Vater, Mutter, Kind, heile Welt: Viele Jugendbuchautoren malen ein traditionelles Welt- und Rollenbild, dessen Werte so an die jungen Leser vermittelt werden. Mädchen und Jungen, die nicht in einer herkömmlichen Familienstruktur aufwachsen oder sich homosexuell/transsexuell entwickeln, finden sich in den Büchern nur selten wieder.
Erst seit den 90er Jahren wird die homosexuelle erste Liebe zunehmend von deutschsprachigen Autoren als eigenständiges Thema in der Jugendliteratur behandelt. In diesem Buch werden verschiedene Beispiele, ihre inhaltlichen Konzepte und ihre narrativen Darstellungsformen untersucht.
Aus dem Inhalt:
Gleichgeschlechtlichen Liebe in der Pubertät
Lesbisches "Coming-Out" von Jugendlichen
Die sprachliche Darstellung der Sexualität
Beispiele aus der Jugendliteratur: Cornelia Funke: „Die wilden Hühner und die Liebe“; Mirijam Müntefering: „Verknallt in Camilla“; Kristina Dunker: „Der Himmel ist achteckig“; Meredith Sommer: „Mal langsam, Baby!“ oder Susanne Fülscher: „Vielleicht wird es ein schöner Sommer“
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Erläuterung der Begriffe Lesbe, lesbisch und „coming-out”
1.1. Lesbe, lesbisch
1.2. „coming-out”
2. Textuntersuchungen: Lesbisches „coming-out“ als Haupthandlung
2.1. Lesbisches „coming-out” von Jugendlichen
2.1.1. Pit Umber: Eine Liebe in Ostpreußen
2.1.2. Angelika Mechtel: Liebe Pia – liebe Tochter – Anne Köpfer: Errol Flynn hat nie geweint
2.1.3. Susanne Fülscher: Vielleicht wird es ein schöner Sommer
2.1.4. Meredith Sommer: Mal langsam, Baby!
2.1.5. Fazit: Lesbisches „coming-out” von Jugendlichen
2.2. Lesbisches „coming-out” von unverheirateten Frauen
2.2.1. Heidi Hassenmüller: Warten auf Michelle
2.2.2. Martina Müller: Tauwetter in St. Louis
2.2.3. Petra Urban: Die Maulwürfin
2.2.4. Fazit: Lesbisches „coming-out” von unverheirateten Frauen
2.3. Lesbisches „coming-out” von verheirateten Frauen und Müttern
2.3.1. Manuela Kuck: Lindas Entscheidung
2.3.2. Elke Vesper: Von wegen easy
2.3.3. Fazit: Lesbisches „coming-out” von verheirateten Frauen und Müttern
2.4. Fazit und Auswertung der Untersuchungsergebnisse für Texte mit lesbischem „coming-out” als Haupthandlung
3. Textuntersuchungen: Lesbisches „coming-out” als Nebenhandlung
3.1. Lesbisches „coming-out” von unverheirateten Frauen
3.1.1. Gabriele Gelien: Eine Lesbe macht noch keinen Sommer
3.1.2. Lisa Pei: Die letzte Stunde
3.1.3. Karin Rick: Der Rückfall
3.1.4. Fazit: Lesbisches „coming-out” von unverheirateten Frauen
3.2. Lesbisches „coming-out” von verheirateten Frauen und Müttern
3.2.1. Manuela Kuck: Neue Zeiten für Linda
3.2.2. Nicole Müller: Denn das ist das Schreckliche an der Liebe
3.2.3. Fazit: Lesbisches „coming-out” von verheirateten Frauen und Müttern
3.4. Fazit und Auswertung der Untersuchungsergebnisse für Texte mit lesbischem „coming-out” als Nebenhandlung
4. Abschluss und Ausblick
5. Literaturverzeichnis
Kathrin Kadasch: Gleichgeschlechtliche Lebensweisen aufgezeigt am Beispiel von Jugendliteratur
Motivation
Aufbau der Arbeit
1. Wie Normalität hergestellt wird
1.1. Normalität als Konstruktion von Macht bezogen auf die Kategorien Geschlecht – Sexualität – Lebensform
1.1.1. Zuweisungen von Geschlechterrollen
1.2. Normalbiographie
1.2.1. Wahl der Lebensformen
2. Gesellschaftliche Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Lebensweisen
2.1. Lesbische Mütter- schwule Väter und deren Kinder
2.2. Exemplarische Darstellung wie gleichgeschlechtliche Lebensweisen in der Schule thematisiert werden – Aufklärungsprojekt Lambda
3. Weibliche Pubertät und Adoleszenz
3.1. Die Loslösung vom Elternhaus
3.1.1. Geschlechtsidentität und weibliche Rollenmuster
3.1.2. Der fremde Blick
3.1.3. Die Freudsche Theorie und männliche Anerkennung durch „organischen Mangel“
3.2. Mädchenfreundschaften
3.3. Sexuelle Entwicklung und der weibliche Körper
3.4. Gleichgeschlechtliche Liebe in der Pubertät
4. Diskursanalyse
4.1. Analyse von Literatur nach der Diskurstheorie von Siegfried Jäger
4.2. Diskursanalyse und künstlerischer Text (Weertje Willms)
5. Gleichgeschlechtliche Lebensweisen – Beispiele aus der Jugendliteratur
5.1. Vorstellung der drei Werke
I. Cornelia Funke: Die wilden Hühner und die Liebe (2003)
II. Mirjam Müntefering: Verknallt in Camilla (2004)
III. Kristina Dunker: Der Himmel ist achteckig (1999)
5.2. Reihenfolge der Analyse: Fragestellungen
5.2.1. Normalität – Normalbiographie/Familie
5.2.2. Gesellschaftliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen
5.2.3. Zuweisung von Geschlechterrollen
5.2.4. Pubertät
6. Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht das lesbische „Coming-out“ in fiktionalen Texten der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Ziel ist es, inhaltliche Konzepte und narrative Darstellungsformen dieses Coming-out-Prozesses exemplarisch zu analysieren, um Zusammenhänge zwischen den Darstellungen und dem zeitlichen bzw. gesellschaftlichen Kontext aufzuzeigen.
- Analyse von Coming-out-Konzepten in fiktionalen Texten
- Einfluss des zeitgeschichtlichen Kontextes auf die literarische Darstellung
- Vergleich von Coming-out als Haupthandlung vs. Nebenhandlung
- Bedeutung von Altersstufen und Familienstand der Protagonistinnen
- Narrative Strategien und Sprachgebrauch bei der Thematisierung von Lesbischsein
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Pit Umber: Eine Liebe in Ostpreußen
Der zeithistorische Roman „Eine Liebe in Ostpreußen” von Pit Umber, der im Präteritum und in auktorialer Erzählsituation unter Einhaltung der Chronologie der Ereignisse erzählt wird, spielt von Juni 1944 bis einschließlich Januar 1945 in Ostpreußen. Die Hauptfiguren des Textes, die auch die Blickwinkel liefern, aus denen erzählt wird, sind Antonia und Edith, wobei ein perspektivisches Übergewicht auf Antonias Seite besteht. Die Ende 1922 geborene Antonia Treskow, auch kurz Toni genannt, ist Tochter eines wohlhabenden Gutsbesitzers. Sie führt nach dem Tod ihres Vaters gegen den Willen ihrer Mutter das Gut Treskow weiter.
Gleich zu Beginn des Romans wird erzählt, dass Antonia sich nach einer zufälligen Begegnung in Edith Romeike verliebt, die drei Jahre jünger ist als Antonia und mit ihrem Vater, einem SS-Ortsgruppenleiter, in Schloßwalde, einem Nachbarort von Gut Treskow, lebt (19-23). Antonias Gefühle werden von Edith erwidert, und beide bilden nach kurzer Zeit ein lesbisches Paar. Beide jungen Frauen machen in dieser lesbischen Beziehung ihre ersten Erfahrungen mit Liebe und Sexualität.
Der Roman ist in einer ländlichen Gegend angesiedelt, in der die Gesellschaft als eine streng heterosexuell normierte beschrieben wird. Dies zeigt sich gleich zu Beginn des Romans unter anderem darin, dass Antonia auf Wunsch ihrer Mutter verheiratet werden soll (10, 29 u.ö.). Lesbische Frauen treten hier nicht auf, so dass die zwei jungen Frauen mit ihren lesbischen Gefühlen isoliert sind.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einleitung legt den Grundstein für die Untersuchung lesbischer Coming-out-Thematiken in fiktionalen Texten der Gegenwartsliteratur und umreißt die methodischen Schwerpunkte.
1. Erläuterung der Begriffe Lesbe, lesbisch und „coming-out”: In diesem Kapitel werden die theoretischen Begrifflichkeiten geklärt, die als Basis für die textwissenschaftliche Analyse dienen.
2. Textuntersuchungen: Lesbisches „coming-out“ als Haupthandlung: Das Kapitel befasst sich mit exemplarischen Textanalysen, bei denen das Coming-out den zentralen Handlungsstrang bildet.
3. Textuntersuchungen: Lesbisches „coming-out” als Nebenhandlung: Hier wird untersucht, wie Coming-out-Prozesse literarisch dargestellt werden, wenn sie nicht den Mittelpunkt der Erzählung einnehmen.
4. Abschluss und Ausblick: Dieses Kapitel fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen und reflektiert über weiterführende Forschungsfragen.
Schlüsselwörter
Lesbisches Coming-out, Gegenwartsliteratur, fiktionale Texte, Geschlechterrollen, heterosexuelle Norm, Identitätsfindung, Sexualität, literarische Darstellung, lesbische Identität, Adoleszenz, Diskursanalyse, weibliche Homosexualität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie das lesbische „Coming-out“ in fiktionalen Texten der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur inhaltlich und formal dargestellt wird.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die literarische Umsetzung von Coming-out-Prozessen, die Rolle gesellschaftlicher Normvorstellungen und die Auswirkungen auf die Protagonistinnen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, narrative Darstellungsformen und inhaltliche Konzepte des lesbischen Coming-outs in exemplarischen Texten zu beschreiben und auf schematische Zusammenhänge zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin wählt eine literaturwissenschaftliche Analyse exemplarischer Texte und setzt diese in den Kontext soziologischer Begriffe (wie Normalismus) sowie diskurstheoretischer Ansätze.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Untersuchungen, in denen das Coming-out entweder die Haupthandlung bestimmt oder als Nebenhandlung auftritt, wobei eine Differenzierung nach dem Alter und Familienstand der Figuren erfolgt.
Welche Schlüsselbegriffe sind charakteristisch?
Wichtige Begriffe sind Coming-out, Identitätsfindung, heterozentristische Gesellschaft, Geschlechterrollen und literarische Konstruktion.
Wie unterscheidet sich die Darstellung in den 40er Jahren zu den 90er Jahren?
Die Untersuchung zeigt, dass der historische Kontext und das Verbot von Homosexualität in den 40er Jahren das Coming-out massiv durch Angst vor existenzieller Bedrohung beeinflussen, während in den 90er Jahren komplexere, aber auch zunehmend individualisierte Aushandlungsprozesse im Vordergrund stehen.
Warum spielt das Alter der lesbischen Figuren eine so große Rolle für die Analyse?
Das Alter bestimmt maßgeblich den Lebenskontext – etwa als Jugendliche im Pubertätsprozess oder als verheiratete Mütter, die sich aus bestehenden heterosexuellen Strukturen lösen müssen – und beeinflusst somit die Schwierigkeit und den Verlauf des Coming-out-Prozesses.
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- Sabine Lommatzsch (Author), Kathrin Kadasch (Author), 2013, Ja, Nein, Vielleicht? - Homosexualität und Coming Out in der deutschen Jugendliteratur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262333