen Doping-Regularien seien nicht umsetzbar.11 Diese einführenden Thesen Savulescus werde ich im Folgenden ebenso wie seinen Grundgedanken der eingeschränkten Legalisierung des Dopings diskutieren.

1.1 Armstrong als Sündenbock:

„Lance Armstrong hat keinen Platz im Radsport. Er verdient es vergessen zu werden.“12

Trotz der eindeutigen Formulierung, die der Präsident des Radsport-Weltverbandes, Pat McQuaid, in Bezug auf die Dopingpraktiken Armstrongs wählte, ist der Sinn und Zweck die- ser Aussage nicht unbedingt eindeutig. Entweder gab McQuaid ein eindeutiges Statement ge- gen das Doping im Radsport ab oder er versuchte lediglich das Fortbestehen der Sportart zu wahren. Bedenklich ist das Ziel insofern, da auch McQuaid von den Machenschaften Arm- strongs gewusst haben könnte. Jedenfalls kommt die Usada in ihrem Bericht bezüglich des Armstrong Falles zu diesem Schluss und vermutet sogar McQuaid hätte Armstrong ebenso wie sein Vorgänger Verbruggen vor anstehenden Dopingkontrollen gewarnt.13

Fest steht jedenfalls, dass der ehemalige UCI-Präsident Verbruggen Armstrong noch bis 2011 enorm verteidigte: „Armstrong hat nie gedopt. Niemals, niemals, niemals!“14 Nach dem umfassenden und sehr belastenden Bericht der Usada im Fall Armstrong jedoch blieb dem Radsport-Weltverband keine andere Wahl als Armstrong die sieben Titel bei der Tour de France abzuerkennen und ihn lebenslang zu sperren. Außerdem droht Armstrong die Rückzahlung sämtlicher Preisgelder seit 1998.15

Julian Savulescu scheint in dem Artikel ,Brenne, Armstrong, Brenne!‘ jedenfalls die Ansicht zu vertreten, dass dieses Strafmaß ungerechtfertigt sei und geht sogar noch weiter: „Armstrong ist der Sündenbock für eine Gruppe moralischer Ordnungshüter, die an ihm ein Exempel von ungewöhnlicher Brutalität statuieren wollen.“16

Sicherlich erscheint die Strafe für Lance Armstrong angesichts der Strafen, die andere Do- pingsünder im Radsport für ihr Vergehen hinnehmen mussten, nahezu brutal. Alberto Conta- dor zum Beispiel wurde bei der Tour de France 2010 positiv auf den verbotenen Wirkstoff Clenbuterol getestet. Nach der Aufhebung der ursprünglichen Sperre durch den Königlichen Spanischen Radverband mussten die UCI und die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada beim In- ternationalen Sportgerichtshof Einspruch einlegen. Erst im Februar 2012 schließlich wurde Contador des Dopings schuldig gesprochen. Als Strafe wurden ihm der Sieg bei der Tour de France 2010 und der Sieg beim Giro d‘Italia 2011 aberkannt. Außerdem erhielt er eine Wett- kampfsperre von zwei Jahren, deren Beginn jedoch auf den Zeitpunkt der positiven Probe zu- rückdatiert wurde. Somit durfte Contador zwar bei den Olympischen Spielen 2012 und der Tour de France 2012 nicht starten, seine Sperre lief jedoch bereits knapp sechs Monate nach dem Urteilsspruch ab.17 Ähnlich agierte die luxemburgische Anti-Doping-Agentur ALAD im Fall Fränk Schleck. Diesem wurde während der Tour de France 2012 die Einnahme eines Diu- retikums nachgewiesen. Im Januar 2013 wurde Schleck von der ALAD rückwirkend für zwölf Monate gesperrt, da er zuvor nie wegen Dopings gesperrt oder positiv getestet worden war.18

In beiden Fällen fiel somit das Strafmaß deutlich geringer aus als im Fall Armstrong. Fraglich ist dennoch, ob Armstrong deshalb als der Sündenbock dasteht. Immerhin darf bei einer Dis- kussion dieser These nicht außer Acht gelassen werden, dass die Vorwürfe gegen Armstrong eine andere Tragweite aufweisen als diejenigen in den Fällen Contador und Schleck. Ihm wird angelastet nicht nur Epo-, Kortison-, Testosteron- und Blutdoping betrieben zu haben, sondern auch seine Teamkollegen zum Dopen aufgefordert zu haben. Außerdem seien Einschüchte- rungsversuche und Drohungen probate Mittel gewesen, damit Kollegen hierüber schwiegen.19

Im Interview mit Oprah Winfrey im Januar 2013 gestand Armstrong die Einnahme der Dopingmittel. Allerdings bestritt er die restlichen Vorwürfe.20 Im zweiten Teil des Gespräches mit Winfrey bezeichnete er außerdem die lebenslange Sperre von Wettkämpfen als Todesstrafe und verglich sie mit Sanktionen, die andere erhielten ohne dabei aber konkrete Namen zu nennen.21 Beachtenswert ist jedoch, dass ein umfassendes Geständnis nach dem Wada-Code zu einer Reduzierung der lebenslangen Sperre auf acht Jahre führen kann.22

Ein etwaiges Angebot zur Kooperation mit der Usada durch eine Aussage unter Eid lehnte Armstrong aber ab.23 Lance Armstrong hatte somit die Chance alle Dopingmachenschaften im Radsport offen zu legen, seine Strafe zu reduzieren und seine Rolle als Sündenbock - falls diese jemals bestand - abzulegen.

Diese Chance wollte er - aus welchen Gründen auch immer - nicht wahrnehmen, weshalb er meiner Meinung nach nicht als Sündenbock dasteht, sondern nur die gerechte Strafe für seinen jahrelangen Betrug und die Verschleierung eben jenes erhielt.

1.2 Begnadigung von ehemaligen Doping-Sündern:

„Wir werden nie in der Lage sein, mit Sicherheit zu ermitteln, wer gedopt hat und wer nicht.“24 Unter anderem durch diese Aussage macht Julian Savulescu deutlich, dass die derzeitigen Doping-Regularien seiner Meinung nach nicht umgesetzt werden können. Seine Folgerung hieraus: „Wir sollten ehemalige Betrüger begnadigen.“25

Natürlich fallen immer wieder Sportler, die unerlaubt zu leistungssteigernden Mitteln gegrif- fen haben, durch das Raster der Kontrolleure. Auf der anderen Seite jedoch werden jährlich neue Dopingfälle in der Öffentlichkeit bekannt. Allein deshalb ist es durchaus fraglich, ob ein Nachweis bezüglich der Dopingpraktiken - wie von Savulescu suggeriert - nicht möglich ist. In der Wissenschaft werden dauerhaft neue Verfahren zum Nachweis von Dopingmitteln er- forscht und entwickelt.

[...]


1 Vgl. Spiegel-Online. (2002).

2 Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung. (2013).

3 Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung (2005b).

4 Vgl. Rilke, L. (2013).

5 Vgl. Süddeutsche Zeitung. (2012).

6 Vgl. Spiegel-Online (2012a).

7 Vgl. Spiegel-Online. (2013).

8 Vgl. Zeit-Online. (2013b).

9 Hamann, B. (2013).

10 Vgl. Savulescu, J. (2012).

11 Vgl. Savulescu, J. (2012).

12 Savulescu, J. (2012).

13 Vgl. Hamann, B. (2013).

14 Süddeutsche Zeitung. (2013).

15 Vgl. Die Welt. (2012).

16 Savulescu, J. (2012).

17 Vgl. Spiegel-Online (2012b).

18 Vgl. Zeit-Online. (2013c)

19 Hamann, B. (2012).

20 Zeit-Online. (2013a).

21 Focus. (2013b).

22 Vgl. Nationale Anti Doping Agentur. (2004). S. 29.

23 Focus. (2013a)

24 Savulescu, J. (2012).

25 Savulescu, J. (2012).

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Legalisierung des Dopings
Untertitel
Argumentation pro oder contra im Radsport
Hochschule
Hochschule für angewandtes Management GmbH  (Sportmanagement)
Veranstaltung
Fallstudienseminar: Management von Berufssportlern
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
18
Katalognummer
V262154
ISBN (eBook)
9783656508502
ISBN (Buch)
9783656508793
Dateigröße
399 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Doping, Armstrong, Legalisierung
Arbeit zitieren
Benjamin Kohtz (Autor), 2013, Legalisierung des Dopings, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262154

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