Wie lässt sich der Wert eines Unternehmens bestimmen? Die Antwort auf diese Frage
wurde bereits von den Sumerern um 2000 vor Christi Geburt gesucht
(vgl. Bellinger/Vahl 1984, S. 1). Über die Jahrhunderte hinweg fand diese Frage immer
wieder Beachtung, wodurch sich zahlreiche Ansätze und Methoden entwickelten, die
die Beantwortung dieser Frage zum Ziel hatten.
Entscheidend für deren Entwicklung waren der Stand der mathematischen Kenntnisse
und die Werte und Gesetze, von denen die jeweiligen Perioden geprägt wurden
(vgl. Henselmann 2012, S. 100). Dies wird am Beispiel von Reinertragsmultiplikatoren
deutlich, die als dominierende Bewertungsmethode im Mittelalter zum Einsatz kamen
(vgl. Schneider 2001, S. 770). Sie spiegeln den Stand mathematischer Kenntnisse jener
Zeit wider und tragen dem an mehreren Stellen in der Bibel verankerten Zinsverbot
Rechnung. Bedingt durch den Einfluss der Kirche war es kirchlich wie weltlich untersagt,
Zinsen auf verliehenes Geld zu erheben (vgl. Henselmann 2012, S. 101).
Mit der Lockerung des Zinsverbots im späten Mittelalter wurden zunächst Kreditzinsen
in Höhe von bis zu 5 Prozent und später auch Zinseszinsen akzeptiert, welche sich in
Deutschland bei der Berechnung von Kapitalwerten jedoch erst im Verlauf des
19. Jahrhunderts durchsetzten (vgl. Henselmann 2012, S. 104).
Mit der intensiven Entwicklung der Betriebswirtschaftslehre zu Beginn des
20. Jahrhunderts findet die Frage der Unternehmensbewertung auch bei deutschen Wissenschaftlern
verstärkt Beachtung (vgl. Schmalenbach 1912/13, S. 36). Durch das Inkrafttreten
des Handelsgesetzbuchs am 1. Januar 1900 und der darauf folgenden
Verbreitung von Bilanzen wurden nun dem Substanzwert und der objektiven Bewertungslehre
verstärkt Bedeutung beigemessen (vgl. Bellinger/Vahl 1992, S. 8; vgl. Kuhner/
Maltry 2006, S. 53). Aufgrund deren Orientierung an bilanziellen Größen zählten
die Wirtschaftsprüfer jener Zeit zu den stärksten Verfechtern, die Wissenschaftler sahen
darin jedoch die Kapitulation vor der Problemstellung einer prospektiven und subjektbezogenen
Unternehmensbewertung (vgl. Henselmann 2012, S. 105).
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. VORSTELLUNG DER ARBEIT
1.1 Gegenstand und Ziel der Arbeit
1.2 Aufbau
2. GRUNDLAGEN DER UNTERNEHMENSBEWERTUNG
2.1 Wertbegriff
2.2 Werttheorie
2.2.1 Objektive Bewertung
2.2.2 Subjektive Bewertung
2.2.3 Funktionale Bewertung
2.2.4 Marktwertorientierte Bewertung
2.3 Anlässe und Grundsätze der Unternehmensbewertung
3. KONZEPTIONELLE GRUNDLAGEN DER BEWERTUNGSVERFAHREN
3.1 Vergleichsverfahren
3.1.1 Comparative Company Approach
3.1.2 Rules of Thumb
3.1.3 Vorgehensweise bei der Bewertung mit Multiplikatoren
3.2 Discounted Cashflow-Verfahren
3.2.1 WACC-Ansatz
3.2.1.1 Free Cashflow
3.2.1.2 Total Cashflow
3.2.2 APV-Ansatz
3.2.3 Equity-Ansatz
3.2.4 Vorgehensweise bei der Bewertung mit DCF-Verfahren
3.3 Ertragswertverfahren
3.3.1 Kapitalisierungsgrößen
3.3.2 Kalkulationszinsfuß
3.3.3 Vorgehensweise bei der Bewertung mit dem Ertragswertverfahren
4. VERGLEICH UND KRITIK
4.1 Vergleich
4.2 Kritik
5. SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelor-Thesis untersucht das komplexe Feld der Unternehmensbewertung, um durch eine fundierte Analyse der konzeptionellen Grundlagen die gängigen Verfahren kritisch zu vergleichen und deren Eignung für verschiedene Bewertungsanlässe zu beurteilen. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die methodische Konsistenz und die praktische Anwendbarkeit der unterschiedlichen Bewertungsansätze in der aktuellen Wirtschaftspraxis.
- Analyse der konzeptionellen Grundlagen der Unternehmensbewertung
- Kritischer Vergleich von Multiplikator-, DCF- und Ertragswertverfahren
- Untersuchung der Anwendbarkeit und methodischen Eignung für die Bewertungspraxis
- Differenzierung zwischen subjektiven und objektivierten Bewertungsansätzen
- Beurteilung der Rolle von Kapitalmarkttheorien in der Unternehmensbewertung
Auszug aus dem Buch
3.1 Vergleichsverfahren
Die Vergleichsverfahren sind den marktorientierten Verfahren zuzuordnen und kommen seit dem Ende der 1980er Jahre in den USA unter dem Begriff „market approach“ zur Anwendung (Mandl/Rabel 2012, S. 77; vgl. Meyer 2006, S. 14). In diesem Zusammenhang ist die Bezeichnung Multiplikatorverfahren üblich, da Daten vergleichbarer Unternehmen oder branchenspezifische Erfahrungssätze zur Bildung von Bewertungsmultiplikatoren herangezogen werden (vgl. Mandl/Rabel 2012, S. 78).
Deren praktische Relevanz dort ist durch die hohe Dichte verfügbarer Informationen zu erklären (vgl. Mandl/Rabel 2012, S. 80). Dem Ansatz liegt die Theorie des „law of one price“ zu Grunde, nach der vergleichbare Unternehmen einen ähnlichen Preis haben (vgl. Esty 2000, S. 24; vgl. Kuhner/Maltry 2006, S. 265).
Der Unternehmenswert wird, wie in Kapitel 2.2 gezeigt, mit dessen Marktwert gleichgesetzt, weshalb die Begriffe Wert und Preis im Kontext marktorientierter Bewertung synonym gebraucht werden. Die Objektivität des Marktes ersetzt das Ermessen des Bewertenden und spiegelt das Vertrauen in funktionierende Marktmechanismen wider (vgl. Mandl/Rabel 2012, S. 78; vgl. Peemöller 2012, S. 45).
Zusammenfassung der Kapitel
1. VORSTELLUNG DER ARBEIT: Das Kapitel führt in die historische Entwicklung der Unternehmensbewertung ein und definiert den Gegenstand sowie das Ziel der Arbeit.
2. GRUNDLAGEN DER UNTERNEHMENSBEWERTUNG: Es werden der Wertbegriff, verschiedene werttheoretische Ansätze sowie grundlegende Anlässe und Prinzipien der Unternehmensbewertung erläutert.
3. KONZEPTIONELLE GRUNDLAGEN DER BEWERTUNGSVERFAHREN: Detaillierte Vorstellung und Analyse der marktorientierten Vergleichsverfahren, der verschiedenen DCF-Ansätze und des Ertragswertverfahrens.
4. VERGLEICH UND KRITIK: Vergleich der Verfahren im Hinblick auf deren methodische Eigenschaften und eine kritische Würdigung der Ansätze hinsichtlich ihrer theoretischen Fundierung und Praxisrelevanz.
5. SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse und abschließende Empfehlungen für die künftige Entwicklung in der Unternehmensbewertung.
Schlüsselwörter
Unternehmensbewertung, Ertragswertverfahren, Discounted Cashflow-Verfahren, DCF, Multiplikatorverfahren, Marktwert, Unternehmenswert, Kapitalisierungszinsfuß, CAPM, IDW, Bewertungspraxis, Subjektive Bewertung, Objektivierte Bewertung, Finanzplanung, Zukunftserfolgswert.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den in der Praxis dominierenden Verfahren der Unternehmensbewertung und deren kritischer Analyse unter Berücksichtigung theoretischer sowie praktischer Aspekte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kerngebieten zählen die theoretischen Grundlagen der Wertfindung, die marktorientierten Vergleichsverfahren, das Discounted Cashflow-Modell (DCF) sowie das klassische Ertragswertverfahren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel besteht darin, die konzeptionellen Grundlagen verschiedener Bewertungsverfahren zu analysieren, diese miteinander zu vergleichen und ihre Eignung für den jeweiligen Bewertungszweck kritisch zu beurteilen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deduktive Herleitung basierend auf einer umfangreichen Literaturanalyse sowie den Standardwerken der deutschen Bewertungslehre und internationalen Ansätzen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Systematik, die mathematischen Grundlagen und die praktischen Anwendungsvoraussetzungen von Multiplikatorverfahren, diversen DCF-Varianten (WACC, APV, Equity) sowie der Reinform und der IDW-Variante des Ertragswertverfahrens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Unternehmenswert, Ertragswert, DCF-Verfahren, Marktwert und Bewertungsstandards charakterisieren.
Warum spielt die Unterscheidung von objektivem und subjektivem Wert eine so große Rolle?
Die Unterscheidung ist zentral, da sie den Konflikt zwischen dem Wunsch nach allgemeiner Nachvollziehbarkeit (objektivierter Wert) und der individuellen Entscheidungssituation des Bewertungssubjekts (subjektiver Entscheidungswert) adressiert.
Welche Rolle spielt das IDW bei der Unternehmensbewertung?
Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) gibt Standards vor, die für deutsche Wirtschaftsprüfer einen verbindlichen Rahmen bieten, insbesondere für die Ermittlung von objektivierten Unternehmenswerten bei gesellschaftsrechtlichen Anlässen.
Kann man verschiedene Bewertungsverfahren einfach miteinander vergleichen?
Der Autor zeigt auf, dass ein Vergleich aufgrund heterogener Annahmen (z.B. Kapitalstruktur, Steuern, Risikoappetit) zwar rechnerisch möglich ist, aber qualitativ differenziert betrachtet werden muss, da die Verfahren oft unterschiedliche Zielsetzungen verfolgen.
Welches Verfahren ist aus Sicht des Autors am besten geeignet?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass es kein "einzig wahres" Bewertungsverfahren gibt, sondern die Wahl des Verfahrens zwingend vom spezifischen Bewertungszweck abhängig ist.
- Citar trabajo
- Timo Barth (Autor), 2013, Unternehmensbewertung: Discounted Cashflow-, Ertragswert- und Multiplikatorverfahren auf dem Prüfstand, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262796