Aus der Vielzahl der Sprachgesellschaften, die im 17. Jahrhundert in Deutschland entstanden, tritt die Fruchtbringende Gesellschaft als die wohl bedeutendste unter ihnen hervor. Ihr Anliegen war es, den durch verschiedene Faktoren begünstigten Sprachmischungstendenzen im Deutschen mit Hilfe von Reformen auf lexikalischer und orthographischer Ebene entgegenzuwirken. Es galt Ansehen und Würde der deutschen Sprache zu stärken und ihre Fähigkeit im literarischen und poetologischen Kontext unter Beweis zu stellen. Damit einhergehend entwickelte sich ein regelrechter Kulturpatriotismus, ein „Sprachen- und Literaturpolitischer Kampf gegen das Kulturmonopol von Fremd-, Universal- und Prestigesprachen“.
Philipp von Zesen (ab 1648 Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft) trat besonders radikal für die Reinhaltung der deutschen Sprache ein und polarisierte bereits zu Lebzeiten durch seine Reformversuche. In der Forschungsliteratur wird Zesen gleichzeitig als „bedeutendster und literarisch fruchtbarster Sprachpfleger“ wie auch „als eine der umstrittensten literarischen Persönlichkeiten des
17. Jahrhunderts“5 beschrieben. Diese Polarisierung verdankt er nicht zuletzt seinen mannigfaltigen Eindeutschungsversuchen fremdsprachlicher Ausdrücke.
Die vorliegende Arbeit wird sich im ersten Teil einer Darstellung der Fruchtbringenden Gesellschaft widmen, sie in den zeitgeschichtlichen Kontext einbetten sowie ihre Leistungen und Wirkungen umreißen.
Der zweite Teil der Arbeit wird sich speziell dem Sprachpfleger Philipp von Zesen zuwenden, seine lexikalischen und orthographischen Reformversuche beleuchten und auf seine Mitgliedschaft in der Fruchtbringenden Gesellschaft eingehen. Als Abschluss dieses zweiten Teiles soll der Versuch einer Analyse eines Textauszuges aus Zesens „Spraach-Uebung“ stattfinden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer Kontext
2.1 Politische Ausgangslage
2.2 Situation und Stellung der deutschen Sprache
3. Die Fruchtbringende Gesellschaft
3.1.Gründung und Organisation
3.2.Arbeit, Leistung und Wirkung der Fruchtbringenden Gesellschaft
4. Philipp von Zesen
4.1.Die Deutschgesinnte Genossenschaft
4.2.Zesens Sprachtheorie
4.2.1. Lexikologie
4.2.2. Orthographie
4.3.Zesen als Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft
4.4.Textanalyse
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachpflegerischen Bestrebungen im 17. Jahrhundert, wobei der Fokus auf der Fruchtbringenden Gesellschaft sowie dem Wirken von Philipp von Zesen liegt, um den Einfluss von Sprachreformen auf die deutsche Identitätsbildung zu analysieren.
- Historische Einbettung der deutschen Sprachsituation des 17. Jahrhunderts.
- Darstellung der Fruchtbringenden Gesellschaft als bedeutendste Sprachgesellschaft ihrer Zeit.
- Analyse der sprachpuristischen Reformansätze von Philipp von Zesen.
- Untersuchung der Rolle der Deutschgesinnten Genossenschaft.
- Textanalytische Betrachtung der Fremdwortkritik in Zesens Werken.
Auszug aus dem Buch
4.4. Textanalyse
Im Folgenden soll ein Auszug aus Zesens „Spraach-Uebung“ analysiert werden, welcher einen exemplarischen Einblick in Zesens Fremdwortdiskussion liefert.
Zesen verfasste die „Spraach-Uebung“ im Jahre 1643. Mittels eines fiktiven Gespräches zwischen der ‚Jungfer Adelung‘, ‚Deutschlieb‘ und Liebhold, werden hier wesentliche Gedanken zur deutschen Sprache vorgestellt.
Zu Beginn des ausgewählten Textauszuges erkundigt sich Adelung nach Deutschliebs Meinung zu der von ihr als „schoen“ und „lieblich“ eingeschätzten Anredeform „Monsieur“. Antwort erhält Adelung in Form scharfer Kritik. Deutschlieb gibt darin zu verstehen, dass das deutschsprachige Pendant „Herr“ zwar auch ihm „dem klange nach [...] hart“ und „scharff scheinet“, für eine fremdsprachige (in diesem Fall französische) Ersetzung jedoch kein Grund besteht. Er beruft sich dabei sowohl auf die Reichhaltigkeit der in der deutschen Sprache zur Verfügung stehenden Wörter, als auch auf deren Ehrwürdigkeit, indem er fremde Sprachen als „barbarisch“ bezeichnet. Zesens Fremdwortpurismus findet hier expliziten Ausdruck, wenn er Deutschlieb argumentieren lässt: „wier haben in unser Spraache mit ihren woertern nichts zu schaffen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Sprachgesellschaften des 17. Jahrhunderts ein und umreißt die Rolle Philipp von Zesens als radikaler Sprachpfleger.
2. Historischer Kontext: Dieses Kapitel beleuchtet die politischen Bedingungen des Dreißigjährigen Krieges und deren negative Auswirkungen auf das Ansehen der deutschen Sprache.
3. Die Fruchtbringende Gesellschaft: Der Abschnitt beschreibt die Gründung, interne Struktur und das Ziel der Gesellschaft, die deutsche Sprache durch einheitliche Normen zu fördern.
4. Philipp von Zesen: Das Kapitel widmet sich der Biografie Zesens, seiner Gründung der Deutschgesinnten Genossenschaft und seinen spezifischen Reformen in Lexik und Orthografie.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit zieht eine Parallele zwischen den historischen Sprachgesellschaften und der modernen Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft hinsichtlich ihrer Zielsetzungen.
Schlüsselwörter
Sprachgesellschaft, Fruchtbringende Gesellschaft, Philipp von Zesen, Deutschgesinnte Genossenschaft, Sprachpflege, Sprachpurismus, Eindeutschung, 17. Jahrhundert, Sprachnorm, Orthografie, Lexikologie, Kulturpatriotismus, Sprachgeschichte, Sprachreinigung, Sprachidentität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die sprachpflegerischen Bemühungen der Sprachgesellschaften im 17. Jahrhundert vor dem Hintergrund der damaligen politischen Krise.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Geschichte der Fruchtbringenden Gesellschaft, die Sprachreformen Philipp von Zesens und die Rolle des Fremdwortpurismus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Untersuchung der Bestrebungen zur Etablierung einer einheitlichen deutschen Hochsprache und die Analyse von Zesens Reformansätzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie eine spezifische Textanalyse eines Auszuges aus Zesens „Spraach-Uebung“.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historische Situation, die Fruchtbringende Gesellschaft, Zesens Wirken und seine sprachtheoretischen Ansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Sprachpurismus, Sprachgesellschaft, Sprachpflege, Zesen und die Fruchtbringende Gesellschaft.
Welche Rolle spielt das Französische in der Arbeit?
Das Französische wird als dominierende Fremdsprache der Zeit dargestellt, gegen die Zesen und die Sprachgesellschaften einen „Kulturpatriotismus“ entwickelten.
Warum war der Eintritt Zesens in die Fruchtbringende Gesellschaft schwierig?
Fürst Ludwig stand Zesens radikaler und kompromissloser Art der Sprachreinigung skeptisch gegenüber, da er den gesellschaftlichen Frieden gefährdet sah.
Was besagt das phonetische Prinzip bei Zesen?
Zesens orthografische Reformen zielten darauf ab, das Schriftbild stärker an die Lautung anzupassen, etwa durch das Ersetzen von „c“ durch „g“ oder „gh“.
Was ist die „Spraach-Uebung“?
Es handelt sich um ein 1643 verfasstes Werk Zesens, das mittels eines fiktiven Dialogs seine Positionen zur Fremdwortproblematik darlegt.
- Citation du texte
- Iwa Juschak (Auteur), 2007, Philipp von Zesen und die Fruchtbringende Gesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263845