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Das Bildnis des Christian Kracht

Zur Selbstinszenierung des Autors Christian Kracht im Paratext

Titel: Das Bildnis des Christian Kracht

Bachelorarbeit , 2012 , 99 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: David Fischer (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Literaturwissenschaft fehle es schlichtweg an „Stil“, einem Schriftsteller wie ihm gerecht zu werden, urteilte einmal Mara Delius in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er fasziniert, begeistert und irritiert, heißt es wiederum an einer anderen Stelle, in der Einleitung eines Sammelbands zu Leben und Werk des Schweizers. Und in der Süddeutschen Zeitung konnte man lesen, seine „stete Rede vom Werteverfall und einer Identitätskrise des modernen Subjekts, sein Gebaren als ‚postmoderner
Dandy’ und ‚reaktionärer Schnösel’“ besitze Kalkül. Summa Summarum lassen sich die Aussagen auf eine übertragbare Formel bringen: Wie kaum ein anderer deutschsprachiger Autor seiner Zeit schafft es Christian Kracht, „die Medien zum Tanzen zu bringen“ (Süddeutsche Zeitung).
Für viele ist er ein Buch mit sieben Siegeln. Das Interesse an seiner Person steht dem Interesse an seinen Bestsellern in nichts nach. Fakt ist: Wo Interpretationen enden, wo die Sinnsuche zu Zugängen zu Leben und Werk beginnt kommt Krachts offeriertes Identitätsangebot ins Spiel. Ein Angebot von Informationen verpackt als Inszenierungsstrategien, die sich anschicken, jene Leerstellen im Autorprofil
füllen zu wollen, welche sich Lesern durch „einfache Deutungen verschließ[en]“. Das Bildnis des Christian Kracht ist das Resultat, das aus diesen Prozessen entsteht; ein mediales Selbstporträt, das sich aus der Strichführung diverser Selbstinszenierungen zu einer kohärenten Identität zusammenfügt.
Mal affektiert, mitunter versteckt, manchmal auch scheinbar beiläufig passiert sie, die Autorinszenierung des umstrittenen Schriftstellers aus Saanen. Ob im Verwirrspiel um sein wahres Ich, im Moment der ästhetischen Selbststilisierung oder als Grenzgänger zwischen Autor, Figur und Erzähler - Christian Kracht beherrscht die Mechanismen der Aufmerksamkeit, sein literarisches Provokationspotenzial reicht weit über die bloße Textebene hinaus. Man könnte auch sagen, Kracht folgt frei einem Aphorismus Salvador Dalís, der als Aufgabe von Kunst postuliert hatte, systematisch
Verwirrung zu stiften, das setzte Kreativität frei.[...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Methodik

1.1. Einführung - Der mit den Medien tanzt

1.2. Annahmen und Methodik

2. Der Autor ist tot - Es lebe der Autor?

2.1. Überlegungen zu Autor und Autorschaft

2.2. Roland Barthes - Tod des Autors

2.3. Boris Ėjchenbaum - Das literarische Leben

2.4. Michel Foucault - Was ist ein Autor?

2.5. Dirk Niefanger - Label und Logo

2.6. Inszenierung, Maskerade und Theatralität - Der Autor als Schauspieler

2.7. Forschungsstand zur Autorinszenierung Christian Krachts

2.8. Christian Kracht und der Dandyismus

3. Analyse

3.1. Das versteckte Triptychon - Autorinszenierung im Peritext des Gelben Bleistifts

3.1.1. Vorüberlegungen zur Abgrenzungsstrategie in Krachts Reisetexten

3.1.2. Der gelbe Bleistift - Umschlagseite eins

3.1.3. Der gelbe Bleistift - Umschlagseite vier

3.2. Verschwinden, verschweigen, verändern - Autorinszenierung im Epitext Internet

3.2.1. Vorüberlegungen zum Begriff Epitext

3.2.2. Bedeutung des Internets für die „moderne“ Autorinszenierung

3.2.3. Das Schweigen des Dandys - Krachts stille Inszenierung in Facebook

3.2.4. Krachts Ästhetik des Verschwindens in Text, Bildern und im Netz

3.2.5. Heimlich inszeniert - Krachts Interventionen in Wikipedia

4. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Strategien der Selbstinszenierung des Autors Christian Kracht, wobei ein besonderer Fokus auf den paratextuellen Elementen seiner Werke sowie seiner digitalen Präsenz liegt. Ziel der Analyse ist es, das komplexe Wechselspiel zwischen der empirischen Autorfigur, den fiktionalen Charakteren und den medialen Projektionen zu durchleuchten, um aufzuzeigen, wie Kracht durch bewusste ästhetische Setzungen seine Identität als Autor konstruiert und für unterschiedliche Rezipientenkreise anschlussfähig macht.

  • Paratextuelle Autorinszenierung (Peritext)
  • Epitextuelle Strategien im Internet (Facebook, Wikipedia)
  • Das Konzept des Dandyismus als ästhetische Lebenshaltung
  • Die „Poetik der Oberfläche“ als Identitätskomposition
  • Verhältnis von Autor, Werk und Inszenierung

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Vorüberlegungen zur Abgrenzungsstrategie in Krachts Reisetexten

„You can take your Year in Provence and shove it up your arse“ (auf deutsch: Nimm deinen Reiseführer Year in Provence und stecke ihn dir in den Arsch). Das provokante Songschnipsel der Band Pulp („I spy)178, das prominent auf der Rückseite von Ferien für immer prangt, steht programmatisch für eine fast zehnjährige Schaffenszeit Christian Krachts: Nach seinem Debüt Faserland Mitte der 1990er Jahre hat sich der Autor vor allem mit „mehr oder minder faktualen Reiseberichte[n]“179 beschäftigt. Ferien für immer (1998)180, von Kracht und Eckhart Nickel veröffentlicht, versammelt 66 Abhandlungen über die „angenehmsten Orte der Welt“, wie der Untertitel des Sammelbands zumindest behauptet. Ähnlich gestaltet sich der Band Der gelbe Bleistift (2000), der 20 Reisekolumnen enthält, in denen Kracht im Wesentlichen über seinen Aufenthalt in Südostasien für die Welt am Sonntag berichtet. Zuletzt erschienen sind Die totale Erinnerung – Kim Jong Ils Nordkorea (2006)181, eine Fotoreportage von Eva Munz und Lukas Nikol über die kommunistisch regierte Demokratische Volksrepublik Korea mit einem Vorwort von Christian Kracht sowie die Gebrauchsanweisung für Kathmandu und Nepal (2009)182 sowie eine Aufsatzsammlung von Kracht und Nickel, in der das Autorenduo seine Erlebnisse während der Zusammenarbeit in der Redaktion des Magazins Der Freund in Katmandu schildert.

Alle Texte vereint eine Gemeinsamkeit: Sie geben wenig Aufschluss über den Anlass der Reisenden. Hinzu kommt, dass Krachts Figuren (seine eigene Autorfigur in der ersten Person singular eingeschlossen) weitgehend frei über Zeit und Geld verfügen, und damit ohne Einschränkung die Wahl des Zielorts und ihrer Unterkunft bestimmen können183. Reisen, so schildert Kracht in einem Autorkommentar in Tristesse Royale, befreie ihn vom Zwang zur unausweichlichen Positionierung und Kommunikation und dem Fassbarmachen seiner Person: CHRISTIAN KRACHT: Deshalb verschwinde ich auch immer nach Asien – kein Re-Modeling, sondern mein eigenes Verschwinden hin zum Nullpunkt.184

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung und Methodik: Das Kapitel führt in die Thematik der Autorinszenierung ein und erläutert die methodische Herangehensweise anhand von Genettes Paratext-Theorie.

2. Der Autor ist tot - Es lebe der Autor?: Es erfolgt eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Autorbegriff, von Barthes' „Tod des Autors“ bis hin zu Foucaults Autorfunktion und dem dandyistischen Selbstentwurf.

3. Analyse: Das Hauptkapitel untersucht konkret die paratextuellen Gestaltungsmittel in Krachts Reisetexten sowie seine Inszenierungen in sozialen Netzwerken und Wikipedia.

4. Fazit und Ausblick: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, wobei betont wird, dass Krachts Autordesign ein hochkomplexes, bewusst konstruiertes Identitätsangebot darstellt.

Schlüsselwörter

Christian Kracht, Autorinszenierung, Dandyismus, Paratext, Epitext, Popliteratur, Poetik der Oberfläche, Identitätskonstruktion, Medienstrategie, Faserland, Der gelbe Bleistift, Tristesse Royale, Wikipedia, Internet, Diskursivitätsbegründer.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die mediale Selbstinszenierung des Autors Christian Kracht und analysiert, wie er seine Identität durch paratextuelle Mittel und digitale Interaktionen gezielt konstruiert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören der Dandyismus als Lebensform, die Poetik der Oberfläche, mediale Identitätsstrategien und das Spiel mit der Grenzziehung zwischen Autorfigur und Romanfiguren.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den „Inszenierungsbauplan“ Krachts zu entschlüsseln und zu zeigen, dass seine scheinbar zufälligen oder oberflächlichen Auftritte einer präzisen ästhetischen Strategie folgen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich primär auf die Paratext-Theorie von Gérard Genette sowie auf diskursanalytische Ansätze von Michel Foucault, ergänzt durch dandyismus-theoretische Perspektiven.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden konkrete Beispiele wie die Gestaltung von Buchcovern (z.B. „Der gelbe Bleistift“) sowie Krachts Aktivitäten im Internet (Facebook, Wikipedia) detailliert analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Autorinszenierung, Identitätsangebot, Peritext, Epitext, Dandyismus und die mediale mise en scène.

Welche Rolle spielt Wikipedia in Krachts Selbstinszenierung?

Die Arbeit legt dar, dass Kracht aktiv und anonym in die Gestaltung seines Wikipedia-Eintrags eingegriffen hat, um seine öffentliche Rezeption zu steuern und korrigieren.

Wie unterscheidet sich Krachts Internet-Inszenierung von seinem sonstigen Auftreten?

Während er im traditionellen Literaturbetrieb oft eine Aura der Unnahbarkeit pflegt, nutzt er das Internet als „Epitext“, um gezielt Fragmente seines Lebens zu streuen und so die Community zum gemeinschaftlichen Deuten seiner Identität zu animieren.

Ende der Leseprobe aus 99 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das Bildnis des Christian Kracht
Untertitel
Zur Selbstinszenierung des Autors Christian Kracht im Paratext
Hochschule
Universität Stuttgart
Note
1,0
Autor
David Fischer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
99
Katalognummer
V262569
ISBN (eBook)
9783656511199
ISBN (Buch)
9783656510680
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Christian Kracht Faserland Imperium Georg Diez Skandal Selbstinszenierung Autorschaft Autor Paratext Genette Pop-Literatur Pop Dandy Dandyismus Dandysmus Der gelbe Bleistift Ästhetizismus Wikipedia Tristesse royale Druckfrisch Harald Schmidt Oberfläche Poetik der Oberfläche Judith Butler Maskerade Distinktion Umschlag Autoren-Porträt Autorinszenierung Autor-Inszenierung Facebook Nordkorea Versionsgeschichte Manipulation
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Arbeit zitieren
David Fischer (Autor:in), 2012, Das Bildnis des Christian Kracht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262569
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