Projektfinanzierung im Rahmen der Umsetzung der Energiewende

Gestaltungsmöglichkeiten, Chancen und Risiken


Hausarbeit, 2013
24 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung1

2 Funktionsweise und Gestaltungsmöglichkeiten von Projektfinanzierungen
2.1 Ursprung und Begriffsbestimmung der Projektfinanzierung
2.2 Akteure bei einer Projektfinanzierung
2.3 Projektphasen
2.4 Finanzierungsvarianten
2.5 Vertragsgestaltung

3 Risiken und deren Management
3.1 Technische Risiken
3.2 Wirtschaftliche Risiken
3.3 Länderrisiken.
3.4 Force-Majeure-Risiken
3.5 Rechts- und Regulierungsrisiko bei Windkraftanlagen

4 Chancen der Projektfinanzierung

5 Ausblick

Anhangsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Mit der Veröffentlichung des Buches „Energie-Wende: Wachstum und Wohlstand ohne Erdöl und Uran“ von Krause, Bossel und Müller-Reißmann wurde der Begriff der Energiewende bereits 1980 geprägt.[1] Das Bundeskabinett hat am 6. Juni 2011 die Energiewende so wie wir sie heute kennen und diskutieren beschlossen. Das Ziel ist es, den Anteil der erneuerbaren Energien bei der Stromerzeugung von 17 % im Jahr 2011 auf 35 % im Jahr 2020 und auf 80 % im Jahr 2050 zu steigern.[2]

Dabei hat die Windenergie im Jahr 2012 bereits 33,8 % zur gesamten Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien beigetragen.[3] Das entspricht bei einer installierten Leistung von 31.270 MW einer Strombereitstellung von 46 TWh und somit dem durchschnittlichen Stromverbrauch von 14,9 Millionen Haushalten in Deutschland pro Jahr.[4][5]

Bei einem geschätzten Investitionsvolumen der Energiewende von 550 Mrd. Euro bis zum Jahr 2050 wird der öffentliche und private Sektor vor eine große Herausforderung gestellt.[6] Diese Arbeit zeigt auf, wie Projektfinanzierungen zum Erfolg der Energiewende beitragen können. In den einzelnen Kapiteln werden die Besonderheiten der Projektfinanzierung bei Windkraftanlagen näher erläutert.

Im zweiten Kapitel werden der Begriff und der Ursprung der Projektfinanzierung dargestellt. Es werden nachfolgend die Beteiligten vorgestellt, sowie die Finanzierungsvarianten und Vertragsarten betrachtet.

Im dritten Kapitel sollen die Risiken einer Projektfinanzierung kategorisiert und risikominimierende Maßnahmen geschildert werden, bevor im vierten Kapitel die Chancen und Vorteile für die Eigenkapitalgeber und Kreditgeber erörtert werden.

Der Ausblick stellt eine zusammenfassende Darstellung dieser Arbeit dar und wagt einen Blick in die Zukunft der Projektfinanzierung im Rahmen der Energiewende.

2 Funktionsweise und Gestaltungsmöglichkeiten von Projektfinanzierungen

In diesem Kapitel wird die Projektfinanzierung zunächst definiert um sodann die Akteure herauszuarbeiten. Anhand der Projektphasen wird ein schematischer Ablauf der Projektfinanzierung dargestellt und anschließend verschiedene Finanzierungsvarianten genauer erläutert. Am Ende des Kapitels wird auf die Vertragsgestaltung eingegangen.

2.1 Ursprung und Begriffsbestimmung der Projektfinanzierung

Bereits im antiken Athen im fünften Jahrhundert vor Christus traten die ersten Grundzüge der Projektfinanzierung in Erscheinung. Damals wurden Seedarlehen vergeben, welche die Fracht eines Schiffes finanzierten und auch nur auf den Verkaufserlös der Fracht oder des Schiffes abgestellt waren. Schon damals war ein Zurückgreifen auf die Schiffseigner ausgeschlossen.[7]

Projektfinanzierungen treten überwiegend bei der Finanzierung von Großprojekten wie beispielsweise in den Bereichen Energieversorgung, Infrastruktur und Telekommunikation auf. Hierbei wird eine eigens für den Zweck gegründete Projektgesellschaft finanziert.[8] Da die Finanzierung oft auf das Objekt abgestellt wird, wird ein Rückgriffsrecht auf die Beteiligten entweder limitiert (Limited-Recourse-Finanzierung) oder ganz ausgeschlossen (Non-Recourse-Finanzierung).[9]

Es gibt in der Literatur keine einheitliche Definition der Projektfinanzierung. Die am meisten verbreitete Definition stammt von Nevitt/Fabozzi:

„„A financing of a particular economic unit in which a lender is satisfied to look initially to the cash flows and earnings of that economic unit as the source of funds from which a loan will be repaid and to the assets of the economic unit as collateral for the loan.““ [10]

Drei Merkmale nehmen dabei eine zentrale Rolle bei einer Projektfinanzierung ein: die Cashflow-Orientierung, das Prinzip der Risikoteilung und die Off-Balance-Finanzierung.[11]

Bei einer Off-Balance-Finanzierung wird eigens für das Projekt eine Projektgesellschaft gegründet, deren einziges Ziel es ist das Finanzierungsobjekt zu errichten und anschließend zu betreiben. Die Gesellschaft tritt gegenüber den Fremdkapitalgebern als Kreditschuldner auf und nimmt die Fremdkapitalmittel auf. Das Eigenkapital in der Projektgesellschaft wird durch die Sponsoren eingebracht. Durch die Aufnahme von Fremdkapital verlängert sich die Bilanz, was zur Verschlechterung der Eigenkapitalrelationen und somit auch zum Rückgang der Ratingnote führen kann. Aus diesem Grund werden von den Sponsoren Projektgesellschaften gegründet, damit sich die Fremdkapitalaufnahme nicht negativ auf die eigene Bilanz auswirkt.[12]

Die Cashflow-Orientierung (Cashflow Related Lending) ist ein zentraler Ansatz zur Beurteilung der Tragfähigkeit der Investition. Der aus dem Projekt generierte Cashflow wird zur Bedienung des Schuldendienstes verwendet. Der sogenannte Cashflow-Available-for-Debt-Service ist die Differenz zwischen den erwarteten Betriebseinnahmen und deren Betriebskosten abzüglich der anfallenden Steuern, jedoch ohne Finanzierungskosten. Dieser Überschuss sollte die Zins- und Tilgungsleistung übersteigen, so dass die Eigenkapitalgeber eine Rendite generieren können und zum anderen dient dieser Mehrertrag als Sicherheitspuffer für die Finanzierung.[13]

Da eine Projektfinanzierung oft in Form einer Off-Balance-Finanzierung ausgestaltet wird und somit nur ein limitierter (Limited-Recourse) oder gar kein (Non-Recourse) Rückgriff auf die Eigenkapitalgeber (Sponsoren) möglich ist, werden die Fremdkapitalgeber eine Risikoteilung (Risk Sharing) anstreben. Auch das Abstellen auf den prognostizierten Cashflow und die Besicherung durch das Finanzierungsobjekt reicht den Fremdkapitalgebern in der Regel nicht aus. Üblicherweise werden nicht alle Risiken auf die Sponsoren verteilt, sondern auch auf die zentralen Projektbeteiligten. Um eine Risikoallokation vornehmen zu können müssen sämtliche Risiken ursachenbezogen identifiziert werden und sodann durch vertragliche Regelungen den einzelnen Beteiligten zugeordnet werden. Im Kapitel drei werden die Risiken näher beschrieben.[14]

2.2 Akteure bei einer Projektfinanzierung

Neben den Eigenkapitalgebern (Sponsoren) und Fremdkapitalgebern sind noch weitere Akteure bei einer Projektfinanzierung beteiligt. Hierunter fallen die Abnehmer, Lieferanten von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen, Anlagenlieferanten, Betreibergesellschaft, Versicherer und staatliche Instanzen. Die Abbildung im Anhang 1 gibt einen Überblick über die Beteiligten.[15]

Am Beispiel einer Windkraftanlage soll nachfolgend der Anlagenlieferant und der Sponsor näher betrachtet werden.

Der Anlagenlieferant, auch Projektersteller (Contractors) genannt ist für die Lieferung und Montage der Windkraftanlage bis zur vollständigen Erstellung und Inbetriebnahme zuständig. Oft sind auch diese Hersteller anschließend für die Gewährleistung der einwandfreien Betriebsfähigkeit zuständig. Somit wird beispielsweise das Risiko des Ausfalls aufgrund eines technischen Defekts von den Sponsoren auf den Anlagelieferanten übertragen. Aus der Abbildung im Anhang 2 sind die größten Produzenten von Windkraftanlagen zu entnehmen.[16]

Die Sponsoren, auch Projektträger oder Initiatoren genannt, treten als Eigenkapitalgeber auf. Neben der finanziellen Beteiligung an dem Projekt entwerfen die Sponsoren die Projektidee und übernehmen oft auch die Verantwortung für den Betrieb. In der Praxis finden sich häufig mehrere Projektträger zusammen, um deren individuellen Ziele erreichen zu können. Als Sponsoren treten Lieferanten der Vorleistungen und Abnehmer der Endprodukte auf, wie zum Beispiel Energieversorger und Stadtwerke.[17] Weitere Initiatoren sind unter anderem Private Equity Gesellschaften, Bürgerbeteiligungen, geschlossene Fonds und institutionelle Anleger.[18]

2.3 Projektphasen

Jede Projektphase ist ein in sich abgeschlossener Abschnitt, der eine Strukturierung des Projekts zulässt und somit zu einer systematischen Planung und Durchführung beiträgt. Ein Projekt lässt sich in die Planungs-, Errichtungs-, Anlauf-, Betriebs- und Desinvestitionsphase einteilen.[19] Folgende Abbildung gibt einen Überblick.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Schematische Darstellung der Projektphasen einer Projektfinanzierung[20]

In der Planungsphase wird die Projektidee der Sponsoren konkretisiert und anschließend detailliert im Rahmen einer Machbarkeitsstudie geplant. Sind die Analysen im Hinblick auf die Cashflow-Betrachtung positiv ausgefallen und wurde das technische und wirtschaftliche Konzept von den Eigenkapital- und Fremdkapitalgebern als tragfähig angesehen, wird mit der Erstellungsphase begonnen. Hierbei wird das Objekt bis zur Betriebsfähigkeit erstellt. Der Auftrag kann entweder durch ein Generalunternehmen erfolgen oder durch die Projektgesellschaft selbst. In der ersten Variante kann der Sponsor Risiken auf das Generalunternehmen übertragen und nimmt somit lediglich die Rolle des Organisators und Kontrolleurs ein. Der Anlagenlieferant hingegen kann weitere Unternehmen mit der Erstellung beauftragen und somit zusätzliches Knowhow mit einbringen.[21]

In der Anlaufphase wird das Finanzierungsobjekt erstmalig auf seine Funktionsfähigkeit hin getestet. Es empfiehlt sich ausgiebige Probeläufe durchführen zu lassen, da in dieser Phase mit der Abnahme der Anlage die Fertigstellungsgarantie der Sponsoren endet und das Risiko des Projekts auf die Fremdkapitalgeber übergeht. Die Valutierung des FK hat in dieser Phase ihr Maximum erreicht. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden nur Kosten verursacht, jedoch noch keine Einnahmen generiert. Mit dem Beginn der Betriebsphase werden die ersten Cashflows erwirtschaftet. Die Zinsen und die Tilgung des FKs werden durch die generierten Betriebseinnahmen bedient und die EK-Geber erhalten aus dem verbleibenden Gewinn eine Verzinsung ihres eingesetzten Kapitals.[22]

[...]


[1] Vgl. Öko-Institut e.V. (2013), S. 1

[2] Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2013), S. 1

[3] Vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reakaktorsicherheit (2013a), S. 1

[4] Vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reakaktorsicherheit (2013b), EnergieAgentur.NRW GmbH (2012), S. 1

[5] Berechnung bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch pro Haushalt von 3091 kWh (Quelle: Vgl. EnergieAgentur.NRW GmbH (2012), S. 1): 46 TWh entsprechen 46.000.000.000 kWh, geteilt durch 3091 kWh = 14.881.915,24 Haushalte

[6] Vgl. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (2013), S. 1

[7] Vgl. Wolf/Hill/Pfaue (2011), S, 78

[8] Vgl. Becker (2010), S. 216 f.

[9] Vgl. Wolf/Hill/Pfaue (2011), S, 78

[10] Nevitt/Fabozzi (2000), S. 1

[11] Vgl. Böttcher/Lange (2012), S. 15

[12] Vgl. Fahrholz (1998), S. 257 f.; Böttcher (2009), S. 21

[13] Vgl. Wolf/Hill/Pfaue (2011), S. 85 f.

[14] Vgl. Böttcher (2009), S. 24

[15] Vgl. Böttcher (2009), S. 30

[16] Vgl. Wolf/Hill/Pfaue (2011), S. 91 f.; Böttcher (2011), S. 12

[17] Vgl. Böttcher (2009), S. 30 f.

[18] Vgl. Werner/Maier/Gassmann (2011), S. 1; Fengler (2013), S. 1; Thiele-Dohrmann (2013), S. 2; Molitor (2006), S. 1

[19] Vgl. Tytko (1999), S. 34

[20] Vgl. Böttcher (2009), S. 36

[21] Vgl. Tytko (1999), S. 39; Böttcher (2009), S. 37

[22] Vgl. Böttcher (2009), S. 37 f.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Projektfinanzierung im Rahmen der Umsetzung der Energiewende
Untertitel
Gestaltungsmöglichkeiten, Chancen und Risiken
Hochschule
Hochschule der Sparkassen-Finanzgruppe Bonn
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
24
Katalognummer
V262637
ISBN (eBook)
9783656513506
ISBN (Buch)
9783656512875
Dateigröße
603 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Schwerpunkt dieser Arbeit lag im Bereich der Windenergie.
Schlagworte
Energiewende, Windenergie, Projektfinanzierung
Arbeit zitieren
Alexander Kador (Autor), 2013, Projektfinanzierung im Rahmen der Umsetzung der Energiewende, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262637

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