Das Spannungsfeld um die ertragsteuerliche Abzugsfähigkeit von Fremdfinanzierungskosten


Bachelorarbeit, 2013
56 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundsätzliche Behandlung von Finanzierungsaufwendungen
2.1 Fremdfinanzierungskosten als abzugsfähige Betriebsausgaben
2.2 Objektives Nettoprinzip
2.3 Postulat der Entscheidungsneutralität
2.3.1 Finanzierungsneutralität
2.3.2 Finanzierungsfreiheit nach der BFH Rechtsprechung

3. Abzugsbeschränkungen von Fremdfinanzierungskosten
3.1 Zinsschranke
3.1.1 Funktionsweise
3.1.2 Ausnahmetatbestände
3.1.3 Gesellschafterfremdfinanzierung nach § 8a KStG
3.2 § 4 Abs. 4a EStG
3.3 Gewerbesteuerliche Hinzurechnung

4. Mögliche Rechtfertigung und Ziele der Beschränkung
4.1 Rolle des Eigenkapitals
4.2 Missbrauchsverhinderung und Sicherung von Steuersubstrat
4.3 Äquivalenzprinzip

5. Analyse der Beschränkungen
5.1 Zielerreichung der Beschränkungen
5.2 Wechselwirkungen der Normen
5.3 Beschränkungen im Spannungsfeld steuerlicher Prinzipien

6. Zinsbereinigte Einkommens- und Gewinnsteuer

7. Thesenförmige Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

VERZEICHNIS GEBRÄUCHLICHER ABKÜRZUNGEN

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„The threat is real, for there is no faster movement on earth than the transfer of capital (except, of course, the speed of light)“.[1] In diesem Sinne stellen in Zeiten von flexiblen und freien Kapitalmärkten gerade Zinsaufwendungen und Zinserträge und damit auch Fremdfinanzierungskosten eine sehr mobile Größe dar.[2] Daraus erscheint die Abzugsfähigkeit von Fremdfinanzierungskosten als Mittel für Unternehmen zur Verlagerung von Gewinnen aus Hochsteuerländern in Niedrigsteuerländer. Andererseits kann der Gesetzgeber die Beschränkung der Abzugsfähigkeit von Fremdfinanzierungskosten zur Vermeidung dieser Steuersparmodelle und um Lenkungszwecke zu verfolgen einsetzen. Dabei steht die Abzugsfähigkeit von Fremdfinanzierungskosten in einem Spannungsfeld. Einerseits muss sichergestellt werden, dass die Abzugsfähigkeit von Fremdfinanzierungskosten nicht missbraucht wird. Gleichzeitig aber stellen Fremdfinanzierungskosten i. d. R. Aufwendungen dar, welche den Erfolg von Unternehmen mindern. Darüberhinaus darf die mögliche steuerliche Diskriminierung von Eigenkapitalfinanzierung gegenüber der Fremdkapitalfinanzierung nicht aus den Augen verloren werden.

Diese Arbeit befasst sich zu Beginn mit der grundsätzlichen ertragsteuerlichen Behandlung von Finanzierungsaufwendungen und den Prinzipien, welche dieser Behandlung zu Grunde liegen. Im Anschluss wird konkret anhand von drei Formen der Beschränkung von Abzugsfähigkeit der Fremdfinanzierungskosten im Ertragssteuerrecht erläutert, inwiefern der Gesetzgeber versucht das aufgezeigte Spannungsfeld mit Hilfe von verschiedenen Formen von Beschränkungen der Abzugsfähigkeit zu gestalten. Darauf aufbauend wird herausgearbeitet welche Ziele mit den Beschränkungen verfolgt werden und wie sich solche Beschränkungen rechtfertigen lassen. Im weiteren Verlauf werden die Wirkungen und Folgen der Beschränkungen analysiert. Dabei wird vor allem herausgearbeitet inwiefern die einzelnen Ansprüche des aufgezeigten Spannungsfeldes miteinander vereinbar sind. Abschließend wird mit der zinsbereinigten Einkommens- und Gewinnsteuer eine Alternative zum bestehenden System und zur Gestaltung des Spannungsfeldes aufgezeigt.

2. Grundsätzliche Behandlung von Finanzierungsaufwendungen

2.1 Fremdfinanzierungskosten als abzugsfähige Betriebsausgaben

Unter Fremdfinanzierung im Sinne von Außenfinanzierung versteht man die Kreditfinanzierung.[3] So fallen unter den Begriff der Fremdfinanzierungskosten sämtliche einmalige oder laufende geldwerte Leistungen und Aufwendungen, die der Schuldner einerseits an den Gläubiger zur Überlassung von Kapital leisten muss und andererseits zur Erlangung und Sicherung von Krediten erbringen muss.[4] Damit zählen bspw. Schuldzinsen, Disagios aber auch Nebenkosten wie durch ein Darlehen verursachte Verwaltungsgebühren oder Notarkosten zu den Fremdfinanzierungskosten. Fremdfinanzierungkosten stellen Betriebsausgaben dar, sofern sie durch den Betrieb veranlasst werden, d.h. sie stehen mit dem Betrieb wirtschaftlich in Zusammenhang oder sind zu dem Zweck dem Betrieb Geldmittel hinzuzuführen entstanden.[5] Als Betriebsausgaben iSd. § 4 Abs. 4 EStG sind Fremdfinanzierungskosten somit abzugsfähig und mindern die ertragsteuerliche Bemessungsgrundlage. Die Ertragsteuern folgen dem Prinzip Fremdfinanzierungskosten beim Schuldner als Betriebsausgaben abzuziehen und bei den Empfängern zu besteuern, womit Fremdfinanzierungskosten im Grundsatz bei den Ertragsteuern als abzugsfähige Betriebsausgaben gelten.[6]

2.2 Objektives Nettoprinzip

Die Bemessungsgrundlage für die Einkommensteuer soll sich nach dem in Art. 3 Abs. 1 GG verankerten Leistungsfähigkeitsprinzip bemessen.[7] Dabei gilt im EStG als Maßstab für Leistungsfähigkeit das Einkommen[8]. Deshalb muss sichergestellt werden, dass jeweils die konkrete Leistungsfähigkeit der Individuen ermittelt wird.[9] So hat sich der Gesetzgeber grundsätzlich für eine Besteuerung von Nettogrößen entschieden, womit zur Ermittlung des Einkommens von den am Markt erwirtschafteten Einnahmen grundsätzlich die erwerbsbezogenen Aufwendungen abgezogen werden.[10] Das objektive Nettoprinzip ist in § 2 Abs. 2 EStG sowie § 4 Abs. 1 und 4 EStG niedergelegt und trägt dem Leistungsfähigkeitsprinzip Rechnung. Nach diesem objektiven Nettoprinzip müssen also durch den Betrieb veranlasste erwerbsbedingte Fremdfinanzierungskosten als Betriebsausgaben abzugsfähig sein.[11] Das objektive Nettoprinzip als Grundlage für die Abzugsfähigkeit von Fremdfinanzierungskosten spielt somit eine gewichtige Rolle im Spannungsfeld um die Abzugsfähigkeit von Fremdfinanzierungskosten. Vor allem auch weil das BVerfG bis jetzt dem objektiven Nettoprinzip keinen Verfassungsrang eingeräumt hat, jedoch die Selbstbindung des Gesetzgebers an das objektive Nettoprinzip wegen der Folgerichtigkeit verdeutlicht hat und es dem Gesetzgeber nur mit einer besonderen, sachlichen Rechtfertigung erlaubt vom objektiven Nettoprinzip abzuweichen.[12] Durch den Verweis im KStG in § 8 Abs. 1 KStG auf das EStG und da die Körperschaftsteuer die Steuer vom Einkommen der Körperschaften ist,[13] gilt das objektive Nettoprinzip folglich auch für das KStG. Im GewStG gilt ein modifiziertes objektives Nettoprinzip worauf im weiteren Verlauf näher eingegangen wird.[14]

2.3 Postulat der Entscheidungsneutralität

2.3.1 Finanzierungsneutralität

Ein weiterer Bestandteil des Spannungsfeldes um die Abzugsfähigkeit von Fremdfinanzierungskosten erwächst aus der vor allem von Ökonomen geführten Diskussion über ein entscheidungsneutrales Besteuerungssystem. Eine aus betriebswirtschaftlicher Sicht neutrale Besteuerung beeinflusst die Vorteilhaftigkeit von Investitionen nicht und stellt sicher, dass Finanzierungs- und Investitionsentscheidungen allein unter ökonomischen Gesichtspunkten getroffen werden,[15] was auch gesamtwirtschaftlich zu einer effizienten Allokation von Ressourcen führen soll.[16] Bezogen auf die Finanzierungsentscheidung bedeutet normative Neutralität zumeist die steuerliche Gleichbehandlung von Eigen- und Fremdkapitalfinanzierung, d.h. die Folgen aus der Besteuerung von Zinsen und Dividenden sollen übereinstimmend sein.[17] Dabei besteht Eigenkapitalfinanzierung sowohl aus Innen- als auch Beteiligungsfinanzierung. Im geltenden Recht sind Fremdfinanzierungskosten wie Zinsen grundsätzlich als Betriebsausgaben abzugsfähig. Wohingegen Eigenkapitalvergütungen wie Dividenden als Gewinnverwendung iSd. § 8 Abs. 3 Satz 1 KStG gelten und somit das Einkommen nicht mindern dürfen. So existieren Reformvorschläge zur Beschränkung der Abzugsfähigkeit bzw. zur Nichtabzugsfähigkeit von Fremdfinanzierungskosten als Betriebsausgaben mit dem Ziel das Postulat der Finanzierungsneutralität zu verwirklichen.[18] Mögliche Beschränkungen der Abzugsfähigkeit von Fremdfinanzierungskosten zur Verbesserung der Finanzierungsneutralität können jedoch möglicherweise in Konflikt mit dem objektiven Nettoprinzip kommen. Schon hier wird deutlich, dass die unterschiedlichen Anforderungen an den Fremdfinanzierungskostenabzug widersprüchlich sind. Wegen der schweren Realisierung wird in Teilen des Schrifttums das Konstrukt der neutralen Besteuerung nur als Eichstrich bzw. Nullpunkt zur Analyse der Verzerrung von Entscheidungen durch die Besteuerung bezeichnet.[19]

2.3.2 Finanzierungsfreiheit nach der BFH Rechtsprechung

In der höchstrichterlichen Rechtsprechung wird anstatt der Finanzierungsneutralität der Grundsatz der Finanzierungsfreiheit geprägt. Dieser besagt, dass es den Gesellschaftern freigestellt ist, ob sie ihr Unternehmen mit Eigen- oder Fremdkapital ausstatten, solange sie sich im gesellschaftsrechtlichen Rahmen bewegen.[20] Finanzierungsfreiheit ist jedoch nicht mit Finanzierungsneutralität gleich zu stellen, denn obwohl der Grundsatz einen hohen gestalterischen Freiheitsgrad bietet, bewirkt er keine Finanzierungsneutralität bzw. Entscheidungsneutralität.[21] Finanzierungsfreiheit stellt somit weniger restriktive Forderungen auf als Finanzierungsneutralität, muss jedoch bei möglichen Beschränkungen der Abzugsfähigkeit von Fremdfinanzierungskosten genauso wie das objektive Nettoprinzip berücksichtigt werden.

3. Abzugsbeschränkungen von Fremdfinanzierungskosten

3.1 Zinsschranke

3.1.1 Funktionsweise

Die Zinsschranke ist in § 4h EStG geregelt und stellt als Gewinnermittlungsvorschrift eine abschnittsbasierte Betriebsausgabenbegrenzung von Zinsaufwendungen bzw. Fremdfinanzierungskosten für Betriebe dar.[22] Da der Begriff Betrieb im Gesetz nicht weiter definiert wird, ist auf den allgemeinen Betriebsbegriff iSd. § 15 Abs. 2 EStG abzustellen, wobei man von den Merkmalen des originären Gewerbebetriebs abstrahiert.[23] Daher gilt die Zinsschranke nicht nur für einzelkaufmännische Gewerbetriebe, Mitunternehmerschaften und Kapitalgesellschaften, sondern grundsätzlich auch für Land- und Forstwirtschaftsbetriebe und Betriebe mit freiberuflicher Tätigkeit.[24]

Die Zinsschranke erlaubt den Abzug von Zinsaufwendungen als Betriebsausgaben in Höhe des erwirtschafteten Zinsertrages. Zinsaufwendungen, die den Zinsertrag in einem Wirtschaftsjahr übersteigen, sind laut § 4h Abs. 1 Satz 1 EStG im jeweiligen Wirtschaftsjahr nur in Höhe des verrechenbaren EBITDA abzugsfähig. Dabei werden von der Zinsschranke alle Erträge und Aufwendungen für die Überlassung von Geldkapital aus sämtlichen Fremdfinanzierungsformen erfasst, also sowohl aus Gesellschafterfremdfinanzierung, Konzernfinanzierung und auch aus der Bankfinanzierung.[25] Grundsätzlich besteht das verrechenbare EBITDA gemäß § 4h Abs. 1 Satz 2 EStG aus dreißig Prozent des um Zinsaufwendungen und Abschreibungen erhöhten und um die Zinserträge geminderten maßgeblichen Gewinns des laufenden Wirtschaftsjahres. Maßgeblicher Gewinn ist nach § 4h Abs. 3 Satz 1 EStG der nach den Vorschriften des EStG ermittelte Gewinn. Übersteigt das verrechenbare EBITDA die um die Zinserträge geminderten Zinsaufwendungen in einer Periode wird nach § 4h Abs. 1 Satz 3 EStG das überschüssige verrechenbare EBITDA in die folgenden fünf Wirtschaftsjahre vorgetragen. Der EBITDA-Vortrag kann nur entstehen, wenn keiner der Ausnahmetatbestände des § 4h Abs. 2 EStG im jeweiligen Wirtschaftsjahr greift bzw. in Anspruch genommen wird. Der EBITDA-Vortrag bewirkt, dass in den Folgeperioden Zinsaufwendungen, die die Zinserträge und das verrechenbare EBITDA übersteigen, trotzdem bis zur Höhe des bestehenden EBITDA-Vortrags als Betriebsausgaben abgezogen werden können.[26] Der EBITDA-Vortrag verringert sich entsprechend. Zinsaufwendungen, welche auch nach Anwendung des EBITDA-Vortrages als nichtabzugsfähige Betriebsausgaben gelten, werden laut § 4h Abs. 1 Satz 5 EStG in der folgenden Wirtschaftsjahre zeitlich unbegrenzt vorgetragen. In den zukünftigen Perioden erhöht der Zinsvortrag den laufenden Zinsaufwand, aber nicht den maßgeblichen Gewinn, womit die doppelte Berücksichtigung der vorgetragenen Zinsaufwendungen beim steuerlichen EBITDA verhindert wird.[27] Der Zinsvortrag aus der Vorperiode kann somit nur dann genutzt werden, wenn im aktuellen Wirtschaftsjahr ein negativer Zinssaldo die dreißig Prozent des ermittelten EBITDA unterschreitet.[28]

3.1.2 Ausnahmetatbestände

Überschreiten die Zinsaufwendungen die Zinserträge um weniger als drei Millionen Euro, kommt nach § 4h Abs. 2 Satz 1 Buchst. a) EStG die Zinsschranke nicht zur Anwendung. Da es sich hierbei um keinen Freibetrag, sondern um eine Freigrenze handelt, führt schon eine geringfügige Überschreitung der Freigrenze zur Anwendung der Zinsschranke auf den gesamten Zinssaldo, was mit erheblichen Mehrbelastungen für den Steuerpflichtigen verbunden sein kann.[29]

Die Zinsschranke findet nach der in § 4h Abs. 2 Satz 1 Buchst. b) EStG beschriebenen „Stand-alone-Klausel“ ebenfalls keine Anwendung, sofern der Betrieb nicht oder nur anteilsmäßig einem Konzern angehört. Ein Betrieb fällt gemäß § 4h Abs. 3 Satz 5 EStG unter den Konzernbegriff der Zinsschranke sofern er nach den IFRS[30] mit einem oder mehreren anderen Betrieben konsolidiert wird oder werden könnte. Zur Konzernzugehörigkeit bedarf es somit mindestens zwei rechtlich selbstständiger Betriebe mit eigener Rechtsfähigkeit.[31] Dazu gehören Körperschaften, Personengesellschaften oder Einzelunternehmen.[32]

Eine weitere Ausnahme zur Anwendung der Zinsschranke stellt die sogenannte Escape-Klausel dar. Laut § 4h Abs. 2 Satz 1 Buchst. c) EStG greift die Zinsschranke auch bei konzernzugehörigen Betrieben nicht, wenn die Eigenkapitalquote des Betriebs am Schluss des vorangegangenen Abschlussstichtages die Eigenkapitalquote des Konzerns nicht um mehr als zwei Prozentpunkte unterschreitet. Die Eigenkapitalquoten ergeben sich aus dem Verhältnis des Eigenkapitals zur Bilanzsumme. Verglichen werden die Eigenkapitalquoten im Rahmen eines Eigenkapitalvergleichs, der basierend auf dem handelsrechtlichen Jahres- oder Einzelabschluss des Betriebs und dem handelsrechtlichen Konzernabschluss des gesamten Konzernkreises durchzuführen ist.[33] Dabei ist auf die Abschlüsse des vorangegangen Wirtschaftsjahres abzustellen.[34] Grundsätzlich sind die Abschlüsse nach § 4h Abs. 2 Satz 1 Buchst. c) EStG auf Basis der IFRS zu erstellen.[35]

3.1.3 Gesellschafterfremdfinanzierung nach § 8a KStG

Mit der Regelung des § 8a Abs. 1 KStG findet die Zinsschranke auch Anwendung für Körperschaften. Obwohl nur explizit auf § 4h Abs. 1 EStG verwiesen wird, gelten alle rechtsformübergreifenden Vorschriften wegen § 8 Abs. 1 KStG auch im KStG soweit § 8a KStG keine Modifikationen vorsieht.[36] An Stelle des maßgeblichen Gewinns als Bemessungsgrundlage für den Abzug von Schuldzinsen im EStG tritt laut § 8a Abs. 1 Satz 1 KStG für Körperschaften das maßgebliche Einkommen. Das maßgebliche Einkommen ergibt sich gemäß § 8a Abs. 1 Satz 2 KStG nach Maßgabe des EStG sowie KStG mit Ausnahme der Anwendung von den §§ 4h und 10d EStG. Indem laut § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG verdeckte Gewinnausschüttungen und verdeckte Einlagen das Einkommen nicht mindern bzw. mehren, dürfen sie auch nicht die Bemessungsgrundlage für die Zinsschranke mindern bzw. mehren. Folglich mehren Beteiligungserträge iSd. § 8b Abs. 1,2,5 KStG die Bemessungsgrundlage in Höhe von fünf Prozent. Die Befreiungen von der Zinsschranke durch die sog. Stand-alone-Klausel und Escape-Klausel gelten für Körperschaften nur soweit keine schädliche Gesellschafterfremdfinanzierung nach § 8a Abs. 2 bzw. 3 KStG vorliegt. Schädliche Gesellschafterfremdfinanzierung ist laut § 8a Abs. 2 bzw. 3 KStG gegeben, sofern mehr als zehn Prozent der die Zinserträge übersteigenden Zinsaufwendungen iSd. § 4h Abs. 3 EStG an einen zu mehr als 25 Prozent am Grund- oder Stammkapital mittel- oder unmittelbar beteiligten Anteilseigner oder an eine diesem nahestehende Person zu zahlen sind. Um eine Umgehung über Dritte wie etwa Banken zu vermeiden, sind auch an Personen, die auf zuvor Genannte zurückgreifen können, gezahlte Zinsaufwendungen maßgeblich.[37] Verschärfend darf gemäß § 8a Abs. 3 KStG für die Anwendung der Escape-Klausel keine schädliche Gesellschafterfremdfinanzierung vorliegen weder bei der steuerpflichtigen Kapitalgesellschaft noch bei einer der weltweit konzernzugehörigen Gesellschaften.[38] Bei Vorliegen einer schädlichen Gesellschafterfremdfinanzierung ist die Anwendung der Zinsschranke auf alle Zinsaufwendungen iSd. § 4h Abs. 3 Satz 2 EStG ohne eine Beschränkung auf Gesellschafterfremdfinanzierung die Folge.[39]

3.2 § 4 Abs. 4a EStG

Mit der Beschränkung der Abzugsfähigkeit von Fremdfinanzierungskosten i. d. F. von § 4 Abs. 4a EStG werden in der Gewinnermittlung abgezogene betrieblich veranlasste Schuldzinsen rückabgewickelt, sofern Überentnahmen vorliegen.[40] Die Regelung entfaltet ihre Gültigkeit auf Einzelunternehmen, die Gewinneinkünfte erzielen, sowie auf gewerblich tätige oder gewerblich geprägte Personengesellschaften.[41] Für Kapitalgesellschaften gilt die Regelung nicht, da bei Kapitalgesellschaften keine betriebsfremde Privatsphäre vorhanden ist, und somit durch die Gesellschafter auch keine Entnahmen iSd. § 4 Abs. 1 Satz 2 EStG getätigt werden können.[42]

[...]


[1] Kessler/Eike, Tax Notes International 2007, S. 263.

[2] Vgl. Hofmann, Steuern und Rechnungslegung, 2009, S. 209.

[3] Vgl. Becker, Investition und Finanzierung, 2012, S. 129.

[4] Vgl. BFH v. 06.07.1973, VI R 379/70, BStBl. II 1973, S. 868.

[5] Vgl. BFH v. 04.07.1990, GrS 2-3/88, BStBl. II 1990, S. 819.

[6] Vgl. Schreiber, Steuern und Rechnungslegung, 2009, S. 430; Delahaye/ Hömberg, Steuern und Rechnungslegung, 2009, S. 171.

[7] Vgl. Schreiber, Besteuerung der Unternehmen, 2008, S. 6.

[8] Vgl. Bach, StuW 1991, S. 120.

[9] Vgl. Hofmann, Steuern und Rechnungslegung, 2009, S. 212.

[10] Vgl. Wernsmann, Beihefter zu DStR 34 2009, S. 101.

[11] Vgl. Schneider, Beihefter zu DStR 34 2009, S. 87.

[12] Vgl. BVerfG v. 11.11.1998, 2 BvL 10/95, NJW 1999, S. 1457-1458.

[13] Vgl. Frotscher, in: Frotscher/Maas, KStG/GewStG/UmwStG, Rz. 1 in Einführung zum KStG, S. 2.

[14] Vgl. Heger, Beihefter zu DStR 34 2009, S. 122; Hey, Beihefter zu DStR 34 2009, S. 114-117.

[15] Vgl. Schneider, Investition, Finanzierung und Besteuerung, 1990, S. 192-200.

[16] Vgl. Wagner, FA 1986, S. 43; Sinn, Kapitaleinkommensbesteuerung, 1985, S. 5-6; Hey, in: Herrmann/Heuer/Raupach, EStG/KStG, Rz. 37 zu Einführung zum KStG.

[17] Vgl. Prinz, FR 2009, S. 594; Hey, in: Herrmann/Heuer/Raupach, EStG/KStG, Rz. 39 zu Einführung zum KStG.

[18] Vgl. De Mooij/Devereux, Int. Tax Public Finance 2011, S. 98.

[19] Vgl. Schreiber, Steuern und Rechnungslegung, 2009, S. 429, Schneider, Investition, Finanzierung und Besteuerung, 1990, S. 200 ff. .

[20] Vgl. BFH v. 05.02.1992, I R 127/90, BStBl. II 1992, S. 532-537; BFH v. 08.12.1997, GrS 1-2/95, BStBl. II 1998, S.193-200.

[21] Vgl. Prinz, Unternehmensbesteuerung, 2010, S. 151; Musil/Leibohm, FR 2008, S. 807-814.

[22] Vgl. BMF v. 04.07.2008, IV C 7 - S 2742 a/07/10001, FR S. 778.

[23] Vgl. Heuermann, in: Blümich, EStG/KStG/GewStG, Rz. 28 zu § 4h EStG; Schenke, in: Kirchhof/Söhn/Mellinghoff, EStG, Rz. B 12 zu § 4h EStG, S. 2.

[24] Vgl. Hick, in: Herrmann/Heuer/Raupach, EStG/KStG, Rz. 22 zu § 4h EStG.

[25] Vgl. Rödder/Stangl, DB 2007, S. 483; BMF v. 04.07.2008, IV C 7 - S 2742 a/07/10001, FR S. 778.

[26] Vgl. Rödding, DStR 2009, S. 2652, Schenke, in: Kirchhof/Söhn/Mellinghoff, EStG, Rz. B 56 zu zu § 4h EStG, S. 16.

[27] Vgl. Höppner, StBp 2012, S. 4; Förster, in: Gosch, KStG, Rz. 57 zu Exkurs § 4h EStG, S. 799.

[28] Vgl. Herzig/Bohn/Götsch, DStR 2009, S. 2615.

[29] Vgl. Hick, in: Herrmann/Heuer/Raupach, EStG/KStG, Rz. 41 zu § 4h EStG.

[30] Auch möglich gemäß § 4h Abs. 1 Satz 1 Buchst. c) Handelsrecht eines EU-Staates oder US-GAAP.

[31] Vgl. Frotscher, in: Frotscher/Maas, KStG/GewStG/UmwStG, Rz. 83a zu § 8a KStG, S. 34k.

[32] Vgl. Frotscher, in: Frotscher/Maas, KStG/GewStG/UmwStG, Rz. 83a zu § 8a KStG, S. 34i.

[33] Vgl. Schenke, in: Kirchhof/Söhn/Mellinghoff, EStG/KStG, Rz. C 68 zu § 4h EStG, S. 17; Frotscher, in: Frotscher/Maas, KStG/GewStG/UmwStG, Rz. 137 zu § 8a KStG, S. 58.

[34] Vgl. Förster, in: Gosch, KStG, Rz. 74 zu Exkurs § 4h EStG, S. 801.

[35] In Ausnahmefällen auch auf Basis des Handelsrechts eines EU-Staates oder auf Basis der US-GAAP

[36] Vgl. Prinz, in: Herrmann/Heuer/Raupach, EStG/KStG, Rz. 9 zu § 8a KStG; Möhlenbrock/Pung, in: Dötsch/Pung/Möhlenbrock, KStG, Rz. 2 zu § 8a KStG.

[37] Vgl. Prinz, in: Herrmann/Heuer/Raupach, EStG/KStG, Rz. 22 zu § 8a KStG.

[38] Vgl. Töben/Fischer, GmbHR 2007, S. 533.

[39] Vgl. Schaden/Käshammer, BB 2007, S. 2266; Förster, in: in: Gosch, KStG, Rz. 73 zu § 8a KStG, S. 772.

[40] Vgl. Seiler, in: Kirchhof/Söhn/Mellinghoff, EStG/KStG, Rz. Ea 21 zu § 4 EStG, S. 6.

[41] Vgl. Schallmoser, in: Herrmann/Heuer/Raupach, EStG/KStG, Rz. 1041 zu § 4 EStG; Wied, in: Blümich, EStG/KStG/GewStG, Rz. 604 zu § 4 EStG.

[42] Vgl. BFH v. 04.12.1996, I R 54/95, NJW 1997, S. 2004; Prinz, FR 2000, S. 136.

Ende der Leseprobe aus 56 Seiten

Details

Titel
Das Spannungsfeld um die ertragsteuerliche Abzugsfähigkeit von Fremdfinanzierungskosten
Hochschule
Universität Hohenheim
Veranstaltung
Steuerlehre
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
56
Katalognummer
V263216
ISBN (eBook)
9783656534495
ISBN (Buch)
9783656536604
Dateigröße
628 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
beschränkung, abzugsfähigkeit, fremdfinanzierungskosten, zinsschranke, finanzierungskosten
Arbeit zitieren
Michael Schneider (Autor), 2013, Das Spannungsfeld um die ertragsteuerliche Abzugsfähigkeit von Fremdfinanzierungskosten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263216

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