Die Äußerung der Emotion Wut als Ergebnis von Sozialisation und Kultur


Seminararbeit, 2013
30 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definitionen und Grundsätzliches
2.1 Was sind Emotionen?
2.2 Wie äußern sich Kultur und Sozialisation?

3 Die theoretische Basis
3.1 Psychologische Erklärungen für Emotionen
3.1.1 Theorie der Basisemotionen und der Universalität nach Ekman
3.1.2 Theorie der kognitiven Bewertung nach Scherer
3.2 Soziologische Theorie der Emotionen nach Gerhards

4 Empirische Untersuchung über den Zusammenhang von (Gewalt-) Verbrechen und der Emotion Wut
4.1 Methodik
4.2 Datenlage
4.3 Interpretation

5 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis:

Zeitschriftenartikel

Internetquellen

Eidesstattliche Versicherung

Abbildungsverzeichnis

Graphik Nr. 1: Herkunft der Erklärungsansätze für Emotionen, eigene Darstellung, 2012

Graphik Nr. 2: Sozialstruktur und Emotionen, Gerhards, 1988,

Graphik Nr. 3: Wechselwirkungen zw. den Ebenen für Emotionen, Gerhards, 1988,

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: UNODC: Intentional Homicide, count and rate per 100,000 population, 04 – 09, 2012 in: http://www.unodc.org/unodc/en/data-and-analysis/homicide.html, 03.10.2012, 15:44 Uhr

Tabelle 2: UNODC: Sexual Crime, count and rate per 100.000 population, 04 – 09, 2012, in: http://www.unodc.org/unodc/en/data-and-analysis/statistics/crime.html, 03.10.2012, 14:34 Uhr

Tabelle 3: UNODC: International Assaults, count and rate per 100.000 population 04 – 09, 2012, in: http://www.unodc.org/unodc/en/data-and-analysis/statistics/crime.html, 03.10.2012, 15:10 Uhr

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Emotionen sind elementarer Bestandteil der menschlichen Existenz, niemand kann sich ihnen entziehen oder sie vollständig ignorieren. Emotionen sind wie Stimmungen oder Gefühle sowohl von der eigenen Persönlichkeit abhängig welche sich im Laufe der Zeit durch Erfahrungen und Bedürfnisse bildet, als auch von dem Einfluss des (kulturellen) Umfeldes, dem Habitus, der Klasse oder der Schicht welche wiederum beeinflusst werden von Sitten, Gebräuchen, Normen, Regeln und Gesetzen. Emotionen unterliegen folglich einem nicht zu unterschätzenden kulturellen und sozialen Einfluss. Doch wie genau äußert sich dieser? Ist die Sozialisations- und Kulturabhängigkeit der Emotionen so stark dass das kulturelle Umfeld bestimmt, ob ausgewählte Emotionen herausgebildet werden? Oder entwickeln sich Emotionen kulturübergreifend gleich und es wird „nur“ das emotionale Handeln, also die Ausdrucksweise von Emotionen bestimmt?

In den letzten Jahren wurde und wird noch immer über die Probleme des Zusammenlebens von Personen unterschiedlicher Kulturen geschrieben. Von Artikeln in Tageszeitungen über Zeitschriften und Büchern bis hin zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen werden entweder die Probleme oder die positiven Aspekte, die ein solches Zusammenleben mit sich bringt, als Quell allen Übels oder als herausragende Errungenschaft der modernen Zivilisation beschrien. Sicherlich unterscheiden sich Kulturen in ihren Wertvorstellungen und Normen, und große Teile der jeweiligen Bevölkerungen reagieren auf gleichartige Ereignisse höchst unterschiedlich. Wird etwa die Verletzung religiöser Gefühle in dem einen Kulturkreis zumeist gleichgültig aufgenommen so führt eine ähnliche Übertretung in anderen Kulturkreisen u.U. zu massiven Ausbrüchen von Wut und Aggression. Doch sind die „anderen“ wirklich anders (veranlagt)? Sind etwa genetische/medizinische Unterschiede schuld daran, dass Menschen anderer kultureller Abstammung unterschiedlich reagieren?

Ziel dieser Hausarbeit ist es die Frage zu klären „Sind Emotionen kultur- und sozialisationsabhängig?“ Welche Ansätze/Theorien bieten hierzu schlüssige Erklärungen? Es gilt weiterhin zu prüfen, ob die auf der Theorie (Kapitel 3.) basierende These - „Wut und Aggression unterscheiden sich sowohl von Land zu Land als auch von Kultur zu Kultur, je höher die Rate an Gewalt (-Verbrechen) in einer Gesellschaft desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für das Vorhandensein von kulturell oder sozial bedingter Wut“ - bestätigt oder falsifiziert wird. Hierfür dienen insbesondere die empirischen Untersuchungen über den Zusammenhang von Wut und Gewalt im 4. Kapitel dieser Arbeit inklusive der Diskussion über die daraus gewonnenen Erkenntnisse. Den Schluss dieser Seminararbeit bildet eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse. Um dem Leser den Einstieg in die Thematik etwas zu erleichtern, folgt im direkten Anschluss an diesen Abschnitt eine kurze Abhandlung über grundsätzliche Begrifflichkeiten und Inhalte.

2 Definitionen und Grundsätzliches

Das Kapitel „Definitionen und Grundsätzliches“ dient der Erläuterung und Abgrenzung wichtiger Begriffe im Zusammenhang mit Emotionen und dem /den weitläufigen Begriff(en) der Kultur und Sozialisation.

2.1 Was sind Emotionen?

Der Begriff der Emotion lässt sich vereinfachend als Gefühlsbewegung oder auch als Zustand von Erregung bezeichnen. Im Gabler-Wirtschaftslexikon wird der Begriff Emotion folgendermaßen definiert:

Affekt, Gefühl, psychische Erregung; innere Empfindung, die angenehm oder unangenehm empfunden und mehr oder weniger bewusst erlebt wird, z.B. Freude, Angst, Kummer, Überraschung. Die Emotion ist ein komplexes Muster aus physiologischen Reaktionen (z.B. Steigerung des Blutdrucks), Gefühlen (z.B. Liebe, Wut), kognitiven Prozessen (Interpretation, Erinnerung und Erwartung einer Person) sowie Verhaltensreaktionen (z.B. lachen, weinen).“ (vgl. Gabler, 2012)

Zimbardo und Gerrig ergänzen diese Definition in der Form, das Emotionen von jedem Individuum individuell zur Kenntnis genommene, situationsabhängige Reaktionen auf (zumeist unvorhergesehene) Ereignisse darstellen. (Zimbardo/Gerrig, 1996, S. 260) Zu unterscheiden von der Emotion ist die Emotionalität, welche die unterschiedliche Art und Weise der Verarbeitung von Affekten und der Affektsteuerung beschreibt; die Fähigkeit sich gefühlsmäßig an etwas zu beteiligen oder hineinzuversetzen. Im Duden findet sich hierzu: Emotionalität ist „Inneres, gefühlsmäßiges Beteiligt sein an etwas“ (vgl. Duden, 1983, S. 113)

Abzugrenzen von dem Begriff der Emotion sind die Begriffe „Gefühl“ und „Stimmung“. „Gefühle“ lassen sich am ehesten durch eine Aufzählung einzelner (Gefühls-) Zustände beschreiben wie Liebe, Trauer, Wut, Ekel/ Abscheu, Angst usw. Gefühle lassen sich demnach als eine konkrete Empfindung bezeichnen, die erst dann zu Emotionen werden, wenn sie subjektiv bewertet werden können. Emotionen sind für Außenstehende deutlich ersichtlich, Gefühle hingegen sind für außenstehende Personen nicht oder nicht ohne weiteres erkennbar. Der Fähigkeitsverlust sich klar und deutlich zu äußern, kann ein Zeichen von Angst oder Wut sein, je nachdem ob der Auslöser eine sich nähernde bedrohliche Personen/Situation ist (Gefühl der Furcht) oder ob man sich kurz zuvor über eine vielleicht nahestehende Person extrem geärgert hat (Gefühl der Wut). Die offensichtliche Tatsache, dass eine Person nun nicht mehr in der Lage ist sich verständlich oder möglicherweise gar nicht mehr zu äußern (z.B. stammelt vor sich hin, „Kloss“ im Hals) macht die innere Gefühlslage nach außen hin sichtbar und man spricht von einer Emotion da sie in einem interpretierbaren Kontext erscheint. Der Begriff der „Stimmung“ ist vergleichsweise leicht von dem Begriff „Emotion“ abzugrenzen, Stimmungen erstrecken sich meist über einen längeren Zeitraum, während Emotionen, sehr kurzfristig sind (meist einige Sekunden). Stimmungen können das Ergebnis von zuvor erlebten Emotionen sein, sie können aber auch den Weg für mögliche, folgende Emotionen bereiten (Peters, 1984, S. 538)

2.2 Wie äußern sich Kultur und Sozialisation?

Den Begriff „Kultur“ in eine einzelne, generelle Definition zu fassen erscheint in Anbetracht der vielen verschiedenen Deutungsmöglichkeiten eher schwierig. Zu unterschiedlich sind die Bereiche, für die der Begriff „Kultur“ genutzt wird. Von Kunst und Musik über zivilisatorische Errungenschaften und die Art und Weise wie Menschen Dinge betrachten und erledigen, wird alles mit dem Begriff der Kultur erklärt. Der Psychologe Alexander Thomas definiert den Begriff wie folgt:

„Kultur ist ein universelles, für eine Gesellschaft, Organisation und Gruppe aber sehr typisches Orientierungssystem. Dieses Orientierungssystem wird aus spezifischen Symbolen gebildet und in der jeweiligen Gesellschaft usw. tradiert. Es beeinflusst das Wahrnehmen, Denken, Werten und Handeln aller ihrer Mitglieder und definiert somit deren Zugehörigkeit zur Gesellschaft. Kultur als Orientierungssystem strukturiert ein für die sich der Gesellschaft zugehörig fühlenden Individuen spezifisches Handlungsfeld und schafft damit die Voraussetzungen zur Entwicklung eigenständiger Formen der Umweltbewältigung.“ (vgl. Thomas, 2003 , S. 22 ff. )

Nach Thomas wird dieses Orientierungssystem wiederum von den in einer Kultur herrschenden „kulturellen Standards“ bestimmt. Zu diesen Standards gehören Werte, Formen des Handelns oder auch Denkweisen und diese werden von den Mitgliedern einer Gesellschaft als „normal“ oder „typisch“ angesehen. (Thomas, 1996, S. 107 ff.) Um den Begriff der „Kulturabhängigkeit“ erläutern zu können, ist im Vorfeld zu untersuchen was unter dem Begriff der „Abhängigkeit“ verstanden wird. Dem Duden nach, wird darunter eine Hörigkeit, Sucht, Unfreiheit, Unmündigkeit und Unselbstständigkeit verstanden. (Duden-Online, 2012) Daraus schließend zeichnet sich eine Kulturabhängigkeit durch eine Hörigkeit und gewisse Unfreiheit gegenüber den überwiegenden (mehrheitlich) verankerten Meinungen, Ansichten und Regelungen der Mitgliedern und Institutionen eines Kulturraumes/Gesellschaft aus. Eine häufig benutzte Vokabel in dem Zusammenhang von Kultur und Emotionen ist die eben erwähnte des „Kulturraumes“. Unter einem Kulturraum wird beispielsweise ein Land (Nation), eine geographische Region (z.B. Westeuropa), ein gemeinsamer Sprachraum (z.B. englischsprachiger Raum), ein kulturanthropologischer Raum (z.B. gleiche Ideen- oder Religionsgemeinschaft) oder eine soziologische Zuordnung wie etwa Schicht oder Klasse verstanden. (IKO, 2004, Video zum Kulturbegriff)

Der Begriff der Sozialisation bezeichnet einen lebenslangen Anpassungsprozess eines Individuums oder mehrerer Individuen an die Normen und Regeln einer spezifischen, sozialen und materiellen Umwelt, in der das Individuum lernt die geltenden Normen und Regeln zu verstehen und anzuwenden. (Melzer, 1975, S. 14 – 16) Sozialisation kann sowohl planvoll durch erzieherische Maßnahmen z.B. in Familie, Kindergarten, Schule und Verein erfolgen wie auch unbeabsichtigt etwa durch Medien, den Freundeskreis oder das kulturelle Umfeld. (Hurrelmann, 2008, S. 335 ff.)

3 Die theoretische Basis

Wie jedes theoretische Modell haben auch die folgenden Modelle Stärken und Schwächen. So lassen sich mit medizinischen und psychologischen Modellen zwar individuelle Gemütszustände basierend auf neurologischen Vorgängen oder kognitiven Fähigkeiten erklären, jedoch stoßen diese an ihre Grenzen wenn sie die sozialen Determinanten für die Entstehung von Emotionen berücksichtigen sollen. Umgekehrt versagen rein soziologische Theorien als Erklärungsansatz wenn die Persönlichkeit und die Besonderheiten des menschlichen Organismus unberücksichtigt bleiben. Es macht demnach Sinn „Emotionen“ von beiden Seiten zu betrachten und zu versuchen eine Brücke zwischen diesen unterschiedlichen Disziplinen zu schlagen. Neben Psychologie und Soziologie existieren noch die eher praktischen Ansätze aus der Pädagogik, die in dieser Arbeit aber nicht Bestandteil der Untersuchung sein sollen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Graphik Nr. 1: Herkunft der Erklärungsätze für Emotionen, Eigene Darstellung, 2012

3.1 Psychologische Erklärungen für Emotionen

Die in den folgenden beiden Abschnitten( 3.1.1 und 3.1.2) vorgestellten Theorien wurden vor allem bezüglich ihrer Aussagekraft über die Bestätigung bzw. Nicht-Bestätigung der Existenz universeller, kulturübergreifender Emotionen ausgewählt.

3.1.1 Theorie der Basisemotionen und der Universalität nach Ekman

Für alle Arten von Emotionen, dazu zählen sogenannte Basisemotionen und „andere Emotionen“, gilt dass sie sich im Laufe der Evolution entwickelten um ein tieferes Verständnis von Mensch zu Mensch und zwischen Mensch und Umwelt (z.B. Dingen, Tieren, etc.) zu ermöglichen. Der Psychologe Paul Ekman, ein Vertreter der Evolutionspsychologie, gelangte während seiner Forschungen zu dem Ergebnis, das der Mensch durch sechs bzw. (in späteren Artikeln) acht, kulturraumübergreifende, Basisemotionen gekennzeichnet ist. Diese sind: Wut, Trauer, Angst, Freude, Ekel, Verachtung, Überraschung und Scham. Diese acht „Basisemotionen“ unterscheiden sich in ihrer Bedeutung von „anderen“ Emotionen insbesondere darin, dass sie sich über alle Kulturgrenzen gleichermaßen herausbildeten, um mit besonders wichtigen oder bedrohlichen Lebenssituationen (besser) umgehen zu können. (Ekman, 1999, S. 45 ff.)

Doch erkennen wirklich alle Menschen in völlig unterschiedlichen Kulturen Emotionen in ähnlicher Weise und bringen sie spontan die gleichen bzw. ähnlichen Emotionen unter gleichartigen Umständen hervor? In seinem Artikel in der Zeitschrift Cognition and Emotion aus dem Jahr 1992 bejaht Ekman diese Frage, mit dem Hinweis auf seine Studien, die belegen dass gleichartige Situationen bei seinen Probanden immer ähnliche Emotionen (z. B. Wut oder Ekel) hervorriefen und dass umgekehrt bestimmte Emotionen zu einem überwiegenden Teil richtig von anderen Personen (meist Personen mit anderem kulturellen Hintergrund) erkannt und zugeordnet wurden. (Ekman, 1992, S. 169 ff.) In seinem Artikel beschreibt Ekman weiter, das Emotionen i.d.R. sehr schnell stattfinden – oft unbemerkt - und das diese nur wenige Sekunden andauern. Auch besitzt nach Ekman jede Basisemotion ein entsprechendes Verhaltensmuster, so ist beispielsweise das Verhaltensmuster von Furcht die Flucht. Ekman räumt allerdings ein, dass dieser Aspekt durch Lernen und Erfahrung bei Individuen zu unterschiedlichen Ausprägungen führen kann; das Verhaltensmuster kann demnach willentlich kontrolliert werden. Dieses steht jedoch in Widerspruch zu seiner weiteren Annahme, dass die Bewertung von Emotionen i.d.R. automatisch erfolgt, da Emotionen sehr schnelle Reaktionen auf Ereignisse darstellen und somit nicht kognitiv beeinflussbar sind. Nach Ekman lösen bestimmte Ereignisse ganz spezifische, universelle Emotionen aus, welche aber je nach Sozialisation unterschiedlich ausgedrückt werden. (Ekman, 1992, 181 ff.)

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Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Die Äußerung der Emotion Wut als Ergebnis von Sozialisation und Kultur
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Menschliche Entwicklung im Kulturvergleich
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
30
Katalognummer
V262542
ISBN (eBook)
9783656516101
ISBN (Buch)
9783656516194
Dateigröße
742 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
äußerung, emotion, ergebnis, sozialisation, kultur
Arbeit zitieren
Stephan Ackerschott (Autor), 2013, Die Äußerung der Emotion Wut als Ergebnis von Sozialisation und Kultur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262542

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