Diese Hausarbeit entstand im Nachgang des Seminars „Reflexionen zur Schüler_innen- und Lehrer_innenrolle" des Wintersemesters 2012/2013 an der Gothe-Universität Frankfurt am Main. Dieses Seminar, das die Ökonomisierung und Output-Orientierung der Bildung kritisch reflektierte ließ die Studierenden ihre eigenen methodisch-didaktischen Unterrichtideen verwirklichen. Neoliberale Einflüsse auf die heutige Allgemeinbildung an staatlichen Schulen werden kritisch betrachtet und Kritik mit normativem Anspruch gegenüber diesen Entwicklungen wird laut.
Inhaltsverzeichnis
Teil I
1. Einleitung: Ökonomisierung der Bildung als Kernproblematik der Sitzungsgestaltung
2. Vorbereitung und Planung der Sitzungsgestaltung
3. Durchführung: Verlauf der Sitzung
4. Kritische Reflexion der Sitzungsleitung im Seminar
Teil II
5. Persönliche Schlussfolgerungen in Bezug auf den eignen Habitus als Lehrerin
5. 1 Grundlegende Erkenntnisse
5.2 Schlussfolgerungen aus den „ego-et-alter“-Theorien
5.3 Der OECD-Kompetenzkatalog kritisch betrachtet
Teil III
6.Fazit
6.1 Schlussfolgerungen in Bezug auf die dem künftigen Habitus als Lehrerin zugrundeliegen den theoretischen Annahmen
6.2 Schlussfolgerungen in Bezug auf die künftige Sozialkunde-Unterrichtsgestaltung
7. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit reflektiert die Planung und Durchführung einer Seminarsitzung, in der die Ökonomisierung der Bildung kritisch hinterfragt wird, um daraus Schlussfolgerungen für den eigenen Habitus als angehende Politiklehrerin abzuleiten.
- Kritische Analyse der Bildungsökonomisierung durch OECD-Kompetenzkataloge
- Methodische Reflexion der "Amerikanischen Debatte" im universitären Kontext
- Konflikt zwischen ökonomischer Verwertbarkeit und humanistischem Bildungsideal
- Einfluss von Machtstrukturen und Konsum auf die menschliche Selbstbestimmung
- Entwicklung eines reflektierten Lehrer_innen-Habitus für den Sozialkundeunterricht
Auszug aus dem Buch
5.2 Schlussfolgerungen aus den „ego-et-alter“-Theorien
In Gerd Steffens (2008: 34) Zusammenfassung der ego-et-alter-Theorien heißt es bündig: „Soziales und Individuelles sind gleich ursprünglich“. Der Begriff „ursprünglich“ verweist unmittelbar auf die angeborene menschliche Fähigkeit zum Sozialen und kann ebenfalls als genetisch angelegt verstanden werden. Ebenso wie Egoismus und Eigennutzen entspringt auch die Fähigkeit zum Sozialen und der Altruismus der menschlichen Psyche, bildet dessen wesentlichen Bestandteil und bringt entsprechend soziales und altruistisches Verhalten hervor. Individualismus und Vergesellschaftung sind zwei gegensätzlich erscheinende Aspekte des menschlichen Verhaltens, die zwei Seiten einer Medaille einander ermöglichen. Innerhalb dieser zweier gegensätzlicher Pole wird der gesamte und vielseitige Handlungsspielraum erst möglich.
Selbst menschliche Kleinkinder und höhere Säugetiere weisen soziales und uneigennütziges Verhalten auf, wie beispielsweise im Fachjournal „PLoS Biology“ von Forschern des Leipziger Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie berichtet wird:
Bislang hielten es Verhaltensbiologen für einen rein menschlichen Zug, zum Nutzen Fremder zu handeln, wenn man sich dafür anstrengen muss. Doch die Leipziger Forscher fanden genau solches Verhalten nicht nur bei 18 Monate alten Babys, sondern ebenso häufig bei Schimpansen. Die evolutionären Wurzeln des menschlichen Altruismus könnten also weiter zurückreichen als bislang bekannt, so die Wissenschaftler. (dpa 2010)
Die „ego“-Theorien hingegen erklären das Soziale als Nebeneffekt der selbsterhaltenden und nutzenmaximierenden Handlungsmotivation. Dies ist eine eindimensionale Darstellung der menschlichen Psyche, die der Komplexität der menschlichen Handlungsmotivation nicht gerecht wird; auch kann dieser Ansatz als Erklärung für die Entstehung von Gesellschaften nicht genügen. Dementsprechend stehen Lehrkräfte vor der Aufgabe, diesen Sachverhalt differenziert zu behandeln: Beim Betrachten der hobbesschen Theorien beispielsweise muss die Lehrkraft den Zusammenhang zwischen der historischen gesellschaftlichen Situation als Vorbedingung (Bürgerkrieg und Gewalt) und der Entstehung der „ego“-Theorien des Realismus als Folge aufzeigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Ökonomisierung der Bildung als Kernproblematik der Sitzungsgestaltung: Einleitung in die kritische Auseinandersetzung mit der Ökonomisierung der Bildung und Begründung der subjektorientierten Sitzungsplanung.
2. Vorbereitung und Planung der Sitzungsgestaltung: Erläuterung der methodischen Entscheidung für die „Amerikanische Debatte“ zur Gegenüberstellung unterschiedlicher Positionen.
3. Durchführung: Verlauf der Sitzung: Zusammenfassung des tatsächlichen Ablaufs der Sitzung, inklusive kurzfristiger Anpassungen aufgrund von Zeitmangel.
4. Kritische Reflexion der Sitzungsleitung im Seminar: Auswertung der Feedback-Runden mit den Seminarteilnehmern zu den gewählten Methoden und Diskussionsstrukturen.
5. Persönliche Schlussfolgerungen in Bezug auf den eignen Habitus als Lehrerin: Darlegung der theoretischen Erkenntnisse zur menschlichen Natur und Kritik an ökonomischen Kompetenzmodellen.
5. 1 Grundlegende Erkenntnisse: Analyse der Notwendigkeit einer ganzheitlichen Bildung, die den Menschen nicht auf den homo oeconomicus reduziert.
5.2 Schlussfolgerungen aus den „ego-et-alter“-Theorien: Gegenüberstellung von altruistischem Verhalten und nutzenmaximierenden Theorien im Kontext pädagogischer Zielsetzungen.
5.3 Der OECD-Kompetenzkatalog kritisch betrachtet: Dekonstruktion der OECD-Konzepte als Instrumente einer marktkonformen Erziehung.
6.Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Übertragung auf die professionelle Lehrerrolle.
6.1 Schlussfolgerungen in Bezug auf die dem künftigen Habitus als Lehrerin zugrundeliegen den theoretischen Annahmen: Reflexion über die ideologische Steuerung von Bildungsprozessen und deren Auswirkungen auf das Individuum.
6.2 Schlussfolgerungen in Bezug auf die künftige Sozialkunde-Unterrichtsgestaltung: Empfehlungen für eine Mündigkeit fördernde Unterrichtspraxis unter Berücksichtigung von Machtstrukturen.
7. Literatur: Auflistung der verwendeten Quellen und weiterführenden Texte.
Schlüsselwörter
Bildungsökonomisierung, Schlüsselkompetenzen, OECD-Kompetenzkatalog, Amerikanische Debatte, Habitus, Politiklehrerin, Homo oeconomicus, Machtstrukturen, politische Bildung, Mündigkeit, Sozialkunde, Neoliberalismus, Ethische Perspektiven, Subjektorientierung, Partizipation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit reflektiert die Planung, Durchführung und kritische Analyse einer Seminarsitzung zum Thema Bildungsökonomisierung, um daraus Erkenntnisse für den eigenen professionellen Habitus als angehende Politiklehrerin zu gewinnen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Kritik an neoliberalen Bildungskonzepten, die Rolle des OECD-Kompetenzkatalogs, die Bedeutung von Partizipation im Unterricht und die Entwicklung einer mündigkeitsorientierten Sozialkunde-Didaktik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, durch die Reflexion der Sitzungsgestaltung einen fundierten persönlichen Standpunkt zu entwickeln, der ökonomische Anforderungen an Bildung kritisch hinterfragt und den Fokus auf ein humanistisches Bildungsverständnis legt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fachdidaktische Reflexion, die Analyse aktueller Bildungs-Diskurse sowie die Anwendung von Theorien zur menschlichen Handlungsmotivation, etwa durch den Einbezug der "ego-et-alter"-Debatte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Planung und Durchführung der Sitzung, eine detaillierte Kritik an den Kompetenzvorgaben der OECD sowie die Ableitung von Schlussfolgerungen für eine künftige Unterrichtsgestaltung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Bildungsökonomisierung, Mündigkeit, OECD-Kompetenzkatalog, Politischer Habitus, Sozialkunde und Neoliberalismus.
Warum wird der OECD-Kompetenzkatalog in der Arbeit kritisiert?
Die Autorin kritisiert, dass der Katalog den Menschen auf seine Verwertbarkeit als "Humankapital" reduziert und Bildung zu einer bloßen Anpassungsleistung an marktwirtschaftliche Erfordernisse degradiert.
Welche Bedeutung hat das Konzept der Partizipation für die Autorin?
Partizipation wird als notwendiges Mittel angesehen, um Schüler_innen aus der passiven Rolle der Konsumenten zu mündigen Akteuren zu machen, die Machtstrukturen in Gesellschaft und Politik konstruktiv hinterfragen und gestalten können.
- Quote paper
- Margarita Apyestina (Author), 2012, Reflexion über die Sitzungsgestaltung und den eigenen Habitus als Politiklehrerin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262759