In Abgrenzung zu den anderen europäischen Ländern nimmt das deutsche Berufsbildungssystem mit dem „dualen Ausbildungssystem“ eine Sonderstellung ein. Dieser Sonderweg in der beruflichen Bildung wird im europäischen Kontext differenziert betrachtet. Während die einen das System als ein Auslaufmodell betrachten, sehen die anderen im dualen Ausbildungssystem ein Vorbild. (Rothe, 2008, S. 3)
Vor der Finanzkrise im Jahre 2008 wurde das duale System nach dem deutschen Vorbild im europäischen Kontext eher kritisch betrachtet. Die OECD in Paris rügte Deutschland sogar jahrelang aufgrund der niedrigen Akademikerquoten und ließ dabei das duale System völlig unbeachtet. (Astheimer, 2013) Seit der Finanzkrise avanciert das duale System jedoch zunehmend als Vorbild in den internationalen Fokus. Viele südeuropäische Länder leiden seither unter einer zum Teil dramatischen Jungendarbeitslosigkeit. Griechenland ist mit einer Jugendarbeitslosigkeit von 62,5 Prozent Spitzeneiter im europäischen Vergleich, gefolgt von Spanien mit 56,4 Prozent und Portugal mit 42,5 Prozent. Deutschland hingegen hat mit 7,5 Prozent die niedrigste Jugendarbeitslosenquote in Europa und liegt somit auch weit unterhalb des europäischen Durchschnitts von 23,5 Prozent. (Statista, 2013)
Das duale System wird von vielen Ländern zurzeit als eine Art Garant gegen die Jugendarbeitslosigkeit wahrgenommen. Die Länder Spanien, Portugal, Slowakei, Lettland und Italien sehen in dem System eine Chance, ihren Arbeitsmarkt zu reformieren, und wollen das System mit Unterstützung der deutschen Bundesregierung weitestgehend übernehmen. (Die Bundesregierung, 2013)
Die vorliegende Arbeit wird das deutsche duale Berufsbildungssystems systemisch
darstellen und den historischen Kontext erläutern. Nach einer kurzen Darstellung
anderer europäischer Berufsbildungssysteme soll folgende finale Frage beantwortet
werden:
Das deutsche duale Ausbildungssystem als internationales Vorbild für die
Berufsausbildung?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Historischer Kontext des dualen Systems
3 Das duale System
3.1 Rechtsgrundlagen
3.2 Die Lernorte
3.2.1 Die Ausbildungsbetriebe
3.2.2 Die Berufsschulen
3.3 Prüfungen
3.4 Weitere Akteure des dualen Berufsbildungssystems
3.4.1 Akteure der betrieblichen Berufsausbildung
3.4.2 Akteure der schulischen Berufsausbildung
4 Kritik am dualen System
5 Organisationen der Berufsausbildung international
6 Die internationale Stellung des dualen Systems
7 Das duale System als Exportgut
7.1 Polen
7.2 Spanien
7.3 Griechenland
7.4 Portugal
7.5 Italien
8 Internationale Berufsbildungskooperation
9 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das deutsche duale Berufsbildungssystem hinsichtlich seiner Eignung als internationales Vorbild, insbesondere vor dem Hintergrund der hohen Jugendarbeitslosigkeit in vielen europäischen Ländern. Ziel ist es, das System systemisch darzustellen, seinen historischen Kontext zu beleuchten und kritisch zu hinterfragen, ob und unter welchen Bedingungen ein Export dieses Modells sinnvoll und umsetzbar ist.
- Historische Entwicklung und Grundlagen des dualen Systems
- Strukturelle Merkmale und zentrale Akteure in Betrieb und Berufsschule
- Kritische Analyse von Stärken und Schwächen des Modells
- Internationaler Vergleich der Berufsbildungsorganisationen
- Aktuelle Fallbeispiele zur Implementierung des dualen Systems in europäischen Ländern
Auszug aus dem Buch
3 Das duale System
Die Berufsausbildung in Deutschland erfolgt zu rund zwei Dritteln über das duale System. Somit ist dieses System ein wichtiger Grundpfeiler des deutschen Berufsbildungssystems. (Budesagentur für Arbeit, 2013) Das Besondere an diesem System ist, dass es die Theorie und die berufliche Praxis miteinander verbindet. Im dualen System findet die Ausbildung an zwei Lernorten (siehe Abbildung 1) statt. Zum einen erlernen die Auszubildenden die berufliche Praxis in einem Betrieb der Wirtschaft, in Praxen eines freien Berufs oder in einer Verwaltung. Zum anderen erfolgt eine umfassende schulische Ausbildung an den Berufsschulen. „Dual“ bedeutet in diesem Kontext ein aufeinander abgestimmtes System der Lernorte Berufsschule und Betrieb. (Niedersächsisches Kultusministerium, 2013); (IHK Frankfurt am Main, I, 2013)
Die Ausbildung im dualen System dauert je nach Berufsart zwischen zwei und dreieinhalb Jahren. In folgenden Bereichen wird eine duale Ausbildung angeboten:
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das deutsche duale Ausbildungssystem als Sonderweg und dessen zunehmende Bedeutung als Vorbild zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa.
2 Historischer Kontext des dualen Systems: Darstellung der drei Entwicklungsphasen vom mittelalterlichen Zunftwesen bis zur gesetzlichen Verankerung im Berufsbildungsgesetz.
3 Das duale System: Erläuterung der Struktur des dualen Systems mit seinen zwei Lernorten Betrieb und Berufsschule sowie der jeweiligen Rechtsgrundlagen und Akteure.
4 Kritik am dualen System: Auseinandersetzung mit strukturellen Schwächen, wie Komplexität der Zuständigkeiten, mangelnde Flexibilität und hohe Kosten.
5 Organisationen der Berufsausbildung international: Einordnung des dualen Systems im internationalen Vergleich, in dem oft vollzeitschulische Modelle dominieren.
6 Die internationale Stellung des dualen Systems: Analyse der internationalen Wahrnehmung, geprägt durch die niedrige Jugendarbeitslosenquote in Deutschland.
7 Das duale System als Exportgut: Untersuchung der Implementierungsversuche des dualen Modells in Ländern wie Polen, Spanien, Griechenland, Portugal und Italien.
8 Internationale Berufsbildungskooperation: Überblick über die Rolle des BMBF und internationale Memoranden zur Verbreitung des dualen Systems.
9 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Eignung des Systems als Exportgut unter Berücksichtigung der Herausforderungen in anderen Ländern.
Schlüsselwörter
Duales Ausbildungssystem, Berufsbildung, Jugendarbeitslosigkeit, Berufsschule, Ausbildungsbetrieb, Berufsbildungsgesetz, Exportgut, Internationale Kooperation, Praxisorientierung, Fachkräfteentwicklung, Europa, Strukturreform, Ausbildungsmarkt, Berufsbildungspolitik, Bildungskooperation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das deutsche duale Berufsbildungssystem und untersucht, inwieweit dieses Modell als Vorbild für andere europäische Länder zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit dienen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die historische Entwicklung des Systems, dessen rechtliche und organisatorische Struktur, eine kritische Würdigung der Stärken und Schwächen sowie die praktische Anwendung bei Exportversuchen in andere Nationen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet: "Das deutsche duale Ausbildungssystem als internationales Vorbild für die Berufsausbildung?"
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer systemischen Darstellung der Strukturen und der Analyse des historischen Kontextes sowie der Auswertung aktueller Fallbeispiele und politischer Kooperationsprojekte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Funktionsweise des dualen Systems, eine kritische Betrachtung durch Experten, den Vergleich mit anderen internationalen Organisationsformen der Berufsbildung sowie eine detaillierte Analyse der Kooperationsbemühungen mit verschiedenen europäischen Ländern.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie duale Ausbildung, Jugendarbeitslosigkeit, Berufsbildungskooperation und Export des deutschen Modells charakterisiert.
Welche Rolle spielen die Industrie- und Handelskammern?
Die Kammern fungieren als wichtige Akteure, die Prüfungsverordnungen erlassen, Ausbildungsstätten prüfen und maßgeblich an der Qualitätssicherung sowie der internationalen Vermittlung des Know-hows beteiligt sind.
Warum wird das duale System oft als "träge" kritisiert?
Kritiker führen die Verteilung der Kompetenzen auf viele verschiedene Ebenen (Bund, Länder, Kommunen, Verbände) an, was komplexe Abstimmungsprozesse erfordert und notwendige Reformen verlangsamen kann.
Welche Rolle spielen die Kosten für Länder, die das Modell übernehmen wollen?
Die hohen Investitionen, insbesondere in der Anfangsphase für den Aufbau der schulischen Infrastruktur und die Anschaffung der notwendigen Ausstattung, stellen für Länder mit einer desolaten Haushaltslage eine wesentliche Hürde dar.
Kann das duale System die Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa kurzfristig senken?
Obwohl das System international hoch angesehen ist, zeigen die Analysen, dass eine Implementierung historisch gewachsener Strukturen komplex ist und Erfolge erst in der ferneren Zukunft erwartet werden können.
- Quote paper
- Niels Schirrmeister (Author), 2013, Das deutsche duale Ausbildungssystem als internationales Vorbild für die Berufsausbildung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262391