Kulturelle Konstruktion von Naturrisiken


Hausarbeit, 2012

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

Abbildungen

Tabellen

1 Einleitung

2 Was sind Naturrisiken?

3 Das Risiko aus sozialkonstruktivistischer Perspektive

4 Cultural Theory of Risk
4.1 Entstehungshintergründe der Theorie
4.2 Kernaussagen und Ziel der Theorie
4.3 Das Grid-Group-Modell
4.4 Diskussion der Theorie

5 Zusammenfassung

Literatur

Abbildungen

Abb. 1 Aaron Wildavsky

Abb. 2 Mary Douglas

Abb. 3 Das Grid-Group-Modell

Abb. 4 Die Natur aus Sicht der Individualisten

Abb. 5 Die Natur aus Sicht der Egalitaristen

Abb. 6 Die Natur aus Sicht der Hierarchisten

Abb. 7 Die Natur aus Sicht der Fatalisten

Tabellen

Tab. 1 Übersicht über die vier Gruppen des Grid-Group-Modells

1 Einleitung

Jeder Mensch trifft in seinem täglichen Leben auf die verschiedensten Arten von Risiken. Sowohl bei dem Einsteigen in ein Auto als auch bei der Einnahme von Medikamenten geht der Mensch ein gewisses Risiko ein. In der heutigen Zeit hat vor allem die Bedrohung durch Naturrisiken einen enormen Bedeutungszuwachs erhalten, denn diese werden zunehmend zum Gegenstand von Berichterstattungen in den Medien. Doch nicht jeder Mensch nimmt ein und dasselbe Risiko mit gleicher Intensität wahr. Daher stellen sich zahlreiche Fragen, wie beispielsweise, warum verschiedene Gesellschaftsgruppen Risiken und die daraus resultierenden Bedrohungen unterschiedlich wahrnehmen? Warum erscheint ein Risiko für eine Gruppe von Individuen bedrohlich und für eine andere nicht? Warum beurteilen manche Menschen neue Technologien als fortschrittlich, notwendig und sicher während andere eine Gefährdung durch diese fürchten?

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es somit, auf diese zahlreichen Fragestellungen eine Antwort zu finden. Bevor die Cultural Theory of Risk, eine der ersten und einflussreichsten Studien zur Risikowahrnehmung, im vierten Kapitel behandelt wird, sollen durch die Klärung der Begrifflichkeit Naturrisiko und die Darstellung der sozialkonstruktivistischen Perspektive zunächst Grundlagen für diesen Denkansatz gelegt werden. Anschließend erfolgt eine intensive Auseinandersetzung mit der Cultural Theory of Risk von Mary Douglas und Aaron Wildavsky, indem zunächst der Entstehungshintergrund sowie die Kernaussagen und das Ziel der Theorie vorgestellt werden. Das darauffolgende Grid-Group-Modell stellt eine Einteilung der Gesellschaft in 4 verschiedene Weltansichten dar, die Naturrisiken jeweils aus einer anderen Perspektive wahrnehmen und dementsprechend auch differenziert bewerten. Abschließend erfolgen eine Diskussion der Theorie sowie ein Ausblick auf den Beitrag, den die Cultural Theory of Risk für humanökologische Fragestellungen leisten kann.

2 Was sind Naturrisiken?

Die Begriffe Risiko und Gefahr werden im täglichen Leben häufig synonym verwendet. Auch wenn es schwierig ist eine eindeutige Trennlinie zwischen beiden zu ziehen, ist es jedoch notwendig zwischen ihnen zu differenzieren, insbesondere bei der Frage nach der Bedeutung des Begriffs Naturrisiko. Im Falle einer Gefahr werden mögliche Schäden auf Ursachen außerhalb der eigenen Kontrolle zurückgeführt. Bei einem Risiko hingegen werden diese Schäden dem eigenen Handeln oder gegebenenfalls dem Unterlassen von Handlungen zugerechnet. Somit unterscheiden sich diese beiden Begrifflichkeiten hinsichtlich der Zurechnung von Schäden, bei der Gefahr erfolgt eine Fremdzuschreibung, während bei einem Risiko die Selbstzuschreibung im Vordergrund steht (LIPPUNER 2009/10: 35). KAPLAN & GARRICK (1993: 93) verdeutlichen diese Begriffsunterscheidung durch folgendes Beispiel: „Das Meer stellt eine Gefahr dar. Versuchen wir es mit einem Ruderboot zu überqueren, so gehen wir ein großes Risiko ein. Benutzen wir jedoch die Queen Elisabeth, so ist das Risiko gering.“

Bezogen auf das Naturrisiko bedeutet dies, „Von Naturrisiken spricht man, wenn natürlich verursachte Ereignisse (z.B. Rutschungen, Erdbeben, Lawinen) eine Gefahr für Mensch und Umwelt beinhaltet.“ (MATTNER 2006: 2). Das bedeutet, es handelt sich um ein aus der Natur hereinbrechendes Ereignis, das erst durch den verursachten Schaden für die Gesellschaft Relevanz erlangt (MÜLLER-MAHN 2007: 2). Vor einem Naturrisiko kann sich der Mensch im Grunde genommen schützen, indem er die entsprechenden Maßnahmen ergreift, er ist in der Lage den Prozess abzuschwächen bzw. umzulenken (FELGENTREFF & GLADE 2008: 4ff.). Das bedeutet, im Gegensatz zur Naturgefahr, ist das Naturrisiko menschlich gemacht. Das Gefahrenpotenzial ist stets vorhanden, doch erst der Mensch produziert durch sein Verhalten das Risiko (POHL & GEIPEL 2002: 4ff.). Es gibt somit ein Verhältnis zwischen bestimmten Handlungen und den damit einhergehenden ungewollten Folgen. Diese kann der Mensch verhindern oder zumindest abschwächen, indem er die Kausalfolgen auf bestimmte Handlungsvorgänge zurückführt und diese dann in Zukunft überarbeitet und in modifizierter Weise ausführt (WEICHSELGARTNER 2002: 22f.).

Bei der Definition des Begriffs Naturrisiko muss jedoch auch die Perspektive berücksichtigt werden, unter der dieser betrachtet wird. Das Naturrisiko aus der naturwissenschaftlichen Sichtweise wird anders dargelegt, als aus einer humangeographischen bzw. konstruktivistischen Perspektive. Um Letztere soll es im folgenden Kapitel gehen.

3 Das Risiko aus sozialkonstruktivistischer Perspektive

Der Sozialkonstruktivismus wird verkürzt auch häufig nur als Konstruktivismus bezeichnet. Aus dieser Perspektive heraus wird untersucht, wie die soziale Wirklichkeit und die einzelnen sozialen Phänomene konstruiert sind. Bezüglich des Begriffs Risiko bedeutet etwas riskieren aus sozialkonstruktivistischer Perspektive, das bewusste Aussetzen einer Gefahr, um bestimmte Ziele erreichen zu können. Aus diesem Grund sind vor allem die Akteure und die jeweiligen Situationen, in denen bestimmte Entscheidungen getroffen werden, von Interesse (MÜLLER-MAHN 2007: 2). Mit diesen Aspekten beschäftigt sich das Grid-Group-Modell der Cultural Theory of Risk, die im Kapitel 4.3 dargestellt wird.

Somit lässt sich der Sozialkonstruktivismus von der objektivistischen Perspektive des Risikos abgrenzen, in denen der Mensch als eine Art „blackbox“ betrachtet wird. Der objektivistische Ansatz kann den Naturwissenschaften zugeschrieben werden und konzentriert sich vor allem auf Wirkungszusammenhänge innerhalb eines Ökosystems. Der gesellschaftliche Einfluss auf Veränderungen in der Natur wird weitestgehend ausgeblendet. Naturrisiken stellen aus dieser Perspektive einen Teil der Realität dar, sie sind berechenbar und technisch kontrollierbar, indem nach der Berechnung der Eintrittswahrscheinlichkeit und der Einschätzung des Schadensausmaßes geeignete Vorsorgemaßnahmen getroffen werden und gegebenenfalls Frühwarnsysteme eingerichtet werden. Objektivistisch-naturwissenschaftliche Ansätze sind der Auffassung, dass Naturrisiken so beherrschbar sind (ebd., 2f.).

Dem gegenüber steht die konstruktivistisch-sozialwissenschaftliche Perspektive, in der der Mensch in das Zentrum der Betrachtung rückt. Das Interesse richtet sich hierbei, wie bereits erwähnt, auf die jeweiligen Akteure und ihre konkreten Handlungen. Naturrisiken werden dieser Auffassung nach durch Wahrnehmungs-, Bewertungs- und Handlungsprozesse vom Menschen selbst geschaffen. MÜLLER-MAHN (2007: 6) schreibt: „Aus konstruktivistischer Perspektive hingegen manifestieren sich Risiken erst durch gesellschaftliches Handeln.“. Risiko wird in diesem Zusammenhang mit einem Wagnis gleichgesetzt und ist damit nicht so negativ konnotiert, wie in den objektivistischen Ansätzen. Der Mensch lässt sich bewusst auf die Naturgefahr ein, um einen bestimmten Zweck zu verfolgen, daher existiert das Sprichwort: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“ (MÜLLER-MAHN 2007: 6). Zusammen- gefasst lässt sich festhalten, das Risiken aus der sozialkonstruktivistischen Perspektive nicht objektiv, sondern stets kulturabhängig sind (ebd. 2ff.).

4 Cultural Theory of Risk

Nachdem der Begriff des Risikos, insbesondere des Naturrisikos, erläutert wurde soll im Folgenden die Cultural Theory of Risk, in seltenen Fällen auch als Kulturtheorie der Risikowahrnehmung bezeichnet, vorgestellt werden. Diese grundlegende soziologische Theorie verknüpft die Konzepte des Risikos und der Kultur theoretisch miteinander. Die Begründer dieser Theorie, sind Mary Douglas und Aaron Wildavsky (SCHUH 2005: 73). Aaron Wildavsky (1930-1993) (Abb. 1) war ein amerikanischer Politikwissenschaftler, der seinen Doktortitel im Jahr 1958 an einer der renommiertesten Universitäten der Welt machte, der Yale University im amerikanischen Connecticut. Im Anschluss war er an der University of California Berkeley tätig (GETCITED 2006: o.S.).

Mary Douglas (Abb. 2) lebte von 1921 bis 2007 und war eine bedeutende britische Sozialanthropologin. In ihrem Hauptwerk „Purity and Danger - An Analysis of the Concepts of Pollution and Taboo“ aus dem Jahr 1966, untersuchte Douglas das Verhältnis zwischen Schmutz, Glauben, Verunreinigung und Hygiene. Anregung für dieses Werk fand Douglas bei ihrer Arbeit mit dem afrikanischen Lele-Volk. Dieses Buch erlangte auch außerhalb der Anthropologie einen weitreichenden Einfluss und wurde in fünfzehn Sprachen übersetzt. Zudem galt Douglas´ Interesse auch der westlichen Gesellschaft, indem sie die Risikowahrnehmung dieser und den Umweltschutz untersuchte. In diesem Zusammenhang entstand auch das gemeinsame Werk mit Aaron Wildavsky „Risk and Culture“, in dem es um die Cultural Theory of Risk geht, die in den folgenden Unterkapiteln näher erläutert werden soll (THE TIMES 2007: o.S.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Aaron Wildavsky (1930-1993) Abb. 2: Mary Douglas (1921-2007) (aus: QUOTATIONSSOURCE 2010: o.S.) (aus: SEMIOTICON 2005: o.S.)

4.1 Entstehungshintergründe der Theorie

Das Themenfeld des Risikos und insbesondere der Risikowahrnehmung beschäftigte die Wissenschaftler und die Politik bereits seit den 1970er Jahren. Die frühen Studien über die Risikowahrnehmung waren vor allem durch die analytische Trennung zwischen dem „objektiven Risiko“ und dem „wahrgenommenen Risiko“ geprägt. Die Sozialwissenschaftler stellten wenig später heraus, dass die Wahrnehmung von Risiko durch ein Individuum, nicht isoliert von der sozialen Welt betrachtet werden kann, sondern stets in diese integriert ist. In diesem Zusammenhang war die Arbeit der Sozialanthropologin Mary Douglas von großer Bedeutung. Douglas beschäftigte sich zuvor über einen Zeitraum von 15 Jahren mit dem Zusammenhang zwischen dem Risiko und der Kultur und wich somit vom technisch- objektivistischen Verständnis der Risikoproblematik ab (BOHOLM 1996: 64f.).

Die Grundlage für die Cultural Theory of Risk bildeten Douglas´ Beobachtungen zur Risikowahrnehmung in afrikanischen Kulturen, insbesondere die des Lele-Volkes in der heutigen Demokratischen Republik Kongo (dem damaligen belgischen Kongo). Die Studien auf dem afrikanischen Kontinent und die Beobachtung der Philosophie und der Einrichtungen dieses Volkes beeinflussten ihre gesamten späteren Arbeiten. Unter diesem Einfluss wandte Mary Douglas sich zunächst dem Verhältnis zwischen Glauben und sozialer Organisation zu und verfasste 1966 ihr erstes Werk zu dieser Problematik, das bereits angesprochene „Purity and Danger - An Analysis of Concepts of Pollution and Taboo“. Vier Jahre später folgte eine Veröffentlichung mit dem Titel „Natural Symbols“. Zusammen mit Aaron Wildavsky entstand schließlich im Jahr 1982 das Werk „Risk and Culture“, das sich direkt aus „Purity and Danger“ ableitete. Hierbei wurde eine Theorie der Risikowahrnehmung entwickelt, die sogenannte Cultural Theory of Risk. Dies war ein Versuch, einen Beitrag zu der damalig aktuellen Debatte um die Wahrnehmung von Risiken zu leisten (SEMIOTICON 2005: o.S.).

Aus ihrer Zeit bei dem afrikanischen Lele-Volk hat Douglas gelernt, dass sich diese Menschen vor der Hexerei ihrer Nachbarn sowie vor dem Blitzeinschlag fürchten, ein sehr seltenes Vorkommnis. Demgegenüber nahmen sie andere Gefahren eher gelassen hin. Vereinfacht gesagt stellte Douglas fest, dass dieses Volk, genauso wie auch andere Menschen, die größte Aufmerksamkeit auf die Gefahren richtet, für die eine andere Person verantwortlich gemacht werden kann, das heißt, die sich dem eigenen Handeln entziehen (ebd.). Daraus wurde geschlussfolgert, dass die Risikowahrnehmung ein sozialer Konstruktionsprozess ist. Douglas und Wildavsky verfolgten letztendlich das Ziel, das Material aus den ethnologischen Studien in Afrika zu systematisieren und daraus schließlich Stereotypen abzuleiten, die Risiko unterschiedlich wahrnehmen (ZWICK & RENN 2008: 86). Das Ergebnis dieser Arbeit stellt das Grid-Group-Modell dar, in dem vier verschiedene Typen benannt werden, die einen jeweils unterschiedlichen Lebensstil verkörpern und aus diesem Grund Risiko differenziert wahrnehmen und auch unterschiedlich bewerten. Dieses ist Gegenstand des Kapitel 4.3.

4.2 Kernaussagen und Ziel der Theorie

Die Grundannahme der Cultural Theory of Risk besagt, dass Konflikte um Risiken nicht in erster Linie vom Wissen über „objektive“ Gefahren oder vom technischen Wissen über Risikoquellen abhängen, sondern sie sind auf soziokulturell geprägte Deutungsmuster zurückzuführen. Durch die kulturelle Prägung fürchten sich Individuen vor allem vor den Dingen, die die Aufrechterhaltung des eigenen Lebensstils bzw. der eigenen Kultur gefährden könnten (ZWICK & RENN 2008: 86). DOUGLAS & WILDAVSKY (1993: 120f.) beschreiben die forschungsleitende Prämisse der Cultural Theory of Risk wie folgt: „dass jede Gesellschaftsform ihre eigene Sichtweise der natürlichen Umwelt hervorbringt, … die ihre Auswahl aufmerksamkeitsrelevanter Gefahren beeinflusst … jede Form des sozialen Lebens hat ihre eigene typische Risikostruktur. Gemeinsame Werte führen zu gemeinsamen Ängsten … Diese kulturelle Voreingenommenheit ist ein integraler Bestandteil jeder sozialen Organisation.“. Somit durchläuft die Risikowahrnehmung stets einen sozialen Filterungs- prozess und ist in die unterschiedlichen kulturellen Prägungen eingebettet, aus denen die Gesellschaft besteht. Aus diesem Grund muss das Risiko immer in das Verhältnis zum sozialen Kontext der Person gesetzt werden, die dieses wahrnimmt (WEICHSELGARTNER 2002: 44ff.).

Die Cultural Theory of Risk besagt weiterhin, dass eine Gesellschaft stets auf dem Zusammenspiel von Selbstbewusstsein und Angst basiert. Die Angst der Menschen vor Risiken und auch das Selbstbewusstsein diesen trotzdem zu begegnen, wird durch das verfügbare Wissen sowie den Charakter des Einzelnen geprägt. Dementsprechend steuern die sozialen, handlungsbestimmenden Prinzipien die Einschätzung von Risiken. Es wird eine Differenzierung vorgenommen zwischen Gefahren, die am stärksten gefürchtet werden sollten, Risiken, die ein Mensch nicht eingehen sollte und denen, die beruhigt in Kauf genommen werden können. Aus diesen Aussagen lässt sich eine weitere zentrale Annahme der Cultural Theory of Risk ableiten. Diese geht davon aus, dass jede Gesellschaftsform ihren eigenen selektierten Blick auf die natürliche Umwelt herstellt. Diese Perspektive beeinflusst letztendlich die Wahrnehmung von Gefahren. Somit legt jede Kultur für sich selbst fest, was sie als normal oder natürlich definiert. Wie bereits in der forschungsleitenden Prämisse deutlich wurde, führen gemeinsame Werte dementsprechend zu gemeinsamen Ängsten. So kann in einer Gesellschaft ein Risiko aufgrund von Unsicherheit gemieden werden, während diese Unsicherheit in einem anderen kulturellen Kontext der Grund dafür sein kann, dasselbe Risiko einzugehen (DOUGLAS & WILDAVSKY 1983: 6ff.).

Nach WILDAVSKY & DAKE (1990: 167) ist die ausgewählte Beachtung von Risiken und die „Vorliebe“ bestimmte Risiken einzugehen bzw. zu vermeiden von der kulturellen Neigung eines Individuums abhängig. Diese kulturelle Neigung bzw. Einstellung eines Menschen wird in der Literatur als cultural bias bezeichnet (ebd.). Es lässt sich festhalten, dass die Risikowahrnehmung eine selektive Beachtung einiger Gefahren und die Ignoranz anderer ist. Die Cultural Theory of Risk hat sich die Frage „Who fears what and why?” (SCHUH 2005: 74) zum zentralen Forschungsschwerpunkt ihrer Arbeit gemacht. Die Theorie verfolgt somit das Ziel, die Wahrnehmung der Welt durch den Menschen sowie das Handeln in ihr zu erklären. Es wird die Behauptung aufgestellt, dass das Wahrnehmen und Handeln in erster Linie durch soziale Aspekte und die Zugehörigkeit zu kulturellen Gruppen bestimmt wird. Die Grundlage der Cultural Theory of Risk bildet das Grid-Group-Modell, das nun im folgenden Kapitel näher beleuchtet werden soll (OLTEDAL et al. 2004: 17).

4.3 Das Grid-Group-Modell

Im Grid-Group-Modell werden vier verschiedene Lebensstile bzw. Lebensarten dargestellt. Jeder dieser einzelnen Lebensstile kann mit einer spezifischen Sozialstruktur und einer bestimmten Sichtweise von Risiko in Verbindung gebracht werden. Wie die Abbildung drei verdeutlicht, besteht dieses Modell von Mary Douglas und Aaron Wildavsky aus einer Vierfeldertafel, die von den beiden Dimensionen Grid und Group aufgepannt wird (ZWICK & RENN 2008: 86).

Die Grid-Achse verkörpert die Strenge der sozialen Ordnung und die damit einhergehende Beschränkung der Handlungsfreiheit. Ein hoher Grid-Wert bedeutet demzufolge, dass ein Individuum in seinen Handlungen stark eingeschränkt ist. Der Ausdruck Group steht für das Maß der Sozialintegration, das heißt der Group-Wert beschreibt, wie stark ein Individuum in die zusammenhängenden sozialen Einheiten eingebunden ist und inwiefern es sich mit diesen identifizieren kann. Eine starke Gruppeneinbindung ist bei einem hohen Group-Wert gegeben.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Kulturelle Konstruktion von Naturrisiken
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Geographie)
Veranstaltung
Geo- und Humanökologie
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
21
Katalognummer
V262896
ISBN (eBook)
9783656514107
ISBN (Buch)
9783656513889
Dateigröße
652 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kulturelle, konstruktion, naturrisiken
Arbeit zitieren
Tina Geitz (Autor), 2012, Kulturelle Konstruktion von Naturrisiken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262896

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