Ziel dieser Arbeit ist die Klärung des Genres der Novelle „Daisy Miller“ von dem amerikanischen Schriftsteller Henry James aus dem Jahre 1878, welches ihn berühmt machte. Ist „Daisy Miller“ eher dem Realismus oder dem Sittenroman zuzuordnen oder kreiert er mit dieser Art von Novelle gar ein ganz neues Genre? Zudem wird gleichermaßen die Frage aufgeworfen, ob James mit diesem Werk die fortschreitende Emanzipation der Frauenwelt aufzuhalten versuchte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zum Buch
3. Definitionen
3.1. Realismus
3.2. Der Sittenroman
3.3. Gilded Age
4. Henry James‘ „Daisy Miller: Ein Sittenroman?
4.1. Amerikanischer Realismus in Daisy Miller
4.2. Daisy Miller als Sittenroman
5. James und die Emanzipation
6. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Gattungszugehörigkeit der Novelle "Daisy Miller" von Henry James, indem sie die Grenzen zwischen dem amerikanischen Realismus und dem Sittenroman analysiert. Dabei wird insbesondere beleuchtet, inwiefern das Werk gesellschaftliche Konventionen des Gilded Age reflektiert und ob es eine Kritik an der damaligen Emanzipationsbewegung darstellt.
- Literarische Einordnung von "Daisy Miller"
- Differenzierung zwischen Realismus und Sittenroman
- Analyse gesellschaftlicher Normen im Gilded Age
- Untersuchung von Henry James' Haltung zur Frauenemanzipation
- Symbolik und Charakterentwicklung in der Novelle
Auszug aus dem Buch
3.1. Realismus
Den Realismusbegriff gab es schon lange Zeit in der Philosophie, er bezeichnete den „Glauben an die Wirklichkeit der Ideen“ […]. Realismus in der Literatur bedeutete zunächst eine genaue, detailgetreue Schilderung zeitgenössischer Sitten. (Wellek 1969: 404)
Nach den von der Realität entfernten Werken der Romantik und der sentimental fiction hatten viele Autoren das Bedürfnis nach einem neuen Genre. Die Literatur sollte die Wirklichkeit darstellen, so wie sie ist - „Higginson deplored the sentimental dream world of romantic fiction and urged that American literature concern itself with the actual, commonplace world of today, and depict experience as it is rather than as we might wish it to be” (Day 1975: 158).
So verschrieben sich Autoren wie Howells und James dem Amerikanischen Realismus. Auch Howells definiert den Realismusbegriff 1889 ähnlich: „Realism is nothing more and nothing less than the truthful treatment of material“. Dies zeigt sich auch auf der inhaltlichen Ebene. Realistische Romane handelten häufig von Themen des amerikanischen Gilded Age wie “Sklaverei” “soziale Missstände“ und „Ausbeutung der Arbeiter“. Oftmals sollen den höheren Klassen die Missstände und Probleme der Unterschichten deutlich vorgeführt werden um somit ein Umdenken in der Gesellschaft herbeizuführen. Darüber hinaus ist für realistische Romane charakteristisch, dass in der Regel selbst dramatische Momente sprachlich nüchtern dargestellt werden. Diese sprachliche Nüchternheit resultiert aus der Fokussierung auf moralische Aspekte, welche stärker in den Vordergrund gestellt werden als die Handlung an sich. „American literary realism had as a key goal to uncover the interest, the suspense, the drama in moments that others might think of as uneventful or boring – those times when it only appears to those looking for obviously spectacular events, that >nothing happens<” (Barrish 2011, 47).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit stellt die Forschungsfrage, ob "Daisy Miller" dem Realismus oder dem Sittenroman zuzuordnen ist und ob James darin Emanzipationskritik übt.
2. Zum Buch: Dieses Kapitel bietet eine inhaltliche Zusammenfassung der Novelle und beleuchtet den zentralen Konflikt zwischen der Protagonistin Daisy Miller und Frederick Winterbourne.
3. Definitionen: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Begriffe Realismus, Sittenroman und Gilded Age dargelegt.
4. Henry James‘ „Daisy Miller: Ein Sittenroman?: Das Kapitel untersucht die Anwendung der zuvor definierten Begriffe auf die Novelle und analysiert sowohl realistische als auch Sittenroman-Elemente.
5. James und die Emanzipation: Diese Sektion analysiert die Haltung des Autors zur Emanzipation der Frau im Kontext viktorianischer Zwänge.
6. Resümee: Die Arbeit schließt mit der Einordnung des Werkes als „Sittengemälde“ in realistischer Schreibweise.
Schlüsselwörter
Henry James, Daisy Miller, Amerikanischer Realismus, Sittenroman, Gilded Age, Novelle, Emanzipation, Gesellschaftskritik, Viktorianische Sitten, Literaturwissenschaft, Sittengemälde, Gesellschaftsschichten, Frederick Winterbourne, Moralvorstellungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der literaturwissenschaftlichen Kategorisierung der Novelle "Daisy Miller" von Henry James unter Berücksichtigung der Gattungen Realismus und Sittenroman.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Analyse behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die zeitgenössischen Moralvorstellungen, die kulturellen Unterschiede zwischen Europa und Amerika sowie die soziokulturellen Bedingungen des Gilded Age.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Klärung, ob "Daisy Miller" primär als realistischer Roman oder als Sittenroman einzustufen ist und ob James mit dem Schicksal der Protagonistin die Emanzipation der Frauen kritisierte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse, bei der theoretische Definitionen (Realismus, Sittenroman) mit inhaltlichen Belegen aus dem Primärtext sowie der Fachliteratur verknüpft werden.
Welche inhaltlichen Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Identifikation realistischer Merkmale, der Abgrenzung zum Sittenroman sowie der psychologischen und soziologischen Analyse der Charaktere vor dem Hintergrund historischer Normen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Neben den Hauptkategorien Realismus und Sittenroman sind es vor allem die Begriffe Gilded Age, Emanzipation, Sittengemälde und die internationale Thematik bei Henry James.
Wie bewertet die Autorin das Ende der Novelle im Kontext der Emanzipationsdebatte?
Die Autorin argumentiert gegen die Sichtweise, dass James die Emanzipation ablehnt; stattdessen interpretiert sie Daisys Tod als Konsequenz von Winterbournes Unfähigkeit, sich von steifen viktorianischen Moralvorstellungen zu lösen.
Warum wird der Begriff "Sittenroman" für dieses Werk infrage gestellt?
Da die Novelle klassische Merkmale wie eine starre Ortsgebundenheit nicht konsequent erfüllt, schlägt die Autorin die differenziertere Bezeichnung "Sittengemälde" vor.
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- Nadine Custer (Autor), 2012, Henry James‘ "Daisy Miller". Realismus oder Sittenroman?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263871