Eine Spitzensportkarriere währt nicht ewig. Die erhoffte aber immer zeitlich limi-tierte Karriere bricht oft plötzlich und völlig unerwartet zu einem Zeitpunkt ab, in dem vergleichsweise junge Menschen gleichen Lebensalters bereits ihre Exis-tenz vollständig aufgebaut haben. Die darauf folgenden Lebensjahre der aus-geschiedenen Leistungssportler sind durch häufige Berufswechsel und durch erhebliche Schwierigkeiten, den Anschluss im Berufsleben zu finden, gekenn-zeichnet.
Mit diesen Worten beschreibt Pia-Maria Wippert (2002, 40) das Leiden, welches junge Nachwuchsleistungssportler im Übergang von der Leistungssportkarriere zum „Leben da-nach“ ereilen kann. Nicht immer muss dieser Übergang mit gravierenden persönlichen und sozialen Problemen behaftet sein. Dennoch treten immer wieder Schwierigkeiten auf, welche in der Literatur mit sportwissenschaftlichen Bezug noch zu wenig Beachtung finden. Welche Probleme im Zusammenhang mit der Beendigung einer leistungssportliche Karriere auftreten und in welchen Umfängen diese sich äußern soll in dieser Arbeit kurz dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 Vorwort
1.2 Fragestellung
2 LEBENSWELT LEISTUNGSSPORT
2.1 Umfeld
2.2 Fördermöglichkeiten
2.2.1 Stiftung Deutsche Sporthilfe
2.2.2 Olympiastützpunkte
2.2.3 Nachwuchsleistungskonzept 2012 des DOSB
2.3 Resultierende Probleme
3 KARRIEREENDE
4 DROPOUT
4.1 Drop-Out im Leistungssport - Einführung und Problemstellung
4.2 Gründe für Dropouts
4.3 Folgen von Dropout
4.3.1 Veränderung der Lebensgrundlage
4.3.2 Veränderung der Identitätswahrnehmung
4.3.3 Psychische Veränderung
4.3.4 Emotionale Veränderungen
5 BLICK IN DIE PRAXIS
5.1 Methodik
5.2 Befragte Personen
5.3 Befragte Bereiche
5.4 Interviewergebnisse
6 BEWÄLTIGUNGSSTRATEGIEN
6.1 Bewältigung und Intervention
7 LÖSUNGSANSÄTZE
8 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen und Probleme, die mit einem unfreiwilligen Ausscheiden aus dem Leistungssport (Dropout) verbunden sind. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Fokus, welche negativen Folgen ein solches Karriereende für junge Athleten hat und wie die Sportpädagogik dazu beitragen kann, diese Folgen zu minimieren oder den Übergang zu erleichtern.
- Analyse der Lebenswelt Leistungssport und existierender Fördersysteme.
- Untersuchung der Ursachen und Folgen von Dropouts im Nachwuchsleistungssport.
- Empirische Einblicke durch Experteninterviews (Sportler, Trainer, Funktionäre).
- Vorstellung von Interventionsprogrammen und Lösungsansätzen zur Bewältigung von Karriereübergängen.
Auszug aus dem Buch
3 Karriereende
Früher oder später wird jeder Sportler mit dem Ende seiner sportlichen Laufbahn konfrontiert. Das Karriereende wird demnach als ein völlig normaler und notwendiger Vorgang beschrieben, der als Bestandteil der Sportkarriere angesehen werden muss und den Übergang vom Sportler zum ehemaligen Sportler darstellt. Dieser Übergang kann auf unterschiedliche Art und Weise erfolgen.
Der wesentlichste Unterschied besteht darin, ob die Beendigung der sportlichen Karriere freiwillig oder unfreiwillig geschieht.
Der Begriff „Retirement“ beschreibt hierbei das frühzeitige, jedoch freiwillige, also geplante Ausscheiden des Athleten aus dem Sport. Dieser Rückzug entspricht einem persönlichen finalen und bewussten Entschluss, da der Athlet zum Beispiel seine sportlichen Ziele oder ein bestimmtes Alter erreicht hat (vgl. Alfermann, 1998).
Im Gegensatz dazu beschreibt der Begriff „Dropout“ das vorzeitige Ende der sportlichen Karriere. Der Rückzug aus dem Sport erfolgt dabei für den Athleten unvorbereitet und ohne dass er sein volles Leistungspotenzial ausgeschöpft hat (vgl. Alfermann 1998).
Ein solcher Karriereabbruch wird für den Sportler dramatischer erlebt als das Retirement. Er geht einher mit einer vermehrten negativen Grundstimmung der betroffenen Person. Neben persönlich schmerzvollen Statusverlusten und Identitätsproblemen führt dies auch zu Verlusten des bisherigen Netzwerkes sowie der bisher gültigen Norm- und Wertvorstellungen. Konkret bedeutet dies, dass dieses Ereignis den Betroffenen dazu zwingt neue Lebensbereiche zu erschließen und in eine unsichere Lebensphase überzutreten. Dieser Übergang in eine neue Lebensphase (vom sportzentrierten zum alltags- und berufszentrierten Leben) wird allgemein als ein „kritisches Lebensereignis“ beschrieben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der beendeten Leistungssportkarriere und Darlegung der zentralen Forschungsfrage.
2 LEBENSWELT LEISTUNGSSPORT: Beschreibung der Rahmenbedingungen des Leistungssports sowie der bestehenden Fördermöglichkeiten und deren problematische Aspekte.
3 KARRIEREENDE: Differenzierung zwischen freiwilligem Retirement und unfreiwilligem Dropout sowie Einordnung als kritisches Lebensereignis.
4 DROPOUT: Analyse der Definition, Ursachen und vielfältigen negativen Folgen eines vorzeitigen Karriereendes.
5 BLICK IN DIE PRAXIS: Auswertung von Experteninterviews, die die theoretischen Erkenntnisse mit der Praxis abgleichen.
6 BEWÄLTIGUNGSSTRATEGIEN: Vorstellung von Methoden und Programmen, um den Ausstieg aus dem Leistungssport zu erleichtern.
7 LÖSUNGSANSÄTZE: Diskussion von Präventionsmaßnahmen und Beispielen für einen erfolgreichen Übergang in das Berufsleben.
8 FAZIT: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Ausblick auf notwendige Handlungsfelder.
Schlüsselwörter
Leistungssport, Nachwuchsleistungssport, Karriereende, Dropout, Karriereübergang, Sportpädagogik, Fördermöglichkeiten, Duale Karriere, Identitätswahrnehmung, Bewältigungsstrategien, Mentorenprogramm, Prävention, Lebensumstellung, Kadersystem, Krisenbewältigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Problemen, die entstehen, wenn junge Leistungssportler ihre Karriere unfreiwillig und vorzeitig beenden (Dropout), und untersucht Möglichkeiten, diesen Prozess zu begleiten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Bedingungen im Leistungssport, die Definition und Ursachen des Dropouts, die psychischen und sozialen Folgen für die Athleten sowie pädagogische Interventionsmöglichkeiten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Schwierigkeiten beim Ausscheiden aus dem System Leistungssport aufzuzeigen und Strategien zu entwickeln, wie die Sportpädagogik negative Folgen für die betroffenen Athleten minimieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie eine qualitative empirische Untersuchung in Form von Experteninterviews mit drei Personen aus dem Umfeld des Leistungssports.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Lebenswelt Leistungssport, definiert das Dropout-Phänomen, beleuchtet die persönlichen Auswirkungen auf die Athleten und stellt Lösungsansätze wie Mentoren- und Interventionsprogramme vor.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Leistungssport, Dropout, Karriereübergang, Sportpädagogik, Duale Karriere und Bewältigungsstrategien.
Was ist das "Wegwerfdosengefühl"?
Der Begriff beschreibt das Gefühl von Athleten nach dem Karriereende, nicht mehr wertgeschätzt zu werden, da soziale Kontakte und die Anerkennung durch den Verband oder Trainer abrupt wegfallen.
Warum ist die "Duale Karriere" derzeit noch problematisch?
Obwohl sie als Lösungsansatz dient, funktioniert sie aktuell fast ausschließlich bei staatlichen Institutionen wie Bundeswehr oder Polizei; für die freie Wirtschaft fehlen oft noch ausreichende Anreize und Strukturen.
Welche Rolle spielt der Trainer beim Dropout?
Dem Trainer kommt eine Schlüsselrolle zu; die Arbeit zeigt jedoch auf, dass Trainern oft die Zeit, Mittel oder Kompetenz fehlen, um Sportler bei einem unfreiwilligen Ausscheiden adäquat aufzufangen.
Was unterscheidet den Athleten von einem normalen Berufstätigen im Kontext des Karriereendes?
Der Leistungssport ist für Athleten oft ein "Systemverlust", da ihre gesamte Identität, soziale Netzwerke und der Alltag um den Sport herum aufgebaut sind, was einen normalen Berufs- oder Schulalltag sehr viel schwieriger macht.
- Arbeit zitieren
- Diplom Sportwissenschafter Andreas Bocek (Autor:in), 2011, Nachwuchsleistungssport und seine Opfer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262607