"Publikumsbeschimpfung" - ein Sprechstück von Peter Handke. Warum und wie beschimpft Peter Handke sein Publikum?


Hausarbeit, 2011
11 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Form und Aufbau
2.1 Die „Regeln für die Schauspieler“
2.2 Die fugale Struktur des Werks

3. Inhalt

4. Intention des Werks, sein „Sinn“, seine „Bedeutung“
4.1 Die Verwehrung der Bedeutung und des Schauspiels
4.2 Die Beschimpfung: Warum das Publikum beschimpfen?

5. Quellen.

1. Einleitung

Handkes Publikumsbeschimpfung ist nicht als Beschimpfung eines Publikums angelegt, wie der Titel vermuten lässt. Auf jeden Fall ist dies nicht der Sinn des Werks. Durch diese Aufdeckung der Irreführung nähern wir uns dem Sinn schon weiter. Beschimpft wird erst auf den letzten fünf Seiten und das mit vorausgehender Warnung, dazu noch unterbrochen von Lobesreden an das Publikum.[1]

Laut seiner eigenen Exposition ist das Stück auch kein Theaterstück, sondern eine „Vorrede“[2]. Es ist ein Sprechstück[3], mit vier Schauspielern, die nicht schauspielen[4], sondern bloß sprechen. Also eigentlich keine Schauspieler, nur Sprecher.[5] Und das, was sie sprechen, hat keine tiefere Bedeutung.

Ein Titel, der nicht hält, was er verspricht, ein Theaterstück, das keines ist, Schauspieler, die nicht spielen, ein Theatertext, der keine weitere Bedeutung in sich trägt? Welchen Sinn hat das alles? Keinen? Oder doch einen?

2. Form und Aufbau

Arbeiten wir uns von außen nach innen vor und beginnen mit den Äußerlichkeiten.

Der Theatertext der Publikumsbeschimpfung unterwandert die dramatische Form. Er ist einzuordnen als monologischer Theatertext, obwohl vier Personen sprechen. Das erklärt sich dadurch, dass kein typischer Dialog zwischen handelnden Figuren vorhanden ist, sondern der Text lediglich aufgeteilt ist auf vier Sprecher, so vorgetragen und dadurch zu einem Scheindialog bzw. Polylog wird. Die Sprecher sind Textträger, keine Figuren, sie dienen als „Sprachrohr des Autors“[6], setzen sich aber durch die Ansprache an die Zuschauer mit diesen als Personen in Verbindung. Sie repräsentieren jedoch eher den Autor und dessen Gedanken, als dass sie eigene Persönlichkeiten darstellen. Verschwunden sind mit den Figuren auch das Handlungsgerüst, Orts- und Zeitangaben. Das innere Kommunikationssystem ist

ausgespart, lediglich das äußere noch vorhanden.

Die Aufteilung zwischen Haupttext und Nebentext gibt es hier nicht, nur einen Sprechtext und einen Zusatztext, der dem Sprechtext vorangestellt ist und in den „Regeln für die Schauspieler“ und darauffolgenden Inszenierungsanweisungen besteht. Den Sprechtext bezeichnen die Sprecher als „Vorrede“.[7]

Durch die fehlende Aufteilung des Textes für die vier Sprecher, ist es dem Regisseur überlassen, den Text zu verteilen. Was dabei helfen kann, ist die aus dem Inhalt herauszulesende Konzeption des Stücks. Sie folgt der Struktur einer vierstimmigen Fuge, mit ihrem Grundthema, der Antwort, dem Kontrapunkt und der Fortsetzung.[8] Auch die Anweisung an die Schauspieler, sich die „Pop-Fuge“[9] Tell me von den Rolling Stones anzuhören[10], weist auf diese Struktur hin.

2.1 Die „Regeln für die Schauspieler“

Hier gibt der Autor Anweisungen, die die Schauspieler befolgen sollen, um sich auf das Stück vorzubereiten. Es geht ihm viel um das Anhören und das Ansehen verschiedenster Dinge und Situationen. Das Anhören der katholischen Kirchenlitaneien, der Sprechchöre bei Fußballspielen und Menschenversammlungen, Hitparaden, Simultansprechern, den laufenden Rädern eines Fahrrads, des Inswortfallens bei Debatten, von Zügen, des Rolling Stones-Songs Tell me. Ansehen solle sich der Schauspieler dagegen einige bestimmte Filme und Filmszenen, die Affen und Lamas im Zoo und die „Tagediebe und Nichtstuer beim Gehen auf den Straßen und beim Spiel an den Spielautomaten.“[11]

[...]


[1] Handke, Peter: Publikumsbeschimpfung und andere Sprechstücke. 6. Aufl., Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1968, S. 44.

[2] Ebenda, S. 15.

[3] Ebenda, S. 3.

[4] Ebenda, S. 15.

[5] Ebenda, S. 12.

[6] Ebenda, S. 19.

[7] Ebenda, S. 15.

[8] Pompe, Anja: Peter Handke. Pop als poetisches Prinzip. Köln: Böhlau Verlag GmbH & Cie, 2009, S. 143.

[9] Ebenda.

[10] Handke, Peter: S. 9.

[11] Ebenda, S. 10.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
"Publikumsbeschimpfung" - ein Sprechstück von Peter Handke. Warum und wie beschimpft Peter Handke sein Publikum?
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Veranstaltung
Analyse von Theatertexten: "Theatrum Belli" - Der Krieg auf der Bühne
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
11
Katalognummer
V263704
ISBN (eBook)
9783656524380
ISBN (Buch)
9783656534112
Dateigröße
5778 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theaterwissenschaft, Krieg auf der Bühne, Theatrum Belli, Peter Handke, Publikumsbeschimpfung, Analyse, Analyse von Theatertexten, Theateranalyse, Textanalyse, Theater, Theatertext
Arbeit zitieren
Manuel Kröger (Autor), 2011, "Publikumsbeschimpfung" - ein Sprechstück von Peter Handke. Warum und wie beschimpft Peter Handke sein Publikum?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263704

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: "Publikumsbeschimpfung" - ein Sprechstück von Peter Handke. Warum und wie beschimpft Peter Handke sein Publikum?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden