Hauptseminarsarbeit, die sich mit dem Phänomen der Kriminaltelepathie zur Zeit der Weimarer Republik auseinandersetzt und die Position von Gegnern und Befürwortern beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärungen
2. 1 Eine Definition der Kriminaltelepathie
2. 2 Eine Definition für Wissenschaft
3. Eine Einführung in die Situation der Kriminalistik und der Kriminaltelepathie
3. 1 Die Entwicklung der wissenschaftlichen Kriminalistik
3. 2 Das Institut für kriminaltelepathische Forschung in Wien
4. Der Streit im die Wissenschaftlichkeit der Kriminaltelepathie
4. 1 Die okkulte Bewegung und ihre Wahrnehmung
4. 2 Die rechtliche Lage
4. 3 Die Problematik der Entlarvung von Scheinerfolgen
4. 4 Die Position der Befürworter der Kriminaltelepathie
4. 5 Die Position der Gegner der Kriminaltelepathie
4. 6 Deutungsansätze zu der Diskussion um die Kriminaltelepathie
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Debatte um die Kriminaltelepathie in der Weimarer Republik im Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichem Anspruch und dem Vorwurf des Betruges. Dabei wird untersucht, wie Befürworter und Gegner der Methode ihre jeweiligen Standpunkte im zeitgenössischen Kontext legitimierten und welche Rolle der aufkommende Okkultismus sowie die Rolle der Presse in diesem Aushandlungsprozess spielten.
- Wissenschaftlicher Status der Kriminaltelepathie in der Weimarer Republik
- Methodik der Verbrechensaufklärung im Spannungsfeld des Okkultismus
- Die Rolle von Medien und öffentlicher Meinung bei Hellseherprozessen
- Kritische Analyse der Argumentationsmuster von Befürwortern und Kritikern
Auszug aus dem Buch
3. 1 Die Entwicklung der wissenschaftlichen Kriminalistik
Das heutige Tätigkeitsfeld von Kriminalisten umfasst sämtlicher Bereiche der Strafrechtspflege wie Richter, Staatsanwalt, Kriminalbeamter und Kriminaltechniker. Teilweise ist die Kriminalistik unter dem Begriff der „Wissenschaft“ zu subsumieren, sodass sie Merkmale des unter 2. 2 formulierten Wissenschaftsbegriff aufweist: Ebenso wie die Wissenschaft ist die Kriminalistik per se in ihrer diachronen Entwicklung zu betrachten, weshalb ihre Arbeitsweisen, Institutionen und Zielsetzungen je nach Zeit und Raum variieren. Auffällig ist, dass die Kriminalistik eine stark anwendungsbezogene Wissenschaft darstellt. Bedingt durch ihre Komplexität und das Zusammenspiel von verschiedenen Methoden, Akteuren und Institutionen erkennt Becker eine weitere Parallele zwischen der Kriminalistik und der Wissenschaft. Aufgrund ihrer beweisorientierten Systematik erfüllt die wissenschaftliche Kriminalistik zudem eines der idealtypischen Merkmale von Wissenschaft.
Die sogenannte „wissenschaftliche Kriminalistik“, wie sie uns heutzutage geläufig ist, entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte. Der besondere Status der Kriminalistik in der gesellschaftlichen Wahrnehmung wird seit jeher verstärkt durch die Medien. Die Faszination für die literarische Figur des Detektives Sherlock Holmes ist ebenso wie die anhaltende Popularität von Kriminalromanen und Kriminalsendungen in dieser Rubrik zu verorten. Zur Zeit der Weimarer Republik berichteten die Tageszeitungen, welche damals bereits zu Massenmedien avanciert waren, ausführlich über Verbrechen und Prozesse, da derartige Berichte sehr gerne gelesen wurden. Dementsprechend wichtig war die Presse zur Zeit der Weimarer Republik für den Prozess der öffentlichen Meinungsbildung über Angeklagte. Die Presse war ein öffentlicher Raum, in dem nicht nur über die Angeklagten, sondern auch über die Legitimität des Rechtsystems sowie über das Verständnis von Werten diskutiert werden konnte. Die Berichte mussten dabei nicht durchweg politisch oder wissenschaftlich fundiert sein. Ein Großteil des Publikums erfreute sich an unterhaltenden und sensationellen Berichten. Um die Sensationslust des Publikums zu befriedigen, wurden die täglichen Berichte über Verbrechen und Prozesse zuweilen dramatisch ausgeschmückt. Manchmal war die Berichterstattung auch verzerrt und erweckte den Eindruck von kriminalistischer Inkompetenz.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Dilemma der Bewertung okkulter Phänomene in der Weimarer Republik ein und definiert das Forschungsziel sowie die Quellenbasis der Arbeit.
2. Begriffsklärungen: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Grundlage, indem es die Begriffe Kriminaltelepathie sowie einen allgemeinen Wissenschaftsbegriff definiert.
3. Eine Einführung in die Situation der Kriminalistik und der Kriminaltelepathie: Hier wird die historische Entwicklung der Kriminalistik skizziert und das Institut für Kriminaltelepathische Forschung als Versuch einer wissenschaftlichen Institutionalisierung vorgestellt.
4. Der Streit im die Wissenschaftlichkeit der Kriminaltelepathie: Dieses umfangreiche Kapitel analysiert die okkulte Bewegung, die rechtliche Lage, die Problematik von Scheinerfolgen sowie die konträren Positionen von Befürwortern und Gegnern der Kriminaltelepathie.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Auseinandersetzung um die Kriminaltelepathie primär ein Kampf um wissenschaftliche Deutungshoheit und Kompetenz war, ohne dass eine wissenschaftliche Klärung der Phänomene gelang.
Schlüsselwörter
Kriminaltelepathie, Weimarer Republik, Okkultismus, Wissenschaftsgeschichte, Strafrechtspflege, Hellseherprozesse, Betrugsvorwurf, Albert Hellwig, Ubald Tartaruga, Erik Jan Hanussen, Parapsychologie, Credibility Contest, Kriminalistik, Beweisführung, Öffentliche Meinung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die Kontroverse um die sogenannte Kriminaltelepathie in der Weimarer Republik und analysiert, wie versucht wurde, diese Methode wissenschaftlich zu legitimieren oder als Betrug zu entlarven.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Kriminalistik, der gesellschaftlichen Bedeutung des Okkultismus in den 1920er Jahren, den rechtlichen Rahmenbedingungen der Zeit und der Rolle der Presse bei der öffentlichen Meinungsbildung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Positionen von Befürwortern und Gegnern der Kriminaltelepathie im Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichem Anspruch und Betrugsvorwürfen zu verorten und zu erklären, warum es zu diesem wissenschaftlichen Machtkampf kam.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer wissenschaftsgeschichtlichen Analyse von zeitgenössischen Quellen, Publikationen von Fachleuten wie Albert Hellwig sowie relevanten Forschungsliteraturen und Aktenberichten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Einführung in die wissenschaftliche Kriminalistik, die Vorstellung des Wiener Instituts für Kriminaltelepathische Forschung sowie eine detaillierte Analyse der Argumente und Konflikte zwischen den beteiligten Akteuren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die wichtigsten Begriffe sind Kriminaltelepathie, Weimarer Republik, Okkultismus, Wissenschaftsgeschichte, Credibility Contest und Strafrechtspflege.
Welche Rolle spielte der Jurist Albert Hellwig in der Debatte?
Hellwig fungierte als einer der vehementesten Gegner der Kriminaltelepathie. Er forderte eine professionelle wissenschaftliche Einstellung, forderte die Eliminierung von Fehlerquellen und kritisierte die Verwendung von Hellsehern bei der Verbrechensaufklärung.
Wie endete der Prozess gegen den berühmten Hellseher August Christian Drost?
Drost wurde freigesprochen, da die Gutachter ihm keine böswillige Absicht unterstellen konnten, was von seinen Anhängern wiederum als Bestätigung für die tatsächliche Existenz seiner telepathischen Fähigkeiten interpretiert wurde.
- Citar trabajo
- Verena Caroline Wernet (Autor), 2013, Die Kriminaltelepathie zur Zeit der Weimarer Republik. Zwischen wissenschaftlichem Anspruch und Betrugsvorwurf, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263088