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Kafka als Poststrukturalist?

Eine Analyse der Erzählung "Ein Landarzt"

Titel: Kafka als Poststrukturalist?

Seminararbeit , 2012 , 22 Seiten , Note: 5.5

Autor:in: Bachelor Sandro Tschuor (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit beschäftigt sich mit einem der bekanntesten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, Franz Kafka. Sein Schreibstil ist sehr speziell und seine Sujets oft bizarr. Vielleicht gerade deswegen geht von seinen Texten schon seit jeher eine magische Anziehungskraft aus. In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich intensiv mit der Erzählung, ein Landarzt (1917), be-schäftigen und versuchen diesen sehr vielschichtigen Text etwas in seine Einzelteile zu `sezie-ren`.
Natürlich benötige ich dazu einen gewissen Leitfaden, da man sonst, gerade bei dem Versuch der Interpretation von Kafka, sich sicherlich im `Wald` der möglichen Aussagen des Textes verlaufen würde. Mir dient als Ausgangspunkt ein Aufsatz von Michael Titzmann mit dem Titel Grenzziehung vs. Grenztilgung. Darin geht er der Frage nach, wofür semantische Gren-zen in literarischen Texten zu verschiedenen Epochen stehen und warum diese verschoben oder gar aufgelöst werden. Sein Ansatz hat mich inspiriert beim Landarzt zu untersuchen, ob der Text klare semantische Felder überhaupt noch stützt oder sie allesamt verwirft. Diese strukturalistische Frage nach klaren Grenzen im Text kann nicht völlig losgelöst von der Aus-sage des Textes gestellt werden, deshalb werde ich die Textstruktur unter Rücksichtnahme von möglichen Textintentionen untersuchen. Die banale Frage wäre demnach: Zieht der Text klare semantische Grenzen? Wenn ja, mit welcher Intention tut er dies? Was für einen Sach-verhalt sollen die gezogenen Grenzen veranschaulichen?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Erzählung und ihre narrative Struktur

2.1.Was ist eine semantische Grenze?

2.2.Der Erzählraum und die erzählte Zeit

2.3.Auflösung `normaler` Erzählmuster?

3. Paradigmatische Textebene

3.1.„Rosa“ das Zentrum aller Grenztilgung/ Grenzgenerierung?

3.2.Bestätigung des reversiblen Textes

3.3.Kafka als Poststrukturalist?

4. Kafka mit der freudschen Brille gelesen

4.1.DAS Signifikat für Rosa

4.2.Aufgebrochene Identität

4.2.1. Der Pferdeknecht

4.2.2. Der Arzt

4.2.3. Der Patient

4.3.Der Identitätskomplex und eine vermeintlich gefundene Grenze

5. Kafka mit Derrida interpretiert

5.1.Das poststrukturalistische Problem

5.1.1. Sprache als `Patient`

6. Kontextualisierung

7. Schlusswort

8. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Franz Kafkas Erzählung "Ein Landarzt" im Hinblick auf die Frage, ob der Text klare semantische Grenzen aufrechterhält oder diese durch eine poststrukturalistische Textstruktur auflöst. Dabei wird analysiert, wie Raum- und Zeitkonzepte sowie die Identität der Figuren durch assoziative Signifikantenreihen dekonstruiert werden.

  • Analyse der narrativen Strukturen (Raum und Zeit) bei Kafka.
  • Untersuchung der paradigmatischen Textebene mittels des Signifikanten "Rosa".
  • Psychoanalytische Lesart der Figurenkonstellation (Freud).
  • Poststrukturalistische Dekonstruktion mittels des Konzepts der "différance" (Derrida).
  • Kontextualisierung der Erzählung im Rahmen einer literarischen "Kunstkrise".

Auszug aus dem Buch

3.1.„Rosa“ das Zentrum aller Grenztilgung/ Grenzgenerierung?

Gehen wir nun gleich medias in res. Das zentrale Wort oder besser der zentrale Signifikant der Erzählung ist Rosa. Dies ist der Dreh- und Angelpunkt der gesamten Erzählung und ich glaube der entscheidende Signifikant beim Versuch einer Interpretation des Textes. Desto wichtiger wird es sein, diesem Signifikanten ein entsprechendes Signifikat zuzuordnen. Zunächst einmal möchte ich festhalten, an welchen Stellen der Begriff rosa fällt. Das erste Mal liest man den Signifikanten Rosa als Namen für die bis dato als „Dienstmädchen“ oder „Mädchen“ benannte Figur. Geäussert wird der Name vom Stallknecht und nicht vom Arzt. Somit scheint ein Signifikat gefunden. Es ist die Magd des Arztes. Weiter unten erscheint der Signifikant rosa erneut, aber dieses Mal in Verbindung mit der Wunde des Patienten, welche sich in der „Hüftengegend“ befindet. Interessant dabei ist, dass Kafka den Satz gleich mit dem Lexem Rosa beginnt. Gross geschrieben wird das Wort an dieser Stelle bloss, weil es am Satzanfang steht, denn es handelt sich eigentlich um ein Adjektiv. Dieser kleine Kniff macht den Verweis auf den Signifikanten Rosa als Eigenname umso klarer und soll die Kernproblematik der Relation zwischen Signifikant (Rosa)/ Signifikant (rosa) und Signifikat (?) sichtbar werden lassen. Das Signifikat des zweiten rosa wäre demnach eine Farbeigenschaft der Wunde und der gesamte Satz, welcher mit Rosa beginnt, steht für die Wunde gleichsam als Substitut. Interessanterweise fehlt diesem Satz das Prädikat. Vielleicht wollte Kafka im Schriftbild selbst, die Wunde als ein Symbol des Abwesend-Seins der Gesundheit durch das Fehlen des Prädikates darstellen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, ob Kafkas "Landarzt" semantische Grenzen stützt oder verwirft, wobei Titzmanns Ansatz der Grenztilgung als theoretische Basis dient.

2. Die Erzählung und ihre narrative Struktur: Dieses Kapitel analysiert das isolierte Raum- und Zeitkonzept der Erzählung, das auf eine traumartige, weitgehend geschichtslose Welt hindeutet.

3. Paradigmatische Textebene: Hier wird aufgezeigt, dass der Text durch metonymische Signifikantenreihen zusammengehalten wird, die eine "reversible" Struktur ohne kausale Abfolgelogik erzeugen.

4. Kafka mit der freudschen Brille gelesen: Die Figuren werden als Abspaltungen einer einzigen Identität interpretiert, wobei die Beziehung zwischen Arzt, Pferdeknecht und Patient in einen psychischen Apparat (Es/Ich/Über-Ich) übersetzt wird.

5. Kafka mit Derrida interpretiert: Das Kapitel nutzt das Konzept der "différance", um zu zeigen, dass Signifikanten immer nur auf weitere Signifikanten verweisen und das wahre Signifikat abwesend bleibt.

6. Kontextualisierung: Es erfolgt eine Einordnung in die zeitgenössische Kunstszene, wobei Parallelen zum Kubismus und der literarischen Moderne (Neue Sachlichkeit) gezogen werden.

7. Schlusswort: Die Arbeit resümiert, dass der Text zwar semantische Grenzen zieht, diese jedoch permanent dekonstruiert und den Arzt als Scheiterten an der Integration fremder Persönlichkeitsanteile zeigt.

8. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Franz Kafka, Ein Landarzt, Poststrukturalismus, Semantische Grenzen, Signifikant, Signifikat, Dekonstruktion, Psychoanalyse, Sigmund Freud, Jacques Derrida, Différance, Narrative Struktur, Identität, Kubismus, Reversibler Text

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Kafkas Erzählung "Ein Landarzt" auf ihre sprachliche und inhaltliche Struktur hin, um zu klären, inwiefern der Text traditionelle semantische Grenzen dekonstruiert.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Felder umfassen die Erzähltheorie (Raum und Zeit), die Psychoanalyse nach Freud und die poststrukturalistische Sprachphilosophie nach Jacques Derrida.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Frage zu beantworten, ob der Text klare semantische Grenzen aufbaut oder ob Kafkas Erzählweise diese Grenzen bewusst auflöst, um eine semiologische Krise abzubilden.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die insbesondere auf strukturalistische und poststrukturalistische Theorien sowie psychoanalytische Modelle zurückgreift.

Welche Inhalte dominieren den Hauptteil?

Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse der narrativen Elemente, der paradigmatischen Funktion von Signifikanten wie "Rosa", der psychologischen Deutung der Figurenkonstellation und der Einordnung in den literarischen Kontext des frühen 20. Jahrhunderts.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Poststrukturalismus", "Signifikantenreihen", "Reversibler Text" und die "Dekonstruktion" von Identität und Sprache geprägt.

Wie deutet der Autor die Figur des Pferdeknechts?

Der Pferdeknecht wird als eine Abspaltung der Identität des Arztes interpretiert, konkret als Repräsentant des "Es" (Triebpol), der den Arzt in seinen Handlungen übermannt und zu dessen Identitätskrise beiträgt.

Warum wird der Begriff "Rosa" als entscheidend für die Interpretation angesehen?

Der Begriff fungiert als zentraler Signifikant, der sich im Text sowohl auf das Dienstmädchen als auch auf die Wunde des Patienten bezieht und damit die Grenze zwischen den Signifikanten und den Signifikaten aufbricht.

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Details

Titel
Kafka als Poststrukturalist?
Untertitel
Eine Analyse der Erzählung "Ein Landarzt"
Hochschule
Universität Basel  (Deutsches Seminar)
Veranstaltung
Erzählungen von Walser, Kafka, Musil
Note
5.5
Autor
Bachelor Sandro Tschuor (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
22
Katalognummer
V263650
ISBN (eBook)
9783656525950
ISBN (Buch)
9783656529286
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kafka poststrukturalist eine analyse erzählung landarzt
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Bachelor Sandro Tschuor (Autor:in), 2012, Kafka als Poststrukturalist?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263650
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Leseprobe aus  22  Seiten
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