Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries

Das Chinabild in der Philosophie des 18.Jahrhunderts

Komparative Philosophie zwischen europäischer und asiatischer Kultur am Beispiel von Christian Wolffs "Oratio de Sinarum philosophia practica".

Title: Das Chinabild in der Philosophie des 18.Jahrhunderts

Term Paper , 2012 , 23 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: B.A. Jan-Christian Hansen (Author)

Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Einleitung: Die Unauflösbarkeit von Verschiedenheit und Gleichheit im Menschen.
Verschiedenheit und Gleichheit sind zwei Dinge, die sich von Grund auf widersprechen und miteinander unvereinbar sind. Dennoch sind sie gleichermaßen im Bewusstsein des Menschen verankert und konstituieren auf diese Weise die zwei voneinander verschiedenen Ansichten über das eigene Sein, dass der Mensch sich von Mensch zu Mensch unterscheidet oder es eben von Mensch zu Mensch keine Unterschiede gibt und alle Menschen gleich sind.
Diese Verschiedenheit bzw. Individualität des Menschen lässt somit auf der einen Seite erkennbare Unterschiede zu – die zweifelsohne jedem Individuum zugesprochen werden können, da kein Mensch dem anderen gleicht – und auf der anderen Seite führt diese Verschiedenheit beim Menschen dazu, dass wir alle diese Eigenschaft unseres Seins gemeinsam haben und miteinander teilen. Wir gleichen uns also in der Hinsicht, dass wir alle Individuen sind und obwohl wir dies gemeinsam haben, sind wir doch verschieden.
Dieser Umstand führt dazu, dass die Gleichheit in uns immer einen gewissen Grad an Verschiedenheit beinhaltet und umgekehrt, die Verschiedenheit, die uns auszeichnet, immer auch ein Zeichen für unsere Gleichheit ist. Dieses Paradoxon des menschlichen Seins führt zwangsläufig zu einer Unauflösbarkeit der Verschiedenheit und Gleichheit in unserem Sein. Wir können nicht sagen, dass wir uns von einem anderen Menschen unterscheiden oder einem anderen Menschen gleichen, da weder die Verschiedenheit noch die Gleichheit allein auf den Menschen anwendbar ist. Wir können zwar feststellen, dass in der Natur der Sache der Mensch als eine Spezies angesehen werden muss, wir somit alle gleich sind, aber sobald wir uns dem Aspekt dieser Gleichheit intensiver zuwenden, entdecken wir in der Individualität des Menschen eine Verschiedenheit, die dieser natürlichen Gleichheit widerspricht.
Diese Unauflösbarkeit von Verschiedenheit und Gleichheit spiegelt sich ebenfalls in der komparativen Philosophie wieder. Die unterschiedliche Entwicklung des Menschen führte zwangsläufig zu verschiedenen Lebensweisen, Weltanschauungen, Kulturen und (Lebens-) Philosophien, die mit Hilfe der komparativen Philosophie verglichen werden können, um einen gemeinsamen Nenner zu finden bzw. aus unterschiedlichen Positionen heraus, zu einem Ergebnis zu kommen, das gleichermaßen beide Positionen stärkt, so dass jede Position aus der entgegengesetzten Position etwas lernt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Die Unauflösbarkeit von Verschiedenheit und Gleichheit im Menschen. 2

1. Komparative Philosophie. 3

1.1. Die Anfänge der komparativen Philosophie in Europa und das Interesse für China. 3

1.2. Asiatische vs. europäische Philosophie – was versteht man unter komparativer Philosophie? 4

2. Christan Wolffs Oratio de Sinarum philosophia practica. 8

2.1. Wolffs Chinabild. 8

3. Die Problematik von komparativer Philosophie. 12

3.1. Vermittlungsversuche zwischen europäischer und asiatischer Philosophie – Wolffs Versuch einer komparativen Philosophie. 12

Schluss: Die (Un-)Möglichkeit von komparativer Philosophie 19

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kritisch die Anfänge der komparativen Philosophie am Beispiel von Christian Wolffs Oratio de Sinarum philosophia practica. Das zentrale Ziel ist es zu hinterfragen, inwieweit Wolff tatsächlich komparative Philosophie betreibt oder ob er fremde Denkweisen lediglich instrumentalisiert, und ob komparative Philosophie angesichts der menschlichen Neigung zur Vorurteilshaftigkeit überhaupt möglich ist.

  • Grundlagen und Definitionen der komparativen Philosophie
  • Analyse von Wolffs Chinabild und seiner Interpretation konfuzianischer Lehren
  • Kritische Untersuchung der Instrumentalisierung asiatischer Philosophie zur Stärkung europäischer Positionen
  • Die Unauflösbarkeit von Verschiedenheit und Gleichheit als philosophisches Paradoxon
  • Grenzen und Möglichkeiten interkulturellen Philosophierens

Auszug aus dem Buch

Die Problematik von komparativer Philosophie

Die Erhabenheit der europäischen Philosophie dominiert sozusagen über die asiatische Philosophie. Eine solch eurozentristische Philosophie verwirkt jedoch ihr eigentlich intendiertes Ziel – „ihre eigene Zeit neu zu fassen“ und über den eigenen Horizont hinauszudenken, sei es nun mit Hilfe konträrer Philosophien in anderen Kulturen, also durch äußere Kritik, oder sei es durch einen differenzierten Blick aus der Gegenwart in die eigene Philosophiegeschichte, also durch innere Kritik.

Elberfeld findet eine treffende Definition dafür, was man unter einer komparativen Philosophie zu verstehen hat: „Komparative Philosophie arbeitet – allgemein und neutral formuliert – daran, Bezüge zwischen philosophischen Entwürfen herzustellen, die aus unterschiedlichen Wirkungsgeschichten stammen“ (Elberfeld 1999, S. 140) und „die hermeneutische Situation komparativer Philosophie läßt sich somit vorläufig durch drei Schwerpunkte charakterisieren: 1. Die Geschichtlichkeit der Philosophie, die sich heute, ohne teleologische Vorherbestimmung, im interkulturellen Kontext entfaltet; 2. Das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Sprachfamilien mit ihren jeweils spezifischen Weltansichten, die dem Denken bestimmte Wege nahelegen; 3. Das globale Aufeinandertreffen verschiedener wirkungsgeschichtlicher Zusammenhänge, die unterschiedlichen Lebenswelten entstammen und von unterschiedlichen Grundstimmungen geprägt sind“ (Elberfeld 1999, S. 143). Im Zuge dieser Definition gilt es Wolffs Rede über die praktische Philosophie der Chinesen zu untersuchen und festzustellen, inwieweit Wolff diesem Leitbild für komparative Philosophie in seiner Rede folgt.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Unauflösbarkeit von Verschiedenheit und Gleichheit im Menschen.: Das Kapitel führt in die anthropologische Problematik ein, dass menschliche Gleichheit und Verschiedenheit unauflösbar miteinander verbunden sind, und überträgt dieses Paradoxon auf die Disziplin der komparativen Philosophie.

1. Komparative Philosophie.: Es werden die Anfänge der komparativen Philosophie in Europa beleuchtet, wobei das Desinteresse oder die Ablehnung seitens bedeutender europäischer Denker wie Kant und Hegel kontrastiert wird mit dem früheren Interesse an China durch Missionare wie Matteo Ricci und Denker wie Leibniz.

1.1. Die Anfänge der komparativen Philosophie in Europa und das Interesse für China.: Dieser Unterpunkt detailliert die historische Rezeption Chinas in Europa und die Rolle jesuitischer Missionare bei der Übermittlung eines attraktiven Bildes der chinesischen Gesellschaft und des Konfuzianismus.

1.2. Asiatische vs. europäische Philosophie – was versteht man unter komparativer Philosophie?: Hier wird der methodische Anspruch der komparativen Philosophie erörtert, der darin besteht, durch den Vergleich fremder Positionen einen Zugewinn an Erkenntnis für die eigene Philosophie zu erzielen, anstatt nur nach Überlegenheit zu suchen.

2. Christan Wolffs Oratio de Sinarum philosophia practica.: Das Kapitel widmet sich der Prorektoratsrede von Christian Wolff von 1726, in der dieser die praktische Philosophie der Chinesen thematisiert und als Modell für eine vernunftgeleitete Lebensführung darstellt.

2.1. Wolffs Chinabild.: Es wird analysiert, wie Wolff sein Chinabild auf der Basis jesuitischer Übersetzungen aufbaute und wie er die konfuzianische Lehre als eine Form der Vernunftethik interpretierte, die auf Vollkommenheit und Glückseligkeit ausgerichtet ist.

3. Die Problematik von komparativer Philosophie.: In diesem Kapitel wird Wolffs Vorgehen kritisch hinterfragt; es zeigt sich, dass er die chinesische Philosophie eher zur Absicherung seiner eigenen moralphilosophischen Positionen nutzt, als diese wirklich offen und kritisch zu hinterfragen.

3.1. Vermittlungsversuche zwischen europäischer und asiatischer Philosophie – Wolffs Versuch einer komparativen Philosophie.: Dieser Abschnitt vertieft die Kritik an Wolffs Projekt, indem er aufzeigt, dass Wolff die Begriffe der chinesischen Philosophie auf europäische Kategorien reduziert und an seiner religiösen Voreingenommenheit festhält.

Schluss: Die (Un-)Möglichkeit von komparativer Philosophie: Das Fazit fasst zusammen, dass eine echte komparative Philosophie am Scheitern der menschlichen Fähigkeit zur Objektivität und an der unbewussten Bindung an die eigene, erziehungsbedingte Weltanschauung leidet.

Schlüsselwörter

Komparative Philosophie, Christian Wolff, Konfuzianismus, Eurozentrismus, praktische Philosophie, Philosophiegeschichte, interkulturelle Perspektive, Weltanschauung, Vernunftethik, Vollkommenheit, Gleichheit, Verschiedenheit, Kulturvergleich, Wissensgeschichte, Hermeneutik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Problematik der komparativen Philosophie am Beispiel der 1726 gehaltenen Rede von Christian Wolff über die praktische Philosophie der Chinesen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind der Eurozentrismus in der europäischen Philosophiegeschichte, die Möglichkeiten und Grenzen des interkulturellen Philosophierens sowie die Interpretation chinesischen Denkens durch europäische Denker des 18. Jahrhunderts.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu hinterfragen, ob Wolffs Ansatz als echte komparative Philosophie bezeichnet werden kann oder ob er lediglich eine Instrumentalisierung fremden Denkens darstellt, und grundlegend zu prüfen, ob komparative Philosophie angesichts der Unauflösbarkeit von individueller Verschiedenheit und Gleichheit überhaupt möglich ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine kritische Textanalyse der Primärliteratur (Wolffs Rede) im Abgleich mit theoretischen Rahmenbedingungen komparativer Philosophie, wie sie beispielsweise von Rolf Elberfeld definiert wurden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird zunächst der theoretische Rahmen der komparativen Philosophie abgesteckt, dann Wolffs spezifisches Chinabild analysiert und schließlich seine Methode des Vergleichs kritisch auf eine Instrumentalisierung hin untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Komparative Philosophie, Eurozentrismus, Konfuzianismus, Vernunftethik, interkulturelle Perspektive und das Paradoxon von Gleichheit und Verschiedenheit.

Warum wird Christian Wolff als zentrales Beispiel gewählt?

Wolff gilt als einer der wenigen europäischen Philosophen jener Zeit, die sich intensiv mit dem Vergleich asiatischer und europäischer Kultur auseinandergesetzt haben, was ihn zu einem idealen Fallbeispiel für die frühen Schwierigkeiten komparativer Philosophie macht.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Möglichkeit komparativer Philosophie?

Der Autor kommt zu einem skeptischen Schluss: Echte komparative Philosophie scheitert oft daran, dass Menschen gefangen in ihrer eigenen, erziehungsbedingten Weltanschauung sind und fremde Philosophien meist nur dazu nutzen, die eigene Position zu untermauern, statt sie kritisch in Frage zu stellen.

Excerpt out of 23 pages  - scroll top

Details

Title
Das Chinabild in der Philosophie des 18.Jahrhunderts
Subtitle
Komparative Philosophie zwischen europäischer und asiatischer Kultur am Beispiel von Christian Wolffs "Oratio de Sinarum philosophia practica".
College
Christian-Albrechts-University of Kiel  (Philosophisches Seminar)
Course
China verstehen: Das Chinabild in der Philosophie des 18. Jahrhunderts
Grade
1,7
Author
B.A. Jan-Christian Hansen (Author)
Publication Year
2012
Pages
23
Catalog Number
V262646
ISBN (eBook)
9783656510185
ISBN (Book)
9783656510291
Language
German
Tags
Christian Wolff Chinabild China komparative Philosophie 18.Jahrhundert Kulturphilosophie Asien Europa Oratio de Sinarum philosophia practica
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
B.A. Jan-Christian Hansen (Author), 2012, Das Chinabild in der Philosophie des 18.Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262646
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  23  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint