Kommunikationsmedien: Unter welcher Absicht werden Implikaturen verwendet?


Hausarbeit, 2013

22 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Kommunikationsmodell von Shannon/Weaver

3 Die Theorie der Implikaturen
3.1 Das Kooperationsprinzip
3.2 Die Konversationsmaximen
3.3 Arten von Implikaturen
3.4 Anwendung der Implikaturen auf die Kommunikationsmedien
3.5 Beispiele aus den Kommunikationsmedien
3.6 Kritik an den Kommunikationsmedien

4 Schluss

5 Literaturverzeichnis

1 EINLEITUNG

Wie kann man von dem einfachen Satz: „Mir ist kalt.“ zu der Aufforderung gelangen, das Fenster zuzumachen? Wenn ein Sprecher das Gesagte ausdrückt, bedeutet es noch nicht, dass die wörtliche Bedeutung gemeint ist. So wird dem Empfänger eine durch den Sprachgebrauch pragmatisch bedingte Folgerung, die man als Konversationsimplikatur bezeichnet, nahegelegt.1 Aus jenem Grund wird das Gemeinte oft so ausgesprochen, dass der Adressat die Bedeutung selbst erschließen und interpretieren muss.2 Dabei kann es dazu führen, dass bestimmte Gesprächsregeln verletzt werden.3 Wie kann sich der Sprecher aber sicher sein, dass der Hörer das Gesagte so interpretiert, wie er es gemeint hat?

Der Philosoph Paul Grice hat sich intensiv mit der Spaltung zwischen dem Gesagten und dem Gemeinten beschäftigt. Er wies nach, dass die Verletzung der Konversationsmaximen ausschlaggebend für die Entstehung der Implikaturen ist. Allerdings ist dies nicht die einzige Bedingung dafür. Die Implikaturen können auch durch die Befolgung der Maximen entstehen.4 Bezogen auf Kommunikationsmedien kann die sprachliche Interaktion, aufgrund der Störungen auf den Linien, anderem Hintergrundwissen des Empfängers oder durch nicht wahrhafte Übermittlung der Mitteilung, misslingen. Somit stellt sich die Frage, wie eine erfolgreiche Kommunikation auf Implikatur bezogen funktioniert und welche Rolle dabei die Kommunikationsmedien spielen.

In Hinblick darauf wird im Folgenden das Thema Implikaturen, sowie ihre Arten und Eigenschaften in Bezug auf das Kommunikationssystem näher erläutert. Das Ziel dieser Hausarbeit ist, die Typen der Implikaturen darzustellen, diese anhand von Beispielen zu analysieren und kritisch zu reflektieren. Die Untersuchung erfolgt mittels des Kommunikationsmodells von Shannon und Weaver. Des Weiteren werden die Theorien von Paul Grice herangezogen. Diese differenzieren den Zweck und die Funktionen einer erfolgreichen Kommunikation. Außerdem definieren sie Konversationsmaximen, Kooperationsprinzip und Implikatur, mit deren Hilfe die Kommunikationsmedien, darunter Bücher, Filme, Radio und Zeitungen, analysiert werden können.

Im zweiten Teil dieser Hausarbeit werden die Kommunikationsmedien danach analysiert, unter welcher Absicht sie die Implikaturen einsetzen. Mit dieser Kernfrage beginnend, werden einige Beispiele aus den Kommunikationsmedien dargelegt, bezüglich ihres Inhaltes intensiv analysiert und unter der Leitfrage untersucht, inwiefern Implikaturen auftauchen und wenn, in welchem Kontext dies geschieht. Wie zu Beginn erwähnt, ist die Auswahl an Kommunikationsmedien relativ groß und vielseitig, weshalb der Fokus zunächst auf einen kleinen Ausschnitt aus einer Fernsehserie, welcher einen Dialog beinhaltet, gelegt wird. Zudem wird ein Beispiel aus der Werbebranche und ein Video, das ein typisches Alltagsproblem demonstriert, erläutert. Darauf folgend werden auch die kritisierenden Aspekte von der Verwendung der Implikaturen thematisiert, da sie auch Auswirkungen auf das Alltagsleben haben. Zuletzt wird resümiert und ein Fazit aus den angeführten Thesen gezogen, welches die Kernfrage beantworten soll. Weitere Kommunikationsmedien werden nicht näher erläutert und erarbeitet, da dies sonst den Umfang dieser Hausarbeit überschreiten würde.

2 DAS KOMMUNIKATIONSMODELL VON SHANNON/WEAVER

Der Professor Claude E. Shannon erklärte aus der Sicht der Ingenieurwissenschaften das Kommunikationssystem.5 Sein Modell, das einem Schaltplan ähnlich ist, erklärt die Kommunikation als ein Prozess auf drei Ebenen, von denen jeweils die tiefere als Voraussetzung für die jeweils nächste gilt.6 Die drei Ebenen werden als das „technische Problem“, das „semantische Problem“ und das „pragmatische Problem“ gekennzeichnet.7 Das „technische Problem“ steht für die fehlerfreie Übermittlung der Kommunikationssymbole, das „semantische Problem“ ist für eine genaue Übermittlung der Bedeutung dieser Symbole verantwortlich und das „pragmatische Problem“ ist die Beeinflussung der empfangenen Bedeutungen auf das Verhalten des Adressaten auf gewünschter Weise.8 Nach Shannon beeinflusst die technische Ebene die höheren gravierend, weshalb sie signifikant für die anderen Ebenen ist.9

Das Modell deutet darauf hin, dass die Nachricht, die nur im Kontext der gegebenen Informationsquelle ausgewählt werden kann, durch den Sender in eine Symbolfolge umgewandelt und durch den Kommunikationskanal übermittelt wird.10 Die Symbolfolge entspricht einer Verkettung von lexikalischen Einheiten. Das umgewandelte Signal kann durch verschiedene Störfaktoren, wie zum Beispiel Lärm, die Qualität der übermittelten Information verschlechtern und es kann zu einer kanalbedingten Differenz, welche Rauschen genannt wird, führen.11 Der Adressat wird zu einem neuen Sender und wandelt das Signal wieder in eine neue Mitteilung um.12

Die Informationshaltigkeit (Entropie) der Mitteilung ist, durch den statistischen Zustand der Informationsquelle, in einem bestimmten Kontext definiert und vom Signal der Kodierung des Senders abhängig.13 So eine Entropie im Kanal und des Signals ist nur im extremen Fall mit dem rauschfreien Kanal identisch.14 Die Geschwindigkeit der Informationsübermittlung hängt von der Menge der Informationen und der Kodierungsgeschwindigkeit ab.15 Ob die Mitteilung im gewählten Kanal optimal übermittelt werden kann, hängt davon ab, ob der Sender ein guter Sender 16 ist. In der Praxis gibt es keine rauschfreie Übermittlung, das heißt, dass durch verschiedene Störfaktoren und Probleme, wie Verzerrungen des Signals, die Information in der empfangenen Nachricht größer als die in der gesendeten ist.17 Schwierig ist festzustellen, wie sich die technische Ebene der Kommunikation auf die höheren Ebenen bezieht.18 Deshalb wurde das Kommunikationsmodell um den „semantischen Empfänger“ und das „semantische Rauschen“ erweitert.19 Die Idee dahinter beruht auf der Erkenntnis, dass der Empfänger die vom Sender kodierte Nachricht anders übersetzt, als sie konzipiert wurde, da nur im Idealfall der Sender und der Empfänger über dieselben kommunikativen Ressourcen verfügen.20

3 DIE THEORIE DER IMPLIKATUREN

Die Theorie der Implikaturen stellt, wie der Name bereits verrät, die Implikaturen als den Kern und das Kooperationsprinzip und die Konversationsmaxime wiederum als die Grundsätze der Griceschen Konversationstheorie dar und analysiert darüber hinaus bestimmte kommunikative Situationen.21 Bei einer sprachlichen Interaktion steht einiges im Hintergrund und wird nur knapp angedeutet, aber nicht wirklich ausgedrückt. Implikatur ist das Gemeinte einer Aussage, das versteckt, ironisch dargestellt werden kann und vom Rezipienten selbst erschlossen werden muss. So kann man aus einem Arbeitszeugnis entnehmen, wie zuverlässig der Arbeitnehmer ist und wie zufrieden mit seinen Arbeitsleistungen sein ehemaliger Chef ist. Demnach könnte eine Bewertung folgendermaßen aussehen: „Er machte sich mit großem Eifer an die ihm übertragenen Aufgaben.“22 bedeutet auf dem ersten Blick nichts Schlechtes über die Person oder seine Arbeitsqualitäten. Was aber zunächst harmlos erscheint, trägt in sich meistens viel mehr Bedeutung als man erwartet und lässt bestimmte Schlüsse ziehen. Daraus resultierend legt das Arbeitszeugnis nahe, dass der Arbeitnehmer trotz Fleiß keinen Erfolg hatte23 und seine Arbeitsleistungen schlecht waren. Somit sind Implikaturen aus einer Äußerung eines Sprechers bestimmte pragmatische Schlüsse, die durch die Bedeutung des Gesagten und den Äußerungskontext differenziert sind. Unterschieden wird zwischen den konventionalen und den konversationalen Implikaturen, zwischen dem Gesagten und dem Gemeinten, zwischen der wörtlichen Bedeutung des Satzes und zwischen den Informationen, die bei dem rationalen, reflektierten Kommunikationsverhalten24 zusätzlich interpretiert werden können.

Dieses Kapitel erklärt die Struktur der Implikaturen anhand der „Grundlagen der rationalen Kommunikation“25, das Kooperationsprinzip und die Konversationsmaximen, welche einen Gesprächshintergrund darstellen, so wie die Arten der Implikaturen, deren Anwendungen und die Kritik an den Kommunikationsmedien.

3.1 Das Kooperationsprinzip

Das von Paul Grice beschriebene Konzept bezieht sich darauf, wie die Gesprächsteilnehmer bei der Kommunikation miteinander interagieren.26 Das heißt, für eine gemeinsame Unterhaltung müssen beide Gesprächspartner dazu beitragen, damit das Gespräch fortgeführt und nicht abgebrochen wird. Wenn zum Beispiel Partner X sich über die linguistische Pragmatik und Partner Y über die Kernphysik unterhalten möchten, kann es zu keiner erfolgreichen Kommunikation27 kommen. Die Gesprächsbeteiligten sollen nicht nur über den gleichen kulturellen Hintergrund verfügen und sich in die Rolle des anderen hineinversetzen können, sondern auch Kooperationsbereitschaft zeigen. Grice deutet darauf hin, dass die unmittelbare Kom- munikation ein kooperatives Handeln ist und formuliert sein Kooperationsprinzip fol- gendermaßen: „Make your conversational contribution such as is required, at the stage at which it occurs, by the accepted purpose or direction of the talk exchange in which you are engaged“.28 Auch die Kommunikationsmedien, wie zum Beispiel Bücher, Radio oder Zeitungen, gehen ein Kooperationsprinzip ein, da es eine bestimmte Grundordnung gibt, an der man sich halten soll. Also sind die Autoren der Zeitungsartikel oder die Sprecher der Radiosender dazu verpflichtet, nicht zu beleidigen, neutral zu bleiben, den Artikel so informativ wie möglich zu machen und auf die Grammatik zu achten. Dieses Prinzip in Verbindung mit Konversationsmaximen, die im nächsten Kapitel anhand von zahlreichen Beispielen erklärt werden, sorgt für eine erfolgreiche Kommunikation.

3.2 Die Konversationsmaximen

Die vier Konversationsmaximen sind dem Kooperationsprinzip untergeordnet.29 Sie verdeutlichen die Gesprächsregeln, die dafür zuständig sind, dass die Äußerungen und der Kontext verstanden werden und das Gespräch erfolgreich ist. Es wird zwischen den Maximen der Quantität, der Qualität, der Relevanz und der Modalität unterschieden.

[...]


1 Vgl., Rolf, Eckard: Sagen und Meinen. Paul Grices Theorie der Konversations-Implikaturen. Opladen: Westdeutscher Verlag 1994. S. 9.

2 Vgl. Meibauer, Jorg: Implikatur. In: Pragmatik. Eine Einführung. 2., verbesserte Auflage. Tübingen: Stauffenburg Verlag 1999. S. 1.

3 Vgl. Rolf, E.: Sagen und Meinen. S. 7.

4 Meibauer, J.: Implikatur. S. 29.

5 Vgl. Auer, Peter: Kommunikation (Claude E. Shannon) In: Sprachliche Interaktion. Eine Einführung anhand von 22 Klassikern. Tübingen: Max-Niemeyer Verlag 1999. S. 7-17, hier S. 7.

6 Vgl. Auer P.: Kommunikation (Claude E. Shannon). S. 9.

7 Vgl. Auer P.: Kommunikation (Claude E. Shannon). S. 9.

8 Vgl. Auer P.: Kommunikation (Claude E. Shannon). S. 9.

9 Vgl. Auer P.: Kommunikation (Claude E. Shannon). S. 9.

10 Vgl. Auer P.: Kommunikation (Claude E. Shannon). S. 9.

11 Vgl. Auer P.: Kommunikation (Claude E. Shannon). S. 9.

12 Vgl. Auer P.: Kommunikation (Claude E. Shannon). S. 10.

13 Vgl. Auer P.: Kommunikation (Claude E. Shannon). S. 11.

14 Vgl. Auer P.: Kommunikation (Claude E. Shannon). S. 11.

15 Vgl. Auer P.: Kommunikation (Claude E. Shannon). S. 12.

16 Vgl. Auer P.: Kommunikation (Claude E. Shannon). S. 12.

17 Vgl. Auer P.: Kommunikation (Claude E. Shannon). S. 12.

18 Vgl. Auer P.: Kommunikation (Claude E. Shannon). S. 12.

19 Vgl. Auer P.: Kommunikation (Claude E. Shannon). S. 12.

20 Vgl. Auer P.: Kommunikation (Claude E. Shannon). S. 13.

21 Vgl. Rolf, E.: Sagen und Meinen. S. 105.

22 Gulnerits, Kathrin (2013): Geheimcodes zum Nachlesen. Arbeitszeugnisse. In: WirtschaftsBlatt, 12.08.2013, S. 19 / ALL LeseStoff.

23 Vgl. Gulnerits, K.: Geheimcodes zum Nachlesen. Arbeitszeugnisse. S. 19.

24 Vgl. Rolf, E.: Sagen und Meinen. S. 110.

25 Meibauer, J.: Implikatur. S. 24.

26 Vgl. Keller, Rudi: Rationalität, Relevanz und Kooperation. In: Implikaturen: Grammatische und pragmatische Analysen. Hrsg von Frank Liedtke. Tübingen: Max Niemeyer Verlag 1995. S. 5-18, hier S. 7.

27 Vgl. Meggle (1979 ): Grundbegriffe der Kommunikation. Allgemeine versus spezielle Kommunikationsbegriffe. In: Inaugural - Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades (Dr. Phil.) der Universität Regensburg. S. 17.

28 Meibauer, J.: Implikatur. S. 25.

29 Vgl. Keller, R.: Rationalität, Relevanz und Kooperation. S. 6.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Kommunikationsmedien: Unter welcher Absicht werden Implikaturen verwendet?
Hochschule
Universität Mannheim
Autoren
Jahr
2013
Seiten
22
Katalognummer
V263191
ISBN (eBook)
9783656520917
ISBN (Buch)
9783656526209
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kommunikationsmedien, unter, absicht, implikaturen
Arbeit zitieren
Maria Milkova (Autor)Öznur Bakar (Autor), 2013, Kommunikationsmedien: Unter welcher Absicht werden Implikaturen verwendet?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263191

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