Tierversuche. Ein Überblick zu ethischen Fragen und gesetzlichen Vorgaben


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Tierversuche
2.1 Moralische Aspekte bei Tierversuchen.
2.2 Gesetzliche Grundlagen für Tierversuche

3. Versuchstiere

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis.

1. Einleitung

Immer wieder verdanken wir dem Stand unserer modernen Medizin kleinere und größere Wunder. Viele Eingriffe, die wir Menschen des 21. Jahrhunderts ohne besondere Wertschätzung an uns durchführen lassen, waren vor wenigen Jahrzehnten in dieser Art vielleicht noch gar nicht möglich, vielleicht nur unter erheblichen Risiken durchführbar und ihre Unterlassung bedeutete seinerzeit für uns den sicheren Tod. Auf diesem Weg der Forschung, Entwicklung und Verbesserung solcher Eingriffe oder auch von Medikamenten, war eines jedoch häufig sehr sicher, der Tod oder zumindest die Leiden von Tieren, bei deren Therapie die Methode definitiv noch nicht perfektioniert und möglicherweise eher leiderzeugend, als leidlindernd war. Die Rede ist hier von Versuchstieren. In zahllosen Bereichen der Forschung eingesetzt, treten sie immer dann an die Stelle des Menschen, wenn es darum geht, das (Rest-)Risiko für die Chance auf Forschungserfolge in Kauf zu nehmen oder zu ertragen. Die unterschiedliche Gewichtung zwischen menschlichem und tierischem Leiden oder Tod, die, mangels geeignetem Kommunikationsmittel, fehlende Zustimmung des betroffenen Tieres und die Aufgabe des Menschen, die Tiere zu schützen, sind nur einige Ansätze, die bei der Thematik der Tierversuche immer wieder für Diskussionsstoff sorgen. Mit solchen Tierversuchen, zwangsläufig dabei auftretenden ethischen Fragen und deren gesetzlichen Vorgaben soll sich in der vorliegenden Arbeit beschäftigt werden.

2. Tierversuche

Bereits aus der Zeit um das Jahr 500 v. Chr. sind erste Experimente an lebenden Tieren überliefert. Hierbei handelte es sich um Vivisektionen, also das Sezieren lebender Tiere. Ein Vertreter war der Arzt und Philosoph Alkmaion aus dem italienischen Kroton. Durch Vivisektion von Wirbeltieren entdeckte er die Verbindung der Sinnesorgane mit dem Gehirn. Für die Erkenntnis psychologischer Vorgänge, welche durch Studien an lebenden Schweinen und Affen gewonnen wurde, wurde auch der Arzt Galenusa, der im zweiten Jahrhundert nach Christus lebte, berühmt. Seine Entdeckungen bildeten sehr lange Zeit die Grundlage für die Medizin und machten ihn, neben Hippokrates, zu einem der bedeutendsten Ärzte der Antike. Bis zur Zeit der Aufklärung gewannen Tierversuche, speziell in Europa, mehr und mehr an Bedeutung. So wurde im 17. Jahrhundert hierdurch auch der große Blutkreislauf durch den englischen Anatom und Arzt William Harvey entdeckt. Der Umstand, dass bis dato Eingriffe an lebenden Tieren ohne Narkose vorgenommen wurden, veranlasste den Philosoph und Begründer der französischen Moraltheorie, Michael de Montaigne, im 16. Jahrhundert dazu, sich für das Grausamkeitsverbot im Umgang mit Tieren einzusetzen. Für Befürworter von Tierversuchen stehen vor allem der Fortschritt in der modernen Medizin und effektiver Behandlungsmethoden im Vordergrund. Nach ihrer Ansicht wären diese für Menschen und Tiere ohne Versuche am Tier nicht möglich gewesen. Zu diesen Befürwortern zählen vor allem Wissenschaftler biomedizinischer Forschungsrichtungen an Universitäten, wissenschaftlichen Instituten und der Pharmaindustrie. Sie vertreten die These von der Unersetzbarkeit von Tierversuchen.[1] Ein entscheidendes Argument dieser Wissenschaftler ist, dass der medizinische Forschungsstandort Deutschland speziell auf den Gebieten Bio- und Gentechnologie gefährdet ist und eine Verlagerung der Tierversuche in Länder mit lockererer Reglementierung sich ethisch nicht rechtfertigen ließe.[2] Hingegen fordern Tierversuchsgegner die Abschaffung der Experimente mit Tieren. Sie zweifeln prinzipiell an, dass die gewonnenen Ergebnisse aus Tierversuchen überhaupt in hinreichender Form auf den Menschen übertragbar sind.[3] Wissenschaftlern, welche tierexperimentell tätig werden, wird immer wieder Profilierungssucht vorgeworfen. Dabei wird vor allem auf unnötige Mehrfachversuche verwiesen, welche zu gleichen Forschungsthemen durchgeführt werden. Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche e.V. ist zudem bemüht, die Verharmlosung von Tierversuchen zu negieren und die Öffentlichkeit hierfür zu sensibilisieren. Eine klinische Erhebung zu genehmigten Tierversuchen hat ergeben, dass gerade einmal vier von insgesamt 97 veröffentlichten Untersuchungen einen direkten Zusammenhang zwischen dem Ergebnis des Tierversuches und dem späteren Befund am Menschen aufweisen. Bei den übrigen war entweder kein therapeutischer Effekt nachzuweisen oder die Befunde am Menschen widersprachen denen aus dem Versuch am Tier.[4] In der Tat gibt es immer wieder Belege dafür, dass sich biomedizinische Schlussfolgerungen aus Tierversuchen für humanmedizinische Belange als unzureichend und problematisch herausstellen.[5] Am Beispiel des Verbotes von Asbest lässt sich dies verdeutlichen. Als Versuchstiere bezüglich Giftempfindlichkeit wurden Ratten als besonders passendes Modell angesehen. Gegen Asbest zeigten sich Ratten weitgehend unempfindlich, wobei man heute weiß, dass Ratten über einen wesentlich höheren Anteil an Entgiftungsgenen verfügen, als der Mensch.[6] Ein weiteres Beispiel, in denen Tierversuche wohl nur scheinbare Sicherheit vermittelten, Gegner von Tierversuchen immer wieder gerne als Paradebeispiel für die Sinnlosigkeit derselben anführen und Befürworter auf zu wenig Tierversuche im Vorfeld zurückführen,[7] ist der Skandal um das Beruhigungs- und Schlafmittel Contergan®. Dieses Arzneimittel wurde in den 1950er Jahren speziell Schwangeren gegen die Morgenübelkeit verschrieben und führte später bei vielen Neugeborenen zu erheblichen Fehlbildungen. Der Unterschied zwischen dem menschlichen und dem tierischen Organismus ist demzufolge dafür verantwortlich, dass die präklinische Erprobung neuer Arzneimittel keinen generellen Schutz vor schädlichen Einwirkungen auf den Menschen bieten kann.[8] Erkenntnisse, die auf innerartlicher Ebene gewonnen werden, können aufgrund unterschiedlicher physiologischer Abläufe bei artübergreifender Anwendung problematisch werden.Deshalb geriet gerade die leichtfertige Übertragung gewonnener Erkenntnisse, von, unter vermeintlich vergleichbaren Bedingungen getesteten, Arzneimitteln zu einem heftigen Kritikpunkt in der Öffentlichkeit. So war und ist es durchaus möglich, dass bereits behördlich zugelassene Medikamente nach der Anwendung beim Menschen wieder zurückgezogen wurden.[9] Die Skepsis gegenüber solchen Praktiken lenkt den Fokus der Öffentlichkeit auch immer wieder auf die Sinnhaftigkeit der Tierversuche. Fragen nach dem Sinn, dem Nutzen und der ethischen Vertretbarkeit dieser Versuche werden somit immer wieder laut. Nicht zuletzt daher unterliegen die Tierversuche bezüglich ihrer Häufigkeit, ihrer Qualität und ihrer bioethischen Relevanz einem ständigen Verbesserungsprozess.[10] Neben den bereits angesprochenen Vivisektionen zählen auch die Xenotransplantationen zur Gruppe der Tierversuche. In dieser medizinischen Richtung steht die Hoffnung auf Linderung und Beseitigung von chronischen Leiden im Mittelpunkt. Eine große Nachfrage besteht dabei Zusammenhang nach Gewebe und Organen. Da es an ausreichend menschlichen Spenderorganen mangelt, werden vermehrt tierische Ersatzteile eingesetzt. Im Jahre 1682 wurde in diesem Zusammenhang einer Patientin mit Kopfverletzung Knochen eines Hundes in den Schädel implantiert. Der Versuch der ersten Herztransplantation im Jahre 1964 scheiterte, als dem Patienten das Herz eines Schimpansen eingesetzt wurde. Das Implantat war für den menschlichen Organismus schlichtweg zu schwach. Immerhin neun Monate lebensfähig war ein Parkinsonpatient, dem 1997 Gehirnzellen von Schweinefeten implantiert wurden.[11] Ein Hauptgrund für das Scheitern dieser Maßnahmen ist, dass das körperfremde Gewebe vom Immunsystem häufig nicht akzeptiert und dadurch attackiert und zerstört wird. Dem wird bei Organtransplantationen mit Immunsuppressiva entgegengewirkt, welche die gewöhnlichen Abstoßmechanismen unterdrücken. Als ungewollter Nebeneffekt ist dadurch der Patient jedoch besonders anfällig für Infektionen. Hier wird bereits nach neuen Wegen der Transplantationstechnik geforscht. Der entsprechende Tierversuch in diesem Zusammenhang war der Ersatz von Pavian-Knochenmark durch das von Schweinen. Weiterführend wird im Bereich der Xenotransplantation bereits das Tier als Ersatzteilspender eingesetzt, indem gezielt auf die Lieferung von Spenderorganen hin gezüchtet wird. Speziell dabei treten auch hier wieder die bioethischen Fragen auf den Plan.[12] Diese immer wieder aufkommende Diskussion führt zwangsläufig dazu, dass Alternativen zu den Tierversuchen in der bisherigen Art und Weise gesucht werden. Die Idealvorstellung ist dabei ein künstliches System aus Zelllinien, welches sich in dieser Art jedoch in den seltensten Fällen zu einem wirklichen Erkenntnisgewinn eignen würde. So genannte in vitro -, also im Glas -Verfahren finden bereits vielfach Anwendung in der Forschung und werden von staatlicher Seite intensiv gefördert. Gerade bei der Erforschung von Details auf zellularer und molekularer Ebene ist diese Methodik sehr erfolgreich. Das komplexe Zusammenspiel von Organen und Gewebe im intakten Organismus ist hiermit jedoch nicht hinreichend abbildbar und es bedarf somit weiterhin in vivo -, also im Leben - Verfahren, wie den Tierversuchen. Die beiden Verfahren sind momentan auf dem Stand, dass sie sich gegenseitig ergänzen. Doch auch zur Herstellung von Zelllinien müssen aktuell Tiere getötet werden, da frisches Zellmaterial am wenigsten von lagerungsbedingten Veränderungen betroffen ist. Sucht man nach einem Trend, so stellt man fest, dass aufgrund der steigenden Anzahl der Untersuchungen von Zellkulturen und Zelllinien die Anzahl der Tierversuche zurückgegangen ist. Dies wird speziell bei der Arzneimittelprüfung deutlich. Im Bereich der Grundlagenforschung jedoch, führt häufig kein Weg an Tierversuchen vorbei. Vor allem da, wo es um komplexe Gebilde, wie das Zentralnervensystem, den Blutkreislauf oder auch Grundlagen des Verhaltens geht.[13] Eine weitere Alternative zu Tierversuchen sind Computersimulationen. Diese werden in der biomedizinischen Forschung vor allem im Bereich der Neurobiologie eingesetzt, um mit Hilfe von Modellen auf theoretischem Weg bestimmte Abläufe zu antizipieren. Häufig wird mit dieser Methodik die Funktion des zentralen Nervensystems abgebildet und veranschaulicht. Auch hierbei werden die Tierversuche jedoch auch wieder zur Überprüfung der gewonnenen Ergebnisse herangezogen. Die bisher vorhandenen Alternativen bieten somit die Möglichkeit, die Anzahl nötiger Tierversuche einzuschränken, ersetzen diese jedoch noch nicht vollständig. Zur Eindämmung unnötiger Tierversuche wird während des Prozesses der Genehmigung von den zuständigen Behörden geprüft, ob der beabsichtigte Versuch unerlässlich ist oder ob die angestrebten Ergebnisse möglicherweise auch auf anderem Wege zu erlangen sind.[14]

[...]


[1] W. Ahne, Tierversuche Im Spannungsfeld von Praxis und Bioethik, Stuttgart 2007 S.21.

[2] W. Ahne, Tierversuche Im Spannungsfeld von Praxis und Bioethik, Stuttgart 2007 S.31.

[3] W. Ahne, Tierversuche Im Spannungsfeld von Praxis und Bioethik, Stuttgart 2007 S.22.

[4] W. Ahne, Tierversuche Im Spannungsfeld von Praxis und Bioethik, Stuttgart 2007 S.29.

[5] W. Ahne, Tierversuche Im Spannungsfeld von Praxis und Bioethik, Stuttgart 2007 S.22.

[6] W. Ahne, Tierversuche Im Spannungsfeld von Praxis und Bioethik, Stuttgart 2007 S.24.

[7] Laufs, A. et al., Tierversuche und medizinische Ethik, Wolfgang Hardegg u. Gert Preisler (Hg) in: Frankfurter Beiträge, Band 3, Hildesheim 1986 S.14.

[8] W. Ahne, Tierversuche Im Spannungsfeld von Praxis und Bioethik, Stuttgart 2007 S.24.

[9] W. Ahne, Tierversuche Im Spannungsfeld von Praxis und Bioethik, Stuttgart 2007 S.25.

[10] W. Ahne, Tierversuche Im Spannungsfeld von Praxis und Bioethik, Stuttgart 2007 S.27.

[11] W. Ahne, Tierversuche Im Spannungsfeld von Praxis und Bioethik, Stuttgart 2007 S.32.

[12] W. Ahne, Tierversuche Im Spannungsfeld von Praxis und Bioethik, Stuttgart 2007 S.33.

[13] Laufs, A. et al., Tierversuche und medizinische Ethik, Wolfgang Hardegg u. Gert Preisler (Hg) in: Frankfurter Beiträge, Band 3, Hildesheim 1986 S.22.

[14] Laufs, A. et al., Tierversuche und medizinische Ethik, Wolfgang Hardegg u. Gert Preisler (Hg) in: Frankfurter Beiträge, Band 3, Hildesheim 1986 S.22.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Tierversuche. Ein Überblick zu ethischen Fragen und gesetzlichen Vorgaben
Hochschule
Universität Erfurt
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
14
Katalognummer
V263300
ISBN (eBook)
9783656522881
ISBN (Buch)
9783656527176
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
tierversuche, fragen, vorgaben
Arbeit zitieren
Sarah Langosch (Autor), 2013, Tierversuche. Ein Überblick zu ethischen Fragen und gesetzlichen Vorgaben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263300

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