Die Geschichte der Psychotherapie in Österreich

60 Jahre davon teilweise miterlebt


Antología , 2014
59 Páginas

Extracto

Die Aufgabe, einen Überblick über die Geschichte der psychotherapeutischen Medizin in Österreich zu geben, habe ich sehr gerne übernommen, zumal ich einen Teil davon ab 1945 persönlich miterlebt habe.

Da die Geschichte der Psychotherapie in Österreich – und zwar die medizinische – wenigstens bis Paracelsus zurückreicht, habe ich versucht, wesentliche Ereignisse herauszugreifen, informative Schlaglichter, und habe Fakten, von denen man annehmen kann, daß sie weitgehend bekannt sind, als bekannt vorausgesetzt. Etwa die Geschichte der psychoanalytischen Bewegung, der Imago usw.

Definition

Es scheint mir zweckmäßig, bei einem Vortrag, zuerst einmal zu definieren, wovon man spricht.. Denken Sie nur, wie viele Definitionen des Wortes „Neurose“ es gibt. Unser Diplom lautet, da es in Österreich im Gegensatz zur Schweiz und zu Deutschland keinen „Facharzt für Psychotherapie“ gibt, „Psychotherapeutische Medizin“. Sie wissen, daß das ein Kompromiß war. Ursprünglich bekamen wir ein Diplom als „Arzt für Psychotherapie“. Das wurde vom Sozialministerium verboten. Im November 1992 stellt der damalige Gesundheitsminister (und Arzt) Dr. M. Ausserwinkler zur Aufhebung der Schilderverordnung allerdings fest: „Aus der Aufhebung läßt sich jedoch nicht ableiten, daß Ärzte im Rahmen ihrer Berufsausübung keine psychotherapeutischen Tätigkeiten ausüben dürfen, auch wenn sie nicht in die Psychotherapeutenliste eingetragen worden[1] sind.“

Psychotherapeutische Medizin

Der Begriff „Psychotherapeutische Medizin“ kann nun den Eindruck erwecken:[2]

1.) Es gäbe eine Medizin, die aber grundsätzlich mit Psychotherapie sonst nichts zu tun hat. Elektromedizin oder forensische Medizin sind ja auch Sonderfächer, die bestenfalls am Rande mit der Medizin im allgemeinen Berührungspunkte haben.
2.) Psychotherapie wurde irgendwo außerhalb der Medizin erfunden und findet nun Eingang in diese Sparte der Wissenschaft.

Ein Blick in den Brockhaus[3] scheint das zu bestätigen: „Die Grundlage der neuzeitlichen Medizin bilden Physik, Chemie, Biologie (Anatomie, Physiologie, Bakteriologie), Pharmakologie und Toxikologie. Psychologie oder gar Tiefenpsychologie kommen da nicht vor.

Der Brockhauseintrag ist typisch für eine oft anzutreffende Haltung, nimmt aber keine Rücksicht darauf, daß das, was man im weitesten Sinn Psychologie nennt, - lange bevor es eine Psychologie als Spezialität gegeben hat – immer Bestandteil der Medizin war. Anfangs als - eher ungeliebter - Teil der Psychiatrie, spätestens seit dem Aufkommen der Psychosomatik und dem Bemühen, alle Ärzte wenigstens in die allgemeine Psychotherapie einzuführen. Ein Anliegen, daß bis in selbst so ferne Fächer wie die Augenheilkunde reichte.

Ein ungeliebtes Kind der an sich mit Vorurteilen behafteten Psychiatrie

Es waren Ärzte, die die wissenschaftlich fundierte Psychotherapie schufen, und der Laie hatte unter Umständen darin einen Platz – aber eben als Laie. Er spielte vor Freud keine wesentliche Rolle als Therapeut. Im Vorwort der zweiten Auflage der „Traumdeutung“ schreibt Freud, daß sich seine Kollegen von der Psychiatrie keine Mühe gegeben haben, „über das anfängliche Befremden hinauszukommen, welches meine neuartige Auffassung des Traumes erwecken konnte, ...“. Es waren jene „weiteren Kreise von Gebildeten und Wißbegierigen “ die die zweite - und wohl auch weitere Auflagen - ermöglichten. Man kann annehmen, daß damit– vielleicht vorwiegend unbewußt – ein Grundstein für die „Laien-„ Therapie gelegt war. Wobei Freud natürlich auch keinen Unterschied in der Psychotherapie als solcher kannte – das war noch lange Zeit eine „ärztliche“ Wissenschaft.

Nun gab es ja schon lange – seit den Anfängern der Medizin? – den Streit, die Rivalität zwischen „Somatikern“ und Anhängern einer Medizin, die sich auch um Affekte und Emotionen kümmert.

W. Holzer, Vorstand der Nervenklinik in Graz, schrieb in der Wiener klinischen Wochenschrift 1950 unter dem Titel: „Ärztliche und nichtärztliche Psychotherapie prophetisch“: „Einem Arzt müßte es selbstverständlich erscheinen, daß die Psychotherapie einen Teil der Medizin darstellt. Psychotherapeutisches Handeln ist somit im wesentlichen an den Arzt gebunden. Bleuler sagt dazu in klassischer Weise: „Wenn Sie mir einwenden, daß all das so selbstverständlich sei, daß es sich erübrige, darüber zu sprechen, so anerkenne ich Ihren Einwand. Ich habe nur hinzuzufügen: Die Erkennung der Selbstverständlichkeit dieser Zusammenhänge wird durch die heutige Entwicklung der Medizin gefährdet, gefährdet vor allem durch die Aufsplitterung in Fachgebiete und durch die Überbewertung einer psychotherapeutischen Technik über die psychotherapeutische Berufung eines jeden Arztes.“

Definitionswandel

Im Laufe der Geschichte der letzten 20 Jahre, hat sich aber die Definition des Begriffes Psychotherapie grundlegend geändert. Für Adler, Frankl, Freud, Jung, Schultz – ja sogar für Mesmer, wenn man es im übertragenen Sinn betrachtet, war Psychotherapie nach der Definition von Freud : „Behandlung von der Seele aus, Behandlung seelischer oder körperlicher Störungen - mit Mitteln, welche zunächst und unmittelbar auf das Seelische des Menschen einwirken.[4]“ Oder der Definition von I.H. Schultz: „Psychotherapie ist Behandlung durch rein seelische Beeinflussung, nicht Behandlung seelischer Störungen[5]“. Abgekürzt: Behandlung mit seelischen Mitteln.

Allgemeine Psychotherapie

Viktor E. Frankl hat die Allgemeine Psychotherapie, die, die jeder Arzt an sich betreiben sollte, so definiert[6]: „Die „allgemeine" Psychotherapie deckt sich beiläufig mit jenem Sektor der Psychotherapie, der auch in der allgemeinen Praxis faktisch ausgeübt anwächst -“faktisch": d.h. entweder absichtlich, oder aber unbewußt. Diese Psychotherapie des praktischen Arztes jedoch hat auszugehen vom obersten Gebot des „primum nil nocere".

Barolin schreibt 1995: Als immer wieder betonenswert ist gleichzeitig die Definition des Wortes "Psychotherapie" an und für sich, nämlich: Therapie mit psychischen Mitteln im Rahmen einer lehr- und lernbaren Methodik. Der erste Teil dieser Definition stammt von Schultz (1973), der zweite von Strotzka (1982). Leider ist nämlich immer wieder die falsche Meinung von ärztlicher und anderer (selbst von scheinbar "fachkompetenter") Seite zu hören, daß es sich bei der Psychotherapie um eine Therapie "der Seele" handeln würde. Das widerspricht bekanntlich schon dem Wortsinn, denn Elektrotherapie heißt auch nicht "Therapie der Elektrizität" sondern Therapie mit elektrischen Maßnahmen.[7]

H. Strotzka hat eine modernere Definition so formuliert: Psychotherapie ist ein bewusster und geplanter interaktioneller Prozess zur Beeinflussung von Verhaltensstörungen und Leidenszuständen, die in einem Konsensus (möglichst zwischen Patient, Therapeut und Bezugsgruppe) für behandlungsbedürftig gehalten werden, mit psychologischen Mitteln (durch Kommunikation) meist verbal aber auch averbal, in Richtung auf ein definiertes, nach Möglichkeit gemeinsam erarbeitetes Ziel (Symptomminimalisierung und/oder Strukturänderung der Persönlichkeit) mittels lehrbarer Techniken auf der Basis einer Theorie des normalen und pathologischen Verhaltens. (Strotzka, 1978, S.4) Da klingt noch viel Freud mit.

Die derzeit gültige gesetzliche Definition

Im österreichischen Psychotherapie Gesetz steht als Definition der Psy­chotherapie: „ist die nach einer allgemeinen und besonderen Ausbildung erlernte, umfassende, bewußte und geplante Behandlung von psychosozial oder auch psychosomatisch bedingten Verhaltensstörungen und Leidens Zuständen mit wissenschaftlich- psychotherapeutischen Methoden in einer Interaktion zwischen einem oder mehreren Behandelten und einem oder mehreren Psychotherapeuten mit dem Ziel, bestehende Symptome zu mildern oder zu beseitigen, gestörte Verhaltensweisen und Einstellungen zu ändern und die Reifung, Ent­wicklung und Gesundheit des Behandelten zu fördern." (§ 1 Abs. 1 BGBl. Nr. 361 aus 1990) Es wird also ein umschriebener Leidensbereich psychosozial, psychosomatisch bedingte Verhaltensstörungen und Leidens Zustände den Psychotherapiekundigen zugeteilt.

In der Alltagspraxis des Psychotherapeuten (und mancher Ärzte) wurde darüber hinaus der Patient nach amerikanischem Muster zum Klienten.

Man könnte nun zum Beispiel die Frage stellen: Ist Schmerzausschaltung bei Ca Patienten Psychotherapie? Ist Krebs eine psychosoziale oder eine psychosomatische Störung? Chronische Schmerzen werden jedenfalls von der Psychotherapie und der Psychologie als Indikationsgebiet beansprucht, wie aus der Literatur reichlich hervorgeht. Z.B.: Basler HD, Kröner-Herwig B.: Psychologische Therapie bei Kopf und Rückenschmerzen.[8]

Eine wieder etwas abweichende Definition findet man in dem heuer von A. Pritz herausgegebenen Buch „Globalized Psychotherapy“.: What is psychotherapy? Psychotherapy is the systematic application of defined methods in the treatment of psychic suffering and psychosomatic complaints as well as of life crises of various origins. The basis for treatment is the relationship of the psychotherapist to the patient, or in a non-clinical setting to the client. The target group for psychotherapy includes people with emotional problems but also people who would like to extend their possibilities for social and "inward" actions. Psychotherapy is thus also in many cases preventive.[9]

Unterschiede?

Es muß jedenfalls - wenigstens im Verständnis der Politik - einen Unterschied geben, zwischen dem was Psychotherapeuten und dem was Ärzte machen. Sonst wäre ja ein „Facharzt für Psychotherapie“ die logische Folge.

Biologie und Psychologie in engster Verbindung

Was bleibt ist die – mögliche – grundsätzliche Voraussetzung für ärztliche Psychotherapie im Unterschied zur Psychotherapie als Behandlung sozial entstandener Krankheiten. Schultz schrieb 1937 : „8. Psychotherapie als ärztliche Heilbehandlung durch seelische Mittel hat nur Eigenwert und Eigenrecht, wenn sie stets mit den biologischen und wissenschaftlich-psychologischen Grundlagen in engster Wurzelver­bindung bleibt und geisteswissenschaftliche Methoden und Materialien nur als Hilfsmittel heranzieht. Nur eine in diesem Sinne bionome Psychotherapie hat Aussicht auf Bestand und gesunde Entwicklung.[10]

Ich weiß nicht, wie weit der Vorschlag aufrecht zu erhalten ist, daß wir, wenn wir generell von Psychotherapie sprechen, eher die Psychotherapie nach der Definition des österreichischen Gesetzes, und wenn wir von einer ärztlichen Psychotherapie sprechen, eher die „Behandlung mit seelischen Mitteln“, die neben der psychologisch- tiefenpsychologischen Grundlage auch alle biologisch physiologischen Überlegungen mit einbezieht. Es würde sich dann um eine Behandlung aller Krankheitszustände und um die entsprechenden vorbeugenden Maßnahmen handeln.

Wie man sich im Hinblick auf eine Entwicklung irren kann sieht man deutlich in einem Beitrag Frankl’s: „Über Laienpsychotherapie“aus der ÖÄZ 1949. Frankl schreibt: "Fürs erste einmal muß klargestellt werden, daß von Laientherapie mit vollem Recht auch dort gesprochen werden muß, wo Psychotherapie durch psychologische Fachleute, etwa Drr. phil. in Frage steht. Im Augenblick da das neue österreichische. Ärztegesetz endgültig festgelegt hat, daß Psychotherapie in die Kompetenz des Arztes gehört, im gleichen Augenblick ist jeder Nichtarzt, mag er anderwärts wissenschaftlich noch so qualifiziert sein, ein Laie.[11]“ Zu dieser Zeit wehrte man sich auch noch gegen den Einbruch der Sozialarbeiter, klinischen Psychologen usw.

Social Workers, Clinical Psychologists betont Frankl, sind Hilfskräfte des Psychiaters, die ihm zum Beispiel die Test-Arbeit abnehmen sollen. Den Hinweis auf Amerika entkräftet er mit der Tatsache, daß selbst die amerikanischen Psychoanalytiker nur Doktoren der Medizin aufnehmen und deshalb einem so berühmten Analytiker wie Theodor Reik die Aufnahme verweigert wurde. Diagnose und Indikation der Psychotherapie müssen jedenfalls dem Arzt vorbehalten bleiben, auch wenn man unter Umständen bestimmte Laienpsychotherapeuten heranziehen kann. Gegen Ende des Artikels kommt ein Satz, der ein Problem auch innerhalb der Medizin aufzeigt (große und kleine Psychotherapie wird noch 1994 innerhalb der Ärzte unterschieden)[12]: „Und es steht auch fest, daß ein wirklich guter Psychotherapeut nur sein kann, wer ein mindestens ebenso guter Neurologe und Psychiater ist.“ (im Original gesperrt)

Die historische Entwicklung

Die eigentlichen Ursprünge, die Heilkundigen des Tempelschlafs in Kos, die Bibel, die Weisheit der Alten in unserem Kulturgebiet, die alten asiatischen Quellen usw. müssen wir schon aus Zeitgründen übergehen und wenden uns der engeren Heimat zu:

1493 – 1541

Die Anfänge einer gezielten, nach dem damaligen Stand der Wissenschaft erklärbaren und erlernbaren Psychotherapie finden wir in Österreich im Bereich dessen, was wir heute Hypnose nennen. Paracelsus (1493 – 1541) berichtet von Kärntner Mönchen, die Patienten mit Kristallkugeln in Trance versetzten und heilende Suggestionen gaben, die offensichtlich auch wirksam waren[13]

Er schreibt im Traktat: „Von dem Schlaf und Wachen der Leiber und Geister“: „Drittens kann es noch auf eine andere Weise zuwege gebracht werden, ohne ein Bild und viel besser und sicherer durch den Glauben und die Imagination allein. “Wenn ich nun einem sagte, geh hin und leg Dich schlafen und sage mir die ganze Wahrheit, was du im Schlaf zu sehen oder zu erfahren begehrst“[14].

Oder an anderer Stelle : „Ihr wißt alle, das der Einfluß der Willenskraft ein wichtiges Kapitel der Medizin darstellt. Es kann geschehen, daß ein Mensch, der in sich nichts Positives sieht und sich selbst verachtet, krank wird.“ Und er gibt psychotherapeutische Anweisungen zum Beispiel, daß man bestimmte Schlafwandler nicht anschreien dürfe.

1727 – 1779

Die Geburtsstunde der modernen Psychotherapie

Am nächsten Ereignis ist Franz Anton Mesmer maßgeblich beteiligt. Pater Johann Joseph Gassner (1727 – 1779) wurde durch seine hypnoseartigen Exorcismuskuren (alle Krankheit ist vom Teufel) bekannt aber auch berüchtigt. Mesmer wurde 1775 als Sachverständiger nach München, an die Bayerische Akademie der Wissenschaften berufen. Er bestätigte an sich die Erfolge Gassners, schrieb aber, daß das wirksame Agens bei Gassners Kuren der thierische Magnetismus[15] sei, und die Kuren ohne medizinische Kenntnis der Ursachen rein symptomatisch wären. Gassners Kuren wurden daraufhin von Joseph dem II für das ganze heilige römische Reich Deutscher Nation verboten. Mesmer wurde am 28. November 1775 Mitglied der bayerischen Akademie der Wissenschaften. In diesem Geschehen sieht H. F. Ellenberger, der Historiograph der Psychoanalyse und Pionier der dynamischen Psychiatrie, die Geburtsstunde der modernen Psychotherapie.

Man sollte auch nicht übersehen, daß Mesmer schon dem Übertragungsproblem sehr nahe war, wenn er beschreibt, daß seine Kur bei Menschen, die ihm sympathisch sind, viel besser anschlägt als bei anderen.

12. 11. 1774

Am Rande wäre anzumerken, daß in den Curbaierischen Intelligenzblättern am 12. 11. 1774 zu lesen war: „Gute Nacht, Ärzte, wenn es jetzt schon möglich ist, durch Exorcismus geheilt zu werden.“

Die moderne Psychotherapie begann also – man mag zu ihm selbst stehen, wie man will - mit Franz Anton Mesmer. Immerhin läßt sich an ihm nicht ganz zu Unrecht auch ein sogenanntes „österreichisches“ Schicksal feststellen. Er war natürlich von der Wissenschaft seiner Zeit geprägt. Seine Dissertatio physico – medica hatte den Titel „De planetarum influxu“ und wurde am 27. Mai 1766 an der Universität erfolgreich disputiert.[16]. Es wäre im Sinne seiner Zeit gewesen, rein die physikalische Kraft des Magneten zur Erklärung der Heilung zu verwenden, wie es der Astronom Hell tat. Es ist wenig bekannt, daß Mesmer aber genau das Gegenteil getan hat: Er stellte fest, daß es eben einen thierischen Magnetismus geben müßte, denn anders wären die heilenden Kräfte seiner Hände nicht zu erklären. Wörtlich heißt es in der „Abhandlung über die Entdeckung des thierischen Magnetismus“: „Es sind also alle Körper, so gut als der Magnet, der Mittheilung dieses magnetischen Principiums fähig, diese Flüßigkeit durchdringt alles, läßt sich wie die elektrische anhäuffen und verstärken, und wirkt auch in der Entfernung[17].“ Er meinte damit wohl kaum etwas wesentlich anderes als man heute meint, wenn man vom berühmten CHI der chinesischen Naturauffassung spricht. Ja, wir dürfen – mit allem Respekt vor dem Genie Freuds - wohl auch den Begriff Libido in diese semantische Gruppe einbeziehen.

Maria Theresia Paradis

Die Schriften Mesmer’s zeigen ein ehrliches Bemühen um die Wahrheit, viel Enthusiasmus und seine Erfolge wurden auch von seinen Gegnern – wenigstens anfangs – nicht bestritten.[18] Als er aber dann – die Geschichte ist hinreichend bekannt – das Mündel Maria Theresias, die berühmte blinde Maria Theresia Paradis – sehend machte, dürfte sein Schicksal wohl besiegelt gewesen sein. Denn die Fakultät hatte sie für blind, und zwar für unheilbar blind, erklärt. Der Dekan der medizinischen Fakultät, Professor Störck, Leibarzt ihrer Majestät, um dessen Gunst Mesmer sich nachhaltig aber vergeblich bemühte, tat alles, um den Kollegen zu desavouieren. Nach den historischen Unterlagen scheint es bewiesen zu sein, daß er die kaiserlich königliche Sittenpolizei einschalten ließ. Am 2. Mai 1777 erging ein Edikt vom Schönbrunner Hof, „dieser Betrügerey ein Ende zu machen“ und Maria Theresia Paradis aus der Mesmer’schen Klinik ihren Eltern zu übergeben. Dies freilich ging nicht ohne Unterschrift des Leibarztes Ihrer Majestät, eben jenes Dekans, der die Sittenpolizey eingeschaltet hatte. , Der empfahl aber nun vorsichtig den Eltern: „ihre Tochter nur dann zurückzuholen, wenn dies ohne Gefahr für ihre Gesundheit geschehen könne“. Schlußendlich teilte Joseph Anton Paradis, Maria Theresias Vater, Frau Mesmer, die an der Behandlung beteiligt war, mit, er werde seine Tochter am 7. Juni 1777 abholen. Alle Beteuerungen Mesmers, alle „geheilten“ Patienten, die er vorstellte, halfen nichts, er mußte Wien verlassen und übersiedelte nach Paris. Hier nahm er seine Tätigkeit, die wir heute ohne Zweifel Psychotherapie nennen würden, als „Dr A.F. Mesmer, Doctor der Arzneygelahrheit und Mitglied der medicinischen Facultät in Wien“ und Erfinder des thierischen Magnetismus, wieder auf.

[...]


[1] Ausserwinkler, M.: Klarstellung zur Schilderverordnung, ÖÄZ 11/92 Seite 16

[2] ÖÄZ Nr 9 10. 5. 1992, S. 51.

[3] Brockhaus 1971, Band 12, S. 322

[4] Freud, S.: Psychische Behandlung (Seelenbehandlung) GW V, S 289.

[5] Schultz, I.H.: Seelische Krankenbehandlung. Erste Auflage Gustav Fischer Jena 1918, letzte Gustav Fischer Stuttgart 1963.

[6] Frankl, V.E.: Die Psychotherapie in der Praxis. Wien, Deuticke 1947, S 22

[7] Barolin, G.S.: Das Hypnoid in der integrierten Psychotherapie und in der Psychohygiene. Expermientelle und klinische Hypnose. Band XI, Heft ½ 1995, S. 1-24

[8] Bach, M.: Psychotherapie chronischer Schmerzen. WLP Nachrichten, Jg 10 5/2002, S 19.

[9] Pritz, A.(ed): Globalized Psychotherapy. Facultas, Wien, 2002, S. 13

[10] Schultz, I.H.: Übung und Schulung als biologiche Grundprinzipien der Psychotherapie. Zschr für ges Neurol u Psychiat 158,1937 384-402 und Langen, D.: Der Weg des AT.

[11] Frankl, V.,E.: Über Laienpsychotherapie. Österr. Ärztezeitung 1949, S. 55, 56.

[12] Wiener Arzt, 2/94, Seite 53.

[13] Walter, H. u. Martin, M.: Zur Geschichte der Hypnose in Österreich. Hypnose und Kognition. Band 19, Heft 1 und 2, April 2002, dort weitere Literatur

[14] Aschner, B.: Sämtliche Werke des Paracelsus, Band IV. Jena, Gustav Fischer, Jena 1932, S. 362

[15] Peter, B.: Echo’s from the past. About the early evolution of hypnosis and psychotherapy. Newsletter of the International society of Hypnosis, Vol. 24, 2/2000, S. 28 – 30.

[16] Walter, H. u. Martin, M.: Zur Geschichte der Hypnose in Österreich. Hypnose und Kognition. Band 19, Heft 1 und 2, April 2002, Seite 179.

[17] Mesmer, F.A.: Abhandlung über die Entdeckung des thierischen Magnetismus. (Aus dem Französischen übersetzt). Unveränderter Nachdruck d. Ausg. Karlsruhe 1781, Tübingen, edition diskord, 1985. Näheres auch in ds.“:Allgemeinen Erläuterungen über den Magnetismus und den Somnabulismus. Carlsruhe, 1815.

[18] Mesmer, F.A.: „Allgemeinen Erläuterungen über den Magnetismus und den Somnabulismus. Carlsruhe, 1815

Final del extracto de 59 páginas

Detalles

Título
Die Geschichte der Psychotherapie in Österreich
Subtítulo
60 Jahre davon teilweise miterlebt
Curso
3. Jahrestagung der ARGE Psychotherapeutische Medizin am 9. November 2002, Universität Krems
Autores
Año
2014
Páginas
59
No. de catálogo
V262856
ISBN (Ebook)
9783656513254
ISBN (Libro)
9783656513209
Tamaño de fichero
6020 KB
Idioma
Alemán
Notas
Etiqueta
geschichte, psychotherapie, österreich, jahre
Citar trabajo
Heinrich Wallnöfer (Autor)Henriette Walter (Autor)Marianne Martin (Autor), 2014, Die Geschichte der Psychotherapie in Österreich, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262856

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