Stets stehen Literaturverfilmungen vor der schwierigen Aufgabe ihrem literarischen Vorbild auf der einen Seite nicht vollständig abtrünnig zu werden, auf der anderen Seite jenem aber auch Raum zur Entfaltung zu gewährleisten. Das Medium des Films mit all seinen Eigenheiten und Potenzialen kann die Originalfassung des Stoffes in mannigfaltiger Weise interpretieren, durch Auswahl der Schauspieler/Innen, Musik, Kostüme etc. Hierdurch wird der künstlerischen Freiheit des Regisseurs und des Drehbuchautors Raum gegeben. Grundlage der in dieser Arbeit untersuchten Filme ist der wohl bekannteste Gesellschaftsroman Theodor Fontanes: „Effi Briest“. In besonderer Weise sollen die Frauenfiguren, aber nicht die Hauptperson, sondern zwei stark auf sie einwirkende Nebenfiguren, hervorgehoben werden. Zum einen betrifft dies Luise von Briest, Effis Mutter, deren Erziehung maßgeblich Effis Entscheidungen und Weltbild beeinflusst. Zum anderen Roswitha, Annis Kindermädchen, das eine enge Bindung zu Effi hat und ihrer Herrin auch in die ärmliche Berliner Wohnung nach der Scheidung von Innstetten folgt. Jene beiden Frauen könnten unterschiedlicher kaum sein; sie verkörpern gesellschaftlich, religiös und sozial direkte Gegensätze. Adel und Armut stehen sich gegenüber, doch beiden weiblichen Charakteren ist eine Lebensklugheit und Prinzipientreue eigen, die sie auf ganz unterschiedlichen Ebenen parallel erscheinen lässt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Über Literaturverfilmungen
3. Fontanes Roman(vorlage)
3.1 Fontanes Luise von Briest
3.2 Fontanes Roswitha
4. Fassbinder Verfilmung
4.1 Fassbinders Luise von Briest
4.2 Fassbinders Roswitha
5. Huntgeburth Verfilmung
5.1 Huntgeburths Luise von Briest
5.2 Huntgeburths Roswitha
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die vergleichende Analyse der Darstellung der Nebenfiguren Luise von Briest und Roswitha in den Literaturverfilmungen von Rainer Werner Fassbinder und Hermine Huntgeburth, basierend auf Theodor Fontanes Gesellschaftsroman „Effi Briest“. Dabei steht die Untersuchung des äußeren Erscheinungsbildes der Figuren im Zentrum, um zu ergründen, wie filmische Adaptionen die literarische Vorlage interpretieren und welche unterschiedlichen Wirkungsmechanismen die jeweiligen Regisseure einsetzen.
- Vergleichende Analyse der Frauenfiguren bei Fontane, Fassbinder und Huntgeburth.
- Untersuchung der Bedeutung der äußeren Erscheinung für die Charakterisierung im Film.
- Kontrastierung der Adaptionsstrategien zwischen Fassbinders textnaher Methode und Huntgeburths moderner visueller Inszenierung.
- Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen der Literaturverfilmung als Medium.
Auszug aus dem Buch
3. Fontanes Roman(vorlage)
Theodor Fontanes „Effi Briest“ widmet sich weit mehr Problemen, als nur der so genannten ‚Frauenfrage’. Seine erzähltechnischen Raffinessen, die bewusste Leserlenkung, die gekonnten Auslassungen, Raffungen und rhetorischen Stilmittel erzeugen beim Leser ein ganz besonderes Gefühl der Schreibkunst, der Fähigkeit auf der Grundalge eines wahren Falls einen komplexen Gesellschaftsroman zu kreieren. Der Ardenne-Fall bildet zwar das Fundament der Erzählung, allerdings werden die Namensgebung der Figuren, Schauplätze des Geschehens, Ortsnamen, in die Zeit passende Umgangsformen, Kleidung und Einrichtung, Sprachstil und gesellschaftliche Verhältnisse genauestens recherchiert, sorgfältig ausgewählt und zielgerecht zurechtgelegt,. Aus all jenen Elementen erwächst dann die vom typisch Fontaneschen Erzählstil zu einem Ganzen verwobene Geschichte:
Die in das zeitliche Nacheinander übertragene, wiederholte Anwendung der bisher behandelten Stilmittel der Andeutung erzeugt in ihrer Gesamtheit Fontanes eigentümliche Technik der Zurückhaltung, die immer wieder die letzte Schlussfolgerung vermeidet und die endgültige Lösung hinausschiebt, obwohl alles danach drängt und verlangt. In ihr liegt auch der besondere Mangel dramaturgischer Gestaltungsmöglichkeit begründet, der bei Fontane überall deutlich wird. Denn das Dramatische verlangt gerade die hier fehlende Federkraft des Geschehens, die die Handlung ununterbrochen konsequent und lückenlos zu einem bestimmten Ziel und, ohne anzuhalten und nachzulassen, auf dem vorgezeichneten Wege weiterschnellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik von Literaturverfilmungen ein und stellt die Relevanz der Nebenfiguren Luise von Briest und Roswitha als Fokus dieser Untersuchung dar.
2. Über Literaturverfilmungen: Dieses Kapitel diskutiert die theoretischen Herausforderungen der filmischen Adaption literarischer Stoffe und die wechselseitige Beziehung zwischen Buch und Film.
3. Fontanes Roman(vorlage): Es erfolgt eine Analyse der literarischen Vorlage Fontanes, insbesondere im Hinblick auf die Konstruktion der Frauenfiguren Luise von Briest und Roswitha.
3.1 Fontanes Luise von Briest: Untersuchung der Mutterfigur bei Fontane als eine Person, deren Leben maßgeblich von Konventionen und dem Wunsch nach gesellschaftlichem Aufstieg geprägt ist.
3.2 Fontanes Roswitha: Betrachtung der ambivalenten Figur des Kindermädchens bei Fontane, die als loyale Dienerin Kontraste zur gehobenen Gesellschaftsschicht bildet.
4. Fassbinder Verfilmung: Analyse der Fassbinder-Adaption unter Berücksichtigung ihrer spezifischen filmischen Ästhetik und Interpretation des Fontaneschen Stoffes.
4.1 Fassbinders Luise von Briest: Detaillierte Untersuchung der filmischen Darstellung und des Erscheinungsbildes der Luise von Briest in Fassbinders Verfilmung.
4.2 Fassbinders Roswitha: Analyse des Erscheinungsbildes und der filmischen Inszenierung von Roswitha im Film von Rainer Werner Fassbinder.
5. Huntgeburth Verfilmung: Untersuchung des filmischen Zugangs von Hermine Huntgeburth, der sich durch moderne filmische Mittel deutlich von Fassbinder unterscheidet.
5.1 Huntgeburths Luise von Briest: Analyse der filmischen Darstellung und des Erscheinungsbildes der Luise von Briest in der Adaption von Huntgeburth.
5.2 Huntgeburths Roswitha: Untersuchung der filmischen Inszenierung und des äußeren Erscheinungsbildes der Roswitha bei Huntgeburth.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert über die unterschiedlichen filmischen Herangehensweisen sowie deren Wirkung im Vergleich zum Original.
Schlüsselwörter
Effi Briest, Theodor Fontane, Rainer Werner Fassbinder, Hermine Huntgeburth, Literaturverfilmung, Frauenfiguren, Luise von Briest, Roswitha, Erscheinungsbild, Romanadaption, Filmästhetik, Gesellschaftsroman, Adaptionsproblematik, Kostümanalyse, Figurencharakterisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und dem Vergleich der Frauenfiguren Luise von Briest und Roswitha in zwei unterschiedlichen Verfilmungen des Fontane-Romans „Effi Briest“.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Zentrale Themen sind die Adaption von Literatur in den Film, die Bedeutung des äußeren Erscheinungsbildes für die Interpretation von Figuren sowie die soziale Einordnung der Charaktere.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie die Regisseure Fassbinder und Huntgeburth die Nebenfiguren Luise von Briest und Roswitha visuell darstellen und inwiefern dies mit der literarischen Vorlage korrespondiert oder davon abweicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende Analyse angewandt, die sich auf die filmische Bildsprache, Kostümierung und Regieentscheidungen im Kontext der literaturwissenschaftlichen Vorlage stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Betrachtung von Literaturverfilmungen, die Charakteranalyse bei Fontane und die detaillierte Untersuchung der filmischen Umsetzung bei Fassbinder und Huntgeburth.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist charakterisiert durch Begriffe wie Literaturverfilmung, filmische Interpretation, Figurenkonzeption, Fontane, Kostümbild und filmästhetische Analyse.
Wie unterscheidet sich die Darstellung von Luise von Briest bei Fassbinder im Vergleich zu Huntgeburth?
Fassbinders Inszenierung ist steifer und distanzierter, während Huntgeburth die Figur als lebhafter und lebensfroher präsentiert, was sich auch in der jeweiligen Kostümwahl widerspiegelt.
Welche Rolle spielt die Kostümierung bei der Analyse der Figur Roswitha?
Die Kleidung von Roswitha dient als Indikator für ihren Stand als Bedienstete; ihre Schlichtheit und Funktionalität unterstreichen ihre Loyalität und Bescheidenheit im Gegensatz zur gehobenen Welt der Effi Briest.
Warum wird der Film als Medium für die Literaturverfilmung als schwierig erachtet?
Die Arbeit thematisiert die Diskrepanz zwischen der subtilen Andeutungstechnik in der Literatur und der notwendigen visuellen Konkretisierung durch filmische Ausdrucksmittel.
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- Hannah Grün (Author), 2012, Über die Figuren der Luise von Briest und Roswitha in den Literaturverfilmungen Rainer- Werner Fassbinders und Hermine Huntgeburths von Theodor Fontanes “Effi Briest”, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263857