Hürdenlauf: realisierbare Disziplin oder utopischer Gedanke innerhalb des Schulsports?


Hausarbeit, 2013

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung.

2. Der Hürdenlauf
2.1 Geschichtliche Abhandlung und Regelkunde.
2.2 Ausführungsmerkmale der Technik.
2.3 Notwendige Voraussetzungen der Athleten.

3. Vermittlungsmöglichkeiten in der Schule.
3.1 Technikorientierte Teillernmethode.
3.2 Rhythmusorientierte Teillernmethode.

4. Umsetzbarkeit in der Schule.
4.1 Differenzierung der Schulformen.
4.2 Kongruenz curricularer Vorgaben.

5. Fazit

6. Literatur und Quellen.

7. Anhang.

A (Hürden-ABC)

B (Lauf-ABC)

1. Einleitung

Die folgende Hausarbeit befasst sich zentral mit dem Thema Hürdenlauf. Hierbei wird vor allem der Bezug zur Schule im Vordergrund stehen. In diesem Zusammenhang soll die folgende Fragestellung beantwortet werden:

Stellt der Hürdenlauf eine Sportdisziplin dar, die geeignet für die Vermittlung in Schulen ist und wenn dem so ist, wie kann sie dort umgesetzt werden?

Um dieser Zielsetzung gerecht zu werden, wird zunächst der Hürdenlauf als Sportart näher analysiert. Hierbei werden sowohl die geschichtliche Entwicklung und die Technikmerkmale, als auch Voraussetzungen, die an die Athleten gestellt werden, detailliert betrachtet. Vor allem wird in diesem Zusammenhang deutlich, ob der Hürdenlauf mit seinen Ansprüchen überhaupt geeignet ist, um in Schulen thematisiert zu werden. Auch den Unterschieden zwischen den diversen Schulformen wird an dieser Stelle Rechnung getragen, da nicht pauschalisiert ausgesagt werden kann, Hürdenlauf ist- oder ist nicht für die Schule geeignet.

In einem zweiten Schritt werden Überlegungen angestellt, mittels welcher Methoden vorgegangen werden kann, um den Hürdenlauf schülerinnen- und schülerfreundlich zu vermitteln. Dies geschieht mit der Zielsetzung, den SuS, trotz meist heterogener Klassenkonstellationen und individueller Voraussetzungen, Erfolgserlebnisse zu ermöglichen, die die Motivation und den Spaß an der Bewegung fördern. Hierbei wird das Augenmerk vor allem auf einer Methode, jedoch in Verbindung mit zwei Ausprägungen liegen. Die „Technik-Taktik-Methode“ stellt hierbei das grundsätzliche methodische Vorgehen dar, welches in seiner Ausprägung entweder „technikorientiert“ oder „rhythmusorientiert“ als Teillernmethode erfolgen kann.

Der letzte Aspekt der Beachtung findet, sind die curricularen Vorgaben innerhalb der verschiedenen Schulformen und die hiermit verbundene Möglichkeit, den Hürdenlauf in Einklang mit dem Lehrplan zu bringen. Anhand des Ergebnisses wird deutlich werden, ob diese Disziplin überhaupt konkrete Chancen hat, erfolgreich in den Unterricht implementiert und umgesetzt zu werden.

Den Abschluss der Hausarbeit markiert ein Fazit, dass die Ergebnisse nochmals aufgreift, kurz zusammenfasst und zu einem finalen Ergebnis, das Auskunft über Eignung und Umsetzbarkeit des Hürdenlaufs für die Schule gibt, verdichtet.

2. Der Hürdenlauf

Innerhalb dieses ersten Kapitels wird zunächst eine kurze geschichtliche Darstellung, einhergehend mit einer knapp ausgeführten Regelkunde, erste nähere Einblicke in diese Sportart ermöglichen. Im Anschluss werden sowohl die Technikmerkmale, als auch die notwendigen körperlichen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Hürdenlauf, aufgezeigt. Dies hat in erster Linie zum Ziel, darzustellen, ob die Umsetzung dieser doch eher als komplex zu bezeichnenden Leichtathletik-Disziplin in der Schule theoretisch möglich ist.

2.1 Geschichtliche Abhandlung und Regelkunde

Der Hürdenlauf ist heute vor allem durch die Olympischen Spiele bekannt. Erstmalig fand er dort 1896 statt. Seit dem ist diese Disziplin ein fester Bestandteil des olympischen Programms.

Doch bereits wesentlich früher, um 1830, fanden in England die ersten Hürdenläufe statt. [1] Dabei galt noch ein völlig anderes Regelwerk, ebenso wie die Utensilien mit den Heutigen nicht zu vergleichen waren. Zu damaliger Zeit wurden auf einer 100-Yard-Strecke hölzerne Barrieren aufgestellt, die überquert werden mussten. Erst im Jahr 1864 wurden in Oxford und Cambridge die ersten „Standards“ festgelegt (Männer) : [2]

1. Streckenlänge 120 Yards (109,72 Meter)
2. 10 Hürden auf der Streckenlänge verteilt
3. Höhe der Hürden 1,06 Meter (in Deutschland bis 1907 1,00 Meter, danach ebenfalls 1,06 Meter)
4. Erste Hürde nach 13,72 Metern
5. 9 Zwischenräume mit jeweils 9,14 Metern
6. Schlussabschnitt 14,02 Meter
7. Läufer die bis 1935 drei Hürden umstießen wurden disqualifiziert (gilt heute nicht mehr, vorausgesetzt das Umstoßen geschieht unabsichtlich)
8. Gestartet wird aktuell aus dem Tiefstart

Diese Regeln hatten bis in das Jahr 1888 bestand. Bei Wettkämpfen in Frankreich wurde die Distanz geändert. Die 109,72 Meter wurden auf 110 Meter aufgerundet. In den folgenden Jahren veränderte sich lediglich die Form der Hürden, um Verletzungsrisiken zu minimieren. Aus diesem Grund wurden 1895 die massiven Holzkonstruktionen durch die leichtere T-Variante abgelöst, die wiederum 1935 durch die auch heute noch aktuelle L-förmige Hürde ersetzt wurde, die wesentlich leichter nach vorn umzustoßen ist, als die bisherigen Bauarten.

Zwischen Frauen und Männern bestehen bei der Ausübung dieser Sportart jedoch deutliche Unterschiede. Die Frauen müssen eine Distanz von 100 Metern, bei einer Hürdenhöhe 83,82 Zentimetern überwinden. Die Abstände zwischen den Hürden bzw. vor der ersten und nach der letzten Hürde sind dementsprechend angepasst.

Des Weiteren ist anzuführen, dass der Hürdenlauf auch über eine Distanz von 400 Metern stattfindet. In diesem Fall reduziert sich die Hürdenhöhe der Männer auf 91,44 Zentimeter und die der Frauen auf 76,20 Zentimeter. Dennoch ist die Anzahl der Hürden geschlechterübergreifend gleichbleibend bei 10 Stück. Des Weiteren sind zweierlei Aspekte erwähnenswert, zum einen, dass der Hürdenlauf der Frauen erst ab dem Jahr 1969 bei offiziellen Wettkämpfen stattfindet, zum anderen, dass er eine sehr lange Historie aufweist, was die Frage aufwirft, warum diese Disziplin aktuell in Schulen nur selten umgesetzt wird. Abschließend ist anzumerken, dass die im Jahr 1900 angewendete Technik des Olympiasiegers Alvin Kraenzlein noch heute die Standardtechnik im Hürdenlaufen darstellt. Warum diese Technik über einen so langen Zeitraum als die effektivste Art der Hürdenüberquerung angesehen wird, wird die Analyse der Technikmerkmale im folgenden Kapitel zeigen.

2.2 Ausführungsmerkmale der Technik

Der folgende Teil der Arbeit dient der genauen Erfassung von technischen Details der Bewegungsausführung. Durch die hierbei gewonnen Erkenntnisse lassen sich in einem anschließenden Schritt Rückschlüsse auf Voraussetzungen der Athleten ziehen.

Um die Bewegungsanalyse möglichst genau vornehmen zu können, wird die Gesamtbewegung zunächst in Einzelteile zerlegt und diese getrennt voneinander betrachtet. In diesem Zusammenhang wird zeitgleich auf die häufigsten Fehler innerhalb der verschiedenen Phasen hingewiesen, die in der Regel zu einem Misslingen des Hürdenlaufs führen.

Bewegungsphasen: [3]

1. Start und Antritt bis zu ersten Hürde (Tiefstart)
2. Der Hürdenschritt
a. Stützphase I
b. Flugphase
c. Stützphase II (Landephase)
3. Der Lauf zwischen den Hürden (Zwischenhürdenlauf)
4. Lauf nach der letzten Hürde (Zieleinlauf)
5. Die Armarbeit während des Hürdenschritts
a. Einarm- oder Wechselschwungtechnik
b. Doppelarmtechnik

In der ersten Phase (Start und Antritt) versucht der Läufer sowohl eine möglichst hohe Geschwindigkeit, als auch eine optimale Abdruckposition vor der ersten Hürde zu erreichen. Um dies zu ermöglichen, richtet sich der Läufer, im Gegensatz zu einem Sprinter, nach dem Start aus den Blöcken kontinuierlich auf, um zirka nach dem vierten oder fünften Schritt die aufrechte Position zu erlangen. Die unten stehende Grafik verdeutlicht den Ablauf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Phasen im Hürdenlauf (Startphase)

Quelle: Bauersfeld, Karl Heinz & Schröter, Gerd [1998] : Grundlagen der Leichtathletik –Das Standardwerk für Ausbildung und Praxis, 5. Auflage, Sportverlag, S. 152 f.

In der Regel benötigen Hürdenläufer lediglich sieben oder acht Schritte bis zur ersten Hürde, da die Schrittlänge mit steigender Geschwindigkeit zunimmt. Die häufigsten Fehler in der Startphase liegen in einer zu geringen Beschleunigung und einem zu frühen Aufrichten des Körpers. Beide Aspekte resultieren in einer zu geringen Geschwindigkeit, die dazu führt, dass ein technisch sauberer Hürdensprint mit Dreischrittrhythmus nicht bewältigt werden kann.

Ist die Startphase beendet und der Läufer erreicht den Abdruckpunkt vor der ersten Hürde, tritt er in die zweite Phase (Hürdenschritt) ein. Zur Verdeutlichung dient die folgende Abbildung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Phasen im Hürdenlauf (Hürdenschritt)

Quelle: Bauersfeld, Karl Heinz & Schröter, Gerd [1998] : Grundlagen der Leichtathletik –Das Standardwerk für Ausbildung und Praxis, 5. Auflage, Sportverlag, S. 152 f.

Erfahrene Hürdenläufer setzen ca. 2,20 Meter vor der Hürde mit dem Fußballen des Nachzieh- bzw. Abdruckbeins auf, um den Absprung einzuleiten (Stützphase I). Dieser relativ groß wirkende Abstand zur Hürde ist notwendig, damit ausreichend Platz zur Verfügung steht das Schwungbein in eine gestreckte Haltung innerhalb der Flugphase zu bringen. Die Ferse berührt hierbei nicht den Boden. Der Abdruck erfolgt nach vorn-oben, wobei zeitgleich Arme und Schultern angehoben werden. Die häufigsten Fehler in dieser Phase sind zum einen das zu nahe Aufsetzen des Absprungbeins vor der Hürde, was zu einem Ausweichen des Schwungbeins zur Seite, oder einer zu steilen Sprungkurve über die Hürde führt, sowie das Aufsetzen mit der Ferse des Absprungbeins während des Absprungs. Die genannten Fehler führen in der Regel dazu, dass der Laufrhythmus nicht gehalten werden kann, da der Läufer sich nach der Landung hinter der Hürde in keine gute Ausgangsposition für den weiteren Sprint bringen kann (bspw. zu starkes Einknicken der Beine durch zu starke Gewichtsbelastung durch den Körper, als Folge des zu steilen Absprungwinkels).

Die Flugphase ist markiert durch einen nach vorn gebeugten Rumpf, ein gestrecktes Schwungbein sowie eine frontale Ausrichtung der Hüft- und Schulterachse zur Laufrichtung. Des Weiteren wird der gegenüberliegende Arm des Schwungbeins nach vorn Richtung Fußspitze des Schwungbeins geführt (Bsp. wenn linkes Bein Schwungbein ist, dann vorführen des rechten Armes zu dessen Fußspitze innerhalb der Flugphase). Diese Bewegung unterstützt nochmals die Rumpfbeugung. Ist die Hürdenkante mit dem Knie des Schwungbeins erreicht, wird es aktiv und nach unten gedrückt. Bis zu diesem Zeitpunkt wird das Sprungbein zurückgehalten. Sobald das Knie die Kante passiert hat, wird das Sprungbein schnell und ohne Unterbrechung nach vorn

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Der Hürdenschritt

Quelle: Wollny, Rainer; Wastl, Peter [2012] : Leichtathletik in Schule und Verein – ein praktisches Handbuch für Lehrer und Trainer, Hofmann GmbH & Company KG, Schorndorf – Stuttgart, S. 12.

gebracht. Hierbei ist der Oberschenkel annähernd waagerecht abzuspreizen. Diesen Vorgang veranschaulicht die folgende Darstellung.

Im weiteren Bewegungsverlauf des Sprungbeins wird das Knie geradlinig nach vorn-oben bis vor die Brust gezogen und dann ebenfalls aktiv Richtung Boden geführt. Die Flugphase stellt den Bereich mit dem größten Fehlerpotenzial dar. Die häufigsten Fehler sind in diesem Zusammenhang:

-Schwungbein wird nicht aktiv nach unten gedrückt
-Einsatz der Nachziehbeinbewegung kommt zu früh. Die Hürde wird übersprungen anstatt überlaufen
-Nachziehbein wird zu wenig abgespreizt
-Oberkörper ist über der Hürde zu stark aufgerichtet
-Läufer schaut auf den Boden nicht auf die nächste Hürde

Einige dieser Fehler werden auf dem folgenden Bild nochmals verdeutlicht.

Abb. 4: Fehler beim Hürdenschritt

Quelle: Wollny, Rainer; Wastl, Peter [2012] : Leichtathletik in Schule und Verein – ein praktisches Handbuch für Lehrer und Trainer, Hofmann GmbH & Company KG, Schorndorf – Stuttgart, S. 12.

Die Landung markiert das Ende des Hürdenschritts (Stützphase II). Hierbei wird auf dem Fußballen des Schwungbeins ca. 1,45 Meter hinter der Hürde (bei erfahrenen Hürdenläufern) gelandet und der Oberkörper des Läufers ist leicht nach vorn gebeugt, was das schnelle Weitersprinten begünstigt. In diesem Zusammenhang ist zu bemerken, dass ein starkes Einknicken des Schwungbeins bei der Landung unbedingt zu vermeiden ist, da dies das kontrollierte Weitersprinten stark erschwert, ebenso wie eine Rücklage des Oberkörpers. Abschließend zu dieser Phase ist zu bemerken, dass der Blick des Hürdensprinters während des Landevorgangs zur nächsten Hürde gerichtet ist, da der Kopf als Führungsorgan fungiert und somit ein abgesenkter Kopf zu Geschwindigkeitseinbußen oder kurzzeitigem Orientierungsverlust führen kann.

[...]


[1] Vgl. Engler, R. [2011] : S. 65

[2] Vgl. Fürch, N. [2010] : S. 6

[3] Vgl. Kruber, D. / Fuchs, E. [1981] : S.73 ff.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Hürdenlauf: realisierbare Disziplin oder utopischer Gedanke innerhalb des Schulsports?
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V262933
ISBN (eBook)
9783656519546
ISBN (Buch)
9783656519096
Dateigröße
620 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hürdenlauf, disziplin, gedanke, schulsports
Arbeit zitieren
M.ed Maris Bostelmann (Autor), 2013, Hürdenlauf: realisierbare Disziplin oder utopischer Gedanke innerhalb des Schulsports?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262933

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