Auf dem rechten Weg?

Erklärungsansätze für Rechtsextremismus unter Jugendlichen und die schulische Präventionsmöglichkeit am Beispiel der Demokratievermittlung.


Hausarbeit, 2012
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Definition Rechtsextremismus

3.Ursachen für jugendlichen Rechtsextremismus
3.1 Desintegrationsthese
3.2 Dominanzkulturthese
3.3 soziale Katharsis- These
3.4 gesellschaftliche Phänome

4.Schulische Präventionsformen
4.1 Demokratielernen
4.1.1 Partizipation in der Schule am Bsp. des Klassenrates
4.1.2 Projekttage und Schulöffnung

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Im Verfassungsschutzbericht 2007 weist Dr. Wolfgang Schäuble auf eine alarmierende Entwicklung des Rechtsextremismus in Deutschland hin. Er berichtet darüber, dass im Berichtszeitraum Rechtsextremisten ihre Bemühungen fortsetzen würden, sich in der Mitte unserer Gesellschaft einzunisten - sei es über das Angebot von Nachhilfeunterricht und Sozialberatung oder durch die Organisation von Freizeitaktivitäten. Besonders für junge Menschen werde die Szene zunehmend attraktiver (vgl. Verfassungsschutzbericht, 2007, S.5ff). Die im Jahr 2011 in Deutschland bekannt gewordenen rechtsterroristischen Taten zeigen wie Ernst diese Thematik genommen werden muss. Es ist kein Geheimnis, dass Rechtsextremismus gerade unter Jugendlichen wieder verstärkt in Erscheinung tritt und in verschiedenen Facetten zu finden ist. Dies wird an dem Beispiel der rechtsterroristischen Straftaten von Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe, die in jungen Jahren rechtsextremistische Einstellungen und Aktivitäten verfolgten, sehr deutlich. Nicht nur politische Kultur, sondern das gesellschaftliche Klima wird durch Rechtsextremismus beeinträchtigt. Daraus ergibt sich ein gesellschaftliches Problem, welches vor den Toren der Schulen nicht Halt macht. Die Organisation von Rechtsextremismus hält sich weitest gehend verdeckt, nur wenige wissen, wie Rechtsextremisten Einfluss gewinnen und sich artikulieren. Jedoch ist zu erkennen, dass sich Rechtsextremismus unter Jugendlichen immer mehr verbreitet und sich als sehr attraktiv für diese Personengruppe darstellt. Warum ist Rechtsextremismus gerade für Jugendliche so attraktiv und wo liegen die genauen Ursachen für Rechtsextremismus unter Jugendlichen? Bevor dies im ersten Teil meiner Hausarbeit erläutert wird, muss zunächst der Begriff des Rechtsextremismus definiert werden. Im zweiten Teil dieser Hausarbeit stehen schulische Präventionsformen gegen Rechtsextremismus im Mittelpunkt. Mögliche Projekte und Themen, um präventiv gegen Rechtsextremismus vorgehen zu können, werden hier beleuchtet. Abschließend wird ein Fazit aus den geschilderten Erkenntnissen gezogen.

2.Definition Rechtsextremismus

Bei dem Versuch Rechtsextremismus zu definieren, herrscht nicht nur im Alltag, sondern auch in der Wissenschaft eine Begriffsverwirrung (vgl. Neureiter, 1996, S. 7). Die Bezeichnungen Rechtsextremismus und Rechtsradikalismus werden weitreichend synonym verwendet, „…selbst in offiziellen Mitteilungen werden die Begriffe uneinheitlich gebraucht “ (Merten, Otto, 1993,S.17). Somit bestehen in der sozialwissenschaftlichen und politologischen Diskussion unterschiedliche Ansichten über die Definition und die Strukturmerkmale des Rechtsextremismus. Eine Gemeinsamkeit vieler Definitionen von Rechtsextremismus ist allerdings, dass sich Rechtsextremismus gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung der Bundes Republik Deutschland richtet, speziell gegen den Pluralismus und die damit verbundene Gleichberechtigung aller Bürger, sowie der Demokratie als Staatsform (vgl.Mentzel,1998, S.29ff). Die Definition von Heitmeyer soll im Folgenden näher betrachtet werden, da diese für die Ursachenklärung von Rechtsextremismus unter Jugendlichen mit am sinnvollsten erscheint. Dieser umfasst ökonomische, wie auch soziale Entstehungsmomente. Nach Heitmeyer sind rechtsextremistische Orientierungsmuster, „…dass sie Elemente eines gesellschaftlichen Gegenentwurfs enthalten zu den theoretisch formulierten, aber praktisch keineswegs vollständig eingelösten Verheißungen demokratischer aufklärerischer Politik mit den Elementen des Vernuftpostultates, des Rechts auf freie Entfaltung des Individuums und vor allem der Gleichheit aller Menschen und Menschengruppen“ (Heitmeyer, 1992, S.13). Heitmeyer schreibt dem Rechtsextremismus zwei Grundelemente zu. Das erste Grundelement ist die Ideologie der Ungleichheit. Kennzeichnend hierfür ist eine personen- und gruppierungsbezogene Ausrichtung, die auf Ablehnung und Abwertung, somit auf Ungleichwertigkeit zielt. Inhaltlich zeigt sich dies vor allem in der Unterscheidung von lebenswertem und- unwertem Leben, der Betonung des Rechts der Stärkeren, und der übersteigerten Betonung der Gleichartigkeit und der kulturellen Verschiedenheit. Desweitern zielt das erste Grundelement auf die Forderung der Ausgrenzung und zeigt sich in jeglicher Ungleichbehandlung von Fremden. Die Ideologie der Ungleichheit enthält somit Orientierungen zur politischen Auslegung gesellschaftlicher Realität. Das zweite Grundelement ist laut Heitmeyer die Gewaltakzeptanz. Gewalt wird als etwas Gewöhnliches angesehen. Dahinter verbirgt sich die Grundannahme, dass Gewalt die normale Konfliktlösungsstrategie sei. Daher werden angemessene Diskurse abgelehnt und der alltägliche Überlebenskampf betont. Demokratische Regelungen von sozialen und politischen Konflikten werden ebenfalls abgelehnt. Eine starke Betonung wird auf autoritäre und militärische Umgangsformen und Stile gelegt. Nach Heitmeyer liegen rechtsextremistische Orientierungsmuster und Handlungsweisen vor, wenn diese beiden beschrieben Elemente, die Ideologie der Ungleichheit und die Gewaltakzeptanz, zusammenfließen. Hierbei ist die Koppelung verschiedener Elemente aus beiden Bereichen entscheidend, also wenn die gewaltorientierte Ideologie der Ungleichheit mit der Gewaltakzeptanz als Handlungsform zusammenspielt. Nicht entscheidend ist hingegen das Vorliegen stets aller Elemente (vgl. Heitmeyer, 1992, S.14). Heitmeyer sieht in der Ideologie der Ungleichheit und der Gewaltakzeptanz, ein vor allem jugendliches Protestsyndrom im Kontext von Individualisierung und der Risikogesellschaft. Heitmeyer betrachtet Rechtsextremismus nicht als ein Problem von Randgruppen. Die Entstehung siedelt er im Zentrum der Gesellschaft an. Heitmeyer fasst rechtsextremistische Orientierungsmuster nicht als politische Programmatiken auf, auch nicht als Einflussgrößen im politischen Prozess. Er befragt diese auf ihre Rolle hin bei der Lösung jugendspezifischer Lebens- und Konfliktlagen, welche im Folgenden näher betrachtet werden. (vgl. Jaschke, 2001,1994,S. 29).

3. Ursachen für jugendlichen Rechtsextremismus

3.1 Desintegrationsthese

Nach der Desintegrationsthese der Bielefelder Arbeitsgruppe um W. Heitmeyer, können vor allem Jugendliche der modernen Risikogesellschaft einem potentiellen Individualisierungsschub ausgesetzt sein. Der potentielle Individualisierungsschub geht laut dieser Theorie konform mit der soziokulturellen Differenzierung und Enttraditionalisierung von bestimmten Lebensformen, trifft jedoch nicht auf jeden Jugendlichen zu. Zum einen ist dieser Individualisierungsschub mit Individualisierungschancen verbunden, zum anderen führt er gleichzeitig zu Zukunfts- und Identitätskrisen. Eine mögliche Form der Stressbewältigung und Verarbeitung von individuellen Bedrohungen, bietet im Zusammenhang solcher Krisen der persönliche Rückgriff auf rechtsextreme Politikangebote. Eine rechtsextreme Parole, die eine individuelle Bedrohung ausdrückt wäre z.B. Ausländer nehmen Deutschen die Arbeitsplätze weg (vgl. Frindte, 1995, S.41). Heitmeyer nimmt an, „…dass Jugendliche die den Übergang zu einer autonomie-orientierten Identität nicht schaffen, weil sie nicht in ausreichendem Maße Ressourcen und Bezugspunkte der Identitätsbildung zur Verfügung haben, eher rechtsextremistischen Konzepten zustimmen könnten, weil diese plausible Erklärungen für die eigenen Handlungsprobleme liefern…“(Heitmeyer, 1992, S.32). Heitmeyer beschreibt mit der Desintegrationserfahrung die sozialen Strukturen und andererseits die Sozialisationsmechanismen- und folgen, die für das Entstehen von Rechtsextremismus verantwortlich sind (vgl. Frindte, 1995, S.41).Anfangs sah Heitmeyer eine Ursache für Rechtsextremismus in der Desintegrationsthese im Zusammenspiel von geringem Selbstwertgefühl und schlechten schulischen oder beruflichen Perspektiven (vgl. Heitmeyer, 1989, S.104 ff). Später betont Heitmeyer stärker die sozialstrukturbezogenen Folgerungen und zieht seine Individuums bezogene Implikation aus der Desintegrationsthese zurück (vgl. Frindte, 1995, S.42) Dies besagt folgende Äußerung Heitmeyers: „Der Weg von Jugendlichen in das fremdenfeindliche oder rechtsextremistische Terrain verläuft also nicht in erster Linie über die Attraktivität von Parolen, die eine Ideologie der Ungleichheit und Ungleichwertigkeit betonen, um diese mit Gewalt durchzusetzen, sondern über Gewaltakzeptanz, die im Alltag entsteht und dann politisch legitimiert wird. Dies verweist nachdrücklich zuerst auf zentrale gesellschaftliche Strukturen und Sozialisationsmechanismen und nicht auf die politischen Ränder “ (Heitmeyer, 1993, S.5).

3.2 Dominanzkulturthese

Eine andere Erklärungstheorie zur Ursachenklärung von Rechtsextremismus ist die Dominanzkulturthese. Nach dieser These entsteht Fremdenfeindlichkeit nicht wie bei Heitmeyer vorrangig bei benachteiligten Jugendlichen der Modernisierungsgesellschaft, sondern in der Mitte der Gesellschaft. Kersten fasst seine Auffassung von Entstehung und Ursachen des Rechtsextremismus folgendermaßen zusammen: „Jugendliche orientieren sich an Gruppierungen, die gefährliche Aktivitäten im Sinne der Darstellung eines Hegemonialanspruchs von heranwachsender Männlichkeit anbieten und versprechen“ (Kersten, 1993, S.53). Vor allem männliche Jugendliche wären davon betroffen, da dominante kulturelle Werte, die Werte einer Männergesellschaft seien.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Auf dem rechten Weg?
Untertitel
Erklärungsansätze für Rechtsextremismus unter Jugendlichen und die schulische Präventionsmöglichkeit am Beispiel der Demokratievermittlung.
Hochschule
Alice-Salomon Hochschule Berlin
Veranstaltung
Diversity Studies
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V262544
ISBN (eBook)
9783656513568
ISBN (Buch)
9783656512868
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erklärungsansätze, rechtsextremismus, jugendlichen, präventionsmöglichkeit, beispiel, demokratievermittlung
Arbeit zitieren
Monika Jenke (Autor), 2012, Auf dem rechten Weg?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262544

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