Hybrid-Fernsehen – Ein Vergleich der internationalen Entwicklungen anhand von Deutschland, USA, Großbritannien und Australien.


Bachelorarbeit, 2012
62 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurzer Überblick – Fragestellung, Forschungsstand und Me
2.1 Fragestellung und Aufbau der
2.2 Stand der Forschung und Vorgehensweise im Hinblick auf die Arbei

3. Modernes Fernsehen – Digitalisierung, IPTV und Hybr
3.1 Begriffsklärung Fer
3.2 Digitalisierung als Wegbereiter für Hybrid-Fer
3.3 Begriffsklärung IPTV und W
3.4 Definition Hybrid-Fer
3.5 Internet auf dem Fernsehbildschirm – Technologie und Bereitstellung der I
3.6. Zusammenfassung der Hypothesen

4. Internationale Entwicklungen des Hybrid-Fern
4.1 Hybrid-Fernsehen in Deuts
4.1.1 Bisherige Entwi
4.1.2 Regulierung und Finanzierung von Hybrid-Fer
4.1.3 Derzeitiger Entwicklungsstand und Zukunft des Hybrid-Fern
4.2 Hybrid-Fernsehen in de
4.2.1 Bisherige Entwi
4.3.2 Finanzierung von Hybrid-Fer
4.2.3 Derzeitiger Entwicklungsstand und Zukunft des Hybrid-Fern
4.3 Hybrid-Fernsehen in Großbrit
4.3.1 Bisherige Entwi
4.3.2 Finanzierung von Hybrid-Fer
4.3.3 Derzeitiger Entwicklungsstand und Zukunft des Hybrid-Fern
4.4 Hybrid-Fernsehen in Aust
4.4.1 Bisherige Entwi
4.4.2 Finanzierung von Hybrid-Fer
4.4.3 Derzeitiger Entwicklungsstand und Zukunft des Hybrid-Fernsehens

5. Der Vergleich der Entwicklungen von Hybrid-Fernsehen in den vorgestellten L
5.1 Vergleich der bisherigen und aktuellen Entwick
5.2 Vergleich der Erlösmodelle für hybride Fernsehan
5.3 Versuch einer vergleichenden Prognose für die weitere Entwicklung von Hybrid-Fernsehen

6
6.1 Zusammenfassung der Erge
6.2 Resümee und Ausblick

7. Quellenverze
7.1 Monogr
7.2 Samme
7.3 Zeitschriften
7.4 Studien/ Präsenta
7.5 Internetquellen

Abkürzungs- und Begriffsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Fernsehen und Internet sind heutzutage nicht mehr aus dem privaten und dem geschäftlichen Alltag der Menschen wegzudenken. Dabei schreiten die technischen Grundlagen in den Bereichen der Datenübertragung und der Gerätetechnologie stets voran. Jährlich werden international die neuesten Techniken und Produkte auf den verschiedensten Ausstellungen der Länder vorgestellt. Vor allem der internationale Prozess der Digitalisierung sowie die schnelle Verbreitung des World Wide Web bilden dabei wichtige Grundlagen für bisherige und zukünftige Entwicklungen neuer technischer Standards. Mit der fortschreitenden, weltweiten Entwicklung geht ebenfalls eine Tendenz zur Medienkonvergenz, das bedeutet das Zusammenwachsen zweier Medienangebote zu einem Endgerät beziehungsweise einer technologischen Plattform[1], einher. Beispielhaft hierfür stehen die so genannten Smartphones – Mobiltelefone, die zahlreiche Anwendungen wie Telefonie, Fotografie und Internet in sich vereinen. Das Fernsehen und das Internet unterliegen ebenfalls zunehmend diesem Konvergenztrend. Waren Fernsehinhalte bisher über den Computer im Internet konsumierbar, lässt sich nun eine neue Entwicklung erkennen. Die daraus folgende Konvergenz nennt sich „Hybrid-Fernsehen“ oder „Connected TV“ und beschreibt ebenfalls die Verschmelzung von Internet und Fernsehen in einem Endgerät. In diesem Fall ist dieses Endgerät jedoch nicht der Computer sondern der Fernsehbildschirm.

Hybrid-Fernsehen bezeichnet dabei einen Trend, der international zu beobachten ist. Auf Basis neuer technischer Entwicklungen des letzten Jahrzehnts, können verschiedene Internetinhalte nunmehr über das Fernsehgerät konsumiert werden. Dabei ist die Entwicklung dieses Trends nicht in jedem Land gleich. Inhalteanbieter und hybride Fernsehangebote müssen sowohl im jeweiligen nationalen als auch im internationalen Rahmen betrachtet werden, um die Entwicklung von Hybrid-Fernsehen adäquat analysieren zu können.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dieser Genese. Dabei werden die Entwicklung von Hybrid-Fernsehen in Deutschland, den USA, Großbritannien und Australien näher betrachtet und anschließend auf Grundlage dieser Entwicklungsbeschreibungen miteinander verglichen. Dadurch soll herausgefunden werden, inwiefern Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten zwischen den einzelnen nationalen Entwicklungen von Hybrid-Fernsehen bestehen. Innerhalb dieses Vergleichs spielen neben den Entwicklungen auch die Erlösmodelle eine wesentliche Rolle. Letztlich findet auf Grundlage dieser Datenbasis ein kurzer Versuch einer Prognose für die weitere Entwicklung in den einzelnen Ländern statt. Aufgrund dieser fortschreitenden Konvergenzentwicklung ist es für die Medienwissenschaft schließlich essentiell, diese Genese näher zu beobachten und sich der Thematik anzunehmen.

2. Kurzer Überblick – Fragestellung, Forschungsstand und Methoden

2.1 Fragestellung und Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach, wie die Entwicklung von Hybrid-Fernsehen in Deutschland, den USA, Großbritannien und Australien bisher verlief und wie die derzeitigen Entwicklungsstandards in den vorgestellten Ländern darzulegen sind. Zudem werden die Entwicklungsprozesse in den einzelnen Ländern miteinander verglichen. So können zum einen länderspezifische Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten hinsichtlich der technischen Reifephase der notwendigen Technologien untersucht werden. Zum anderen ist es möglich zu analysieren, ob und wie hybride Fernsehangebote von den Anbietern offeriert und letztlich von den Nutzern konsumiert werden. Außerdem kann bezüglich der Entwicklung und Einführung von Hybrid-Fernsehen herausgefunden werden, ob Vorreiter-Länder, aber auch Nachzügler-Länder zu erkennen sind: In welchem der zu untersuchenden Länder wird Hybrid-Fernsehen schon länger angeboten? In welchem Land ist die Entwicklung noch nicht so weit und wie lassen sich die Entwicklungen der einzelnen Länder im Detail betrachten? Dies beinhaltet gleichzeitig die Frage, ob und welche Verflechtungen zwischen den Ländern, deren Technologien und Anbietern hybrider Fernsehangebote hinsichtlich der Entwicklung von Hybrid-Fernsehen eine Rolle spielen. Zu Beginn wird zunächst der Begriff des Hybrid-Fernsehens näher beleuchtet und definiert. Dabei wird die Frage geklärt, welche Technologie die Konvergenz von Internet und Fernsehens ermöglicht. Diese Überlegungen beinhalten zudem eine wesentliche Definition von dem, was in dieser Arbeit überhaupt unter dem Begriff „Fernsehen“ zu verstehen ist. Auf Grundlage dieser Erläuterungen, die zugleich wichtiges Basiswissen für die darauffolgenden Punkte bilden, können die länderspezifischen Entwicklungen des Hybrid-Fernsehens aufgezeigt und letztlich miteinander verglichen werden. Dabei sollen sowohl die Anfänge des Hybrid-Fernsehens als auch der bisherige und derzeitige Entwicklungsgang länderspezifisch betrachtet werden. Dabei werden zudem die Erlösmodelle hybrider Fernsehangebote in den einzelnen Ländern kurz diskutiert. Die leitende Forschungsfrage dieser Arbeit besteht zusammenfassend darin, wie sich das Hybrid-Fernsehen im länderspezifischen Vergleich in Deutschland, den USA, Großbritannien und Australien entwickelt hat und wie der aktuelle Entwicklungsstand in den Ländern aussieht. In diesem Zusammenhang sollen zudem drei selbst abgeleitete Hypothesen auf ihre Gültigkeit untersucht werden. Darüber hinaus wird der Versuch einer vergleichenden Prognose zur Entwicklung von Hybrid-Fernsehen in den vorgestellten Ländern unternommen. Im Fazit wird rückblickend resümiert und die Datenlage sowie die Ergebnisse der Themenbearbeitung zusammengefasst. Ziel ist es, einen adäquaten Überblick über die Entwicklungsphasen von Hybrid-Fernsehen in den vier Beispielländern zu erhalten und sie innerhalb eines Vergleichs hinsichtlich Entwicklungsverlauf und –stand einzuordnen.

2.2 Stand der Forschung und Vorgehensweise im Hinblick auf die Arbeit

Die Forschung befindet sich im Hinblick auf die Untersuchung der Entwicklung und Verbreitung von Hybrid-Fernsehen in einer noch sehr jungen Phase. Neben zahlreicher Literatur, welche sich mit den Grundlagen, zum Beispiel Digitalisierung oder mit dem Thema Fernsehen- und Fernsehlandschaft beschäftigen, finden sich konkrete und ausführliche Abhandlungen zu Hybrid-Fernsehen vorwiegend in aktuellen Zeitschriften, Publikationen von Studienergebnissen oder im Internet. Zwar gibt es einige Medienwissenschaftler, die in ihren Abhandlungen zum Thema Fernsehen bereits auf die Anfänge der Konvergenz zwischen Internet und Fernsehen eingehen, umfassendere Analysen jedoch sind in den meisten Fällen erst kürzlich [Stand: März 2012] erschienen. Aus diesem Grund ist es erforderlich, die Entwicklung des Hybrid-Fernsehens zu beobachten, um den damit einhergehenden Konvergenzprozess in die Forschung der Medienwissenschaft eingliedern zu können. Aufgrund der Aktualität des Themas und der noch jungen Entwicklungs- und Einführungsphase des Hybrid-Fernsehens sind vor allem Studien und Umfragen verschiedener Verbände, beispielsweise der BITKOM, für die Bearbeitung der Forschungsfrage entsprechend relevant. Trotzdem muss darauf hingewiesen werden, dass vor allem im fünften Kapitel nicht immer alle Länder gleichermaßen verglichen werden können. Die Studien, auf die sich Teile der Arbeit stützen, beziehen nicht immer alle vier Beispielländer in ihre Datenerhebungen ein, sodass das jeweils fehlende Land bei der entsprechenden Betrachtung einzeln untersucht werden muss. Aufgrund dieser fehlenden Daten muss vor allem Australien teilweise aus den Betrachtungen ausgeklammert werden. Trotz dieser labilen Datenbasis ist die Betrachtung Australiens ein ebenso wichtiger Teil dieser Untersuchung, da somit ein möglichst weltweiter Blick auf die Entwicklung von Hybrid-Fernsehen realisiert werden kann.

Die Methode zur Bearbeitung des vorliegenden Themas besteht darin, aktuelle Literatur, vor allem in Form von Studienpublikationen, Zeitschriften und Internetauftritten, ergänzend mit Literatur zur theoretischen Fundierung des Themas zu suchen, kritisch aufzubereiten und entsprechend in die Arbeit zu integrieren. Die Bearbeitungszeit dieser Recherche beschränkt sich dabei bis Mitte Mai 2012. Entwicklungen, die Ende Mai oder Anfang Juni 2012 stattfinden, können aufgrund des begrenzten Bearbeitungszeitraums nicht mit eingebunden werden. Dies ist dahingehend relevant, da sich Hybrid-Fernsehen derzeit in einem steten Entwicklungsprozess befindet, der einem ständigen Wandel unterliegt. Auf Grundlage der nationalen Entwicklungsdarstellungen folgt der Vergleich der erfassten Daten und Fakten der länderspezifischen Entwicklung von Hybrid-Fernsehen. Letztlich wird rückblickend resümiert. Dabei werden die Ergebnisse der Arbeit, vor allem in Hinblick auf die Hypothesen zusammengefasst und versucht, einen Ausblick auf die weitere Bearbeitung dieser Thematik aufzuzeichnen.

3. Modernes Fernsehen – Digitalisierung, IPTV und Hybrid TV

In diesem Kapitel werden die Grundlagen der Digitalisierung nähergebracht und Hybrid-Fernsehen definiert. Dabei findet eine klare Differenzierung zu den Begriffen „IPTV“ und „Web-TV“ statt, die in diesem Kapitel kurz definitorisch erläutert werden. Zudem wird aufgezeigt, welche Technologie hinter hybriden Fernsehinhalten steht und wie die Inhalte für hybride Endgeräte bereitgestellt werden. Zugleich werden am Ende dieses Kapitels die Hypothesen zusammengefasst, die sich aus dem Kontext der einzelnen Unterkapitel (3.1 – 3.5) ableiten.

3.1 Begriffsklärung Fernsehen

Das Medium Fernsehen hat seit der erstmaligen Einführung seines Regelbetriebs im Jahr 1935[2] verschiedene Entwicklungsprozesse durchlebt. Die immer fortschreitende Technologie ermöglicht eine stetige Weiterentwicklung der Fernsehgeräte, deren Nutzungsmöglichkeiten, aber auch der Produktion und Übertragung von Fernsehinhalten. Der Medienwissenschaftler Michael Weber definiert Fernsehen wie folgt: „Bei Fernsehen handelt es sich um die Aufnahme von Bewegtbildern und Tönen an einem und deren Wiedergabe an einem anderen Ort.“[3] Innerhalb dieser Arbeit beschreibt der Begriff Fernsehen nicht nur den Fernsehbildschirm oder den Prozess der Datenübertragung und -wahrnehmung, sondern darüber hinaus die gesamte Fernsehtechnik, die in Bereiche wie Produktion, Übertragung und Ausstrahlung aufgeteilt werden kann. Die Entwicklung des Fernsehens basiert dabei auf dem steten Fortschritt aller Bereiche der Fernsehtechnik, zum Beispiel die Bild- oder Tontechnik sowie die Entwicklung schnellerer und mehr effizienter Übertragungsmöglichkeiten.[4] Einer der bedeutendsten Prozesse innerhalb der Fernsehentwicklung ist wohl die Digitalisierung, bei der die analoge Satellitenübertragung in Deutschland bis Ende April 2012 schrittweise durch die Digitale ersetzt wurde. Im Folgenden soll der Prozess der Digitalisierung kurz erläutert werden, da er einen grundlegenden und wichtigen Einfluss in Hinblick auf die Entwicklung von Hybrid-Fernsehen darstellt.

3.2 Digitalisierung als Wegbereiter für Hybrid-Fernsehen

Der Prozess der Digitalisierung fand und findet im gesamten Rundfunkbereich statt. Im Rahmen dieser Arbeit ist jedoch nur die Ebene der Fernsehdigitalisierung im Hinblick auf Hybrid-Fernsehen von Bedeutung: „Digitales Fernsehen ist ein Musterbeispiel für die Medienkonvergenz, d.h. das Zusammenwachsen ehemals getrennter Technologien und Nutzungsweisen zu einem universellen Medium.“[5] Die Digitalisierung kann zudem als wichtige Basis für die Entwicklung von Hybrid-Fernsehen angesehen werden. Durch diesen Prozess ist es erst möglich, Inhalte wie das Internet, die ursprünglich nur für den Computer konzipiert waren, auch auf dem Fernsehbildschirm darzustellen.[6] Der Prozess der Digitalisierung, auch als „digital switchover“ bezeichnet, lief in den einzelnen Vergleichsländern zeitlich versetzt ab. In Deutschland wurde die analoge Satellitenübertragung am 30. April 2012 eingestellt. Zum Vergleich: In den USA fand diese Umstellung bereits im Juni 2009 statt.[7] In Australien ist der Prozess der Digitalisierung ebenfalls noch in vollem Gang. Ziel ist es, bis zum Jahr 2013 alle Gebiete auf den digitalen Fernsehempfang umzustellen.[8] In Großbritannien ist der Prozess ebenfalls noch nicht vollends durchgeführt. In den meisten Gebieten, wie beispielsweise London, fand der digital switchover jedoch bereits statt.[9] Im Folgenden sollen daher wichtige Begriffe und Grundlagen zur Digitalisierung des Fernsehens vermittelt werden. Jedoch stehen dabei weniger die detaillierten technischen Aspekte der digitalen Datenübertragung, sondern mehr die Ausarbeitung einer theoretischen Fundierung für die bessere Verständlichkeit des darauffolgenden Teils dieser Arbeit im Vordergrund.

In der Übertragungstechnik unterscheidet man zunächst zwischen zwei relevanten Übertragungssignalen: Dem analogen und dem digitalen Signal. Der ehemalige Technische Direktor des ZDF, Albrecht Ziemer, definiert die beiden Begriffe wie folgt:

„Das analoge Signal stellt eine Information durch kontinuierliche Größen im Zeit- und Wertebereich dar […]. Das digitale Signal stellt die Information im Zeit- und Wertebereich in einer geordneten Folge von diskreten Werten oder Symbolen dar. Der Zeichenvorrat kann beliebig sein. In der heutigen Digitaltechnik handelt es sich in der Regel um einen binären, d.h. zweiwertigen Zeichenvorrat mit den Elementen 0 und 1, den so genannten Bits.“[10]

Dabei ist es möglich, sowohl digitale Signale in Analoge als auch analoge Signale in Digitale umzuwandeln. Diese Übertragungssignale werden auch als „Mischformen“ oder „Simulcast“[11] bezeichnet. Für die Übertragung analoger Signale spielt die Frequenz eine wesentliche Rolle, wogegen für das digitale Signal die Bits unerlässlich sind.[12] Freyer beschreibt den Begriff des analogen Signals sowie die Nachteile dieser Signalart wie folgt:

„Bei den analogen Signalen handelt es sich um vielwertige Signale, da im Bereich zwischen den kleinsten und einem größten Wert jeder beliebige Wert auftreten kann. Daraus resultieren auch die […] Linearitätsprobleme. Außerdem ist die Nutzung der Frequenzen bzw. Bandbreiten nicht optimal, weil die Nutzung nur für jeweils eine Anwendung möglich ist. Um diese Nachteile zu beheben, bietet sich der Übergang auf digitale Signale an, […].“[13]

Bei der analogen Signalübertragung werden die „Bild- und Tondaten über elektromagnetische Wellen auf terrestrische Frequenzen übertragen und mit einer Haus-, Zimmer- oder Geräteantenne empfangen.“[14] Die digitale Signalübertragung ist jedoch ohne analoge Verläufe nicht möglich, da der Mensch digitale Signale nicht verarbeiten kann. Aus diesem Grund sind auf der Senderseite ein so genannter Analog-Digital-Umsetzer (ADU) und auf Empfängerseite ein Digital-Analog-Umsetzer (DAU) erforderlich. Die Digitalisierung erfolgt dadurch, den kontinuierlichen Verlauf analoger Signale in eine „definierte Folge zweiwertiger Signale umzusetzen“[15]. Anders ausgedrückt: Die digitalen Signale werden zum Zweck der Übertragung in elektromagnetische Frequenzen übertragen und beim Empfänger durch ein entsprechendes Gerät erneut umgewandelt.[16] Diese Zustände werden durch Null (0) und Eins (1) definiert. Diese Elementarbezeichnungen werden „Bit“ genannt, wobei die Angabe der Bitmenge durch die Einheit bit erfolgt.[17] Der Begriff „Bit“ steht sinngemäß übersetzt also für ein Datenzeichen.[18] Nach König bedeutet der Begriff „digital“ zusammenfassend:

„Digital bedeutet einen gemeinsamen Standard, der es ermöglicht, Daten und verschiedene Datentypen, wie Texte, Töne oder bewegte Bilder zu verbinden und in unbegrenzten Variationen darzustellen.“[19]

Hinsichtlich der Digitalisierung des Fernsehens spielt der Begriff der Digitalen Kompressionstechnik eine wesentliche Rolle. Diese Technologie und ihre stete Weiterentwicklung ermöglicht eine weitgehend verlustfreie Datenkompression, wodurch die Information des Originals auf einen möglichst kleinen Raum gespeichert wird.[20] Dies ermöglicht wiederum eine Übertragung vieler Daten ohne Datenverlust. Diese Daten können über verschiedene Wege zum Empfänger übertragen werden. Zunächst unterscheidet man zwischen drei grundlegenden Übertragungswegen, über die sowohl digitale aus auch analoge Daten zum Empfänger gelangen können: Die Terrestrik, die Satellitenübertragung und das Fernsehkabelnetz.[21] Der Diplom Ingenieur Ulrich Freyer zählt das Internet bereits als vierten Übertragungsweg hinzu.[22] Der grundlegende Unterschied zwischen der analogen und der digitalen Signalübertragung besteht nicht im Übertragungsweg, sondern nur in der Unterschiedlichkeit der übertragenen Daten.[23]

Die Digitalisierung spielt für diese Arbeit dahingehend eine relevante Rolle, als dass sie verschiedenartige Veränderungen für das Medium Fernsehen mit sich bringt. Durch die Datenkompression ist es mit dem digitalen Signal nun möglich, viel mehr Fernsehkanäle anzubieten. Zudem ermöglichte die Digitalisierung des Fernsehens ein breites Angebot neuer Fernsehdienste, sei es Richtung interaktivem oder eben Richtung Hybrid-Fernsehen:

„Mit der digitalen Kompressions- und Übertragungstechnik können dem Zuschauer eine Vielzahl von Fernseh- und Hörfunkprogrammen sowie gänzlich neue Dienste (elektronische Programmzeitschriften, Teleshopping usw.) angeboten werden.“[24]

Ein weiterer wichtiger Punkt besteht darin, dass sich durch die digitale Übertragung sowohl Bild- als auch Tonqualität entsprechend verbesserten, was wiederum die Einführung des „HDTV“ (High Definition Television) ermöglichte und sicherlich ein Wegbereiter weiterer Entwicklungen in diese Richtung darstellt.[25] Schließlich wird auch für Hybrid-Fernsehen eine Optimierung der Auflösung der Inhalte aus dem Internet benötigt, um diese entsprechend leserlich auf dem – im Vergleich zum Computerbildschirm – großen und vom Rezipienten weiter entfernten Fernsehbildschirm zu übertragen. Letztlich müssen neben der Vergrößerung von Schrift und Bildern auch die Inhalte der einzelnen Websites im Übertragungsprozess reduziert werden, was mit einer analogen Übertragung nur schwer möglich wäre.[26] Hybrid-Fernsehen fußt also auf den Entwicklungen der Digitalisierung und der technischen Ausreifung der Fernsehgeräte:

„Basis für die hybriden Medienangebote ist die Digitalisierung von Inhalten und Übertragungstechniken, die eine Kombination unterschiedlicher Standards aus dem Rundfunk und der Computerwelt, sowie neue konvergente Technologien ermöglicht.“[27]

Damit digitale Fernsehsignale auch mit einem analogen Fernsehgerät empfangen werden können, ist ein entsprechendes Empfangsgerät notwendig. Hierfür gibt es mehrere Lösungen: Die so genannten Set-Top-Boxen (STB) sind hinsichtlich der Übertragung und dem Empfang digitaler Signale bei analogen Fernsehgeräten eine Möglichkeit. Set-Top-Boxen sind eine Art „Digital Receiver“[28] oder „Beistelldecoder“[29]. Der Begriff wird jedoch klar von der einfachen Bezeichnung „Receiver“ getrennt. Set-Top-Boxen sind vielmehr separate Geräte, die beispielsweise nicht in einem Fernsehgerät oder Videorecorder eingebaut sind. Set-Top-Boxen sind dahingehend relevant, dass sie auch bei analogen Fernsehapparaten einen Empfang digitaler Signale ermöglichen.[30] Die Verbindung zwischen dem analogem Fernsehgerät und der STB wird durch ein „SCART–Kabel“ hergestellt. Ein SCART-Kabel bezeichnet dabei nur ein standardisiertes Verbindungskabel mit entsprechenden Anschlüssen.[31] So sind die Konsumenten nicht gezwungen, ihre Geräte für viel Geld neu zu kaufen und auszutauschen. Auf Anbieterseite haben Set-Top-Boxen den Vorteil, dass Konkurrenzanbieter aus dem Empfang ausgesperrt werden können. Erst bei einem Anbieterwechsel und einem damit verbundenen Austausch des Empfangsgeräts wird der neue Anbieter freigeschaltet. Eine weitere Lösung besteht in einem Multimedia Personal Computer, der als Empfangsmodul eine speziell für DVB–S (Digital Video Broadcasting – Satellite), DVB–C (Digital Video Broadcasting – Cable) oder DVB–T (Digital Video Broadcasting – Terrestrial) konzipierte Steckkarte verwendet. Die dritte und modernste Lösung ist ein „integriertes digitales Fernsehgerät“ (iDTV). Hierbei ist das Empfangsgerät bereits im Fernsehgerät eingebaut, sodass keine zusätzlichen Empfangsgeräte notwendig sind.[32] Im Laufe der Zeit werden sich die digitalen Fernsehgeräte zunehmend durchsetzen und die analogen Fernsehgeräte in den Haushalten ersetzen. Das bedeutet dann gleichzeitig die Festigung eines digitalen Standards, der zudem die Basis neuer Technologien und Medienkonvergenzen, wie beispielsweise Hybrid-Fernsehen, darstellt. Die Digitalisierung bildet demnach eine wichtige Grundlage für die erfolgreiche Verbreitung hybrider Endgeräte. An dieser Stelle lässt sich zugleich die erste Hypothese aufstellen. Diese postuliert, dass sich mit den unterschiedlichen Digitalisierungszeiträumen in den einzelnen Vergleichsländern auch unterschiedlich große Fortschritte hinsichtlich Hybrid-Fernsehen erkennen lassen. Das bedeutet, wenn Hybrid-Fernsehen erfolgreich in das jeweilige Land eingeführt und verbreitet werden soll, dann muss dies vermutlich auf Grundlage moderner Technologien geschehen, die sich wiederum auf den Prozess der Digitalisierung stützten. Beispielsweise wird erst durch die Digitalisierung eine schnellere und größere Datenübertragung möglich, die zugleich die Voraussetzungen für hochauflösendes Fernsehen (HD-TV) und somit auch für Hybrid-Fernsehen schafft. Da die USA den „digital switchover“ bereits im Jahr 2009 vollzogen haben, Deutschland, Australien und UK sich noch inmitten des Prozesses befinden, lässt sich vermuten, dass Hybrid-Fernsehen in den USA weiter entwickelt ist, als in den anderen Vergleichsländern. Es kann angenommen werden, dass sich die Entwicklung von Hybrid-Fernsehen in den USA im Vergleich zu Deutschland, UK und Australien in einer Art technischen Vorreiterposition befindet, die durch eine stärkere Nutzung und Verbreitung gekennzeichnet sein könnte. Zusammenfassend spielt die Digitalisierung eine wesentliche Rolle, denn sie ist als Wegbereiter für technische Innovationen zu bezeichnen.

3.3 Begriffsklärung IPTV und Web-TV

Der Begriff „Internet Protocol Television“ (IPTV) und die Bezeichnung „Web-Television“ (Web-TV) sind ganz klar vom Begriff des „Hybrid-Fernsehens“ abzugrenzen. Zwar haben alle drei Formen die Verbindung von Internet und Fernsehen gemeinsam, doch diese Verbindung wird auf unterschiedlichen Endgeräten ermöglicht. Aufgrund der oftmals synonymen Verwendung der Begriffe IPTV, Web-TV und Hybrid-Fernsehen werden die Begriffe an dieser Stelle kurz definiert.

IPTV beschreibt die Übertragung von Rundfunksignalen über eine Breitbandverbindung. Ein im Internet Protokoll (IP) codiertes Signal wird dabei mit digitalen Rundfunksignalen über einen speziellen Bereich der Breitbandverbindung an den Fernsehhaushalt gesendet. Damit diese Signale (beziehungsweise Sender und Programme) auf dem Fernsehgerät dargestellt werden können, bedarf es einer IPTV-Box oder einem Abonnement, welche von den jeweiligen Anbietern bereit gestellt werden. IPTV gilt bereits als vierter Empfangsweg (neben Terrestrik, Satellit, Kabel) für lineares Fernsehen.[33] Lineares Fernsehen bedeutet in diesem Fall, dass Zuschauer an den vorgegeben Sendeplan und den entsprechenden Fernsehsender gebunden sind und keinerlei Gestaltungsmöglichkeiten zur individuellen Nutzung des Fernsehens besteht.[34]

Web-TV bezeichnet die frei empfangbaren Inhalte, die über das Internet verbreitet werden. Diese Inhalte sind üblicherweise nur auf dem Computerbildschirm darstellbar und konsumierbar.[35]

3.4 Definition Hybrid-Fernsehen

Hybrid Fernseher, auch als „Smart TV“ oder „Connected TV“ bezeichnet, verbinden Internet und Fernsehen in einem Endgerät, welches DVB und IP zu einer Größe zusammenfügt.[36] „Bei hybriden TV-Empfangsgeräten handelt es sich um TV-Geräte mit integriertem Onlineanschluss, die Angebote aus den Welten von TV und Internet verknüpfen können.“[37] Die Bezeichnung hybrid kommt dabei aus dem Lateinischen und steht für etwas „Gebündeltes, Gekreuztes oder Gemischtes“[38]. In der Gesamtbezeichnung „Hybrid-Fernsehen“ beschreibt dies die Möglichkeit, digitale Inhalte aus dem Internet mithilfe eines Hybrid-Fernsehers, einer Set-Top-Box, eines Blu-Ray-Players oder einer Spielkonsole über einen kabellosen oder kabelgebundenen Internetanschluss auf dem Fernsehbildschirm abzubilden. Hybride Fernsehgeräte sind gleichzeitig iDTV Geräte. Dies bedeutet, dass das Empfangsgerät für digitale Inhalte bereits im Fernsehgerät integriert ist.[39] Hybrid-Fernsehen bezeichnet zusammengefasst also die Medienkonvergenz von Fernsehen und Internet, bei der das Hybrid-Fernsehen das traditionelle Fernsehen sowie Fernsehen im Internet in Form vom Web-TV und IPTV um zusätzliche Unterhaltungs- und Informationsangebote aus dem Internet ergänzt.[40] Für den Nutzer bedeutet dies die Möglichkeit, Internet- und Fernsehinhalte auf nur noch einem Endgerät – in diesem Fall dem Fernsehgerät – nutzen zu können. Zwar ließen sich bisher Fernsehinhalte auf dem Computer darstellen, doch Internetinhalte waren nicht für den Fernsehbildschirm ausgerichtet und somit nicht auf diesem nutzbar. Hybrid-Fernsehen gehört somit zum Bereich des nicht-linearen Fernsehens. Im Allgemeinen bedeutet dies, dass die Fernsehrezipienten die Möglichkeit haben, sich vom linearen Fernsehen zu entfernen und Fernsehangebote nach individuellen Wünschen und Interessen nutzen können. Auf vielen Fachmessen und Kongressen findet sich auch der Begriff „Over-the-Top-TV“ (OTT), der sinngemäß ebenfalls die direkte Nutzung von Internetinhalten auf dem Fernsehgerät beschreibt.[41] Der Medienberater und Leiter der deutschen „Arbeitsgruppe Smart TV“ Jürgen Sewczyk beschreibt die Medienkonvergenz des Hybrid-Fernsehens treffend:

„Das Besondere bei dieser aktuellen Entwicklung ist, dass es nicht mehr um einen Wettkampf PC kontra TV-Gerät oder umgekehrt geht, sondern dass die Internet- und Fernsehwelt parallel oder sogar synchron auf dem Bildschirm im Wohnzimmer abgebildet werden können.“[42]

Zusammenfassend beschreibt der Begriff Hybrid-Fernsehen innerhalb dieser Arbeit somit die Konvergenz von Internet und Fernsehen und damit einhergehend die Möglichkeit, Internetinhalte auf dem Fernsehgerät abbilden zu können.

3.5 Internet auf dem Fernsehbildschirm – Technologie und Bereitstellung der Inhalte

Der Empfang der Internetinhalte auf dem Fernsehgerät wird zunächst durch einen gewöhnlichen Internetanschluss realisiert, den der Nutzer durch ein Local Area Network (LAN) oder ein Wireless Local Area Network (WLAN) erhält. Um die Internetinhalte optimal zu empfangen wird ein Internetanschluss mit genügend Bandbreite benötigt.[43] Der Begriff Bandbreite beschreibt dabei den verfügbaren Frequenzbereich eines Systems. Je höher die Bandbreite ist, desto größer ist dieser Bereich und desto mehr Daten können übertragen werden.[44] Zudem ist ein HD-Fernseher oftmals eine wichtige Zusatzvoraussetzung. Nur so lassen sich Text- und Bildinhalte in hoher Qualität darstellen.[45] Ein LAN-Anschluss wird dabei durch ein Kabel möglich, welches an die Buchse des Fernsehgeräts angeschlossen wird und somit die Verbindung zum Internet herstellt. Der WLAN-Anschluss ist ohne Kabel möglich, jedoch wird zur Herstellung ein WLAN-Empfänger benötigt, der entweder direkt am Fernsehgerät oder an einem entsprechenden Verbindungsgerät (zum Beispiel Set-Top-Box) integriert ist.[46] Die Signale und Daten werden dabei über einen der gängigen Übertragungswege (Satellit, Terrestrik, Kabel) an den Empfänger weitergeleitet.[47]

Welche Technologie im hybriden Fernsehgerät eingebaut ist, entscheidet in der Regel der Hersteller. Neben der Programmiersprache Java/ Javascript existiert eine weitere Lösung, die auf der Programmiersprache für WWW-Content, Hypertext Markup Language (HTML) basiert. Dieser für den Computer entwickelte Standard wurde von den Herstellern der Unterhaltungselektronik (Consumer Electronics) für die Nutzung von Fernsehflachbildschirmen zu CE-HTML weiterentwickelt. Seit dem Jahr 2009 wurde für Hybrid-Fernsehen an einem Standard gearbeitet, der auf CE-HTML basiert. CE-HTML umfasst als Standard jedoch nur einige Prozesse der Darstellung von Internetinhalten auf dem Fernsehgerät, weswegen er als alleinige Norm nicht ausreicht. Der darauf basierende Standard wird als Hybrid Broadcast Broadband Television (HbbTV) bezeichnet. HbbTV wurde im Juni 2010 als Norm vom Europäischen Institut für Telekommunikationsnormen (ETSI) bestätigt. Bereits im Jahr 2010 unterstützten weltweit schon circa 70 Unternehmen der CE-Branche die Entwicklung und Durchsetzung von HbbTV, weshalb dem paneuropäischen Standard ein entsprechend großes Potential hinsichtlich einer weltweiten Nutzung zugesprochen wird.[48] HbbTV zeichnet sich zudem durch die Besonderheit der so genannten „Red-Button-Funktion“ aus, die es dem Nutzer ermöglicht, eine interaktive Anwendung innerhalb des laufenden Fernsehprogrammes zu starten und somit durch einen Knopfdruck auf der Fernbedienung zu bestimmten Internetinhalten – den so genannten gebundenen Anwendungen – zu wechseln. HbbTV ist als Norm zudem dahingehend relevant, dass die Anbieter hybrider Fernsehangebote ihre Inhalte dadurch nicht an viele verschiedene Standards von Grund auf immer wieder technisch anpassen müssen.[49] Des Weiteren ist es Anbietern von ungebundenen Anwendungen – das bedeutet programmunabhängigen Internetinhalten – durch HbbTV möglich, ihre Inhalte auf dem Fernsehgerät darzustellen. Hierzu muss der Nutzer keine URL eingeben, was wiederum für eine unkomplizierte Nutzung und eine damit einhergehende Usability spricht.[50] Trotzdem ist zu betonen, dass HbbTV nicht als eine Art Gatekeeper, das heißt Einflussfaktor bei der Bereitstellung von Applikationen oder anderen Inhalten fungiert, sondern nur als allgemeiner Standard zu betrachten ist.[51]

Mit zunehmender Verbreitung des HbbTV-Standards lässt sich zugleich die Hypothese ableiten, dass sich Hybrid-Fernsehen und internationale hybride Fernsehangebote aufgrund der fortschreitenden technischen Entwicklung im Laufe der Zeit unter Ausarbeitung eines gemeinsamen Standards – vermutlich HbbTV – durchsetzen werden. Weltweit agierende Anbieter hybrider Fernsehangebote hätten durch gemeinsamen Standard schließlich die Möglichkeit, ihre Inhalte mit vergleichbar geringem Aufwand für eine breite Masse zugänglich zu machen. Ohne einen gemeinsamen internationalen Standard müssten die Inhalte an die jeweils nationalen Lösungen angepasst werden, was wiederum höheren Aufwand und steigende Kosten mit sich bringen kann. Es lässt sich also ableiten, dass die zunehmende Verbreitung hybrider Geräte und Anwendungen vermutlich mit der Ausarbeitung eines gemeinsamen technischen Standards einhergeht. Einige Faktoren, wie beispielsweise die breite Unterstützung zahlreicher Unternehmen, sprechen dafür, dass HbbTV dabei als internationaler Standard in Zukunft auch über die Grenzen Europas hinaus als Norm akzeptiert werden könnte.

Hinsichtlich der Übertragung von Internetinhalten auf das Fernsehgerät besteht neben der Diskussion um einen gemeinsamen Standard jedoch ein weiteres Problem: Das Layout der jeweiligen Seiten muss für die verschiedenen Größen der Fernsehbildschirme und die unterschiedlichen Abstände zwischen den Rezipienten und ihren Fernsehgeräten optimiert werden. Der anerkannte Durchschnittsabstand zwischen Zuschauer und Fernsehbildschirm liegt bei circa drei Metern. Trotzdem müssen die Bilder und Texte der Internetseiten für die Abbildung auf dem Fernsehgerät durch dieses optimiert werden. Anbieter dieser Inhalte erstellen dafür einen Layoutentwurf. Vorlagen dieses Entwurfs, auch Templates genannt, können schließlich an gesonderte Agenturen mit Spezialisierung auf hybride Endgeräte übermittelt werden. Diese optimieren das Layout für hybride Endgeräte, sodass die Onlineinhalte über bestimmte Schnittstellen auf dem Online Content Management System ohne weitere Bearbeitung durch die Anbieter für den Fernseher abgeholt werden können.[52] Obwohl die Anbieter dieser Inhalte mit dem Hybrid-Fernsehen einen weiteren Verbreitungskanal erschließen können, erhöht sich der Aufwand für die Aufbereitung dieser Inhalte kaum. Der Rezipient kann die Inhalte beispielsweise durch die „Red-Button-Funktion“ auf seinem Fernsehgerät abrufen. Mit einem Knopfdruck ist es ihm möglich, hybride Anwendungen und Inhalte während des laufenden Fernsehprogrammes aufzurufen.[53] Ein grundlegendes Beispiel für eine interaktive Fernsehanwendung, die mit dem Hybrid-Fernsehen möglich wird, ist der Electronic Program Guide (EPG). Er stellt eine Art Online-Programmzeitschrift dar, die direkt über das Fernsehgerät aufrufbar ist und das aktuelle und folgende Fernsehprogramm der nächsten Tage anzeigt.[54] Trotzdem sind noch nicht alle Onlineinhalte auf einem hybriden Fernsehgerät darstellbar, da Bewegtbilder im Internet oftmals mit Hilfe der Software Flash dargestellt werden, diese für Fernsehgeräte jedoch ungeeignet ist. Zum einen sind die Lizenzen sehr teuer, zum anderen basiert die Darstellung mit Flash auf enormen Rechenleistungen, die für ein Fernsehgerät im Vergleich zu einem Computer nur mit überdurchschnittlich teuren Hardware-Einrichtungen umzusetzen wäre.[55]

[...]


[1] Vgl. Marcinkowski, in: Bentele/ Brosius/ Jarren (2006), S. 140.

[2] Vgl. Freyer (2004a), S. 9.

[3] Weber (2009), S. 7.

[4] Vgl. Ziemer (2003), S. 5.

[5] Karstens (2006), S. 93.

[6] Kolling (2007), S. 28.

[7] Vgl. National Association of Broadcasters (2012).

[8] Vgl. Australian Gouvernment (2012).

[9] Vgl. Digital UK (2012).

[10] Ziemer (2003) , S. 21.

[11] Freyer (2004a), S. 11.

[12] Vgl. Freyer (2004a), S. 11.

[13] Freyer (2004a), S. 10.

[14] Weber (2009), S. 7.

[15] Freyer (2004a), S. 10.

[16] Weber (2009), S. 10.

[17] Vgl. Freyer (2004a), S. 10.

[18] Vgl. Ziemer (2003), S. 21.

[19] König (1997), S. 27.

[20] Vgl. Karstens (2006), S. 14.

[21] Vgl. Kolling (2007), S. 28.

[22] Vgl. Freyer (2004a), S. 9.

[23] Weber (2009), S. 10.

[24] Ziemer (2003), S. 245.

[25] Vgl. König (1997), S. 30–34.

[26] Vgl. Sewczyk (2011a), In: tv diskurs 56, Nr. 2/ 2011, S. 33.

[27] Deutsche TV-Plattform (2011), S. 6.

[28] Kolling (2007), S. 19.

[29] Ziemer (2003), S. 246.

[30] Vgl. Karstens (2006), S. 98–99.

[31] Vgl. Freyer (2004b), S. 9.

[32] Vgl. Kolling (2007), S. 19–20.

[33] Vgl. Sewczyk/ Wenk (2012), in: Media Perspektiven Nr. 4/2012, S. 178.

[34] Vgl. Hans Bredow Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg (2012).

[35] Vgl. Deutsche TV-Plattform (2011), S. 8.

[36] Vgl. BITKOM/ Deloitte (2010), S. 34.

[37] Sewczyk (2011a), In: tv diskurs Heft 56, Nr. 2/ 2011, S. 32.

[38] Sewczyk (2011a), In: tv diskurs Heft 56, Nr. 2/ 2011, S. 33.

[39] Vgl. Sewczyk (2011a), In: tv diskurs 56, Nr. 2/ 2011, S. 33.

[40] Vgl. BITKOM/ Deloitte (2010), S. 34.

[41] Vgl. Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (Lfm) (2011), S. 10.

[42] Sewczyk (2011a), In: tv diskurs Heft 56, Nr. 2/ 2011, S. 32.

[43] Vgl. Sewczyk (2011a), In: tv diskurs Heft 56, Nr. 2/ 2011, S. 33.

[44] Vgl. o.V. (o. J.).

[45] Vgl. o.V. (2011).

[46] Vgl. Sewczyk (2011a), In: tv diskurs Heft 56, Nr. 2/ 2011, S. 33.

[47] Vgl. BITKOM/ Deloitte (2010), S. 34.

[48] Vgl. Prahl, in: Themen + Frequenzen Nr. 02/ 2011, S. 5.

[49] Vgl. Sweczyk (2011c), In: Medienbulletin, Nr. 04/2011, S. 31.

[50] Vgl. Deutsche TV-Plattform (2011), S. 11.

[51] Vgl. Dr. K. Illgner-Fehns (25.04.2012), S. 5.

[52] Vgl. Sewczyk (2011a), In: tv diskurs Heft 56, Nr. 2/ 2011, S. 34–35.

[53] Vgl. Friedrichs, in: Themen + Frequenzen Nr. 02/ 2011, S. 15.

[54] Vgl. ARD (17.02.2011).

[55] Vgl. Sewczyk (2011a), In: tv diskurs Heft 56, Nr. 2/ 2011, S. 35.

Ende der Leseprobe aus 62 Seiten

Details

Titel
Hybrid-Fernsehen – Ein Vergleich der internationalen Entwicklungen anhand von Deutschland, USA, Großbritannien und Australien.
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft)
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
62
Katalognummer
V263937
ISBN (eBook)
9783656529316
ISBN (Buch)
9783656538523
Dateigröße
771 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hybrid-fernsehen, vergleich, entwicklungen, deutschland, großbritannien, australien
Arbeit zitieren
Sarah Asic (Autor), 2012, Hybrid-Fernsehen – Ein Vergleich der internationalen Entwicklungen anhand von Deutschland, USA, Großbritannien und Australien., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/263937

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