Die Lebenssituation von Mädchen und Frauen mit Behinderung in Deutschland


Essay, 2013
12 Seiten, Note: 1.3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung „Geschlechterforschung in der Sonderpädagogik“ von Vera Moser

1. Einleitung

2. Lebensbedingungen behinderter Mädchen und Frauen
2.1 Rehabilitation
2.2 Sexuelle Gewalt
2.3 Mutterschaft

3. Fazit

4. Quellen

Zusammenfassung „Geschlechterforschung in der Sonderpädagogik“ von Vera Moser

In dem 1999 von Barbara Rendtorff und Vera Moser herausgegeben Buch mit dem Titel „Geschlecht und Geschlechterverhältnisse in der Erziehungswissenschaft. Eine Einführung“, befasst sich Prof. Dr. Vera Moser gesondert mit der Thematik der „Geschlechterforschung in der Sonderpädagogik“ [1]. Sie beginnt damit die Kritik zu äußern, dass der Geschlechterperspektive innerhalb der Sonderpädagogik seit der 80er Jahre zwar eine zunehmende Bedeutung zukommt, sie in ihren zentralen Lehr-und Forschungsgebieten jedoch keine Berücksichtigung findet. Die Grundzüge deutscher Geschlechterforschung in der Sonderpädagogik stellt sie in ihrem Text mithilfe der Betrachtung der Lebensbedingungen behinderter Frauen, geschlechterabhängigen institutionellen Sozialisationsbedingungen, sowie der Theoriebildung zu Behinderung und Geschlecht dar. In allen drei Bereichen verweist sie auf ihre These, dass die Überzeugung von doppelter Diskriminierung behinderter Frauen durchgängig zentraler Gegenstand innerhalb der Thematik ist. Auch äußert sie die Kritik, dass die Geschlechterforschung in diesem Kontext noch nicht ausreichend empirisch abgesichert sei und verweist auf zahlreiche Veröffentlichungen, bei denen sich Überarbeitungs- oder Anschlussmöglichkeiten ergeben.

1. Einleitung

Die Rechte der Frauen, sowie ihr Bild in der Gesellschaft haben sich in Deutschland im 21. Jahrhundert im Vergleich zu vorherigen Zeiten stark verändert und einen positiven Wandel genommen. Dennoch gibt es nach wie vor gezielte Benachteiligungen und Diskriminierungen gegenüber Frauen, die bei Männern nicht oder nur sehr selten zu finden sind. So verdienen beispielsweise Frauen in manchen Berufen immer noch nicht das gleiche wie ihre männlichen Kollegen. Sie sind in Führungsposten nach wie vor unterrepräsentiert. Oft müssen sie mehr leisten um die gleiche Anerkennung zu erreichen, vor allem in sogenannten „Männerberufen“. Weiterhin kommt dem Frauenfußball ein weitaus geringeres Interesse als dem Männerfußball zu. Auch werden ihre Handlungen und Verhaltensweisen gesellschaftlich anders gewertet. Wechselnde Geschlechtspartner beispielsweise gelten bei Männern als normal, bei Frauen als höchst verwerflich. Des Weiteren erledigen Frauen immer noch zu einem Großteil die im Haushalt anfallenden Arbeiten, da diese gesellschaftlich in ihre alleinige Zuständigkeit eingeordnet werden. Darüber hinaus betrifft Armut strukturell bedingt zu einem viel höheren Anteil Frauen und auch im medizinischen Bereich werden Benachteiligungen bemerkbar [2]. So werden Medikamente oft nur an Männern getestet, obwohl Frauen noch einmal ganz anders darauf reagieren. Sie werden oft mit ihren Beschwerden nicht so ernst genommen wie Männer. Zumal sich bestimmte Krankheitsbilder bei ihnen in anderer Form mit anderen Symptomen darstellen. Ein weiterer Fakt, der auch später noch einmal aufgegriffen wird, ist die Tatsache, dass Frauen viel häufiger unter körperlicher und sexueller Gewalt zu leiden haben. So müssen sogar extra Schutzeinrichtungen für sie errichtet werden, wie Frauenhäuser oder Frauenparkplätze. Es lässt sich also kaum bestreiten, dass es viele Dinge gibt, die für Mädchen und Frauen Einschränkungen und Benachteiligungen darstellen. Auch dadurch, dass gesellschaftlich von einer „guten“ Frau ein bestimmtes Verhalten erwartet wird. So gilt zu sagen, dass die praktische Umsetzung der Gleichstellung von Frauen und Männern oft nicht mit der theoretischen Erkenntnis Schritt hält.

Ist eine Frau nun aber behindert, sind ihre Einschränkungen bei der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben erheblich größer- nicht nur gegenüber nichtbehinderten Männern (und Frauen), sondern auch gegenüber behinderten Männern. Wie sich das auf das Leben betroffener Mädchen und Frauen auswirkt, soll im Folgenden thematisiert werden.

2. Lebensbedingungen behinderter Mädchen und Frauen

Viele veröffentlichte Werke, die sich mit der Benachteiligung von Frauen beschäftigen, sprechen von einer „doppelten Diskriminierung“, sofern sich die ja schon ökonomisch verursachte Benachteiligung unter der Bedingung einer Behinderung zusätzlich verschärft [3]. Diese doppelte Diskriminierung wirkt sich in vielen verschiedenen Lebensbereichen von behinderten Frauen aus.

In einer Studie kommt Ulrike Schildmann zu dem Ergebnis, dass Frauen auffallend eher schlechter bezahlte Berufe zur Verfügung stehen und sich dieses Phänomen unter der Gegebenheit von Behinderung nochmals verstärkt [4]. Unverheiratete behinderte Frauen haben somit vermehrt Schwierigkeiten ihren Lebensunterhalt allein zu sichern und sind deshalb öfter auf Sozialhilfe angewiesen und von Armut betroffen. Eine Analyse zur Lebenssituation von Mädchen und jungen Frauen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Behinderungen hat ergeben, dass Frauen mit Behinderungen vergleichsweise in allen Altersstufen gegenüber Männern mit Behinderungen eine wesentlich geringere Erwerbsquote haben, welche sich im Vergleich zu Frauen ohne Behinderung nochmals stark verringert [5]. Bei arbeitslosen Frauen mit Behinderung kann zudem von „doppelter Isolation“ [6] gesprochen werden, da sie aufgrund der Arbeitslosigkeit ohnehin schon Einschränkungen in der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erfahren und durch ihre Behinderung eine zusätzliche Isolation. Ein weiterer wichtiger Punkt, der Frauen mit Behinderung im besonderen Maße betrifft, sind die gewissen ästhetischen Normen, die Frauen von der Gesellschaft zugeschrieben werden. Haben sie nun äußerlich sichtbare Behinderungen, so ist es also besonders schwierig für sie, die Norm zu erfüllen. Des Weiteren wirkt sich der Drang durch die Gesellschaft, eine Ehe zu schließen und Kinder zu gebären bei Frauen mit Behinderungen eher gegenteilig aus, da ihnen oft nicht zugetraut wird, trotz Einschränkungen eine gute Mutter zu sein und ihre Kinder zu versorgen, was unter Anbetracht der hohen Arbeitslosenquote in dieser Gruppe wohl leider auch berechtigte Hintergründe hat. Sie sind auch viel häufiger ledig als Frauen ohne Behinderung. Eine Studie des Bundesfamilienministeriums ergab, dass vor allem Frauen, die in Einrichtungen leben, im Vergleich deutlich seltener über qualifizierte Schul- und Berufsausbildungen verfügen und häufiger unverheiratet und kinderlos sind [7].

[...]


[1] Rendtorff, Barbara/ Vera Moser (Hrsg.) „Geschlechterforschung in der Sonderpädagogik“ In

Geschlecht und Geschlechterverhältnisse in der Erziehungswissenschaft. Leske+ Budrich,

Opladen. 1999. S. 247-263

[2] Lebenssituation und Belastung von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland“. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. 2012

[3] Vgl s. Rendtorff, Barbara/ Vera Moser (Hrsg.) „Geschlechterforschung in der Sonderpädagogik“ In

Geschlecht und Geschlechterverhältnisse in der Erziehungswissenschaft. Leske+ Budrich,

Opladen. 1999. S. 249

[4] Schildmann, Ulrike. „Lebensbedingungen behinderter Frauen“. Gießen. 1983

[5] „Zur Lebenssituation von Mädchen und jungen Frauen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Behinderungen. Bedarfsanalyse für Seminare zur Selbstbehauptung und zur Berufsorientierung anhand eines Modellprojektes an der Ernst-Barlach-Realschule in München“, S.26

[6] Vgl s. Rendtorff, Barbara/ Vera Moser (Hrsg.) „Geschlechterforschung in der Sonderpädagogik“ In

Geschlecht und Geschlechterverhältnisse in der Erziehungswissenschaft. Leske+ Budrich,

Opladen. 1999. S. 250

[7] „Lebenssituation und Belastung von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland“. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. 2012, S.14

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Lebenssituation von Mädchen und Frauen mit Behinderung in Deutschland
Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Stendal
Note
1.3
Autor
Jahr
2013
Seiten
12
Katalognummer
V262940
ISBN (eBook)
9783656514824
ISBN (Buch)
9783656514718
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lebenssituation, mädchen, frauen, behinderung, deutschland
Arbeit zitieren
Michelle Zander (Autor), 2013, Die Lebenssituation von Mädchen und Frauen mit Behinderung in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/262940

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