Landsknechte. Söldner und Soldatentum in der Frühen Neuzeit


Seminararbeit, 2010
19 Seiten, Note: 2,00

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Erklärung und die Entwicklung des Söldnertums
2.1. Definition
2.2. Ursprünge und Voraussetzungen
2.3. Niedergang

3. Das Verhältnis zwischen den Söldnern und dem Staat bzw. dem Fürst
3.1. Verstaatlichungsprozess
3.2. Konflikte mit den Ständen
3.3. Aufgebotswesen und Defensionsordnungen
3.4. Probleme des Fürsten mit Söldnern
3.5. Gartknechte
3.6. Die Situation in Tirol

4. Das Verhältnis zwischen den Söldnern und der Gesellschaft
4.1. Das Ansehen in der Gesellschaft
4.2. Tiroler Söldner
4.3. Werbeverbote in Tirol
4.4. Das Ansehen der Söldner innerhalb der Tiroler Bevölkerung
4.5. Wehrhafte Tiroler Bauern

5. Schlusswort

6. Literaturverzeichnis
4.6. Literatur
4.7. Internetquellen

1. Einleitung

Die Zeit des Überganges zwischen Mittelalter und Neuzeit war teilweise von großen Veränderungen und Umwälzungen gekennzeichnet. Diese Veränderungen traten nicht schlagartig, sondern in einem mehrere Jahrhunderte dauernden Prozess auf. Besonders im Bereich des Militärischen kam es wieder zu einer Blüte des Fußvolkes und das vorher dominierende Rittertum erlebte langsam seinen Niedergang. Mit diesen Umwälzungen waren natürlich auch Veränderungen und Spannungen im gesellschaftlichen Leben und im Staatsentstehungsprozess inbegriffen. Auch im territorialen Einflussbereich der Habsburger veränderte sich einiges bzw. von hier gingen auch die ersten Schritte einer maßgebenden militärischen Veränderung aus. Daher werde ich versuchen, soweit möglich, auch die Situation im Tiroler Raum genauer zu beschreiben. In der folgenden Arbeit möchte ich die Situation der Landsknechte und der Söldner in der frühen Neuzeit kurz schildern und auf das Spannungsverhältnis zwischen Söldnern und Staat bzw. Fürst näher eingehen. Zu Beginn werde ich kurz den Söldner definieren und dann einen Überblick über die Voraussetzungen, die Entstehung, die Motive und den Niedergang des Söldnerwesens liefern. Als zweites werde ich näher auf das Spannungsverhältnis zwischen Söldnern und Staat bzw. Fürst eingehen. Hierbei werde ich auch die Verhältnisse in Tirol kurz schildern. Im dritten Punkt der Arbeit wird über das Verhältnis von Söldnern zur Gesellschaft, vor allem zur Bevölkerung berichtet. Auch hier wird ein Schwerpunkt auf Tirol gelegt.

Meine Fragestellungen zu diesem Thema lauten wie folgt:

Wie trug das Söldnerwesen als quasi „privatisiertes Kriegswesen“ zum Staatsentstehungsprozess bei?
- Wie entwickelte sich das Söldnerwesen im Laufe der Zeit bis hin zum Stehenden Heer und wie gestaltet sich das Spannungsverhältnis zwischen Söldnern, Staat und der Bevölkerung?

Zum Themenkreis Landsknechte, Söldnertum in der frühen Neuzeit und Ähnlichem ist einiges an Literatur vorhanden. Wichtige und gute Grundlagenliteratur sind u.a. Baumann (LANDSKNECHTE, 1994), Blau (Die deutschen Landsknechte, 1985³), Papke (Von der Miliz, 1979), Quaas (Das Handwerk, 1997) und Zimmermann (Militärverwaltung, 1965). Einen äußerst interessanten Einblick, anhand eines Tagebuches als Quelle, in den Alltag eines Söldners liefert Peters (Ein Söldnerleben, 1993). Die beiden Internetquellen erschienen mir für einen groben Überblick auch als durchaus informativ, vor allem weil sie sich Großteils mit der Literatur decken. Der Artikel von Wagner/Müller (Der Söldner im Dreißigjährigen Krieg, 6.12.2000), wurde laut der Homepage auch im Rahmen eines Universitätsprojektes erarbeitet.

In der folgenden Arbeit möchte ich nun versuchen, meine Fragestellungen herauszuarbeiten und werde darum mit einer Definition des Söldners beginnen.

2. Die Erklärung und die Entwicklung des Söldnertums

2.1. Definition

Unter einem klassischen Söldner versteht man einen Kriegsknecht, der für einen festgelegten Sold üblicherweise einem vom Fürsten beauftragten Kriegsunternehmer, für eine bestimmte Zeit, meist für die Dauer eines Feldzuges, Kriegsdienst leistet. Er unterscheidet sich somit auch von dem Jahrzehnte oder lebenslang dienenden Söldner in den später folgenden Stehenden Heeren.[1]

2.2. Ursprünge und Voraussetzungen

Söldner gab es bereits seit der Antike und auch während des Mittelalters, vor allem während des Spätmittelalters waren Söldner ein fixer Bestandteil des Schlachtfeldes, insbesondere bei Belagerungen. Allerdings waren sie im Mittelalter nicht so bedeutend wie das Rittertum, das noch immer die militärische Hauptmacht repräsentierte. Die Vorläufer der Landsknechte waren u.a. die Böhmischen Söldner in den Hussitenkriegen oder die Schweizer Reißläufer, die zum Vorbild der Landsknechte werden sollten. Für eine erneute Blüte des Söldnerwesens gab es verschiedene Voraussetzungen am Beginn der Neuzeit bzw. am Ende des Spätmittelalters. Durch die zunehmende Bedeutung der Geldwirtschaft wurde das Söldnerwesen quasi erst ermöglicht. Ebenso förderte die zunehmende technische und militärische Entwicklung, wie beispielsweise die stärkere Bedeutung von Feuerwaffen, den Einsatz von Fußtruppen und damit auch den Einsatz von Söldnern. Nicht zuletzt durch das sich immer mehr abzeichnende Versagen des Lehensheeres des Mittelalters verlor das Rittertum immer mehr und mehr an militärischer Bedeutung und verarmte auch zunehmend. Trotzdem begriff es sich noch sehr lange als eine militärische Elite. Hinzu kamen die häufigen Fehden, die den Bedarf an Söldnern ebenfalls steigen ließen. Auch der Landadel verarmte immer mehr und versuchte durch zunehmende Allmendeverbote und mehr Frondienste dies zu kompensieren. Die sich dadurch für die Bevölkerung verschlechternden Lebensbedingungen wurden noch durch Missernten und eine hohes Bevölkerungswachstum, das eine hohe Unterbeschäftigung zur Folge hatte, verschlechtert. Diese Bedingungen bildeten die Basis dafür, dass der Söldnerdienst immer attraktiver erschien bzw. es praktisch keine andere Alternative gab. Die Hauptmotivation für den Söldnerdienst war für die Unterschichten sicher die wirtschaftliche Not bzw. Unterbeschäftigung. Hinzu kam die Aussicht auf Beute. Die Religion bzw. die Konfession spielte für die Knechte meist keine Rolle, wichtig war nur der Sold. Für den Adel, besonders für den verarmten Landadel, bot der Söldnerdienst eine attraktive Einnahmequelle, um den standesgemäßen Lebensstil finanzieren zu können. Natürlich lockten auch Ruhm, Reichtum und Titel. Für die Regionen bot der Söldnerdienst insofern Vorteile, indem sie den kriegführenden Parteien die Werbung erlaubten und dafür etwa Handelsvorteile oder Pensionen erhielten. Beispielsweise war dies in der Schweizer Eidgenossenschaft lange Zeit der Fall. Ebenso konnte man Vaganten, Bettler, Gefangene usw. zum Soldatendienst abschieben.[2]

Kaiser Maximilian I begründete die Landsknechte und führte damit eine Reformierung des Heeres durch. Er erkannte die Schwächen der Landesdefensionen bzw. des Lehensheeres und schuf mit den Landsknechten einen schlagkräftigen Haufen Fußknechte, die die Schweizer Reisläufer zum Vorbild hatten. Die Namensherkunft Landsknecht kam daher, dass es meist Leute des Landes waren, die als Landsknecht Dienst taten im Unterschied zu den Gebirgsknechten. Die Bezeichnung Landsknecht meinte eigentlich nur „deutsche“ Knechte. Die meisten Landsknechte kamen u.a. aus dem Allgäu, Schwaben, Vorarlberg usw. Am Beginn des 16. Jahrhunderts waren die Landsknechte elitäre „Fachhandwerker“, die hohes Ansehen genossen und eine Art Ordensgemeinschaft, mit einem eigenen Standesdünkel, bildeten. Die Landsknechte boten relativ hohe Aufstiegschancen und ein relatives Maß an mehr Freiraum. Beispielsweise durften sie sich kleiden wie sie wollten oder einige ihrer Ämter, von denen die meisten besser besoldet waren, selbst wählen. Die Werber warben daher zu Beginn der Landsknechtszeit meist Freiwillige an. Zu Beginn des 16 Jahrhunderts konnte nicht jeder einfache Mann einfach Landsknecht werden, denn meist musste man seine eigene Ausrüstung mitbringen und daher wurden meist nur reichere Bauern bzw. Bürger Landsknechte. Kaiser Maximilian I förderte auch die Landsknechte und so wurden sie auch für den verarmten Adel interessant. Die Knechte bildeten unter sich keine homogene Gemeinschaft, beispielsweise gab es Söhne von Adeligen oder reichen Patriziern neben einfachen Knechten oder Doppelsöldnern usw. Eine wichtige Institution, die auch die teilweise frühdemokratische Organisation der Landsknechte unterstrich, war die Gemein. Die Gemein war die Versammlung aller Knechte und sie hatte quasi einen Gewerkschafts- und Beschwerdecharakter. Für die Versorgung des Heeres war der Tross, der aus mitziehenden Sudler und Sudlerinnen, Huren, Marketendern und Marketenderinnen und den Familien der Knechte bestand, äußerst wichtig. Die Rechtsgrundlage der Landsknechte bildete der Artikelbrief, auf den die Knechte vereidigt wurden. Es gab unterschiedliche Formen der Gerichtsausübung und die Praxis unterschied sich auch oft von der Theorie.[3]

2.3. Niedergang

Der allmähliche Niedergang der Landsknechte bzw. des klassischen Söldnerheeres und das Aufkommen des Stehenden Heeres hatten mehrere Ursachen. Zum einen wurden die einfacher bedienbareren Feuerwaffen immer bedeutender und dies erforderte einen zunehmenden Drill. Zum anderen wurden, um dem hohen Kapitalbedarf und der Komplexität des Kriegswesens zu begegnen, ein effizienteres Steuersystem, eine zentrale militärische Institution und ein Stehendes Heer angestrebt. Die Tendenz ging klar in Richtung Zentralisierung und Verstaatlichung. Als Folge dieser Zentralisierungsbestrebungen büßten die Landsknechte ihre Vorrechte ein und auch das Zusammentreffen der Gemein, ihrer Gewerkschaftsorganisation, wurde ihnen zunehmend als Meuterei ausgelegt. Auch immer mehr Ämter wurden direkt vom Obristen oder vom Fürsten selbst bestimmt. Ebenso setzte sich die Uniformierung durch und die Dienstzeiten stiegen auf Jahre und Jahrzehnte wenn nicht sogar auf lebenslänglich an. Die Aufstiegsmöglichkeiten wurden immer geringer und die soziale Kluft zwischen den Offizieren und den einfachen Knechten verschärfte sich. Ende des 16. Jahrhunderts verschwand auch der Begriff Landsknecht. Weiters trug die Unzuverlässigkeit und Gier der Landsknechte zu ihrem Niedergang bei. Für den Fürst waren die Knechte immer unzuverlässiger und oft streikten sie, forderten etwa zusätzlichen Sturmsold, verrichteten Schanzarbeiten nicht usw. Allerdings trugen auch die Fürsten zum Niedergang bei, indem sie die Knechte meist zu spät entlohnten oder in schlechten Münzen bzw. teilweise in Waren auszahlten. Auch die Vorgesetzten der Knechte betrogen die Landsknechte immer häufiger, indem sie ihnen z.B. schlechte Ausrüstung überteuert verkauften usw. Die Knechte waren ihren Vorgesetzten in dieser Beziehung meist ausgeliefert, da sie ihre Verpflegung und Versorgung meist von Ihnen beziehen mussten. Diese Umstände zwangen die Knechte oft wegen Armut bzw. mangelnder Versorgung, sich von den Bauern das Benötigte zu stehlen und sie auszuplündern. Das Plündern und Stehlen aus Armut verschwamm somit mit dem Plündern aus reiner Beutegier. Dadurch wurden die Söldner für die Obrigkeit zu einer Landplage, ihr Ansehen in der Bevölkerung schwand und wurde durch Hass, Furcht und Verachtung ersetzt. Zwei weitere Faktoren, die zum Niedergang der Landsknechte beitrugen, waren die zunehmende Unterbeschäftigung und die steigende Geldentwertung. Der Lohn der Landsknechte blieb das ganze 16. Jahrhundert nahezu gleich bei 4 rh. Gulden im Monat. Zu Beginn des Jahrhunderts waren die Knechte noch Spitzenverdiener und gegen Ende nur noch Niedriglohnverdiener.[4]

[...]


[1] Vgl. Friedrich Blau, Die deutschen Landsknechte. Ein Kulturbild, Kettwig 1985³, S. 11 – 28 und Gerhard Papke, Von der Miliz zum Stehenden Heer (Handbuch zur deutschen Militärgeschichte 1648 – 1939 1, Abschnitt 1/3), München 1979, S. 114 – 120 und Gerhard Quaas, Das Handwerk der Landsknechte. Waffen und Bewaffnung zwischen 1500 und 1600 (Militärgeschichte und Wehrwissenschaften 3), Osnabrück 1997, S. 1 – 11 und Hans-Michael Möller, Das Regimen der Landsknechte. Untersuchungen zu Verfassung, Recht und Selbstverständnis in deutschen Söldnerheeren des 16. Jahrhunderts (Frankfurter Historische Abhandlungen 12), Stuttgart 1976, S. 71 – 85.

[2] Vgl. Papke, Von der Miliz, 1979, S. 114 – 120 und Quaas, Das Handwerk, 1997, S. 1 – 11 und Reinhard Baumann, LANDSKNECHTE. Ihre Geschichte und Kultur vom späten Mittelalter bis zum Dreißigjährigen Krieg, München 1994, S. 19 – 29 und S. 62 – 79 und S. 86 - 91 und S. 172 – 173 und S. 199 - 202 und Heribert Küng, Glanz und Elend der Söldner Appenzeller, Graubündner, Liechtensteiner, St. Galler und Vorarlberger in fremden Diensten vom 15. bis zum 19. Jahrhundert, Disentis 1993, S. 10 – 31 und S. 35 – 39 und S. 64 – 74.

[3] Vgl. Jürg Zimmermann, Militärverwaltung und Heeresaufbringung in Österreich bis 1806 (Handbuch zur deutschen Militärgeschichte 1648 – 1939 1, Abschnitt 3), Frankfurt am Main 1965, S. 9 – 18 und Quaas, Das Handwerk, 1997, S. 1 – 11 und S. 41 - 64 und Baumann, LANDSKNECHTE, 1994, S. 13 – 15 und S. S. 46 – 71 und Blau, Die deutschen Landsknechte,1985³, S. 11 – 66 und Thomas Hilwig, Landsknechte. Dienst als Söldner im 16. und 17. Jahrhundert, o.J., 18.11.2009, [http://www.kriegsreisende.de/neuzeit/landsknechte.htm], 18.11.2009.

[4] Vgl. Blau, Die deutschen Landsknechte,1985³, S. 211 – 214 und Küng, Glanz und Elend, 1993, S. 10 – 27 und S. 32 – 43 und S. 47 – 52 und S. 58 – 74 und Baumann, LANDSKNECHTE, 1994, S. 207 – 215.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Landsknechte. Söldner und Soldatentum in der Frühen Neuzeit
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Institut für Geschichte und Ethnologie)
Veranstaltung
PS Österreichische Geschichte - Militär, Staat und Gesellschaft (16.-20. Jh.)
Note
2,00
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V263634
ISBN (eBook)
9783656523055
ISBN (Buch)
9783656522973
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf dem Spannungsfeld zwischen dem Militär (Söldner- und Soldatentum), dem Staat (Fürst) und der (Tiroler) Gesellschaft.
Schlagworte
Aufgebotswesen, Defensionsordnungen, Tiroler Landlibell von 1511, Militärsteuer, Stände, Gartknechte, Gesellschaft, Wehrverbote, Tirol, Österreich, Verstaatlichungsporzess, Söldner, Söldnertum, Neuzeit, Bauern, Tiroler Bauern, Tiroler Söldner, wehrhafte Tiroler Bauern, privatisiertes Kriegswesen
Arbeit zitieren
Emanuel Beiser (Autor), 2010, Landsknechte. Söldner und Soldatentum in der Frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263634

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