Wandel der Internationalen Beziehungen Kubas

Eine deskriptiv-theoretische Analyse der kubanischen Außenbeziehungen mit dem Schwerpunkt auf den Zeitraum von 1959 – 2006


Hausarbeit, 2013

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kubas Phasen der Entwicklung und Verortung in den Internationalen Beziehungen von 1959 – 2006
2.1. Erste Phase 1959 – 1990: Vom nachrevolutionären Kuba bis zum Zusammenbruch der Bipolarität
2.2. Zweite Phase: 1990 – 2006: Strukturkrise und Neuorientierung im internationalen System

3. Theoretische Perspektiven auf die kubanischen Außenbeziehungen
3.1. Neo-Realismus
3.1.1. Anarchie – Sicherheitsstreben – Zweckrationalität – Machtbalance
3.2. Der neorealistische Blick auf Kuba
3.2.1. Die UdSSR als Schutzschild und Existenzsicherheit
3.2.2. Nach der Bipolarität: Amerikas Festhalten am neorealistischen Ansatz
3.3. Liberalismus
3.3.1. Subsystemische Präferenzen–Externalisierung–Bündnisse bei
Deckungsgleichheit
3.4. Der liberale Blick auf Kuba
3.4.1. Mit Chávez zurück zum Sozialismus in Lateinamerika

4. Fazit

1. Einleitung

Die Republik Kuba stellt ein kontroverses und zugleich interessantes Phänomen für die Internationalen Beziehungen dar. Seit der Revolution von 1959 verfolgte die Castro-Regierung nach Jahren der Abhängigkeit und Unterdrückung von den USA den Traum eines unabhängigen Kubas. Doch konnte diese Unabhängigkeit tatsächlich erreicht werden, indem sich Kuba von der größten Weltmacht trennte und gleichzeitig der zweitgrößten Weltmacht hingab? Und wie konnte diese dem Ostblock angehörige sozialistische Insel den Zusammenbruch des bipolaren Weltsystems überleben, während alle anderen Ostblockstaaten transformiert werden mussten? Die folgende Arbeit soll nach einer deskriptiven und theoretischen Analyse eine Antwort auf die gennannten Fragen finden.

In meiner deskriptiven Analyse zeige ich zunächst die historischen Ereignisse auf, die Kubas Außenbeziehungen maßgeblich veränderten. Hierzu teile ich Kubas Geschichte in zwei Phasen auf. Die erste Phase (1959 - 1990) beschreibt den Zeitraum nach der Revolution bis zum Ende des Kalten Krieges. Diese Zeit war geprägt von der revolutionären Politik Fidel Castros, welche sich gegen die Vormachtstellung der USA richtete und durch eine ideologische Umorientierung zur Kooperation mit der UdSSR führte. Die zweite Phase (1990-2006) wird sich auf die Ereignisse nach der Bipolarität bis zum Regierungswechsel von Fidel zu Raul Castro stützen. Dieser Zeitraum wurde beeinflusst durch das Ende der Bipolarität und die damit wegfallenden sowjetischen Hilfeleistungen sowie durch die verschärfte Embargopolitik der USA. Kuba sah sich seiner schwersten Strukturkrise ausgesetzt und war kurz vor dem Zusammenbruch, konnte sich jedoch aufgrund solidarischer Hilfeleistungen aus verschiedenen Ländern und einer intensiven Beziehung zu Venezuela stabilisieren. Ich habe bewusst die Ereignisse unter der Regierung Raul Castros unbeachtet gelassen, da sich bis heute kein signifikanter Wandel, sondern nur Tendenzen aufzeigen lassen. So verfolgt Amerika weiterhin eine restriktive Politik gegenüber Kuba, während Kuba und seine Verbündeten wie Venezuela und die ALBA-Mitgliedsstaaten einer propagandistischen Anti-Amerika-Politik folgen.

Da die Außenbeziehungen Kubas fortwährend durch diverse inner- sowie außerstaatliche Dynamiken geprägt wurden, werde ich in meiner Phasenanalyse drei Faktoren untersuchen, die den Wandel der Internationalen Beziehungen Kubas meines Erachtens beeinflusst haben. Diese nachfolgend genannten Faktoren bedingen sich gegenseitig und sollen dazu dienen, ein

empirisch begründetes Gesamtbild aufzuzeigen:

1. Wirtschaftlich-soziale Faktoren : beschreiben die ökonomischen und gesellschaftlichen Zustände Kubas der jeweiligen Phase und analysieren die Wirkmechanismen anderer Staaten auf diese.
2. Außenpolitische Faktoren: geben Aufschluss über die historischen Verläufe, die zu einem Wandel der Außenbeziehungen Kubas führten.
3. Subsystemische-ideologische Faktoren: beschreiben die Grundzüge der kubanischen Ideologie, welche die Verortung im Internationalen System beeinflusste.

Im zweiten Teil werde ich mit Bezug auf den deskriptiven Teil theoretisch begründete Antworten auf meine Ausgangsfragen finden. Hierzu stütze ich mich auf zwei Theorien der Internationalen Beziehungen: den Neo-Realismus und Liberalismus. Der neorealistische Ansatz soll erklären, warum es nach der Revolution zu einem Wandel der Außenbeziehungen Kubas kam. Nach dem Zusammenbruch des bipolaren Weltsystems verlor der Neorealismus zunehmend an Erklärungskraft, verschwand aber, wie sich in meiner Analyse im Bezug auf die amerikanisch-kubanischen Beziehungen nach der Bipolarität herausstellen wird, nicht ganz. Anhand des liberalen Ansatzes zeige ich für die Zeit ab 1990 mit dem Fokus auf die kubanisch-venezolanischen Beziehungen die Gründe für die Stabilität der kubanischen Regierung auf und werde eine Antwort darauf finden, warum Kuba mehr Einfluss im internationalen Raum gewinnen konnte. Aufgrund der wortzahlmäßigen Limitierung meiner Hausarbeit ist es mir nicht gelungen, noch weitere Theorien als Erklärungshilfe heranzuziehen, weshalb hierauf nicht weiter eingegangen wird.

Im Schlussteil werde ich die wichtigsten Ergebnisse meiner Analyse zusammentragen.

2. Kubas Phasen der Entwicklung und Verortung in den Internationalen Beziehungen von 1959 - 1990

2.1. Erste Phase: Vom nachrevolutionären Kuba bis zum Zusammenbruch der Bipolarität

Das vorrevolutionäre Kuba war geprägt von seiner Abhängigkeit zu den Vereinigten Staaten und den damit einhergehenden ungleichen Handlungsverträgen und -beziehungen. Zirka zwei Drittel des kubanischen Bodens waren im Besitz von amerikanischen Unternehmen. „Sie übernahmen große Zuckerrohr- und Obstplantagen, das Bankwesen und bedeutsame Industriezweige“ (Wulffen 2008: 195). Durch diese monopolistische Stellung der USA gegenüber Kuba breitete sich Armut, Arbeitslosigkeit sowie Unterentwicklung im Land aus.

Nach dem Sturz Batistas im Januar 1959 verfolgten die Revolutionäre das Ziel eines unabhängigen Kubas. Dies gestaltete sich, nach einer zunächst von Optimismus begleiteten Anfangsphase, jedoch anders als erwartet.

1. Wirtschaftlich-soziale Faktoren

Um die kubanische Souveränität zu sichern und nicht erneut in eine einseitige Abhängigkeitsbeziehung à la US-Modell zu gelangen, war es für die revolutionäre Regierung von hoher Wichtigkeit, neue Handelsbeziehungen im internationalen Raum zu knüpfen. Castro äußerte sich nach der Machtübernahme nicht explizit über die Richtung seiner revolutionären Politik und ließ vorerst alle Möglichkeiten offen. Auch war er nicht abgeneigt, weiterhin gutnachbarliche diplomatische Beziehungen mit den USA zu führen. Der Druck zur Abkapselung kam im Spätsommer 1959 seitens Che Guevaras und Raul Castros. Sie forderten von Fidel die schnelle Umsetzung von Landreformen und die Verstaatlichung der Wirtschaft (vgl. Wulffen 2008: 194).

Im Juli 1960 kommt es zum Eklat zwischen den USA und Kuba, welcher den Beginn eines Wirtschaftskrieges zwischen den beiden Staaten markierte. Castro wollte drei auf Kuba ansässige US-Raffinerien dazu zwingen, kostengünstigeres sowjetisches Rohöl zu verarbeiten. Als diese sich aus patriotischen Gründen weigerten, verstaatlichte Castro die Raffinerien kurzerhand. Präsident Eisenhowers Reaktion hierauf zielte auf eine Schwächung der kubanischen Wirtschaft ab. Kuba wurde die Zuckerimportquote gestrichen und die Ölversorgung aus Venezuela blockiert (vgl. Augstein 1960: 46-47). Castro deutete diese Handlung als Kriegserklärung und enteignete schrittweise alle auf der Insel ansässigen Großgrundbesitzer, Banken und Industrien amerikanischen Ursprunges. Hierauf verhing Washington im Oktober 1961 ein Wirtschaftsembargo auf alle amerikanischen Produkte mit Ausnahme von Lebensmitteln und Medikamenten, woraufhin die Castro-Regierung schließlich die letzten auf Kuba angesiedelten US-Unternehmen enteignete und den Weg für eine vollständig verstaatlichte kubanische Wirtschaft frei machte (vgl. Goldenberg 1963: 282).
Die kubanische Wirtschaft florierte in den ersten Jahren unter der Castro-Regierung und verzeichnete zwischen 1959 und 1962 positive Erfolge. Der Grund für den schnellen Wirtschaftsaufschwung bestand hauptsächlich darin, dass Überkapazitäten aus der vorrevolutionären Zeit nun breitgefächerter genutzt wurden. 1962 waren die Reserven aus den vorrevolutionären Jahren jedoch aufgebraucht und immer mehr Fachkräfte und Techniker verließen die Insel. Die Exporte fielen zwischen 1960 und 1962 um 16% und die Importe wuchsen um 19%. Die fehlende Wirtschaftsstrategie des Landes und das Wirtschaftsembargo der USA verhinderten einen weiteren Fortschritt und bedrohten die Revolution zunehmend (vgl. Sweezy 1969: 58-62). Wie sich die kubanische Wirtschaft trotz des sich abzeichnenden Zahlungsdefizits stabilisieren konnte werden die außenpolitischen Faktoren erklären.

[...]

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Details

Titel
Wandel der Internationalen Beziehungen Kubas
Untertitel
Eine deskriptiv-theoretische Analyse der kubanischen Außenbeziehungen mit dem Schwerpunkt auf den Zeitraum von 1959 – 2006
Hochschule
Universität Potsdam  (Internationale Politik)
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V263139
ISBN (eBook)
9783656518211
ISBN (Buch)
9783656518020
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wandel, internationalen, beziehungen, kubas, eine, analyse, außenbeziehungen, schwerpunkt, zeitraum
Arbeit zitieren
Luise Köcher (Autor), 2013, Wandel der Internationalen Beziehungen Kubas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263139

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