Die Darstellung der beiden großen Sphären Öffentlichkeit und Privatheit, in denen hauptsächlich das soziale Leben der Menschen abläuft, hat in der Forschung einen großen Stellenwert eingenommen. Mit diesen raumbezogenen Kategorien kann auf eindringliche Weise das Verhalten von Menschen gedeutet und interpretiert aber auch städtische Vergesellschaftung beschrieben werden. In der Geographie haben sich Öffentlichkeit und Privatheit als Raumbeschreibungen herausgebildet, in denen menschliches Handeln in gewissen vorgefertigten, fast reglementierten Bahnen abläuft. Auch die Rollentheorie nach Erving Goffman, ein bekannter amerikanischer Soziologe, hat als Erklärungs- und Beschreibungsmuster der Selbstdarstellung in öffentlichen Sphären Einzug in die Geographie gefunden. Goffmann bringt die soziale Welt auf eine Theaterbühne mit Darstellern, Publikum und Kulissen um nachzuweisen, daß die Selbstdarstellung des Einzelnen nach bestimmten Regeln und unter vorgegebenen Kontrollen ein notwendiges Element des menschlichen Lebens ist. Um die Verknüpfungen zwischen Öffentlichkeit, Privatheit und Rollentheorie mehr zu verdeutlichen, möchte ich einleitend diese an zwei Beispielen darstellen.
Inhaltsverzeichnis
0. Öffentlichkeit und Privatheit als raum-bezogene Kategorien zur Beschreibung menschlichen Verhaltens und sozialen Lebens
1. Öffentlichkeit und Privatheit
1.1. Die Entwicklung der beiden Sphären von der Antike bis zur Gegenwart
1.2. Ausdruck von Öffentlichkeit und Privatheit in der modernen Gesellschaft
1.3. Wechselbeziehungen zwischen Öffentlichkeit und Privatheit
2. Rollentheorie nach Erving Goffman
3. Schlußbemerkungen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Konzepte Öffentlichkeit und Privatheit als raumbezogene Kategorien zur Analyse menschlichen Verhaltens und des sozialen Zusammenlebens zu untersuchen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich diese Sphären historisch entwickelt haben, wie sie sich in der modernen Gesellschaft ausdrücken und welche Wechselwirkungen zwischen ihnen bestehen, unter besonderer Berücksichtigung der soziologischen Rollentheorie nach Erving Goffman.
- Historische Entwicklung der Sphären von der Antike bis zur Gegenwart
- Soziologische Analyse der Interaktion in öffentlichen Räumen
- Theoretische Fundierung durch Erving Goffmans Rollentheorie
- Untersuchung von Repräsentation und Selbstdarstellung im Alltag
- Wechselverhältnis zwischen privatem Rückzug und öffentlichem Raum
Auszug aus dem Buch
2. Rollentheorie nach Erving Goffman
Schon der Titel der deutschen Ausgabe "Wir alle spielen Theater" suggeriert, daß hier die allgemeine Theatermetaphorik auf das Leben angewandt wird. Erving Goffman ist als Soziologe der erklärten Ansicht, daß man zwischenmenschliche Handlungen mit den Aktionen innerhalb eines Theaterspiels vergleichen kann. In einer Rolle sieht Goffman eine Hülle, in die ein Darsteller schlüpft und sie vor dem Publikum verkörpert.
Diese Rolle kann nur eine oder mehre Teilrollen umfassen, die jede für sich "vom Darsteller bei einer Reihe von Gelegenheiten vor gleichartigem Publikum oder vor dem gleichen Publikum dargestellt werden".
Um sich seinem Publikum gegenüber glaubhaft zu machen, muß der Darsteller alle Register der Dramaturgie ziehen können. Er drückt sich aus, um zu beeindrucken. Goffman differenziert hier zwei Ausprägungen der Eindrucknahme: Zum einen den "Aufrichtigen" und zum anderen den „Zynischen“.
Um sein Publikum aufrichtig oder zynisch zu überzeugen, benötigt der Darstellende dramaturgische Mittel, die er situationsgerecht einsetzen kann. Bei Goffman sind diese unter dem Begriff „Fassade“ zusammengefaßt. In diesem Zusammenhang nennt er zwei durch Tradition festgelegte Komponenten der Fassade: a) das Bühnenbild und b) die persönliche Fassade, wobei er letztere in Erscheinung und Verhalten differenziert.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Öffentlichkeit und Privatheit als raum-bezogene Kategorien zur Beschreibung menschlichen Verhaltens und sozialen Lebens: Die Einleitung führt in die Bedeutung der Begriffe als analytische Kategorien ein und erläutert anhand von Praxisbeispielen, wie Verhalten in öffentlichen Räumen gedeutet werden kann.
1. Öffentlichkeit und Privatheit: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Wandel der Sphären nach, analysiert deren Ausdruck in der modernen städtischen Gesellschaft und erörtert die komplexen Wechselbeziehungen zwischen dem privaten und öffentlichen Raum.
2. Rollentheorie nach Erving Goffman: Der Abschnitt erläutert die soziologische Theatermetaphorik Goffmans, in der Selbstdarstellung und die bewusste Gestaltung der sozialen Fassade als notwendige Elemente menschlicher Interaktion dargestellt werden.
3. Schlußbemerkungen: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über den tendenziellen Verfall der Öffentlichkeit in modernen Gesellschaften und betont die Bedeutung echter zwischenmenschlicher Beziehungen als Leitlinie.
Schlüsselwörter
Öffentlichkeit, Privatheit, Rollentheorie, Erving Goffman, Selbstdarstellung, Fassade, soziale Interaktion, moderner Staat, städtisches Leben, Repräsentation, Distanz, soziale Integration, Identität, Anonymität, soziale Bühne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der soziologischen und geographischen Analyse der zwei grundlegenden sozialen Sphären: Öffentlichkeit und Privatheit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Trennung von Privatem und Öffentlichem, die Mechanismen sozialer Interaktion in modernen Städten sowie die Anwendung der Rollentheorie.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, das menschliche Verhalten im sozialen Raum durch die Konzepte der Öffentlichkeit, Privatheit und der Selbstdarstellung nach Goffman zu beschreiben und zu deuten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen theoretisch-analytischen Ansatz, der historische Entwicklungslinien nachzeichnet und soziologische Theorien auf aktuelle Phänomene des sozialen Lebens anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Betrachtung, eine soziologische Analyse des öffentlichen Lebens in der modernen Stadt sowie eine ausführliche Erläuterung der Rollentheorie nach Goffman inklusive der Komponenten der "Fassade".
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Öffentlichkeit, Privatheit, Rollentheorie, Selbstdarstellung, Fassade und soziale Interaktion.
Wie definiert Goffman die "persönliche Fassade"?
Goffman versteht unter der persönlichen Fassade die Summe aus verbaler und non-verbaler Darstellung, einschließlich Kleidung, Gestik, Haltung und Sprache, die ein Darsteller zur Glaubwürdigkeit seiner Rolle einsetzt.
Was versteht man unter dem Begriff "Vermassung" im Kontext totalitärer Systeme?
Vermassung bezeichnet einen Zustand, in dem Individuen ihre Privatsphäre aufgeben, distanzlos in einem Kollektiv aufgehen und ihre individuelle Urteilsfähigkeit verlieren, oft belegt durch historische Beispiele aus dem Dritten Reich.
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- Thomas Wittmann (Author), 2002, Öffentlichkeit und Privatheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26229