Johann Ludwig Tieck (31. Mai 1773- 28. April 1853) war einer der vielseitigsten und produktivsten Dichterpersönlichkeiten seiner Epoche und ist einer der bedeutendsten Repräsentanten der deutschen literarischen Romantik. Schon in seiner Jugend zeigte Tieck großes Interesse für die Werke William Shakespeares, die er später übersetzte, und trat schon früh mit eigenen Dichtungen hervor. Auch seine Übersetzung des Don Quijote von Miguel de Cervantes blieb bis heute verbreitet. Heute ist der Autor einem größeren Publikum vornehmlich durch seine Leistungen als Übersetzer und einige besonders populäre Erzählungen präsent, allen voran die Satire "Der gestiefelte Kater" (1797). „Der gestiefelte Kater“ fehlt in keiner Darstellung der deutschen Romantik, und erst recht ist er im Zusammenhang solcher Themen wie der romantischen Ironie, der romantischen Komödie, des Beginns der Romantik und sogar des epischen Theaters und seine Vorformen immer wieder behandelt worden. Zu einer aber auch nur im wesentlichen einheitlichen Deutung ist man trotzdem nicht gelangt.
Die folgende Arbeit vermittelt eine Einführung in den Enstehungshintergründen des Stückes, behandelt die Rolle der Illusionsdurchbrechung und rekonstruirt die Spielebenen. Anschließend werden einige Interpretationen des Stückes vorgestellt und behandelt. Ziel der Arbeit ist eine Rekonstruktion der bisherigen Auffassungen, um die Gattung des Stückes und sein Platz in der deutschen Komödie festzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hintergrund und Bestimmung des Objektes der Satire
3. Illusion und Illusionsdurchbrechung
4. Gattungsbestimmung
5. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht Ludwig Tiecks Satire "Der gestiefelte Kater", um durch eine Rekonstruktion der Spielebenen sowie der bisherigen Interpretationsansätze die Gattung des Werkes zu bestimmen und seinen Stellenwert innerhalb der deutschen Komödie des 19. Jahrhunderts zu begründen.
- Historische Einordnung und Entstehungskontext des Werkes
- Analyse der Illusionsdurchbrechung und der spielerischen Metaebenen
- Kritische Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Publikumserwartungen
- Diskussion der Gattungsbegriffe wie "Theatersatire" und "poetische Satire"
- Einordnung des Stückes in den Kontext der romantischen Ironie
Auszug aus dem Buch
3. Illusion und Illusionsdurchbrechung
Der Gestiefelte Kater thematisiert das Publikum der Iffland- Stücke und gewinnt seine besondere Form dadurch, daß er Theater und Publikum gleichzeitig auf der Bühne bringt. Das Theater wird zum Kontinuum von Bühne und Publikum. Im Stück entstehen zwei Ebenen: Die Ebene des dramatisierten „Kindermärchen“, die auf der Bühne aufgeführt wird (Kater1); und eine Metaebene des Stücks im Ganzen, auf der die Fiktion einer mißlungenen Bühnenaufführung vor Publikum herrscht (Kater2).
Das Publikum wird durchweg satirisch behandelt. Seine Vertreter kommen mit eigenen Erwartungen und einer bestimmten Vorstellung über das ins Theater, was dort geboten werden soll. Ein Kindermärchen will keiner von ihnen sehen. Sie wollen Familiengeschichten, banale alltägliche und dummkomische Charaktere. Auf der Bühne soll das aufgeführt werden, was sie immer schon gesehen haben. Das Publikum möchte von der Bühnenaufführung illudiert werden. Es will ein feines und vernünftiges Spiel, das mit dem Verstande aufgefaßt und erklärt werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung skizziert das Leben und Schaffen von Ludwig Tieck und führt in die literarische Bedeutung seines Werkes "Der gestiefelte Kater" ein.
2. Hintergrund und Bestimmung des Objektes der Satire: Das Kapitel beleuchtet die Entstehungsgeschichte und Tiecks Motivation, die zeitgenössische Theatersituation mittels Gozzischer Vorbilder zu parodieren.
3. Illusion und Illusionsdurchbrechung: Hier wird die Konstruktion der zwei Spielebenen analysiert, durch welche Tieck die Erwartungshaltung eines bornierten Publikums satirisch entblößt.
4. Gattungsbestimmung: Die Arbeit diskutiert hier unterschiedliche Deutungsansätze, wie etwa die Theatersatire oder die poetische Satire, um den Gattungsbegriff der romantischen Komödie zu schärfen.
5. Zusammenfassung: Das Fazit resümiert das Stück als Komödie der Täuschungen und ordnet es als Begründung der romantischen Literaturkomödie ein.
Schlüsselwörter
Ludwig Tieck, Der gestiefelte Kater, deutsche Romantik, Satire, Illusionsdurchbrechung, Theatersatire, romantische Ironie, Publikumsgeschmack, Metaebene, Gattungsbestimmung, Literaturkomödie, Iffland, Kotzebue, Carlo Gozzi.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Ludwig Tiecks berühmte Satire "Der gestiefelte Kater" und untersucht die literarischen Mittel, die der Autor nutzt, um das Theater seiner Zeit zu reflektieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten zählen die Untersuchung von Illusionserwartungen, die satirische Darstellung des Publikumsgeschmacks und die Einordnung des Werkes als romantische Literaturkomödie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Rekonstruktion bisheriger Auffassungen des Stücks, um dessen spezifische Gattung und seinen Platz innerhalb der deutschen Komödientradition zu bestimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl historische Kontexte einbezieht als auch moderne Interpretationsmodelle der Gattungstheorie und der Ironieforschung anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der historische Hintergrund, die Struktur der Illusionsdurchbrechung, die satirische Auseinandersetzung mit dem Publikum sowie verschiedene literaturwissenschaftliche Gattungsbestimmungen detailliert betrachtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem romantische Ironie, Theatersatire, Illusionsdurchbrechung, Metaebene und Publikumsgeschmack.
Inwiefern spielt der Begriff der "poetischen Satire" für Tieck eine Rolle?
Dieser Begriff, primär durch Jürgen Brummack geprägt, beschreibt Tiecks Verfahren, bei dem die Satire nicht nur auf ein äußeres Ziel gerichtet ist, sondern sich durch die Freiheit des Spiels poetisch selbst konstituiert.
Warum wird das Publikum im Stück selbst zum Gegenstand der Satire?
Das Publikum im Stück vertritt das Prinzip einer bornierten Verständigkeit und eines falschen Geschmacks, weshalb es durch seine eigenen Reaktionen auf das Bühnengeschehen unfreiwillig zur komischen Zielscheibe der Satire wird.
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- Snejana Iovtcheva (Author), 2002, Die deutsche Komödie. Ludwig Tieck. Der gestiefelte Kater., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26353