Die hier vorliegende Bachelorarbeit thematisiert die Zusammenhänge zwischen Internetsucht und akademischer Prokrastination im Rahmen einer empirischen Online-Fragebogenstudie.
Durch die Entwicklungen des Internets sind auch den Möglichkeiten der Ablenkung und des Versinkens in diesem Medium kaum Grenzen gesetzt. Während ein Buch oder ein Film ein Ende hat, kann man im Internet unendlich verweilen, indem man sich von Link zu Link weiter vorarbeitet. Im Extremfall kann dies sogar zu einer Internetsucht führen. Ziel dieser Arbeit ist, auf wissenschaftlicher Basis herauszufinden, ob es signifikante Zusammenhänge zwischen den Konstrukten von akademischer Prokrastination und Internetsucht gibt.
Um dies zu untersuchen wurde eine quantitative Online-Fragebogenstudie bei deutschen Studierenden durchgeführt. Der Fragebogen enthält neben demographischen Angaben auch die Abfrage einer Skala zu dem Thema akademische Prokrastination und einer Skala zu Internetsucht. Weiterhin wurde die Nutzung von verschiedenen Internetdiensten abgefragt. Die endgültige Stichprobe umfasst 624 Studierende.
Aus den Ergebnissen ist abzulesen, dass es eine signifikante mittelhohe Korrelation zwischen Internetsucht und akademischer Prokrastination gibt. Weiterhin weisen Studierende außerhalb der Regelstudienzeit in beiden Merkmalen eine signifikant höhere Ausprägung auf. Auch Studierende, die soziale Netzwerke häufiger nutzen als ihre Kommilitonen, neigen zu signifikant höheren Ausprägungen bei beiden Phänomenen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Prokrastination
2.1.1 Differential- und persönlichkeitspsychologischer Ansatz
2.1.2 Motivations- und volitionspsychologischer Ansatz
2.1.3 Temporal Motivation Theory
2.2 Internetsucht
2.2.1 Diagnosekriterien
2.2.2 Entstehung von Internetsucht aus psychologischer Sicht
2.2.3 Persönlichkeitsmerkmale
2.2.4 Prävalenz
2.3 Zusammenhänge zwischen Prokrastination und Internetsucht
2.4 Ableitung der Hypothesen
3. Methode
3.1 Experimentaldesign
3.2 Aufbau des Erhebungsinstruments
3.3 Verteilung des Online-Fragebogens
4. Ergebnisse
4.1 Beschreibung der Stichprobe
4.2 Repräsentativität der Stichprobe
4.3 Rückschlüsse auf Population
4.4 Konsistenzanalysen
4.5 Deskriptive Ergebnisse
4.6 Überprüfung der Hypothesen
5. Diskussion
5.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
5.2 Stärken und Schwächen der Studie
5.3 Anregung für weitere Forschung und Praxis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht auf wissenschaftlicher Basis die Zusammenhänge zwischen akademischer Prokrastination und Internetsucht bei Studierenden. Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob signifikante korrelative Zusammenhänge zwischen diesen beiden psychologischen Konstrukten existieren und inwieweit Faktoren wie die Studienzeit oder die Nutzungsdauer sozialer Netzwerke dabei eine Rolle spielen.
- Akademische Prokrastination und ihre theoretischen Erklärungsmodelle
- Pathologische Internetnutzung und diagnostische Kriterien
- Empirische Untersuchung mittels Online-Fragebogenstudie (N=624)
- Einfluss der täglichen Internetnutzung und sozialer Medien auf das Arbeitsverhalten
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Differential- und persönlichkeitspsychologischer Ansatz
Die Differential- und Persönlichkeitspsychologie versteht Prokrastination als ein fest verankertes Persönlichkeitsmerkmal und verschiedene Forschende haben daher in ihren Studien zu diesem Thema versucht, das zwanghafte Aufschieben in ein breites nomologisches Netzwerk einzuflechten. Dabei haben sie sich auf die Beziehung von Prokrastination mit anderen Persönlichkeitsmerkmalen und merkmalsähnlichen Konstrukten konzentriert (Klingsieck, 2013). Zunächst muss allerdings geklärt werden, warum die Forschenden davon ausgehen, dass Prokrastination als Persönlichkeitsmerkmal anzusehen ist. Vor allem Steel (2007) plädiert in einer Meta-Analyse dafür und führt eine Studie von Arvey, Rotundo, Johnson und McGue (2003) an, die eineiige und zweieiige männliche Zwillinge untersuchten und dabei eine signifikant hohe Korrelation für Prokrastination zwischen den jeweiligen Geschwistern feststellten.
Bei den eineiigen Zwillingen lag die Korrelation bei r = .24 und für die zweieigen Zwillinge bei r = .13. Darüber hinaus untersuchte Steel (2007) neun Studien bei denen eine durchschnittliche Retest-Reliabilität von r = .73 vorlag, was auf ein stabiles Merkmal hindeutet. In einer unveröffentlichten Masterarbeit von Elliot (2002) führt dieser eine Korrelation von r = .77 für eine Langzeitstudie von zehn Jahren mit 281 Teilnehmenden an, was einen weiteren Hinweis für Prokrastination, als ein stabiles Persönlichkeitsmerkmal gibt.
Um Prokrastination als Persönlichkeitsmerkmal einzuordnen, ist es wesentlich ein nomologisches Netzwerk mit anderen Persönlichkeitskonstrukten in Beziehung zu dem genannten Thema aufzubauen. Tabelle 1 zeigt ausgewählte, von Steel (2007) dargestellte, korrelative Zusammenhänge zu anderen Persönlichkeitsaspekten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der akademischen Prokrastination im Kontext des Internets ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage der Studie.
2. Theoretischer Hintergrund: Hier werden zentrale Konzepte wie Prokrastination und Internetsucht definiert, theoretische Ansätze diskutiert und der aktuelle Stand der Forschung dargelegt, woraus die Hypothesen abgeleitet werden.
3. Methode: Dieser Abschnitt beschreibt das methodische Vorgehen, einschließlich des Experimentaldesigns, der verwendeten Erhebungsinstrumente und der Verteilung des Online-Fragebogens.
4. Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die statistische Auswertung der Daten, beschreibt die Stichprobe und überprüft die aufgestellten Hypothesen mittels deskriptiver und interferenzstatistischer Verfahren.
5. Diskussion: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst, kritisch reflektiert und Anregungen für zukünftige Forschungen sowie praktische Implikationen gegeben.
Schlüsselwörter
Akademische Prokrastination, Internetsucht, Studierende, Online-Fragebogen, Arbeitsverhalten, Korrelation, Persönlichkeitsmerkmale, Soziale Netzwerke, Regelstudienzeit, Motivation, Volition, Internetabhängigkeit, empirische Studie, Selbstkontrolle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen des akademischen Aufschiebeverhaltens (Prokrastination) in Verbindung mit exzessiver Internetnutzung bei Studierenden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die psychologische Definition von Prokrastination und Internetsucht, deren mögliche gegenseitige Beeinflussung sowie deren Auswirkungen auf den Studienverlauf.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Ziel ist es, empirisch zu prüfen, ob es signifikante Zusammenhänge zwischen akademischer Prokrastination und Internetsucht gibt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine quantitative Online-Fragebogenstudie mit einer Stichprobe von 624 Studierenden durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Einbettung der Konstrukte, die Beschreibung des methodischen Vorgehens bei der Datenerhebung sowie die detaillierte Darstellung und Auswertung der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind akademische Prokrastination, Internetsucht, Korrelation, Selbstkontrolle, soziale Netzwerke und Regelstudienzeit.
Welche Rolle spielen soziale Netzwerke bei der Prokrastination?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine längere tägliche Nutzungsdauer sozialer Netzwerke mit einer stärkeren Neigung zu Prokrastination und Internetsucht korreliert.
Führt eine Überschreitung der Regelstudienzeit zwingend zu Internetsucht?
Nein, aber die Studie zeigt, dass Studierende jenseits der Regelstudienzeit eine signifikant höhere Ausprägung bei Prokrastinations- und Internetsuchtskalen aufweisen als Studierende innerhalb der Regelstudienzeit.
- Citation du texte
- Martin Falkenberg (Auteur), 2013, Zusammenhänge zwischen akademischem Aufschiebeverhalten und Internetsucht bei deutschen Studierenden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263427