Mädchen in Naturwissenschaften und Technik. Wege junger Frauen in eine MINT-spezifische Studien- und Berufswahl


Bachelorarbeit, 2012

50 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Frauen im (Berufs)- Bildungssystem
2.1 Daten und Fakten
2.2 Präsenz von Frauen in MINT- Bereichen

3. Geschlechtsspezifische Unterschiede im MINT- Bereich
3.1 Akademisches Selbstkonzept im Vergleich
3.2 Geschlechtsspezifische Fachinteressen

4. Kompetenzzentrum Technik- Diversity- Chancengleichheit
4.1 Girls´Day- Mädchen- Zukunftstag
4.1.1 Vorstellung des Projektes
4.1.2 Evaluation des Girls´Day- Mädchen- Zukunftstags
4.2 Nationaler Pakt für Frauen in MINT- Berufen
4.2.1 Vorstellung des Ada- Lovelace- Projektes
4.2.2 Bewertung des Ada- Lovelace- Projektes

5. Schlussteil
5.1 Zusammenfassung
5.2 Eigene Stellungnahme und Ausblick

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

8. Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

„ In den letzten Jahrzehnten hat sich in der Bundesrepublik Deutschland wie in vielen anderen europäischen Ländern ein enormer Wandel in der Bildungsbeteiligung nach Geschlechtern vollzogen. “ 1

Es scheint, als hätten Frauen die Männer in fast jeder Hinsicht überholt. Doch in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, kurz MINT, sind Frauen seit Jahrzehnten deutlich unterrepräsentiert. Durch Studien, wie z.B. PISA, befindet sich das Thema seit Jahren in den Medien. Demnach schneiden Mädchen im Bereich Mathematik und Naturwissenschaften wesentlich schlechter ab als Jungen.

MINT- Berufe und Studiengänge werden oft als „typische Männerbereiche“ angesehen, welches durch die Beteiligungsquote der Frauen auch Bestätigung findet. Diese Arbeit soll aufklären, dass ein MINT- Fach, nicht mit einem Männerfach gleichzusetzen ist und Frauen und MINT sehr wohl vereinbar sind.

Doch warum beschäftigt sich die Arbeit mit MINT-Bereichen?

MINT- Berufe, sind Berufe mit Zukunft. Gerade den Fachkräften, mit Abschlüssen aus dem MINT- Bereich, bieten sich vielfältige Berufs- und Karrierechancen. Doch es fehlt an „Erfindernachwuchs“2. Allein aus demographischen und strukturellen Gründen, sollen bis zum Jahr 2020 etwa 230.000 MINT- Absolventen fehlen. Angesichts des derzeitigen Bildungsniveaus der Frauen, darf auf dieses Potential nicht länger verzichtet werden.

Zunächst wird hierzu eine allgemeine Einführung in die Bildungsbeteiligung von Frauen ab den 1960/1970er Jahren erfolgen. Daraufhin, wird eine vertiefende Betrachtung der aktuellen Situation von Frauen in MINT- Bereichen stattfinden, um die Problemlage zu verdeutlichen. Im weiteren Verlauf, sollen einige Ursachen zu den geschlechtsspezifischen Berufs- und Studienwahlen von Männern und Frauen erläutert werden. Ab diesem Punkt können aktuelle Projekte und Initiativen zur Erhöhung des Frauenanteils in MINT- Fächern vorgestellt und bewertet werden. In dieser Arbeit werden zwei Projekte des Vereins Kompetenzzentrum- Technik-

Diversity- Chancengleichheit e.V. vertiefend präsentiert und Evaluationsdaten interpretiert und beurteilt.

Die Arbeit soll vor allem folgende Punkte aufgreifen und klären:

Wie ist das Nichtentscheiden junger Frauen für mathematische, technische und naturwissenschaftliche Studien- und Ausbildungsgänge und ihre deutliche Unterrepräsentanz zu erklären? Wie kann man eine Interessenänderung junger Frauen für MINT- Bereich, bezüglich ihrer Studien- und Berufswahl, erreichen und zu einer nachhaltigen Verhaltensänderung führen?

Inwiefern sollen die Projekte und Initiativen für technisch-naturwissenschaftliche Studiengänge und Ausbildungen auf junge Frauen motivierend wirken? Können sie ihre verfassten Ziele erreichen und nachhaltiges Interesse bei Frauen für MINT- Fächer erzielen?

Der letzte Teilabschnitt der Arbeit wird eine Stellungnahme zu dem Thema „Junge Frauen im MINT- Bereich“ beinhalten, in dem die Projekte persönlich bewertet und bestehender Handlungsbedarf aus eigener Sicht erklärt wird.

2. Frauen im (Berufs)- Bildungssystem

Betrachtet man die Geschichte der Frauenbildung in Deutschland, kann festgehalten werden, dass es sich hierbei um eine sehr junge Historie handelt. Frauenbildung entwickelte sich im Gegensatz zu die der Männer in Europa erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In Deutschland durften Frauen erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts offiziell das Abitur ablegen und sich an einer Universität einschreiben. So betrug beispielsweise die Quote der Studienanfängerinnen im Jahr l920 lediglich 0,2 Prozent. In den folgenden Jahrzehnten stieg diese bis auf 23 Prozent an, sank jedoch in der Zeit des Nationalsozialismus und stagnierte anschließend über zwei Jahrzehnte.3

Durch Anregungen der zweiten Frauenbewegung, seit den 1960er Jahren, wurden zahlreiche Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern aufgedeckt. Zu diesen zählten unter anderem Lohnunterschiede, die Arbeitsaufteilung in den Familien, aber auch unterschiedliche Chancen bezüglich des Bildungszugangs von Jungen und Mädchen.4 Im Folgenden werden die Bildungsbeteiligung junger Frauen und ihr Verlauf innerhalb der letzten 40 Jahre dargestellt. Dabei werden vor allem die allgemein bildenden Schulabschlüsse, sowie der Übergang in Ausbildung und Studium näher beleuchtet. Im weiteren Verlauf findet eine eingrenzende Betrachtung weiblicher Bildungsbeteiligung statt. Es wird dabei ein besonderer Blick auf junge Frauen in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, den so genannten MINT- Bereichen geworfen.

2.1 Daten und Fakten

Seit der Bildungsreform in den 1960er Jahren stieg die Bildungsbeteiligung von Frauen kontinuierlich an, sodass diese nicht nur mit Männern gleichschlossen, sondern jene sogar überholten und heute als„Gewinnerinnen der Bildungsoffensive“5 gelten.

Im Jahr 1960 lag der Mädchenanteil an den gymnasialen Oberstufen noch bei 36 Prozent. Seit diesem Zeitpunkt stieg ihr Anteil, sodass in den 1980er Jahren Mädchen sich nicht wie bisher nur in der Realschule, sondern auch auf den Gymnasien etablieren und behaupten konnten. Dieser Bildungswandel hat sich bis heute fortgesetzt, sodass sich für das allgemein bildende Schulwesen folgende These durchsetzen konnte:

„ Mit der Höhe der Qualifikation steigt der Anteil der Mädchen an den AbsolventInnen. “ 6

Bei Jungen ist hingegen eine entgegengesetzte Entwicklung zu verzeichnen. Während Mädchen prozentual fortwährend höhere Bildungsabschlüsse erwerben, steigt bei Jungen der Anteil derer, die das allgemein bildende Schulwesen mit einem Hauptschulabschluss verlassen.

Tabelle 1: Frauenanteil an allgemein bildenden Schulen (1992-2008)7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Abschlussarten des allgemein bildenden Schulwesens im Verlauf von 1992 bis 2008 zeigen, dass junge Frauen quantitativ deutlich höhere Abschlüsse erzielen als Männer.8 Weiterhin gibt es am Gymnasium im Zeitraum von 1960 bis 2008 einen Mädchenzuwachs von knapp 20 Prozent zu vermerken. Dieser Zuwachs stagniert jedoch, sodass es Jungen gelang ihren Anteil hier wieder etwas zu erhöhen.9

Zusammenfassend kann man für die Entwicklung des allgemein bildendenden Schulwesens festhalten:

„ Der Anteil junger Frauen mit höheren schulischen Qualifikationen hat sich in den

vergangenen 40 Jahren im Vergleich zu dem der jungen Männer also deutlich erhöht. “ 10

Auch im Bereich der Hochschule und der Ausbildung gab es einen beachtlichen Aufschwung seit den späten 1970er Jahren. Die Etablierung der Frauen in das Berufs- und Bildungswesen und damit auch in Hochschulen und beruflichen Ausbildungen, findet ihre Anfänge in den späten 1970er Jahren im Kontext der neuen Frauenbewegung.11 So wurde zunächst mit der Reformierung des Ehe- und Familienrechts von 1976/1977 die Gleichberechtigung in der Ehe realisiert und somit die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung verworfen.12 Ebenso fand die Institutionalisierung der Frauen- und Geschlechterforschung zu jener Zeit ihre Anfänge in Deutschland.13 Dieses Forschungsgebiet eröffnete zahlreiche Möglichkeiten für Frauen, sich an Bildung und Wissenschaft zu beteiligen. So wurde Mitte der 1970er Jahre die erste Berliner Sommeruniversität für Frauen gegründet, in der Frauen an Ringvorlesungen und Forschungsprojekten teilnehmen konnten. Der Blick auf die quantitative Entwicklung von Frauen an Hochschulen führt zu einer positiven Bilanz. Die Anzahl der Studentinnen hat seit 1970 erheblich zugenommen. Wie Tabelle 2 zeigt, konnte die Frauenquote an Hochschulen, die 1960 bei nur 22,5 Prozent lag, zum Jahr 2010 auf 47,8 Prozent heranwachsen.

Es bedeutet also, dass der Anteil der Studentinnen an den Studierenden der Hochschulen sich im Verlauf von 1960 bis heute mehr als verdoppeln konnte.

Tabelle 2: Anteile Studentinnen an den Studierenden der Hochschulen (1960-2010)14

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das berufliche Ausbildungssystem ist seit dem Jahr 2000 relativ ausgeglichen zwischen Männern und Frauen. So konnten Frauen sowohl im Jahr 2000, als auch im Jahr 2008 einen Gesamtanteil von 48 Prozent der Neuzugänge in beruflichen Ausbildungszweigen stellen. Dabei entscheiden sich Frauen vorzugsweise für das schulische Berufssystem (2000: 74 Prozent & 2008: 72 Prozent), wohingegen junge Männer das duale System präferieren. Sie bilden mit 56 Prozent im Jahr 2000 und 58 Prozent im Jahr 2008 die Mehrheit im dualen System. Der Anteil von Frauen im dualen System stieg seit den 1970er Jahren kontinuierlich an, hat sich jedoch seit Erreichung seiner Spitze, Ende der 1980er Jahre, bei einem Wert um 40 Prozent eingefahren.15 Die geringere Anzahl an Frauen im dualen Berufssystem liegt unter anderem daran, dass zahlreiche Ausbildungsangebote dort dem technisch- naturwissenschaftlichen Bereich angehören. Neben der Unterrepräsentation in der dualen Ausbildung konzentrieren sich junge Frauen auf wenige Ausbildungsberufe. So sind über die Hälfte der weiblichen Auszubildenden (53 Prozent) im Jahr 2009 auf nur zehn Ausbildungsberufe verteilt. Bei männlichen Auszubildenden wurden hingegen 36 Prozent in zehn Berufen ausgebildet.16 Vergleicht man die in Tabelle 3 aufgeführten fünf beliebtesten Ausbildungsberufe aus dem Jahr 2010 so kann man erkennen, dass sich die Frauen vornehmlich auf kaufmännische Berufe oder Dienstleistungsberufe konzentrieren. Nur die Ausbildung zur Friseurin stellt einen handwerklichen Beruf dar. Bei männlichen Auszubildenden dominieren dagegen gewerblich- technische Berufe.17

Es wurde bereits erwähnt, dass das Schulberufssystem besonders von Frauen besucht wird. Dieser Bereich bildet seit langem einen Schwerpunkt der beruflichen Bildung junger Frauen. Auch hier findet man geschlechtsspezifische Ausbildungsgänge vor. Frauen sind in sozialpflegerischen und sozialpädagogischen Ausbildungsgängen stark überrepräsentiert, während sie in Berufen, wie z.B. Rettungssanitäter/- in eher eine Ausnahme darstellen.18

Die Bildungsbeteiligung von Frauen konnte seit den 1960er Jahren insgesamt eine enorme Quantitätszunahme zeigen. Dank Gesetzen, wie dem Mutterschutzgesetz von 1952, der Reformierung des Ehe- und Familienrechts von 1976/77, dem Gleichberechtigungsgebot und vielen weiteren Gesetzesinitiativen, konnten sich Frauen in den vergangenen 40 Jahren immer besser in das (Berufs)- Bildungssystem integrieren und mit Männern gleichziehen. Mittlerweile erreichen sogar mehr Mädchen, als Jungen die allgemeine Hochschulreife.

Tabelle 3: Rangliste Ausbildungsberufe nach Neuabschlüssen in Deutschland (2010)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Entwicklungen lassen den Eindruck erscheinen, dass die Chancengleichheit zwischen Mann und Frau erreicht wurde. Der nächste Abschnitt wird aufzeigen, dass trotz der quantitativen Angleichung der Gesamtabschlusszahlen in Schule, Ausbildung und Studium, enorme Unterschiede zwischen beiden Geschlechtern vorherrschen.

2.2 Präsenz von Frauen in MINT- Bereichen

Typisch „weiblich“ und typisch „männlich“ sind Bezeichnungen, die im öffentlichen Leben weit verbreitet sind. Doch was haben diese Kategorisierungen mit der Bildungsbeteiligung von Frauen und Männern zu tun?

Männer und Frauen haben sich während der letzten Jahrzehnte im Bereich der Bildung immer weiter angenähert, so dass heute mehr Frauen als Männer das Abitur ablegen und fast 50 Prozent der Studierenden weiblich sind. Doch trotz dieser Angleichung gibt es enorme Divergenzen zwischen jungen Frauen und Männern bezüglich ihrer Studien- und Berufswahl. Junge Frauen bilden im Bereich MINT seit Jahren eine Minderheit, während Männer im Bereich der personenbezogenen Dienstleistungen und dem Bereich der Sprach- oder Sozialwissenschaften eine Minderheit darstellen.

Aus diesem Grund wird häufig von typisch „weiblichen“ oder typisch „männlichen“ Berufsausbildungen und Studiengängen gesprochen. Im Beschäftigungsbereich spricht man von „Frauenberufen“ und „Männerberufen“.19 Doch ab wann kann eine Beschäftigung dem so genannten „Frauen- oder Männerberuf“ zugeschrieben werden?

Die Literatur weist verschiedene Maßstäbe der Zuordnung von „weiblich und männlich dominierten Beschäftigungen“ auf.20

Nissen (et al.) unterscheiden die Verteilung von Männern und Frauen innerhalb eines Arbeitsfeldes nach:21

männlich dominierte Berufe (Frauenanteil unter 20 Prozent)

überwiegend männlich dominierte Berufe (Frauenanteil 20 bis unter 40 Prozent) gemischt besetzte Berufe (Frauenanteil 40 bis unter 60 Prozent)überwiegend weiblich besetzte Berufe (Frauenanteil 60 bis unter 80 Prozent) weiblich dominierte Berufe (Frauenanteil von 80 Prozent und mehr)

Tatsächlich fängt die Berufs- und Studienwahl bereits in der Schule mit der Wahl der Leistungskurse an. Das bedeutet, dass bereits vor dem Verlassen der Schule geschlechtsspezifische Tendenzen in der Fächerwahl erkennbar sind.22

Eine Längsschnittstudie an einem naturwissenschaftlich orientierten Spezialgymnasium in Sachsen- Anhalt beinhaltete auch die Wahl von Leistungskursen. Obwohl die Schulnoten der Schülerinnen und Schüler in den Fächern Mathematik und Physik keine geschlechtsspezifischen Unterschiede aufwiesen, wählten deutlich weniger Mädchen einen Leistungskurs im Fach Mathematik oder Physik. Im Vergleich dazu präferierten Mädchen ausdrücklich eine sprachliche Vertiefung, hier den Englischleistungskurs. Zu diesem Ergebnis gelang auch die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung initiierte Langzeitstudie „Frauen im Studium von 1983-2004“.23

Abbildung 1: Wahl der Leistungskurse in Mathematik, Physik und Englisch (in Prozent)24

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Leistungskurs Physik Leistungskurs Englisch Mädchen Jungen Aus der Abbildung 1 kann man ebenso entnehmen, dass sich Mädchen in ihrer Wahl des Leistungskurses eher für Mathematik als für das Unterrichtsfach Physik entscheiden, welches zu den „harten“ Naturwissenschaften zählt.

Obwohl die Studie an einem naturwissenschaftlichen Spezialgymnasium durchgeführt wurde, unterscheidet sich die berufliche Orientierung dieser Schülerinnen und Schüler nicht von den Wünschen derer, welche zuvor ein reguläres Gymnasium besucht haben. 39 Prozent der Abiturientinnen des Spezialgymnasiums und 44 Prozent der Abiturientinnen des regulären Gymnasiums möchten nach der Schule ein Studium im sprachlichen, künstlerischen oder kulturellen Bereich aufnehmen. Dagegen können sich nur 23 Prozent bzw. 20 Prozent der Abiturientinnen ein Studium im Bereich der Mathematik, Naturwissenschaft oder Technik vorstellen, wohingegen gerade diese Studienrichtungen von männlichen Abiturienten zu 55 Prozent des Spezialgymnasiums und zu 43 Prozent des regulären Gymnasiums bevorzugt werden.25 Diese Zahlen spiegeln sich auch in den einzelnen Studienfächern wieder. Im Jahr 2010 waren etwa 48 Prozent aller Studierenden in Deutschland weiblich. In Tabelle 4 werden die fünf am stärksten besetzten Studienfächer im Wintersemester nach Geschlecht aufgeführt.

Tabelle 4: Rangliste der am stärksten besetzten Studienfächer (2010/ 2011)26

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dabei fällt wiederum auf, dass Frauen Sprach- und Kulturwissenschaften, sowie Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften bevorzugen, während Männer eher im technischen und naturwissenschaftlichen Bereich dominieren.

Die folgende Tabelle soll auf die unterschiedliche Besetzung von Frauen und Männern in den so genannten MINT- Fächern im Jahr 2010 hinweisen.

Tabelle 5: Ränge ausgewählter MINT- Fächer bei Frauen und Männern (2010)27

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nur drei der ausgewählten Fächer gehören zu den 20 am häufigsten belegten Fächern von Frauen. 26 In Zahlen bedeutet dies, dass im Jahr 2010 etwa 70 Prozent der Studierenden der Sprach- und Kulturwissenschaften, rund 74 Prozent der Studierenden der Humanmedizin/ Gesundheitswissenschaften und 51 Prozent der Rechts-, Wirtschafts-, und Sozialwissenschaften weiblich waren.

Im Gegensatz dazu machten Studentinnen nur etwa 37 Prozent des Studienbereiches Mathematik und Naturwissenschaften und 21 Prozent bei den Ingenieurwissenschaften aus. In Abbildung 2 werden so genannte MINT- Studienfächer, getrennt nach ihrem Frauen- und Männeranteil im Jahr 2010, dargestellt.29

Abbildung 2: Frauen-/ Männeranteil an MINT- Studienfächern in Prozent (Wintersemester 2010/ 2011)30

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Abbildung stellt nochmals heraus welche der aufgeführten Studienfächer deutlich männerdominiert sind und welche bereits zu den gemischt besetzten Studienfächern gezählt werden können. Von Männern und Frauen relativ gleich belegt, wie bereits aus Tabelle 5 herauszulesen ist, sind die Fächer Biologie, Chemie und Mathematik. Ein sehr starkes Defizit an weiblichen Studierenden weisen hingegen die Fächer Elektrotechnik, Informatik und Maschinenbau auf, in denen die Frauen mit einem Anteil unter 20 Prozent stark unterrepräsentiert sind.

Die Entwicklungen seit 1980 zeigen, dass in allen MINT- Fächern ein Zuwachs des Anteils von weiblichen Studentinnen zu verzeichnen ist. So konnte sich der Frauenanteil im Fach Maschinenbau von 1980 bis 2010 um 15 Prozent steigern. Im Bereich Elektrotechnik erhöhte sich der Frauenanteil seit 2000 nur um etwa drei Prozent auf knapp neun Prozent. Im Studienbereich Informatik lag der Anteil weiblicher Studierender im Jahr 1985 in Hochschulen bei 14,7 Prozent und in den Fachhochschulen bei 16,8 Prozent.

[...]


1 (Becker & Müller, 2011, S. 55)

2 (Walther- Klaus, 2010, S. 11)

3 vgl. (Wasmuth, 2007, S. 54)

4 vgl. (Budde & Venth, 2010, S. 15)

5 vgl. (Nissen, Keddi, & Pfeil, 2003, S. 25)

6 (Nissen, Keddi, & Pfeil, 2003, S. 26)

7 vgl. (Nissen, Keddi, & Pfeil, 2003, S. 26) und (KMK und BMBF, 2008, S. 270)

8 vgl. (Becker & Müller, 2011, S. 55)

9 vgl. (Deutsche Jugendinstitut e.V.; Statistischen Bundesamt, 2005, S. 29) 5

10 (Deutsche Jugendinstitut e.V.; Statistischen Bundesamt, 2005, S. 29)

11 vgl. (Kortendiek & Becker, 2004, S. 598)

12 vgl. (Rudolph & Schirmer, 2004, S. 67)

13 vgl. (Göckel, 2004, S. 598)

14 (Färber, 2000, S. 29f) und (Statistisches Bundesamt, 2011, S. 13) und eigene Berechnung 6

15 vgl. (Primminger, 2011, S. 7)

16 vgl. (Primminger, 2011, S. 10)

17 vgl. (Nissen, Keddi, & Pfeil, 2003, S. 31)

18 (Nissen, Keddi, & Pfeil, 2003, S. 37ff)

19 vgl. (Nissen, Keddi, & Pfeil, 2003, S. 46)

20 Heinz spricht von geschlechtsspezifisch getrennten Berufen, wenn der Anteil eines Geschlechtes unter 30 Prozent liegt (Heitz, Nadai, Fischer, & Ummel, 1997, S. 16). Kanter hingegen sieht die Segregation erst, bei der Beteiligung eines Geschlechtes unter 40 Prozent im Vergleich zum anderen (Kanter, 1977). Schreyer verwendet den Begriff „Männerfächer“ bei einem Frauenanteil unter 25 Prozent. (Schreyer, 2008, S. 62)

21 (Nissen, Keddi, & Pfeil, 2003, S. 46)

22 vgl. (Matzner, 2010, S. 211)

23 vgl. (Ramm & Bargel, 2005, S. 32)

24 (Lehmann & Jüling, 2010)

25 (Lehmann & Jüling, 2010, S. 59)

26 (Statistisches Bundesamt, 2011, S. 36)

27 (Statistisches Bundesamt, 2011, S. 37)

28 Dieses Studienfach gehört nicht zu den 20 am stärksten besetzten Studienfächer der Frauen im Wintersemester 2010/ 2011.

29 (Statistisches Bundesamt, 2011, S. 33)

30 (ebenda, zusammenfassende Übersichten,12) und eigene Berechnung 12

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
Mädchen in Naturwissenschaften und Technik. Wege junger Frauen in eine MINT-spezifische Studien- und Berufswahl
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Berufs- und Betriebspädagogik)
Note
1,5
Autor
Jahr
2012
Seiten
50
Katalognummer
V262613
ISBN (eBook)
9783668152236
ISBN (Buch)
9783668152243
Dateigröße
716 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
MINT, Ada-Lovelace-Projekt, Girls´Day, Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit, akademisches Selbstkonzept
Arbeit zitieren
Edith Papsin (Autor:in), 2012, Mädchen in Naturwissenschaften und Technik. Wege junger Frauen in eine MINT-spezifische Studien- und Berufswahl, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262613

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