Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › History of Europe - Ages of World Wars

Zusammenbruch und Wiederauferstehung des Kolonialismus

Charles de Gaulles neokolonialistischer Weg aus der Algerienkrise

Title: Zusammenbruch und Wiederauferstehung des Kolonialismus

Term Paper , 2010 , 31 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Jonathan Haß (Author)

History of Europe - Ages of World Wars
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich im Rahmen des Proseminars „Frankreich und der Algerienkrieg. Ereignis und Erinnerung“ sowohl mit den schrittweise eingeleiteten Unabhängigkeitsbestrebungen der über 130 Jahre marginalisierten, indigenen Bevölkerung Algeriens als auch den darauf folgenden politischen Reaktionen der IV.- und V. Republik. Der besondere Fokus soll dabei auf den so oft als „Vater der Dekolonisierung“ bezeichneten, ersten Präsident und Gründer der V. Republik, Charles de Gaulle und dessen neokolonialistische Politik gelegt werden. Dabei stellt sich die Frage, ob das Handeln des Generals wie so oft behauptet prädeterminiertes Vorgehen war oder ob vielmehr der Lauf der Geschichte Charles de Gaulle vor sich her trieb und dieser sich den ändernden Verhältnissen nur geschickt anzupassen wusste. Vor diesem Hintergrund ist es allerdings auch unerlässlich, die französische Okkupation in Algerien als Ganzes zu betrachten um etwaige politische sowie militärische Reaktionen beider Seiten im Verlaufe des Unabhängigkeitskrieges, rückblickend besser verstehen zu können. Von besonderem Interesse sind hierbei der politische Status Algeriens im Verhältnis zur indigenen Bevölkerung und die nicht zu unterschätzenden Siedler des französischen Algerien. Alle diese Komponenten müssen einer genaueren Betrachtung unterzogen werden, um den Gesamtkomplex der letzten großen Entkolonialisierungskrise Frankreichs verstehen und nachvollziehen zu können. Dieser Konflikt, der auf unlösbar scheinende Weise fast ein gesamtes Jahrzehnt Frankreich und die algerischen Départements in seinen Klauen hielt, war der Scheidepunkt zu einer neuen Ära des imperialistischen Frankreichs und die Geburtsstunde eines unabhängigen algerischen Staates.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundproblematik des kolonialen Mythos

3. Die Verlängerung Frankreichs jenseits des Mittelmeeres

3.1 Gründung der einzigen Siedlungskolonie Frankreichs

3.2 Die fünf Etappen der Kolonisierung begleitet vom Widerstand der indigenen Bevölkerung

3. 3 Das komplexe Verhältnis zwischen Besetzern und Besetzten

4. Die zum Scheitern verurteilte IV. Republik

4. 1 Die Widersprüchlichkeit von staatsrechtlichem Anspruch und politischer Realisation

4. 2 Das Kabinett Mendès-France: Von der Assimilation zur Integration

4. 3 Das Scheitern der Integrationslösung

4. 4 Das Scheitern der Föderationslösung

4. 5 Die Ereignisse des 13. Mai und das Ende der IV. Republik

5. Charles de Gaulle und die schrittweise eingeleitete Unabhängigkeit Algeriens

5. 1 Ein Schiedsrichter zum Wohle aller?

5. 2 Charles de Gaulles Rückkehr an die Macht

5. 3 Die Gründung der V. Republik und der Versuch einer Neokolonistischen Lösung des Algerienproblems

6. Wandel in der Politik de Gaulles

6. 1 Die Schaffung einer algerischen Persönlichkeit

6. 2 Frankreich bricht in zwei Lager

6.3 Das Referendum über die Unabhängigkeit

6.4 Die V. Republik geht fast zugrunde und ein neuer Staat entsteht

7. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Dekolonisierungsprozess Algeriens und die Rolle von Charles de Gaulle. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob de Gaulles Politik ein langfristig geplanter neokolonialistischer Weg war oder ob er lediglich auf wechselnde politische Gegebenheiten reagierte, um Frankreichs internationalen Einfluss zu sichern.

  • Die Analyse des kolonialen Mythos und der französischen Siedlungspolitik in Algerien.
  • Das Scheitern der Integrations- und Föderationsversuche der IV. Republik.
  • Der Übergang zur V. Republik unter Charles de Gaulle.
  • Die Implementierung einer neokolonialistischen Strategie zur Wahrung wirtschaftlicher Interessen.
  • Die Herausforderungen durch Widerstandsbewegungen wie die FLN und die OAS.

Auszug aus dem Buch

3. 1 Gründung der einzigen Siedlungskolonie Frankreichs

Die im vorherigen Kapitel behandelte Ideologie des französischen Volkes, sich über internationale Größe und Macht zu definieren potenzierte sich in Fragen um die Gebiete des heutigen Algerien. Wie bereits angedeutet, handelte es sich bei diesen Gebieten nicht um eine gewöhnliche Kolonie, wie es sie in West- und Zentralafrika gab, sondern viel mehr um einen „integrierten Bestandteil des Mutterlandes“.5 Betrachtet man die Geschichte der Eroberung dieser Territorien, so wird sehr schnell deutlich, was der eigentliche Indikator bzw. die treibende Kraft zu dieser Annahme seit der „formellen Besitzergreifung“ von 1834 bis zum Ende des Kolonialismus war.6 Der Eroberer selbst, General Bugeaud sagte nach der Landnahme 1830: „Wir brauchen Siedler, die in die günstigsten Positionen gebracht werden müssen. … Überall, wo es gutes Wasser und fruchtbares Land gibt, müssen Siedler platziert werden, ohne dass wir uns darum kümmern, wem das Land gehört, es muss ihnen zum uneingeschränkten Besitz übertragen werden“.7 Der Grundgedanke war also weniger eine, so oft propagierte mission civilisatrice noch die Vernichtung der Seeräuberei. Auch die vorgeheuchelte Sorge um christliche Sklaven oder die Handelstribute an Algier waren nur Vorwände, um eine gewaltsame Okkupation des Landes zu rechtfertigen.8

Es ging also um die Errichtung einer Siedlungskolonie im Sinne einer „Verlängerung Frankreichs jenseits des Mittelmeeres“9 um der Bodenressourcen des Landes habhaft zu werden. Die 1834 geführte, administrative Annäherung zwischen Algerien und Mutterland10 wurde 1845 durch die Einrichtung dreier Départements realisiert, die einem Generalgouverneur unterstanden.11

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Algerienkrieges ein und umreißt die Rolle de Gaulles sowie die Forschungsfrage nach der Vorhersehbarkeit seines Handelns.

2. Grundproblematik des kolonialen Mythos: Das Kapitel analysiert die tiefe ideologische Verwurzelung des französischen Kolonialismus und den imperialen Stolz als Identitätsgrundlage der Nation.

3. Die Verlängerung Frankreichs jenseits des Mittelmeeres: Hier wird die Etablierung Algeriens als Siedlungskolonie und das daraus resultierende komplexe Spannungsfeld zwischen der indigenen Bevölkerung und den europäischen Siedlern beschrieben.

4. Die zum Scheitern verurteilte IV. Republik: Das Kapitel beleuchtet die politische Instabilität der IV. Republik und das Scheitern ihrer Lösungsversuche, die den Zusammenbruch des Systems beschleunigten.

5. Charles de Gaulle und die schrittweise eingeleitete Unabhängigkeit Algeriens: Hier wird der Machtantritt de Gaulles analysiert und die Frage untersucht, inwieweit sein Vorgehen als prädeterminiert oder als taktische Anpassung zu verstehen ist.

6. Wandel in der Politik de Gaulles: Dieses Kapitel behandelt die strategische Neuausrichtung de Gaulles, das Referendum über die Unabhängigkeit und den Widerstand durch radikale Gruppen wie die OAS.

7. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die Dekolonisierungskrise und kommt zu dem Schluss, dass de Gaulles Politik eine notwendige neokolonialistische Anpassung an die veränderte Weltlage darstellte.

Schlüsselwörter

Algerienkrieg, Charles de Gaulle, Dekolonisierung, IV. Republik, V. Republik, französischer Kolonialismus, Siedlungskolonie, Unabhängigkeit, Neokolonialismus, FLN, OAS, Algerien, Algerische Persönlichkeit, Imperialismus, Selbstbestimmungsrecht

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem Algerienkrieg als der letzten großen Entkolonialisierungskrise Frankreichs und der politischen Rolle des ersten Präsidenten der V. Republik, Charles de Gaulle.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den zentralen Themen gehören die ideologischen Grundlagen des französischen Kolonialismus, der Weg von der IV. zur V. Republik sowie die Strategien und taktischen Manöver de Gaulles während des Algerienkonflikts.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Hauptziel ist es zu klären, ob de Gaulles Algerienpolitik eine von langer Hand geplante neokolonialistische Strategie verfolgte oder eine Reaktion auf den unaufhaltsamen Verlauf der Geschichte und den Druck der Befreiungsbewegungen war.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von Primärquellen, Reden, Memoiren und Sekundärliteratur zur Politikgeschichte Frankreichs und Algeriens basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die koloniale Siedlungspolitik, das Scheitern der IV. Republik, den Machtantritt de Gaulles und seine schrittweise Abkehr von der kolonialen Integration hin zum Unabhängigkeitsreferendum trotz innerer Widerstände durch die Armee und die OAS.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die wesentlichen Begriffe sind Dekolonisierung, neokolonialistische Politik, Algerienkonflikt, V. Republik, Siedler (Colons) und nationale Identität.

Warum war Algerien für Frankreich eine "Siedlungskolonie" und kein bloßes Besatzungsgebiet?

Algerien wurde durch die administrative Anbindung und die Ansiedlung von ca. einer Million Europäern auf zehn Millionen indigene Einwohner faktisch als integraler Bestandteil des französischen Mutterlandes betrachtet, was den Konflikt besonders unnachgiebig gestaltete.

Welche Rolle spielte die OAS in der Endphase des Krieges?

Die Organisation de l’armée secrète (OAS) versuchte durch Terror, Attentate und Massaker die Unabhängigkeitsbestrebungen gewaltsam zu stoppen und de Gaulles Politik zu sabotieren, was jedoch den Prozess eher beschleunigte und das französische Mutterland in eine schwere innere Krise stürzte.

Excerpt out of 31 pages  - scroll top

Details

Title
Zusammenbruch und Wiederauferstehung des Kolonialismus
Subtitle
Charles de Gaulles neokolonialistischer Weg aus der Algerienkrise
College
University of Tubingen  (Seminar für Zeitgeschichte)
Course
Frankreich und der Algerienkrieg. Ereignis und Erinnerung
Grade
1,7
Author
Jonathan Haß (Author)
Publication Year
2010
Pages
31
Catalog Number
V263233
ISBN (eBook)
9783656518785
ISBN (Book)
9783656518693
Language
German
Tags
zusammenbruch wiederauferstehung kolonialismus charles gaulles algerienkrise
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jonathan Haß (Author), 2010, Zusammenbruch und Wiederauferstehung des Kolonialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263233
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  31  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint