Die lex Licinia Sextia de modo agrorum, die lex de modo agrorum und die rogatio Laelia agraria

Die Forschungsdebatte über die Existenz und Unterscheidung der vorgracchischen Agrargesetze


Hausarbeit, 2013
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lex Licinia Sextia de modo agrorum

3. Lex de modo agrorum

4. Rogatio Laelia agraria

5. Vergleich

6. Literaturverzeichnis
a. Quellen
b. Sekundärliteratur

1. Einleitung

Zwischen 133 und 121 v. Chr. erließen Tiberius und Gaius Gracchus eine Reihe von Agrargesetzen, die weitreichende Veränderungen nach sich brachten, das Ende der römischen Republik einleiteten und die beiden Brüder als Reformer unsterblich machten.[1] Doch die lex Sempronia agraria war nicht das erste römische Agrargesetz – die antiken Chronisten Appian und Plutarch betonen beide, dass sich die Gracchen auf ein früheres Gesetz bezogen, das zu ihrer Zeit aber schon nicht mehr in Kraft war.[2] Es gibt in antiken Quellen Erwähnungen von drei vorgracchischen Agrarreformen, die mit dieser Beschreibung gemeint sein können, und um diese soll es in der vorliegenden Arbeit gehen: die lex Licinia Sextia de modo agrorum, die lex de modo agrorum und die rogatio Laelia agraria.

Die Existenz und die Unterschiede der vorgracchischen Agrargesetze sind keinesfalls unumstritten und wurden in einer seit über 200 Jahren geführten Forschungsdebatte immer wieder in Frage gestellt. Im Folgenden werden die zwei Gesetze und der Gesetzesvorschlag detailliert vorgestellt, im Speziellen stellen sich dabei folgende Fragen: Wie viele vorgracchische Agrargesetze gab es? Sind die lex Licinia Sextia de modo agrorum, die lex de modo agrorum und die rogatio Laelia agraria drei unterschiedliche Gesetze oder nur drei Belege für ein und dasselbe Gesetz? Und schlussendlich: Worin unterscheiden sie sich und was sind ihre Gemeinsamkeiten?

Auslöser für den Erlass der römischen Agrargesetze war die zunehmend prekäre Lage der immer mehr verarmenden Kleinbauern und die Konzentration von Landbesitz in den Händen reicher Großgrundbesitzer. Die Agrarreformen wandten sich hierbei aber nicht gegen Land im Privatbesitz, sondern betrafen die Verwendung des sogenannten ager publicus. Dabei handelte es sich um „öffentliches Land, das jeder Römer, […] landwirtschaftlich nutzen konnte, solange vom Staat aus nicht anderweitig darüber verfügt wurde.”[3] Gegen die Zahlung einer (meist symbolischen) Pacht, bestand die Möglichkeit der Okkupation, also der erblichen Nutzung des Staatslandes.[4] Ager publicus stand allen römischen Bürgern offen, aber de facto waren es vor allem die reichen Großgrundbesitzer, die damit ihre Ländereien immer weiter vergrößerten[5] – und genau an diesem Punkt setzten die verschiedenen Agrargesetze ein.

Jedem der drei Gesetze ist in der vorliegenden Arbeit ein Kapitel gewidmet. Zuerst geht es jeweils um den Inhalt, die Überlieferungen, den Verfasser (soweit bekannt) und die Umstände, die zum Erlass des Gesetzes führten, anschließend werden dann die einzelnen oft widersprüchlichen Interpretationen, Kontroversen und Forschungsdiskussionen vorgestellt.

Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Problematik der Datierung, wobei die einzelnen Gesetze einen sehr großen Zeitraum abdecken. Wenn man den antiken Chronisten glauben mag, wurde das erste schon 367 v. Chr. zur Zeit der Ständekämpfe erlassen,[6] das letzte dann nur ein knappes Jahrzehnt vor den gracchischen Reformen.[7] In der vorliegenden Arbeit werden vier antike Quellen verwendet, die je ein oder mehrere der Agrargesetze beschreiben: Titus Livius Chronik ab urbe condita,[8] Aulus Gellius Noctes Atticae und die darin zitierte Rede Pro Rodiensibus des älteren Cato,[9] die Geschichte Roms des griechischen Autors Appian[10] und Plutarchs Biographie der Gracchen.[11] Bis auf Catos Rede, die relativ zeitnah von Aulus Gellius aufgezeichnet wurde, sind die restlichen Chroniken jeweils um die dreihundert Jahre nach Erlass der beschriebenen Gesetze verfasst worden. Auch hier wird ein großer Zeitraum abgedeckt: Livius schrieb im ersten vorchristlichen Jahrhundert, Appian und Plutarch beide im zweiten Jahrhundert nach Christi Geburt.

In der Forschung über die vorgracchischen Agrargesetze ist vor allem die Monographie „ Lex Licinia Sextia de modo agrorum – fiction or reality?“ des finnischen Historikers Björn Forsén bedeutend, da er darin sehr detailliert die unterschiedlichen Forschungspositionen der letzen zweihundert Jahre beschreibt.[12] In der vorliegenden Arbeit werden auch neuere Werke verwendet (zum Beispiel die Studienbücher von Klaus Bringmann oder Bernhard Linke[13] ), trotz allem ist klar festzustellen, dass an den sehr viel älteren Texten von Benedikt Niese[14] und Gianfranco Tibiletti[15] kein Weg vorbeiführt – und sei es nur, weil sich so viele nachfolgende Historiker auf sie beziehen.

2. Lex Licinia Sextia de modo agrorum

Im sechsten Buch seiner Chronik ab urbe condita beschreibt der römische Geschichtsschreiber Titus Livius die leges Liciniae Sextiae der Volkstribunen Lucius Sextius Lateranus und Gaius Licinius Stolo, die 367 v. Chr. nach langjährigem Widerstand der Patrizier durchgesetzt wurden.[16] Die Gesetze ermöglichten den Plebejern unter anderem Zugang zum Amt des Konsuls.[17] Ein weiterer Abschnitt – de modo agrorum – behandelte den Umfang des Landbesitzes. Laut Livius schränkte das Gesetz die Menge an Ackerland, die ein römischer Bürger innehaben konnte, auf 500 iugera (Morgen) ein.[18]

Livius schildert den fast zehnjährigen Kampf der beiden Volkstribune für ihre Reformen äußerst ausführlich und lässt dabei wiederholt beide Seiten zu Wort kommen: Den Patrizier-Führern wurde vorgeworfen, ein einzelner von ihnen besitze soviel Land wie fast dreihundert einfache Bürger,[19] worauf diese sich mit der Anschuldigung wehrten, Sextius und Licinius verschenkten fremdes Land und nähmen es hin, dass durch die Vertreibung der Großgrundbesitzer Einöden entstünden.[20]

Gerade die spezifische Beschränkung auf maximal 500 iugera pro Person war Auslöser einer seit über zweihundert Jahren geführten Forschungskontroverse, ob es die lex Licinia Sextia de modo agrorum (in dieser Form) tatsächlich gegeben haben könnte.[21] Eine erste Diskussion ging der Frage nach, um welche Art von Land es sich in dem Gesetz handelt.

Auffallend ist, dass Livius in seiner komplett erhaltenen Beschreibung der Licinisch-Sextischen Reform immer nur von Ackerland – ager – spricht und die Bezeichnung ager publicus hier nie verwendet.[22] Von Staatsland ist hingegen in der Inhaltsangabe des 58. Buches bei seiner Beschreibung der Gracchischen Agrarreform die Rede.[23] Folglich verwendet Livius in seinem Werk die Unterscheidung zwischen Ackerland und ager publicus und hat im ersten Fall bewusst ager eingesetzt. Der Historiker Björn Forsén, der der lex Licinia Sextia de modo agrorum eine eigene Monographie gewidmet hat, kommt nach Betrachtung aller ihm vorangegangenen Forschungsdiskussionen allerdings zu dem Schluss, dass es sich bei dem im Gesetzbeschriebenen Land trotzdem um ager publicus handeln muss.[24]

[...]


[1] Zu den Gracchen siehe: David Stockton: The Gracchi. Oxford 1979. Und. Jochen Bleicken: Überlegungen zum Volktribunat des Tiberius Sempronius Gracchus. (= Historische Zeitschrift 247). Frankfurt 1988, S. 265-293.

[2] App. civ. (emph.) 1, 9, 37. Sowie: Plut. Tib. Grach. 8, 5-6.

[3] Bernhard Linke: Die römische Republik von den Gracchen bis Sulla. Darmstadt 2012, S. 10.

[4] Plut. Tib. Gracch. 7.

[5] Ebda.

[6] Liv. VI, 35.

[7] Plut. Tib. Gracch. 8.

[8] Liv. VI, 35-42.

[9] Cato apud Gell. VI, 3, 37-38.

[10] App. civ. (emph.) 1, 8, 33-34.

[11] Plut. Tib. Gracch. 8.

[12] Björn Forsén: Lex Licinia Sextia de modo agrorum – fiction or reality? Helsiniki 1991.

[13] Linke: Römische Republik. Sowie: Klaus Bringmann: Krise und Ende der römischen Republik (133-42 v. Chr.). Berlin 2003.

[14] Benedictus Niese: Das sogenannte licinisch-sextische Ackergesetz. (= Hermes: Zeitschrift für klassische Philologie 23). Berlin 1888, S. 410-423.

[15] Gianfranco Tibiletti: Il possesso dell’ager publicus e 1e norme de modo agrorum sino ai Gracchi. cap. I-III. (= Athenaeum 26). Pavia 1948, S. 173-236. cap. IV-VI. (= Athenaeum 27). Pavia 1949, S. 3-42. Sowie: Ders.: Ricerche di storia agraria romana. (= Athenaeum 28). Pavia 1950, S. 183-266.

[16] Liv. VI, 35-42.

[17] Der erste Plebejer der zum Konsul gewählt wurde war Licinius Stolo selbst. Siehe dazu: Liv. VI, 42, 9.

[18] Liv. VI, 35, 5.

[19] Ebda., 36, 11.

[20] Ebda., 41, 10-11.

[21] Eine gute und ausführliche Beschreibung der Forschungsdiskussionen findet sich bei Forsén: Lex Licinia Sextia de modo agrorum, S. 13-28.

[22] Liv. per. VI. Sowie: Liv. VI, 35, 5. Und: Liv. VI, 36, 11.

[23] Liv. per. LVIII. 1.

[24] Forsén: Lex Licinia Sextia de modo agrorum, S. 28-34.

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Details

Titel
Die lex Licinia Sextia de modo agrorum, die lex de modo agrorum und die rogatio Laelia agraria
Untertitel
Die Forschungsdebatte über die Existenz und Unterscheidung der vorgracchischen Agrargesetze
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Historisches Seminar, Abteilung für Alte Geschichte)
Veranstaltung
Römische Landwirtschaft
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V263443
ISBN (eBook)
9783656522690
ISBN (Buch)
9783656531982
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Antike, Agrargesetze, Gracchen, Livius, Cato, Plutarch, lex de modo agrorum, Rom, Landwirtschaft, Appian
Arbeit zitieren
Lilly Maier (Autor), 2013, Die lex Licinia Sextia de modo agrorum, die lex de modo agrorum und die rogatio Laelia agraria, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263443

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